Der Ureinwohner

Auch diese Geschichte stammt von meiner Kollegin Bettina Betz aus Mainz. :-). Gruß Stefan Hammel

Als ich Klaus zum ersten Mal traf, hätte ich ihn beinahe für einen Südamerikaner gehalten. Vielleicht wegen der langen Haare, die er zum Zopf gebunden trägt, wegen der gebräunten Haut, der dunklen Augen?
Tatsächlich ist er mit seiner Frau viel in Ecuador unterwegs. Eigentlich stammt er aber von der Schwäbischen Alb und ist in der Eifel aufgewachsen, wo er auch seine Frau kennengelernt hat. Die beiden wohnen seit vielen Jahren in Mainz. Aber schon oft waren sie nicht zu Hause, sondern irgendwo auf der Welt zu finden: Schweden, Italien, Kolumbien, Australien, Neuseeland …
Einmal führte sie der Weg nach Süd-Afrika. Dort geschah es mitten in Pretoria, dass Klaus von einer japanischen Reisegruppe angesprochen wurde: Ob er ein Ureinwohner sei, wollte jemand – auf Englisch – wissen.
Klaus zögerte kurz, dann bejahte er die Frage.
Daraufhin wurde er begeistert von allen Seiten fotografiert.

Morbus Feivel – anhören und anstecken!

Die Geschichte „Morbus Feivel“, die ich neulich hier veröffentlicht habe, gibt es jetzt auch als Podcast zum Anhören. Moderiert hat den Beitrag Nana Sattler von Radio Korneuburg, die Sprecherin der Geschichte ist Ingrid Jenken, Psychotherapeutin in Wien. Hier ist der Link zur Hörversion. Viel Spaß beim Anhören!

Hypnosystemische Video-Seminare

Die Umstellung ist Corona geschuldet, ich hoffe aber, dass sie neben ersichtlichen Nachteilen auch deutliche Vorteile für alle haben wird… Ab sofort finden die Kaiserslauterer hypnosystemischen Seminare als Online-Seminare per Zoom statt. Das März-Seminar wird gemischt („hybrid“) mit physisch anwesenden und digital zugeschalteten Teilnehmern stattfinden. Ab April werden die Seminare dann rein digital gestaltet. Meine Erfahrung ist, dass sich üblicherweise alle recht schnell an eine solche Art der Kommunikation, des Lehrens und voneinander Lernens gewöhnen.

Für die Teilnehmer wird es spätestens ab dem April-Seminar anschließend ein Video zum eigenen Gebrauch geben.

Wer interessiert ist, teilzunehmen, aber noch nicht weiß, ob ihm diese Art des Lernens liegt, kann nach vorheriger Absprache jeweils am Freitag für einige Stunden am Seminar teilnehmen und dann entscheiden, ob er für das weitere Wochenende dabei sein möchte.

Wer gerne dabei sein möchte oder ein generelles Interesse hat, schreibt mir bitte eine E-mail. Für Ärzte und Psychologen: Die Seminare sind mit 30 Punkten pro Wochenende zertifiziert – um ganz sicher zu sein, frage ich bei der Ärztekammer nach, ob angesichts der aktuell besonderen Situation Online-Seminare mit Blick auf die Punkte anerkannt werden. Sprecht mich bei Bedarf darauf an.

Zur Erinnerung schreibe ich euch hier noch einmal die nächsten Termine.

Therapeutisches Erzählen:

27.-29.3.2020: Verknüpfendes und entknüpfendes Erzählen
17.-19.4.2020: Innere Landschaften und Landkarten
15.-17.5.2020: Therapeutische Geschichten entwickeln

Therapeutisches Modellieren:

5.-7.6.2020: Subtraktion, Addition und Transformation von Lebensmöglichkeiten
3.-5.7.2020: Dramaturgie, Formung und Stabilisieren von Zielerleben.
21.-23.8.2020: Integration des Therapeutischen Erzählens, Arbeit mit Symbolfiguren.
18.-20.9.2020: Paar- und Familientherapie, Arbeit mit Teams und Gruppen.

