Das Interview bei „Kaffee oder Tee“

Heute war ich bei „Kaffee oder Tee“ in Baden-Baden zu einem Interview über Hypnose. Ich denke, es ist ein schönes Gespräch geworden.
Für die, die es sich nicht live anschauen konnten und doch daran interessiert sind, gibt es den Beitrag hier noch einmal zum Nachsehen.
Ich wünsche euch viel Spaß beim Zuschauen!

Hypnosystemische Therapie und Therapeutische Hypnose

In wenigen Tagen, genauer gesagt, am Freitag mittag um 14.00 Uhr, beginnt in Kaiserslautern der „Hypnose-Teil“ der Ausbildung in Hypno-Systemischer Therapie, Vermittelt wird Therapeutische Hypnose im Sinne der Arbeit Milton Ericksons. Gezeigt und eingeübt werden Tranceinduktionen, das Erkennen, Aufbauen und Nutzen von Rapport, das Arbeiten mit direkter und indirekter Suggestion, die Utilisation der Muster des Klienten und – neben aller Methodik geht es um Ethik und um ein wissenschaftskompatibles Verständis von Hypnose. Hier sind einige Rückmeldungen früherer Teilnehmer – und ein paar Gedanken von mir selbst zu der Ausbildung. Ich wünsche euch viel Spaß beim Anschauen!

Die Sache mit dem Pendel

Animation hypno testVor Jahren hatte ich den Plan, mit einer Kollegin in Liechtenstein eine Ausbildung aufzubauen. Aus der Kooperation wurde nichts – die Ausbildung hat nie begonnen. Geblieben ist von den damaligen Plänen aber ein wunderschönes Souvenir. Ich hatte damals die Idee, ein animiertes Bild mit einem Pendel als Werbung zu erstellen Die Grafikerin Nanari Keller und ein in Programmierdingen begabter Student (damals noch Schüler) namens Sebastian Schwank haben dieses Bild für uns erstellt. „Funktioniert nicht? Lernen Sie’s richtig…“ lautete der Slogan. Wir waren überzeugt, es würde so nicht funktionieren. Beim Betrachten der unseres Werks fiel uns aber auf, dass der Spruch unter dem Bild gar nicht stimmt. Es funktioniert nämlich doch. Probiert’s einmal aus! Schaut drei Minuten auf das Pendel – und wenn ihr wollt, schreibt mir eure Erfahrung damit!

 

Schwer hypnotisierbar

Ich habe einen Klienten hier gehabt, der mich bat, ihn in Hypnose zu versetzen. Er denke allerdings, er sei schwierig hypnotisierbar. „Das denke ich nicht“, habe ich gesagt und habe mit der Arbeit angefangen. Beim ersten Versuch (Augenfixation und Augenschlussinduktion) hat er nur den Kopf geschüttelt: „So geht das nicht.“ Beim zweiten Anlauf (verbale Verwirrungsinduktion) öffnete er nach kurzer Zeit die Augen und sagte: „Anfangs hat’s geklappt, aber dann musste ich an die ganzen belastenden Situationen aus den letzten Tagen denken, und dann war ich ganz wach…“ Beim dritten Mal ließ ich ihn in einer Art Kino die betreffenden Situationen anschauen und mit einer Fernbedienung alles Mögliche regulieren. Das klappte für eine Weile, dann war er wieder wach. „Ich bin wohl ein schwieriger Fall“, meinte er. „Ach nein“, sagte ich, „man muss nur für jeden Menschen die zu ihm passende Methode finden“. So ganz sicher war ich mir da inzwischen aber nicht mehr. Beim nächsten Anlauf bat ich ihn: „Achten Sie bitte darauf, dass Sie möglichst wach bleiben, bitte ganz hellwach, und bitte geben Sie sich Mühe, und konzentrieren Sie sich bitte darauf… Nein, bitte schließen Sie die Augen nicht, Sie müssen möglichst wach bleiben. Nein, halten Sie sie bitte noch offen, sie können sie später schließen, wenn Sie wollen…“ Eine Minute später schlief er tief und fest.

