Die Geiß retten

„Kehr an der nächsten Straßenkreuzung um! Wir müssen der Geiß helfen!“ sagte meine Freundin eindringlich. Rechts von uns war an der Straße eine hohe Stützmauer zu sehen, darüber auf einer Wiese eine Herde grasender Ziegen. Eine einzige junge Ziege stand verloren unter der Mauer. War sie heruntergefallen? War sie in jugendlicher Selbstüberschätzung einfach heruntergesprungen? Offensichtlich konnte sie nicht mehr zurück zu den Anderen. Ratlos und einsam stand sie am Straßenrand. Wir machten kehrt. Verbotsschilder und Einbahnstraßen verwiesen uns auf einen längeren Umweg, aber schließlich kamen wir doch wieder an den Ort. Die Ziege stand noch an genau demselben Platz. Langsam näherten wir uns. Sie sah uns an, sah nach oben – und war mit einem flinken Sprung wieder bei den anderen.

Ventile

Es gibt Ingenieure, die konstruieren Ventile. Sie konstruieren nichts als Ventile, den ganzen Tag. Nun könnte einer meinen: Das ist doch langweilig, sich so viel mit Ventilen zu beschäftigen. Aber es ist ein sehr interessantes Feld. Da gibt es Ventile für Luft und Ventile für Weiterlesen

Lesenswert: Der Kaufmann und der Papagei

„Der Kaufmann und der Papagei: Orientalische Geschichten in der Positiven Psychotherapie“ – Das Buch ist schon ein Klassiker. Man hat Nossrat Peseschkian vorgeworfen, seine Sammlung orientalischer Geschichten bestehe nicht durchweg aus echten Märchen, er habe viel mehr die, die er gerade brauchte, nachträglich dazuerfunden. Wenn aber ein Orientale Märchen erfindet, so frage ich mich, was sind sie dann, wenn nicht orientalische Märchen? Peseschkian demonstriert, wie die Orientalen seit Jahrtausenden Pädagogik, Beratung und Therapie betreiben – mit Geschichten.

Nossrat Peseschkian, Der Kaufmann und der Papagei: Orientalische Geschichten in der Positiven Psychotherapie.
Frankfurt (Fischer) 2003

Was ist Rapport?

Rapport ist einer der Grundbegriffe in der Hypnotherapie. Rapport nennt man eine mentale Verschmelzung mit dem Erleben des Gegenübers. Im Alltag ist ein starker Rapport zwischen Menschen festzustellen anhand von gleichzeitigen Bewegungen, einem gleichzeitigen Atem- oder Gehrhythmus, gleichem Tonfall und Vokabular, regelmäßigem Nicken beim Zuhören und anderen nonverbalen Zeichen. Miteinander in Rapport kommen bedeutet, Weiterlesen

Hypnotherapie bei Tinnitus

Tinnitus heißt übersetzt „Geklingel“. Die Töne oder Geräusche, die viele Menschen ohne äußeren Anlass hören, kann man oftmals durch ein Mentaltraining leiser stellen, ganz still legen oder gleichgültig werden lassen. Auch begleitende Hörschäden wie eine geringere Auflösung von Lautstärken und Tonhöhen in bestimmten Frequenzbereichen werden häufig verbessert.

Gemeinsam mit dem Physiker und Neurowissenschaftler Dr. Peter Schneider führe ich in Heidelberg einen Pilotversuch zur Beeinflussbarkeit von Tinnitus durch Hypnotherapie durch. Wir messen Frequenz, Lautstärke und andere Parameter der Störung vor und nach einer einstündigen hypnotherapeutischen Behandlung psycho- akustisch. In mehrwöchigen Abständen wird nachgemessen. Daneben befragen wir die Probanden nach ihrem subjektiven Eindruck der weiteren Entwicklung. So ermitteln wir, in welchem Umfang, in welchen Fällen, mit welchen Methoden und wie nachhaltig Tinnitus durch hypnotherapeutische Behandlung behoben werden kann. Unsere ersten Ergebnisse: Weiterlesen

Lesenswert: 1001 Nacht

Er konnte sich nicht enthalten, laut auszurufen: „Lieber Gott, warum können die einen in Lust und Freude leben, während sich die anderen mühevoll durchs Leben schlagen müssen? Was hat Sindbad der Seefahrer getan, dass er ohne Mühe und Sorgen leben darf? Was aber habe ich verbrochen, dass du mein Schicksal so mühevoll und freudlos gestaltest?“ Während Sindbad, der Lastträger noch mit seinem Schicksal haderte, kam einer der Diener auf ihn zu. Er ergriff ihn heftig beim Arm und sagte: „Komm sofort mit! Sindbad, mein Gebieter, will dich sprechen!“ Der Lastträger folgte dem Diener in einen großen Saal. Da war Sindbad der Seefahrer. „Sei mir willkommen“, erwiderte der Greis. „Nun wiederhole mir die Worte, die du vorhin auf der Straße sagtest.“ Er hatte nämlich durch das offene Fenster die Worte des Lastträgers gehört…

Wer lernen will, mit Geschichten zu beraten, zu erziehen oder zu therapieren, kann von der orientalischen Erzählkunst viel lernen. Zum einen, wie man suggestive Prozesse so unterhaltsam gestaltet, dass die Hörer vergessen, dass sie beeinflusst werden – und am Ende wohl gar therapiert.

