Mit Geschichten durch die Krise – Teil 4: Ein neuer Morgen

Für die, denen es allmählich langt, und für alle, die nach Ostern gerne wieder aus der Krise auftauchen möchten…

Die Geschichte findet ihr in dem Buch „Wie das Krokodil zum Fliegen kam“ (Reinhardt 2016), von Katharina Lamprecht, Adrian Hürzeler, Martin Niedermann und mir, auf S. 90.

Trance für Corona-positiv Getestete

Hier ist eine Trance von Dr. med. Sabine Fruth für Menschen, die positiv auf das Corona-Virus getestet worden sind, ohne Symptome an sich bemerken – und für diejenigen, die vermuten, dass sie sich nach einem Kontakt mit einem Patienten infiziert haben können. Die Trance ist sorgfältig nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, jedoch auch im Wissen um die Vorläufigkeit von allem, was wir bisher zu der Erkrankung sagen können.

Ich sage manchmal zu meinen Klienten: „Sagen Sie Ihrem Körper einen Gruß, er soll alles so anpassen, dass es noch besser ist, als ich es in Worte fassen kann!“

Hypnotische Trance für Corona-positiv getestete Menschen (Sabine Fruth)

Hypnotische Trancen zu Corona

Sabine Fruth arbeitet im Bereich der Hypnotherapie und bietet Seminare für Therapeuten und Berater an. Sie ist Ärztin für Allgemeinmedizin, Psychotherapeutin und Fachautorin („Haus des Wissens“, imaginäre Körperreisen). Sabine hat zusammengetragen, was sie an medizinischem Wissen zu Corona finden konnte, hat andere Ärzte befragt, die bereits Patienten mit Corona behandelt haben und sich bei Patienten, die erkrankt bzw. wieder genesen waren, nach deren Erfahrungen erkundigt.

Sie schreibt: „Sobald jemand infiziert ist, sollten wir das Immunsystem nicht uneingeschränkt anregen! Die meisten Probleme im Verlauf entstehen, wenn das Immunsystem überschießend reagiert. Wenn es später zu massiven Lungenproblemen kommt, prägte sich bei mir der Satz der Intensivärzte ein: ‚Die Patienten sterben nicht an dem Virus, sondern an ihrer überschießenden Immunreaktion!'“

Ähnlich erklärte es mir eine andere Ärztin: „Übertreib’s nicht mit Echinacaea und all den immunstärkenden Mitteln. Das Problem bei denen, die Probleme kriegen, ist nicht, dass das Immunsystem zu schwach wäre, sondern, dass es zu stark reagiert.“

Einer Freundin, die sich infiziert hatte, erklärte ich es gestern so: „Erinnerst du dich an die Brandschutzübungen in der Schulzeit? Ganz ruhig lief das ab. Selbst, als wir dann einen echten Bombenalarm in der Schule hatten, sind wir ganz zivilisiert rausgelaufen, in Zweierreihen. Genau so soll dein Immunsystem das machen.“ Wahrheitsgemäß fügte ich hinzu: „Letzten Endes haben sie dann gar nichts gefunden im Schulgebäude, es war nur eine anonyme Drohung. Aber es war gut, zu sehen, dass die Übung auch in diesem Fall funktionierte.“

Ich habe zu ihr gesagt: „Frag doch mal deinen Körper, mit wie wenigen Symptomen er den Erreger bekämpfen kann! Und du passt auf, dass du dich derweil ein bisschen schonst. Die Symptome werden nämlich nicht von dem Virus, sondern von der Abwehr produziert, und erstaunlicherweise braucht der Körper die meisten Symptome gar nicht, um die Viren zu bekämpfen. Sie sind vermutlich eher dazu da, um dich dazu zu bringen, dass du dich zurückhältst und nicht so viel Energie verbrauchst, die er gerade für die Heilung benötigt.

Mit Sabine Fruths Erlaubnis kommen in den nächsten Tagen Trancen zum guten Umgang mit Corona – nein, nicht mit der Ausgangssperre, den wirtschaftlichen Einbußen oder der Frage, wie man die Kinder unterhält, sondern zum Umgang mit der Erkrankung selbst.