Frage und Antwort

Im Buch Milindapanha findet sich der folgende Dialog. Für Therapeuten zeigt er, wie man in der Therapie mit Doppelbindungen umgeht. Für alle anderen ist er einfach nur schön… 😉

König Milinda zu Meister Nagasena: „Ich würde gerne eine Frage stellen, würdest du sie beantworten?“
Nagasena: „Stell deine Frage!“
König: „Ich habe sie schon gestellt.“
Nagasena: „Ich habe sie schon beantwortet.“
König: „Was hast du geantwortet?“
Nagasena: „Was hast du gefragt?“
König: „Ich habe nichts gefragt.“
Nagasena: „Ich habe nichts geantwortet.

Narben heilen

Ein befreundeter Arzt hat mich eben angerufen und gefragt: „Ich habe einen Patienten, dem muss ich eine Spritze in eine Narbe geben, aber es tut ihm so schrecklich weh. Das Ziel ist, die Narbe wieder geschmeidig und schmerzfrei zu kriegen. Narkotika möchte ich ihm aus verschiedenen Gründen nicht geben. Hast du eine Idee?“ Ich ließ mir von seinen Hobbies und Interessen erzählen. „Er ißt gerne, außerdem hat er sich selbst einen Bogen angefertigt, er ist Bogenschütze.“

„Frag ihn, ob er gerne Pizza ißt“, sagte ich, „und andernfalls frag ihn nach Quiche Lorraine, Flammkuchen oder amerikanischen Pie. Irgendwas zum Ausrollen halt. Lass ihn sich vorstellen, wie das duftet, und lass ihn den Geruch tief und genüsslich einatmen. Dann hat er eine Art zu atmen, die mit Schmerzen nicht vereinbar ist. Außerdem fokussiert er dann auf eine optische, geruchliche und geschmackliche Halluzination, so dass er das Kinästhetische ausblendet. Während er damit beschäftigt ist, kannst du ihm erzählen, wie man den Teig ausrollt. Manchmal hat er nicht die passende Form, die er für das Blech braucht. Dann setzt man am Rand ein Stück dran. Beim Pie macht man das so: Man besprenkelt die Nahtstelle mit kaltem Wasser, am besten Eiswasser. Dann glättet man die Verbindungsstelle mit einem Nudelholz, bis es ganz glatt und geschmeidig ist. Da ist dann nicht einmal mehr eine Naht zu sehen. Es ist ein Stück geworden. Du kannst auch erzählen, wie ihr als Kinder Knetmasse geformt habt, oder wie ein Töpfer aus lauter runden Tonwürsten, die er miteinander verstreicht, ein Gefäß macht, das dann aus einem Stück besteht. Auch die Töpfer verwenden übrigens kühles Wasser.“

„Der Mann hat auch ein Problem, dass er einen Finger nicht mehr richtig bewegen kann. Dafür wäre doch die Sache mit dem Bogen gut. So ein gut gemachter Bogen ist ja extrem biegsam“, sagte der Freund.

„Ja, und wenn du mit ihm darüber sprichst, wie er als Bogenschütze sein Auge auf das Ziel richtet, es genau in den Blick nimmt, noch ein winzig kleines bisschen schwankt und dann genau im richtigen Augenblick den Pfeil loslässt, dann ist er so extrem auf einen kleinen Punkt ausgerichtet, dass er alles andere ausgeblendet hat – von der Narbe ganz zu schweigen.“

Qué es hipnosis?

Mein Schweizer Kollege Hans Egli hat eine spanische Übersetzung der MP3 unter dem Titel „Was ist Hypnose?“ angefertigt, wofür ich ihm sehr herzlich danke! Hans Egli lebt und arbeitet seit vielen Jahren als Psychologe in Mexiko und verwendet die MP3 zu Demonstrationszwecken für Menschen, die an Hypnose und Hypnotherapie interessiert sind. Er verwendet sie gerne auch für Leute, die skeptisch sind, ob sie „hypnotisierbar“ seien oder die, verunsichert durch die Showhypnose, Aufklärung über den therapeutischen Hypnoseansatz wünschen. Die deutsche Fassung der MP3 findet sich bei den Downloads auf dieser Seite unter dem Titel „Was ist Hypnose?“.

