Das depressive Entlein

Von meinem Kollegen Dr. Elmar Hatzelmann aus München stammt die Geschichte vom depressiven Entlein, die mir sehr gut gefällt und die ich daher an dieser Stelle weitergeben möchte…

Es war einmal ein ziemlich hässliches Endlein. So sah sie es und sie war sich ganz sicher, denn sie beobachtete alle anderen Tiere. Und alle waren besser, schöner, toller.
Nichts passte ihr an sich, rein gar nichts. Und das war es auch schon. Sie war ein Nichts. Null, Zero. Luft. Nicht mal Staub. Sie war so abgrundtief hässlich. Die Inkarnation von Hässlichkeit. Und wahrscheinlich wussten es alle anderen auch. Die Farbe der Flügel, die Größe, die Haltung, einfach alles völlig daneben. Es war einfach
nichts – sie war wirklich das Ende. Sie konnte nicht mal mit klugen Gesprächen ihre äußere Nichtigkeit ausgleichen. Denn dort war es genau so. Sie war einfach nicht klug genug, mental tote Hose. Sie konnte sich nur noch mit ihrem Schicksal abfinden. So ist es halt. Gaußsche Verteilungskurve. Dort war sie ganz ganz links am Anfang der Kurve, lebenslang eingebucht auf niedrigste Intelligenz und schlechtestes Aussehen. Das musste so sein. Denn es musste ja auch einen Durchschnitt und die ganz tollen Glücklichen geben.
Vielleicht würde sie im nächsten Leben auch zu den Glücklichen gehören, als Schwan oder so.
Alle hatten es viel besser. Weiterlesen

Wertvolle Beratung: Würde

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“, so heißt es in den ersten Worten des Grundgesetzes. Unscharf bleibt, ob gemeint ist, sie dürfe nicht angetastet werden, oder sie könne gar nicht angetastet werden, denn sie bleibe im Innersten eines Menschen unversehrt erhalten, egal, was er erlebt. Würde als etwas dem Menschen Innewohnendes, von Menschen nicht Entziehbares, ist ein versteckt theologischer Begriff.

Der Begriff hat einen Vorläufer in dem jüdischen und später christlichen und muslimischen Gedanken, der Mensch sei als „Gottes Ebenbild“ geschaffen, als ein Abbild der Schöpferkraft, der Heiligkeit, Ehrwürdigkeit und auch der erschütternden Macht des Großen, Ganzen, aus dem alles geworden ist.

Wenn wir behaupten, dass jeder Mensch, weil er Mensch ist, eine unverlierbare Würde hat, fordert das von uns, dass wir jedem Menschen Respekt entgegenbringen. Gleich, wie sehr uns ein Mensch als Täter oder auch als Opfer entgegentritt, hat er einen Anspruch auf Achtung und Wertschätzung. Wenn es uns nicht gelingt, ihm diese entgegenzubringen, betrachten wir das als unsere Grenze, und nicht als Begrenzung seiner Person.

Jeden Menschen unter dem Blickwinkel seiner Würde zu sehen und ihm Achtung entgegenzubringen, bedeutet, dass wir die Menschen unter dem Blickwinkel sehen, welches gute Potential in ihnen auf seine Entfaltung wartet – vielleicht jetzt noch verschüttet und versteckt – und welche Vision es für ihre Entwicklung gibt. Weiterlesen

Wertvolle Beratung: Liebe

„Liebe kann vieles heißen – von Diakonie bis Puff.“ So hörte ich einen Pfarrer vor einiger Zeit sagen. Recht hat er: Es ist ein arg geschundenes Wort, und äußerst ungenau zudem. Bei der Diskussion der Frage, welche Werte ein guter Therapeut oder eine gute Therapeutin für die Arbeit mit den Klienten benötigt, möchte ich diesen Begriff trotzdem an die erste Stelle setzen. In der Kirche wird von Nächstenliebe gesprochen. Ich nenne es Liebe zu den Menschen, mit denen wir es zu tun haben, und Sorgfalt im Umgang mit ihren Anliegen.

Ich habe den Eindruck, dass für Psychotherapeuten ein fachkundiger, sachkundiger Umgang mit Störungsbildern (Krankheiten, problema-tischen Mustern) von Klienten im Vordergrund steht. Ich denke zwar, dass Sachkompetenz sehr wichtig ist, meine aber auch, dass jeder Mensch ein Individuum ist und es darum einen sachgerechten Umgang mit Menschen und ihren Problemen nicht gibt. Ich denke, dass Liebe zu Menschen die Hälfte von guter Psychotherapie ausmacht. Weiterlesen

Wertvolle Beratung

„Die Einstellungen, die für die Therapie wichtig sind, lassen sich nur mit Worten ausdrücken, die leider außer Gebrauch gekommen sind und für viele Leute eher mit der Kirche in Verbindung gebracht werden“ – so äußerte sich vor Jahren der Therapeut Gunthard Weber bei einem Gespräch auf einem Kongress. Ich überlegte mir, an welche Wertbegriffe er wohl dachte, die für die Therapie so wichtig seien und die – halb vergessen und halb verkirchlicht – es wert seien, für die Beratung wieder neu entdeckt zu werden. Ich weiß nicht, welche Werte Gunthard Weber hier nennen würde. Ich möchte aber in den folgenden Artikeln meine eigenen Vorschläge dazu unterbreiten. Bis dahin bitte ich euch, liebe Leser, euch eure eigenen Gedanken zu machen: Welchen kurzen Begriffe beschreiben die Haltungen des Therapeuten oder der Therapeutin, die die Beratung für die Klienten wertvoll machen?