3. Internationales Festival des Therapeutischen Erzählens

Am 15.- 18. Oktober 2020 findet in Otterberg/ Pfalz das 3. Internationale Festival des Therapeutischen Erzählens statt.

Organisiert wird das Festival vom Institut für Hypno-Systemische Beratung (hsb) in Kaiserslautern und dem Institute Milton H. Erickson Luxembourg (IMHEL). 

3 Kontinente, 12 Länder, über 20 Referentinnen und Referenten: Ärzte, Psychologen, Coaches, Pädagogen, Heilpraktiker und Seelsorger bereichern das Festival des Therapeutischen Erzählens.

Mit dabei sind unter Anderem Charles Naceur Aceval (Algerien), Reinhold Bartl (Österreich), Marie-Jeanne Bremer (Luxemburg), Stefan Hammel, Annalisa Neumeyer und Daniel Wilk (Deutschland), Laurence Sugarman, Eric Greenleaf (USA), Maren Lindheim, Ragnhild Fretland (Norwegen), Christine Guilloux (Frankreich), Adrian Hürzeler und Martin Niedermann (Schweiz), Kathleen Long (UK).

Die Zertifizierung für Ärzte und Psychologen ist bei der Ärztekammer beantragt.

Ein Video zur Tagung sowie weitere Informationen finden Sie unter https://www.erzaehl-festival.de/. Dort sind die Referenten und die bereits feststehenden Workshops aufgeführt.

Der Festivalpreis beträgt 460 €. Der Frühbucherpreis bis März 2020 beträgt 430 €. 

Um sich für das Internationale Festival des Therapeutischen Erzählens als Teilnehmer anzumelden, füllen Sie bitte das Formular auf der Festivalseite aus. Wir schicken Ihnen dann Anmeldeunterlagen, Rechnung und andere gewünschte Informationen in den nächsten Tagen zu. 

Für Fragen erreichen Sie uns unter ifte@hsb-westpfalz.de  oder telefonisch unter 0049-631-3702093 (Institut für Hypno-Systemische Beratung).

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!

Therapeutisches Modellieren – die Seminarreihe auf Video

Im vergangenen Jahr waren die Kameraleute des Audio-Verlag Auditorium Netzwerk bei uns in Kaiserslautern zu Besuch und haben die Ausbildung „Therapeutisches Modellieren“ komplett gefilmt, insgesamt 4 Seminare oder 12 Seminartage, insgesamt etwa 50 Stunden Filmmaterial (im Schnitt etwa 13 Stunden pro Seminar). Seit Januar sind jetzt alle Seminare veröffentlicht. Die Videos könnt ihr bei mir (stefanhammel(at)hsb-westpfalz.de) oder über den Shop (siehe Menüleiste oben) beziehen, zum Einführungspreis von 57 Euro pro Seminar oder 182 Euro für alle vier Seminare.

Die Themen der vier Seminare zum Therapeutischen Modellieren („Stühlespiele“) sind:

Seminar I: Subtraktion, Addition und Transformation von Lebensoptionen, Ethik
Seminar II: Körpersprache und Stimme wahrnehmen, deuten, beschreiben und nutzen
Seminar III: Dramaturgie, Metaphern, Symbolfiguren und Klone als Helfer, Schmerz
Seminar IV: Verbale Implikationen nutzen. Paare, Familien, Teams

Ich finde, sie sind gut geworden und freue mich darüber!
Vielleicht ja ihr auch… 😉 Und für alle, die in diese Welt eintauchen möchten: Viel Spaß beim Zuschauen, Zuhören und Lernen!

 

 

 

 

2. Internationales Festival des Therapeutischen Erzählens

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Noch bis zum 5. April geht der aktuelle Rabatt von 320 statt am Ende 360 Euro Teilnahmegebühr für das 2. Internationale Festival des Therapeutischen Erzählens in Otterbach / Pfalz.
(Eine spätere Stornierung ist bis 3 Wochen vorher gegen 25 Euro Gebühr möglich.)

Am 5.-7. Oktober 2018 findet das Festival bei Kaiserslautern zum zweiten Mal statt, organisiert vom Institut für Hypno-Systemische Beratung (hsb) in Kaiserslautern und dem Institute Milton H. Erickson Luxembourg (IMHEL).

