Von Beten, Arbeiten, Genuss und Sünde

„Darf ich beim Beten rauchen?“,  fragte ein Mönch den Abt. „Nein“, sagte der Abt. „Darf ich beim Rauchen beten?“, fragte ein anderer den Abt. „Ja“, sagte der Abt. (Anonym überliefert)

Das Schlechte zu verbessern ist etwas anderes, als das Gute zu verschlechtern, selbst wenn es bei oberflächlicher Betrachtung das Gleiche zu sein scheint. Gleich ist die Erscheinung, ungleich die Haltung und die Auswirkung auf das weitere Denken und Verhalten.

Ein Mensch, der die Schönheit der Bäume vor seinem Büro bewundert und dabei seine Arbeit macht, erlebt etwas anderes als einer, der seine Arbeit macht und dabei (vielleicht noch) die Schönheit der Bäume sieht. Derjenige, der das offiziell Wichtige, aber nicht Lustbetonte als Begleitmusik neben dem offiziell Unwichtigen, aber Schönen laufen lässt, hat wesentlich mehr psychische Energie zur Verfügung, als der, der es umgekehrt macht. Daher wird er seine Arbeit selbst nebenbei besser machen, als der andere, für den die „hochwertige“ Arbeit absolut im Vordergrund steht. Das gilt besonders bei kundenorientierten, sozialen und burnoutgefährdeten Tätigkeiten, wo „gute Stimmung“ direkt zur Qualität der Arbeit beiträgt.

Eine Arbeit gelingt am besten, wenn sie mental, sozial und organisatorisch so arrangiert ist, dass sie Spaß macht.

Schaffe psychische Energie, und du bekommst Qualität.

Der Zufühler

Es gibt Menschen, die können gut zuhören. Und es gibt andere, die können gut zusehen. Ich kannte einen Menschen, der konnte beides recht gut. Doch besser noch konnte er etwas anderes. Mehr noch war er ein guter Zufühler. Wenn er einem anderen begegnete, so nahm er in Gedanken oder auch in Wirklichkeit dessen Haltung ein. Er schaute wie er, er atmete wie er, er bewegte sich wie der andere und nahm auch dessen Stimme an. Er fühlte, wie sich ein Mensch fühlt, der sich so ausdrückt und bewegt, wie der, dem er gerade begegnete. Dann fragte er sich oft, wie wohl eine Brücke beschaffen sein müsste, die von diesem Erleben wegführte, hin zu einem anderen, kraftvollen, freien und erlösten Leben. Weiterlesen

Weniger und weniger

Eine Frau, die vorhin bei mir war, bekam plötzlich starke Kopfschmerzen. Sie erklärte, das rühre von einem Bandscheibenvorfall. Ihr Gesicht war verzerrt, es war deutlich, dass sie sich kaum mehr auf etwas anderes konzentrieren konnte als auf den Schmerz. Ich sagte zu ihr: „Das tut weh, nicht wahr? Sauweh! Richtig sauweh tut das, und Sie wünschen sich, dass es bald weniger wird, in drei Minuten vielleicht weniger wird oder in zwei Minuten weniger wird oder dass es in einer Minute weniger wird oder in einer halben, oder vielleicht sogar noch schneller. Was meinen Sie, wann wird die Unannehmlichkeit weniger sein?“ „Es ist schon viel weniger“, antwortete sie.

Diese Methode für eine schnelle Anästhesie stammt von dem amerikanischen Hypnotherapeuten Milton Erickson. Bei starken Schmerzen ist es wichtig, zunächst bei der Wahrnehmung des Schmerzes anzuknüpfen (Pacing: Dem Symptomerleben folgen), bevor man ihn durch das Reden von „weniger und weniger“ reduziert (Leading: Zur Lösung führen).

Runter mit den Ellenbogen !

An alle Leute die’s drauf haben:

Wenn ihr’s wirklich drauf habt, dann lasst die vor, die’s nicht drauf haben !

Denn die letzten sollen die ersten sein!

Lasst die aus sich herausgehen, die wollen, aber nicht können, helft ihnen, lasst sie vor.
Lasst die etwas sagen, die sich nicht trauen, mitzureden, helft ihnen, lasst sie vor.
Lasst die im Mittelpunkt stehen, die es wollen, aber Schwierigkeiten damit haben, helft ihnen, lasst sie vor.
Lasst die etwas bestimmen, die sonst nichts zu sagen haben, aber vielleicht doch gern würden, helft ihnen, lasst sie vor.

Das Potential einer Situation, die Chance auf eine dicke Zeit miteinander, steckt meist dort, wo man es am wenigsten erwartet. Gebt ihnen eine Möglichkeit, sich zu entfalten, helft ihnen, lasst sie vor.

Hiermit lasse ich euch vor und bitte euch: Macht’s besser als ich.

Nur so wird sich etwas ändern, ansonsten wird alles bleiben wie es war, grau und unerträglich.

Sebastian Schwank

Anmerkung von mir (Stefan Hammel): Der Text stammt von einem Jugendlichen. Ich finde die Gedanken gut und freue mich, wenn sie diskutiert und weiterverbreitet werden – bei Jugendlichen wie bei uns sogenannten Erwachsenen.