Der einführende Erzählabschnitt kann in der Beratung überall dort genutzt werden, wo Neid auf andere und Hader mit der eigenen Biographie eine Rolle spielen. Sindbad der Seefahrer wird Sindbad dem Lastträger erzählen, welche Mühen und Gefahren er ausgestanden hat, bevor er seinen Lebensabend in Reichtum genießen konnte. Und die beiden Sindbads – die ja womöglich zwei Figuren einer inneren „Familie“ sind, oder auch zwei widerstreitende Stimmen eines inneren Parlaments – die können etwas voneinander lernen. Man muss nur miteinander ins Gespräch kommen, respektive mit sich selbst und seinen vielerlei Ichs.

Die Märchen aus 1001 Nacht sind die klassische Sammlung orientalischer Erzählkunst in Europa. Ob man mit solchen Märchen Therapie machen kann? Natürlich kann man. Sie sind entstanden als Worte von Weisen. Sie waren von Anfang an Beratung, Therapie und Erziehung zur Lebenskunst.

Darum empfehle ich:

Märchen aus 1001 Nacht

Und natürlich gibt’s das auch als Hörbuch:

Placebo VII

„Was trägst du denn auf der Stirn?“ „Aspirintabletten.“ „Und das funktioniert? „Na ja. Man muss den Streifen anfeuchten, dass er hält.“

Also, natürlich funktioniert das. Die Aufmerksamkeit wird auf das Aspirin fokussiert. Im Gehirn werden die Zentren aktiviert, die „Aspirin“ kennen und etwas darüber wissen. Das Wasser auf dem Streifen kühlt die Stirn und schafft dadurch eine erste leichte Anästhesie, die als verstärkende Suggestion für „mehr desselben“ wirkt. Durch das Anbringen des Aspirin an der schmerzenden Stelle wird ein Anker geschaffen: Es ist nicht möglich, an diese Körperstelle zu denken, ohne an Aspirin und die begonnene Anästhesie zu denken.

Und immer dran denken: Schmerzen sind Signale. Manchmal ist es besser, zum Arzt zu gehen…

Lesenswert: Der Findefuchs

Irina Korschunow hat das Kinderbuch geschrieben, ich glaube vor allem für Patchwork-, Stief- und Adoptivkinder und für die Geschwister von Adoptivkindern. Es heißt „Der Findefuchs – Wie der kleine Fuchs eine Mutter bekam“. Es ist, ehrlich gesagt, auch eine Geschichte für Erwachsene, eine, die ans Herz geht. Sie ist ganz kurz; man kann sie gut am Anfang oder Schluss einer Kindertherapiestunde vorlesen. Sie ist auch geeignet, um Pflegeeltern Mut zu machen im Kampf mit nervigen Behörden, Verwandten, Nachbarn und im Umgang mit Streitigkeiten zwischen den untereinander nicht verwandten Kindern. Die Erzählung stärkt das Empfinden für Zusammengehörigkeit bei Kindern und zeigt, dass Liebe zu einem Kind nicht unbedingt an Blutsverwandtschaft gebunden ist.

Die Geschichte geht so: Eine Füchsin findet ein verlassenes Fuchskind im Gebüsch und trägt es unter vielen Gefahren in ihren Fuchsbau zu ihren drei eigenen Fuchskindern. Die Nachbarfüchsin rät ihr, das Kind wieder auszusetzen. Als die Füchsin am nächsten Tag ihre vier Kinder beschnüffelt, kann sie den Findefuchs nicht mehr herausschnüffeln. Er riecht schon genauso wie die anderen.

Ein ausgezeichnetes Buch mit sehr schönen Bildern!

Irina Koschunow, Der Findefuchs: Wie der kleine Fuchs eine Mutter bekam. Mit Bildern von Reinhard Michl
München (dtv) 1982

Phobien gefällig?

Athazagoraphobie, Gephydrophobie, Pteromerhanophobie…

Was es nicht alles gibt… Eine eindrucksvolle und in weiten Teilen seriöse Liste von Phobien findet sich in Wanderfalkes Blog. Nur an die Hippopotomonstrosesquippedaliophobie (die Angst vor langen Wörtern) mag ich nicht so recht glauben.

Sollen wir uns lieber gruseln oder uns lieber freuen über so viele schöne Fremdworte? Ich sage mal: Danke, Wanderfalke!

Schlafapnoe

Jemand fragte mich nach Schlafapnoe. Ich habe ihm gesagt: So bin ich sie losgeworden…

Dem Stillstand des Atems gingen bei mir schwache Atmer voraus. Diese habe ich mit mir als Signal (Anker) vereinbart für tiefes Atmen. Möglich wäre jedes beliebige andere „erste Anzeichen“. Ich habe mit mir vor dem Einschlafen abgesprochen: Immer wenn der Atem schwach wird, ist das mein Signal, um einmal tief durchzuatmen und danach normal weiter zu atmen. Das hat ab der ersten Nacht funktioniert. Jetzt werde ich manchmal davon wach, dass ich nach einigen schwachen Atemzügen sehr tief atme. Ich lobe mich und schlafe weiter. Weiterlesen