Mit dabei sind Reinhold Bartl, Ben Furman, Stefan Hammel, Annalisa Neumeyer, Daniel Wilk und weitere Gäste aus insgesamt 10 Ländern und 3 Kontinenten.

Die Tagung ist von der zuständigen Ärztekammer zertifiziert. Ein Video zur Tagung, ein Anmeldeformular, die Beschreibung der Workshops, der Referenten, des Abendprogramms sowie weitere Informationen finden Sie unter www.stefanhammel.de/festival.

Die Rafinessen Erickson’scher Hypnose, Seminar mit Dan Short

Am Wochenende war ich auf dem Hypnotherapiekongress in Bad Kissingen. Sehr beeindruckt hat mich der Workshop von Dan Short zu Conversational Hypnosis, was man etwa als „beiläufige Hypnose im Gespräch“ übersetzen könnte. Selten, wenn überhaupt irgendwann, habe ich den Eindruck gehabt, jemandem zu begegnen, der etwa so arbeitet wie der Pionier der Hypnotherapie Milton Erickson. Hier hatte ich genau diesen Eindruck. Dan Short ist ein Mensch, von dem Therapeuten (nicht nur Hypnotherapeuten enorm viel lernen können. Jemand, der die Methodik, die Ethik und Haltung Erickson’scher Hypnotherapie wirklich umfassend (und eben nicht auf Hypnose-Prinzipien beschränkt) vermittelt. Dan Short kommt dieses Jahr noch einmal nach Deutschland, im Juli. Wer ihn gerne kennenlernen möchte, hat dazu bei einem Seminar in Köln die Gelegenheit. Wer daran interessiert ist, kann sich beim MEIK in Köln anmelden... 🙂

Seminare und Veranstaltungen mit Stefan Hammel 2018/19

Hier möchte ich den aktuellen Plan der Workshops und Seminare für 2018 und, soweit schon bekannt, 2019 vorstellen. Vereinzelt können noch Seminare und Kongressworkshops dazukommen, insbesondere natürlich für 2019.

19.-21.1.18: Kaiserslautern, hsb – Hypnosystemische Ausbildung, Teil A “Therapeutische Hypnose”, Seminar 4: Mehrebenenkommunikation, Körpersprache, Arbeit mit Implikationen und Utilisation

24.-25.2.18: München, SySt: Einführung in das Therapeutische Erzählen

16.-18.2.18: Kaiserslautern, hsb – Hypnosystemische Ausbildung, Teil B “Therapeutisches Erzählen”, Seminar 1: Grundtechniken, Arbeit mit Metaphern der Klienten, spontane Geschichten

17.3.2018: Bad Kissingen, MEG-Jahrestagung: Workshop: „Wie das Unmögliche möglich und das Mögliche unmöglich wird – Therapeutisches Modellieren als Arbeit an den Grenzen des bisherig Wirklichen“

23.-25.3.2018: Kaiserslautern, hsb – Hypnosystemische Ausbildung, Teil B “Therapeutisches Erzählen”, Seminar 2: Probleme trennen, Lösungen verbinden: Verknüpfendes und entknüpfendes Erzählen

13.-14.4.2018: Wien, VPA: Von Grashalmen und Oasen – Wie man die Kunst des Therapeutischen Erzählens erlernt

20.-22.4.17: Kaiserslautern, hsb – Hypnosystemische Ausbildung, Teil B “Therapeutisches Erzählen”, Seminar 3: Innere Landschaften und Landkarten

25.-27.5.2018: Kaiserslautern, hsb – Hypnosystemische Ausbildung, Teil B “Therapeutisches Erzählen”, Seminar 4: Therapeutische Geschichten entwickeln

15.-17.6.2018: Kaiserslautern, hsb – Hypnosystemische Ausbildung, Teil C “Therapeutisches Modellieren”, Seminar 1: Subtraktion, Addition und Transformation von Lebensmöglichkeiten

6.-8.7.2018: Kaiserslautern, hsb – Hypnosystemische Ausbildung, Teil C “Therapeutisches Modellieren”, Seminar 2: Dramaturgie, Formung und Stabilisieren von Zielerleben.