Therapeutische Hypnose:

9.-11.10.2020: Trance, Rapport und Suggestion
20.-22.11.2020: Therapieaufbau und Anamnese
11.-13.10.2020: Utilisation
15.-17.1.2021: Implikationen, indirekte Kommunikation, Mehrebenenkommunikation

Therapie in Zeiten von Corona – telefonisch, per Zoom oder Skype

„Wenn das hier vorbei ist, ist nichts mehr, wie es war…“ Diesen Satz hört man öfter, aber im Fall der Corona-Krise scheint er zutreffender als in vielen früheren Fällen. Auch, weil es nicht so bald vorbei sein wird. Jedenfalls nicht mehr in diesem Jahr…

Viele Restaurants werden auf Dauer schließen, Bringdienste für Essen werden boomen. Der Online-Lebensmittelhandel wird sich trotz geöffneter Supermärkte rasant entwickeln, weil viele – allen voran Ältere und Kranke – sich nicht beim Einkauf anstecken möchten. Überhaupt der Online-Handel: Nachdem wir uns daran gewöhnt haben, fast alles per Knopfdruck zu kaufen, werden unsere Einkaufsgewohnheiten so verändert sein, dass viele Läden auch nicht wieder zu öffnen brauchen.

Beratung und Therapie sind prinzipiell weiter „in echt“ möglich. Daran werden vermutlich auch Ausgangsbeschränkungen und Einschränkungen der Versammlungsfreiheit nichts ändern. Trotzdem werden die Gespräche immer häufiger per Telefon und Bild-Telefon stattfinden – weil Klienten und Beratende sich vor einer Corona-Infektion schützen möchten. Ich selbst gehöre aufgrund von Vorerkrankungen offiziell zur sogenannten „Risikogruppe“. So halte ich jetzt alle Therapien, Supervisionen und Coachings per Telefon und Skype bzw. Zoom-Videokonferenz. Auch Paar- und Familientherapie finden in diesem Rahmen statt. Die Erfahrung zeigt, dass Menschen sich an diese neue Art der Kommunikation meistens innerhalb von Minuten gewöhnen.

Vielleicht hat es ja auch Vorteile so… wir entdecken, dass Therapie und Beratung über hunderte und tausende von Kilometern, über Ländergrenzen und Ozeane hinweg stattfinden und gut tun kann. Ich lade euch ein, genau das mit mir auszuprobieren!

Ansteckungsgefahr

Vor einiger Zeit war ich bei der Familie meiner Schwester zu Besuch.

Gleich zu Beginn habe ich aus einem Wasserglas getrunken, das vor mir stand.

“Hast du daraus getrunken?”, fragte meine Schwester. „Das Glas gehört Luise. Sie ist sehr ansteckend.”

Ich beugte mich über das Glas und schleuderte die Worte hinein: “Passt auf, dass ihr euch nicht mit Stefan ansteckt!”

Dann trank ich das Glas aus. Mehr passierte nicht. Mir jedenfalls nicht.

(Stefan Hammel, Handbuch des therapeutischen Erzählens, 56)

Morbus Feivel

Die Stadt Chelm wurde zur Brutstätte einer seltsamen Epidemie. Und das kam so. Angesichts der vielen und vielfältigen Erkrankungen in seiner Stadt bedachte Feivel der Arzt einmal, wie viel schneller und leichter es in Anbetracht der wenigen wirklich gesunden Bürger sein dürfte, anstatt zu untersuchen, welcher der Bürger an welcher Krankheit litte, umgekehrt festzustellen, wer von einer Gesundheit befallen sei und, damit die Arbeit nicht unangemessen einfach würde, mit welcher Art seine Gesundheit sei.

Bei einem Patienten, der keinen Beinbruch hatte, stellte er eine Knochengesundheit fest, bei einem weiteren eine Herzgesundheit, bei einem dritten eine schwere Hautgesundheit, und so fort. Bei Schlemihl stellte er eine unentzündliche Gesundheit des Zahnfleisches fest. Auf Schlemihls Nachfrage, was das sei, murmelte der Arzt, der sich bereits seinem nächsten Patienten zugewandt hatte: „Morbus Feivel, Krankheitszerfall im fortgeschrittenen Stadium.“

Schlemihl verstand nicht genau die Bedeutung dieser Worte. Er wollte jedoch seine Unwissenheit nicht durch Nachfragen offenbaren, und so ließ er die Diagnose auf sich beruhen.