El siguiente audio en mp3 dura aproximadamente 17 minutos y usted puede bajarlo sin costo a su computadora. Para escucharlo póngase cómodo y procure que nada le interrumpa, ni el teléfono ni nadie. Al escuchar el audio ponga atención al efecto que ejerce sobre su cuerpo y su mente. En esa breve presentación hipnótica se trata de llamar su atención a los fenómenos naturales del trance. Lo único que se le sugiere en esa demostración de hipnosis es que sea feliz.

Le deseo que disfrute la experiencia!

Autor: Stefan Hammel 

Traducción y adaptación al español: Hans Egli 

Hunde hypnotisieren

Am Wochenende war ich auf einem Familientreffen. Die Verwandtschaft kam zusammen und machte einen Ausflug mit dem Reisebus. Labradorhündin Luna war auch dabei. „Ihr ist schlecht“, sagte die Frau meines Cousins. „Sie hat schon mehrmals gewürgt. Sie verträgt das Autofahren nicht gut und muss manchmal brechen. Kannst du sie nicht hypnotisieren, damit sie uns nicht in den Bus bricht?“ Ich redete ein bisschen mit Luna und bat dann meinen Neffen Nikolas: „Würdest du Luna deinen MP3-Player leihen? Such etwas Ruhiges heraus, so etwas wie ein Schlaflied. Stell die Musik ganz leise und zieh Luna die Kopfhörer auf.“ Nikolas suchte eine passende Musikgruppe aus und zog Luna die Kopfhörer über die Ohren. Es dauerte eine halbe Minute, dann legte sich Luna entspannt hin, und bald darauf war sie eingeschlafen. Die Anzeichen von Übelkeit kehrten nicht mehr zurück.

Die Methode beruht auf der Umfokussierung der Aufmerksamkeit vom Körpererleben auf das Gehör, auf dem Lösen von Angst und Stress durch eine Entspannungstrance, und auf dem Erzeugen eines Herz- und Atemrhytmus, der dem Rhythmus beim Schlaf ähnelt und nicht zur Situation beim Erbrechen passt.

Schluckauf beenden

Eine schöne Methode zum Auflösen von Schluckauf habe ich gefunden. Gerald Mozdzierz aus Hines, Illinois schreibt:

Ich frage den Patienten, ob er den Schluckauf loswerden will. Meistens wird das bejaht… Als nächstes bitte ich ihn oder sie: „Bitte starren Sie in meine Augen und unternehmen Sie jede Anstrengung, um nicht zu blinzeln. Das ist alles, was nötig ist. Atmen Sie normal… ganz genau… starren Sie mir einfach immer weiter in die Augen und atmen Sie normal… sehr gut.“ Die Suggestion kann immer wieder in einfachen Variationen wiederholt werden. Im Allgemeinen habe ich festgestellt, dass sie innerhalb einer Minute Erfolg zeigte. (G.J. Mozdzierz, in: D.C.Hammond, Handbook of Hypnotic Suggestions and Metaphors, 267)

Und natürlich kann man die Methode auch mit sich selbst vor dem Spiegel ausprobieren…

Einige Gründe, weshalb die Methode wirkt: Die Unterdrückung des Blinzelreflexes wirkt als kinästhetisch-bildhafte Anweisung an das Unbewusste, den Schluckaufreflex auf die gleiche Art zu unterbinden. Auch die Aufforderung, darauf zu achten, normal zu atmen, wird vom Unbewussten metonymisch als Aufforderung verstanden, den Hals- und Brustbereich normal zu bewegen. Dazu kommen Effekte der Ablenkung und die Erzeugung von Trance als eines grundsätzlich symptomarmen Zustands. Die Trance wird erzeugt durch Augenfixation, durch eine Art Biofeedback beim Beobachten eines Spiegelbilds und durch Überlastung mit einer anstrengenden Aufgabe. Die Intervention dürfte als selbsthypnotische Übung vor dem Badezimmerspiegel ebenso wirken.

Weitere hypnosystemische Interventionen bei Schluckauf finden Sie hier.