21.7.2018: Innsbruck, mei, Tagung „Begegnungen auf Augenhöhe“, Geschichten und Metaphern in der Therapie

24.-26.8.2018: Kaiserslautern, hsb – Hypnosystemische Ausbildung, Teil C “Therapeutisches Modellieren”, Seminar 3: Integration des Therapeutischen Erzählens, Arbeit mit Symbolfiguren.

1.-2.9.2018: München, SySt: Das Sofa des Glücks – Therapeutisches Modellieren für Paare und Partner

13.9.2018 München, Jahrestagung der bke (Bundeskonferenz für Erziehungsberatung), Einführung in das Therapeutische Erzählen

14.9.-15.9.2018 Heidelberg, IGST: Das Sofa des Glücks. Therapeutisches Modellieren mit Paaren

21.-23.9.2018: Kaiserslautern, hsb – Hypnosystemische Ausbildung, Teil C “Therapeutisches Modellieren”, Seminar 4:Paar- und Familientherapie, Arbeit mit Teams und Gruppen.

17.-18.9.2018: München, istob: „Die Leute, die ich sein kann – Einführung in das Therapeutische Modellieren“

6.10.2018: Otterberg / Pfalz: 2. Internationales Festival des Therapeutischen Erzählens: Vortrag: „Grüße und andere Kurzinterventionen in der Therapie von Trauma und Depression“

7.10.2018: Otterberg / Pfalz: 2. Internationales Festival des Therapeutischen Erzählens: Demonstration: „Therapeutisches Erzählen und Therapeutisches Modellieren in der Paartherapie“

19.-21.10.2018: Kaiserslautern, hsb – Hypnosystemische Ausbildung, Teil A “Erickson und die Hypnose”, Seminar 1: Grundlagen, verbale Tranceinduktionen, Ethik und Methodik, Suggestive Verfahren, Wahrnehmung und Nutzung von Rapport

25.-26.10.2018 Chemnitz, SIS: Einführung in das Therapeutische Erzählen

16.-18.11.2018: Kaiserslautern, hsb – Hypnosystemische Ausbildung, Teil A “Erickson und die Hypnose”, Seminar 2: Anamnese, Therapieaufbau, Utilisation

14.-16.12.2018: Kaiserslautern, hsb – Hypnosystemische Ausbildung, Teil A “Erickson und die Hypnose”, Seminar 3: Nonverbale Induktionstechniken, therapeutische Arbeit mit Trancephänomenen

18.-20.1.2019: Kaiserslautern, hsb – Hypnosystemische Ausbildung, Teil A “Erickson und die Hypnose”, Seminar 4: Implikationen, indirekte Kommunikation, Mehrebenenkommunikation, Utilisation

15.-17.2.2019: Kaiserslautern, hsb – Hypnosystemische Ausbildung, Teil B “Therapeutisches Erzählen”, Seminar 1: Grundtechniken, Arbeit mit Metaphern der Klienten, spontane Geschichten

8.-10.3.2019: Kaiserslautern, hsb – Hypnosystemische Ausbildung, Teil B “Therapeutisches Erzählen”, Seminar 2: Probleme trennen, Lösungen verbinden: Verknüpfendes und entknüpfendes Erzählen

23.3.2019: Bad Kissingen, MEG-Jahrestagung: Workshop Therapeutisches Modellieren (wahrscheinlich)

12.-14.4.2019: Kaiserslautern, hsb – Hypnosystemische Ausbildung, Teil B “Therapeutisches Erzählen”, Seminar 3: Innere Landschaften und Landkarten

3.5.2019 Bad Liebenzell, Internationale Hochschule Liebenzell: Seminartag „Einführung in das Therapeutische Erzählen“

17.-19.5.2019: Kaiserslautern, hsb – Hypnosystemische Ausbildung, Teil B “Therapeutisches Erzählen”, Seminar 4: Therapeutische Geschichten entwickeln

25.-26.5.2019: München, SySt: Therapeutisches Erzählen

14.-16.6.2019: Kaiserslautern, hsb – Hypnosystemische Ausbildung, Teil C “Therapeutisches Modellieren”, Seminar 1: Subtraktion, Addition und Transformation von Lebensmöglichkeiten

5.-7.7.2019: Kaiserslautern, hsb – Hypnosystemische Ausbildung, Teil C “Therapeutisches Modellieren”, Seminar 2: Dramaturgie, Formung und Stabilisieren von Zielerleben.