Als seine Frau ihn zuhause fragte, was der Arzt bei ihm festgestellt hätte, antwortete er knapp: „Ansteckende Gesundheit“.

Schlemihls Frau wunderte sich, wie es möglich sei, dass sie und die Kinder, obwohl sie doch auf engstem Raum mit Schlemihl zusammen lebten, noch erkältet seien. Als sie Feivel fragte, klärte er sie auf: „Das liegt an der Inkubationszeit. Diese Art der Infektion bricht erst einige Tage nach ihrer Übertragung voll aus.“

Tatsächlich begannen Schlemihls Frau und Kinder am folgenden Tag in raschen Schritten zu gesunden. „Wir haben eine ansteckende Gesundheit“, erklärten sie ihren Nachbarn. „Wir haben uns bei Schlemihl angesteckt.“

In den nächsten Tagen wurden auch die Nachbarn von der Gesundheit ergriffen. Von da aus breitete sich der Morbus Feivel in Windeseile in der ganzen Stadt aus. Bald kamen Bürger aus dem Umland, um sich mit Schlemihls Seuche zu anzustecken.

Am Ende war das ganze Land von ihr infiziert. So jedenfalls erzählt es Schlemihl.


(Stefan Hammel, Handbuch des therapeutischen Erzählens, 54)

Dienstleistung

Diese Geschichte hat meine geschätzte Kollegin Bettina Betz geschrieben. Gerne möchte ich sie (mit ihrer Erlaubnis) mit euch teilen…. Gruß Stefan Hammel

Emil stand im Flur und hielt einen Brief in der einen Hand. Mit der anderen fasste er sich an den Kopf.
„Neiiin!“, schrie er. „Ich hab’s versäumt, und jetzt ist es zu spät!“
Seine Frau kam dazu.
Sie wusste nicht, worum es ging.
Sie fragte auch nicht.
Stattdessen bückte sie sich und biss herzhaft in sein Hinterteil.
„Das war eine Dienstleistung“, erklärte sie ihm. „Ich hatte gerade den Eindruck, du würdest dich am liebsten in den Hintern beißen. Das kannst du schließlich nicht selbst.“

3. Internationales Festival des Therapeutischen Erzählens

Am 15.- 18. Oktober 2020 findet in Otterberg/ Pfalz das 3. Internationale Festival des Therapeutischen Erzählens statt.

Organisiert wird das Festival vom Institut für Hypno-Systemische Beratung (hsb) in Kaiserslautern und dem Institute Milton H. Erickson Luxembourg (IMHEL). 

3 Kontinente, 12 Länder, über 20 Referentinnen und Referenten: Ärzte, Psychologen, Coaches, Pädagogen, Heilpraktiker und Seelsorger bereichern das Festival des Therapeutischen Erzählens.

Mit dabei sind unter Anderem Charles Naceur Aceval (Algerien), Reinhold Bartl (Österreich), Marie-Jeanne Bremer (Luxemburg), Stefan Hammel, Annalisa Neumeyer und Daniel Wilk (Deutschland), Laurence Sugarman, Eric Greenleaf (USA), Maren Lindheim, Ragnhild Fretland (Norwegen), Christine Guilloux (Frankreich), Adrian Hürzeler und Martin Niedermann (Schweiz), Kathleen Long (UK).

Die Zertifizierung für Ärzte und Psychologen ist bei der Ärztekammer beantragt.

Ein Video zur Tagung sowie weitere Informationen finden Sie unter https://www.erzaehl-festival.de/. Dort sind die Referenten und die bereits feststehenden Workshops aufgeführt.

Der Festivalpreis beträgt 460 €. Der Frühbucherpreis bis März 2020 beträgt 430 €. 

Um sich für das Internationale Festival des Therapeutischen Erzählens als Teilnehmer anzumelden, füllen Sie bitte das Formular auf der Festivalseite aus. Wir schicken Ihnen dann Anmeldeunterlagen, Rechnung und andere gewünschte Informationen in den nächsten Tagen zu. 

Für Fragen erreichen Sie uns unter ifte@hsb-westpfalz.de  oder telefonisch unter 0049-631-3702093 (Institut für Hypno-Systemische Beratung).

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!