Liebe

Manchmal denke ich, die Zeiten für „große Liebe“ sind vorbei. Dann wiederum denke ich, Liebe ist keine Frage der „Zeiten“. Und dann schließlich fällt mir wieder diese eine Szene ein…

Das ist jetzt über 20 Jahre her. Aber ich denke immer wieder daran. Eine Zugfahrt irgendwo in Süddeutschland. Ich saß mit ihnen im gleichen Abteil. Ich hatte Termine, sie hatten Zeit. Zwei verliebte Menschen. Sie schaute ihm in die Augen und lächelte. Er lächelte zurück. „Hättest du mich nicht auf der Parkbank angesprochen“, so sagte er, „dann säße ich jetzt immer noch allein in meinem Altenheim.“

Adlerküken

Das hier ist eine Geschichte, die mein Großvater mir erzählt hat, als ich ein Kind war. Ich erzähle sie zum Beispiel Kindern aus Patchwork- und Pflegefamilien und Kindern getrennterziehender Eltern.

Wo genau diese Geschichte sich ereignet hat, weiß ich nicht mehr. Ich glaube, es muss in einem Dorf auf dem Balkan gewesen sein, im ehemaligen Jugoslawien. Ganz genau weiß ich noch dies: Das Adlerküken war aus seinem Nest gefallen. Es war quicklebendig. Als die Familie es fand, schlug es mit den Flügeln und sperrte den Schnabel weit auf. Verletzt war es anscheinend nicht, außer an einer Stelle, wo es ein wenig blutete. Die Eltern der Familie zögerten eine Zeitlang. Sie sahen sich um. Da war weit und breit keine Adlermutter zu sehen und kein Adlervater. Allein auf sich gestellt, wäre das Adlerjunge gestorben. Was sollten sie tun? Die Kinder baten und drängten ihre Eltern, und so nahmen sie es schließlich mit. Zuhause setzten sie es erst einmal in einen Käfig, in dem früher einmal ein Paar Nymphensittiche gewohnt hatten. Weiterlesen

Die kleine Torte

Gestern habe ich in der Klinik eine Frau getroffen, die zeigte mir nach der Begrüßung einen Butterkeks auf ihrem Nachttisch. „Das ist meine Torte. Ich habe eine Torte bestellt und habe das hier bekommen. Jetzt habe ich beschlossen: Das ist meine Torte.“ Ich war von diesen Sätzen merkwürdig berührt. Mir gefiel die Torte der Frau. Vor meinem inneren Auge sah ich eine kleine Kerze darauf brennen. Erst zuhause fiel mir ein, was mir die Frau danach an erlittenem Unrecht berichtet hatte, und ich verstand, dass sie nicht über das Gebäck, sondern über ihr Leben gesprochen hatte.

Workshop: Geschichten in der Hypnotherapie

Für diejenigen, die meine Arbeitsweise in einem Schnuppermodus einmal persönlich kennenlernen möchten… am kommenden Wochenende halte ich für das Institute of Clinical Hypnotherapy and Psychotherapy (ICHP Deutschland) zweimal einen eintägigen Workshop: Metaphern und Geschichten in der Hypnotherapie – Wie man individuell passende Geschichten findet und erfindet und wie man sie therapeutisch wirksam erzählt. Der Workshop findet am kommenden Samstag, dem 14.3. und am Sonntag dem 15.3., jeweils von 10.00 – 18.00 Uhr statt.  Für ICHP-externe Teilnehmer kostet er 80,00 Euro (sofern noch Plätze frei sind). Tagungsort ist das NH-Hotel in Hirschberg bei Heidelberg. Den Ausschreibungstext, weitere Infos und eine Anmeldemöglichkeit findet ihr auf der Seite des ICHP Deutschland.

„Aus Rosen Scheiße machen“

Vorhin habe ich ein Hypnotherapieseminar gehalten. In diesem Rahmen habe ich erklärt, was ein Reframing ist. „Man kann alles wertvoll machen, wenn man es recht betrachtet. Die Familientherapeutin Virginia Satir nannte das ‚Aus Scheiße Rosen machen‘„, sagte ich. „Lasst uns dazu gleich einmal eine Übung dazu machen…“ „Moment“, sagte eine Teilnehmerin, „ich muss auf die Toilette“. „Dass ihr das ausgerechnet nach diesem Satz einfällt“, meinte ich. „Aber wir hören und reden ja immer auf mehreren Ebenen, metaphorisch und wörtlich.“ Erst jetzt bemerkte ich, was die Wahl meiner Worte geleitet hatte: Vor mir auf dem Tisch stand ein großer Strauß Rosen.

Bücher und Seminare – Infomaterialien

Die neuen Flyer sind hereingeflogen. Wer also von mir gerne Infomaterialien möchte zum „Handbuch des therapeutischen Erzählens“ oder zur Systemischen Coachingausbildung „Auf den Punkt gebracht“ auf Burg Fürsteneck bei Fulda“ oder zu den hypnotherapeutischen und hypno-systemischen Seminaren in Kaiserslautern, Heidelberg, Mannheim und Chemnitz, der kann mir eine kurze Mail schicken, und dann bekommt er Infos zugesandt. So einfach geht das…