20.-21.7.2019: München, SySt: Das Sofa des Glücks – Therapeutisches Modellieren für Paare und Partner

3.-25.8.2019: Kaiserslautern, hsb – Hypnosystemische Ausbildung, Teil C “Therapeutisches Modellieren”, Seminar 3: Integration des Therapeutischen Erzählens, Arbeit mit Symbolfiguren.

20.-22.9.2019: Kaiserslautern, hsb – Hypnosystemische Ausbildung, Teil C “Therapeutisches Modellieren”, Seminar 4:Paar- und Familientherapie, Arbeit mit Teams und Gruppen.

29.-30.10.2019: Chemnitz, SIS: Einführung in das Therapeutische Erzählen

Weitere Termine auf Anfrage!

Gefangener Vogel

Vor vielen Jahren besuchte ich mit einer Reisegruppe das Konzentrationslager Auschwitz. Es war eine organisierte Busfahrt. Ich kannte die anderen Reisenden nicht. So war ich allein auf dem Gelände unterwegs. Kurz vor der vereinbarten Zeit für die Rückfahrt – ich musste eigentlich schon zurückkehren – beschloss ich, noch einen Abstecher zu einem Wachtturm am hinteren Ende des Geländes zu unternehmen. Es war ein Stück Weg bis dorthin und ich beeilte mich, zügig hinzukommen. Die Tür zum Turm stand offen. Ich ging hinauf, um von oben auf das Gelände zu schauen. Vielleicht war es der Versuch, zu erahnen, was ein Aufseher von dort gesehen, gedacht und gefühlt haben mag.

Oben angekommen erwartete mich eine Überraschung. In dem überdachten und verglasten Raum auf der Plattform suchte ein Vogel den Weg nach draußen. Wieder und wieder flog er gegen die Scheiben. Wie war er dort hineingekommen? Ich schaute mich um und fand in einer der Scheiben ein faustgroßes Loch. Ich war mir nicht sicher, ob der Fahrer auf dem Parkplatz meine Abwesenheit bemerken und auf mich warten würde. Ich musste zum Bus. Andererseits war hier der Vogel, gefangen im Überwachungsraum auf dem Turm. Ich konnte nichts gegen das große Elend von damals tun, aber musste ich nicht etwas gegen das Elend von heute tun, auch wenn es viel kleiner erschien? Mich jammerte das Tier in seiner Angst. Und gleichzeitig – war das abergläubisch? – schien es, als hätte sich in ihm eine Seele verkörpert, die den Weg in die Freiheit nicht fand.

„Du musst zum Bus!“, sagte eine Stimme in mir. „Der Vogel wird das Loch schon irgendwann finden.“ „Du kannst nicht weg, wenn der Vogel hier drinnen ist!“, sagte eine andere Stimme in mir. „Wenn du jetzt weggehst, bist du einer von denen, die wegschauen, die nichts lernen, die nichts zum Besseren wenden!“ Ich versuchte, den Vogel zu fangen. Seine Angst wurde größer. Immer hektischer flog er gegen die Fenster. Schließlich ließ er sich nach unten fallen und versteckte sich hinter einer Holzvertäfelung, einer Art doppelten Wand. Vielleicht war der Raum früher isoliert gewesen, um ihn im Winter beheizen zu können. Ich fasste hinter die Vertäfelung. Es gelang mir, den Vogel in eine Ecke zu drängen. Ich griff nach ihm und hielt ihn in meinen hohlen Händen. Langsam zog ich ihn heraus. Ich hielt die Hände vor das Loch. Vorsichtig öffnete ich sie. Der Vogel flog heraus. Er war frei.

Ich machte mich auf den Rückweg. Vor meinem inneren Auge sah ich Berge von Schuhen, Berge von Brillen, einen Berg von Asche. Vor allem aber sah ich einen Vogel, der seinem Gefängnis entronnen war. Er hatte mein Herz berührt.