Wenn ich in der Flut der Probleme stecke, als bedrohter Mensch oder als Helfenwollender, dann kann es wichtig sein, nicht zu sehr gegen die Probleme zu kämpfen, da, wo sie übermächtig sind. Das verbraucht sehr viel Energie. Wenn es mir gelingt, stattdessen nur da zu handeln, wo ich Energiereserven und Gestaltungsmöglichkeiten bemerke, spare ich Kraft. Wenn ich im Spüren der Möglichkeiten bleibe – manchmal kann ich die Kraft des Problems für eine Rettung nutzen.
Als Kinder badeten wir einmal an einem Strand mit einer starken Brandung. Zwei Meter und noch höher türmten sich die Wellen, bevor sie donnernd auf dem Sand zerbrachen. Um nicht von ihnen umgeworfen zu werden, lernten wir, uns von den Wellen emporheben zu lassen. Es galt, auf eine solche Welle zu warten, bis ihre Schaumkrone beinahe über uns stand. Sprangen wir zu früh, dann sanken wir in die Welle hinein. Dann mussten wir lange die Luft anhalten, bis die Welle mit ihrer Wucht vorüber war. Sprangen wir zu spät, konnte es passieren, dass wir gar nicht mehr nach oben kamen. Die Welle presste uns mit auf den Strand. Wir lagen hilflos auf dem Grund, bis sie vorüber war. Sprangen wir aber in dem Augenblick, wenn die Welle uns ein klein wenig nach oben hob und nutzten wir ihre Kraft für unseren Sprung, dann trug sie uns hoch bis auf ihren Kamm, zog mit einem kleinen Platsch an unserem Gesicht vorbei und ließ uns sanft auf ihrem Rücken zu Tal gleiten. Allmählich lernten wir, Welle um Welle zu meistern.