Von Autos und Menschen

Vorhin war ich bei einem Mann, der eine Autowerkstatt betreibt. „Ich habe eine Schramme in meiner rechten Autotür“, sagte ich. „Was würde es kosten, den Schaden beheben zu lassen?“ Der Mann schaute sich das Auto von hinten an, dann musterte er die linke Seite und ging nach vorne. „Die Schramme ist rechts“, sagte ich. „Ich schaue mir immer erst die gute Seite an“, sagte der Mann. „Dann habe ich ein Gefühl für den Wert des Autos und kann besser beurteilen, was mit dem Schaden zu tun ist.“

„Wenn er mit allen Dingen so umgeht“, dachte ich, „dann ist er ein weiser Mann“.

Wozu Freunde?

Mit Herrn Gundolf unterhielt ich mich über eine Frau, die für ihren Mann alle Freunde aufgegeben hatte und die sich fragte, ob sie ihren Mann noch liebte. „Wenn diese Frau sich trennen will, dann braucht sie Freunde“, sagte Herr Gundolf, „sie schafft es sonst nicht“. „Wenn sie bleiben will, dann gilt das Gleiche“, sagte ich.

Die HYPS-Geschichten als Buch

Einige der HYPS-Geschichten sind ja bereits in dem Buch „Der Grashalm in der Wüste“ von 2006 veröffentlicht. Die meisten dagegen gibt es nur hier. Das soll sich ändern!

Viele der in Papierform unveröffentlichten Blog-Geschichten und weitere, die noch nirgends zu lesen sind, erscheinen im März 2009 in der Reihe „Leben lernen“ des Verlags Pfeiffer bei Klett-Cotta. Veröffentlicht werden sie zusammen mit einer Methodenlehre des therapeutischen Geschichtengebrauchs als „Handbuch des therapeutischen Erzählens“ auf ca. 350 Seiten.

Die Geschichten sind geordnet nach den Symptomen und Themen, bei denen sie jeweils schwerpunktmäßig eingesetzt werden können. Sie sind kurz kommentiert und mit Fußnoten versehen. Sie sind eingeordnet in Abschnitte über Gesundheit, psychologische und psychiatrische Problemen, über die Regulierung von Paar- und Familienbeziehungen, über die Verbesserung von Arbeitssituationen und von Arbeitsleistungen, usw.

Der Methodenteil beschreibt, wie man Geschichten auffindet, erfindet, aufbaut und erzählt. Er beschreibt, welche therapeutischen Interventionen in Geschichten integriert werden können und wie sie „funktionieren“. Schließlich gibt es ausführliche Register zu den therapeutischen Themen, zu den Interventionen (sozusagen den Therapeutentricks) und zu den Gattungen der Geschichten.

Wegen der anstehenden Neuauflage des Buchs „Der Grashalm in der Wüste“ bin ich auch mit zwei Fachverlagen in Verhandlung. Die erste Auflage ist bis auf 70 Exemplare abverkauft, so dass die zweite möglichst bald erfolgen soll.

Und das Handbuch betreffend freue mich natürlich sehr über die Zusage des Verlags und auf die Veröffentlichung!

Die Villa

Eine Architektin litt an Morbus Crohn. Die entzündliche Immunerkrankung – und die Behandlungen mit Cortison und durch chirurgische Eingriffen – hatten ihrem Körper zugesetzt. Nach einiger Zeit therapeutischer Gespräche sah es so aus, als hätte sich die Krankheit beruhigt. Ich fragte sie: „Angenommen, dein Körper wäre ein wertvolles Haus, das auf seine Renovierung wartet – wie sieht dieses Haus in deinen Gedanken aus?“ Sie beschrieb mir eine Villa im Stil der Gründerzeit, umgeben von Grün, ausgestattet mit kostbaren Stuckarbeiten, mit wunderbaren wunderbaren Tapeten und edlen Möbeln. Das Haus war wohl lange lange verlassen gewesen. Spuren von Wassereinbrüchen, Risse in den Wänden und abgebröckelter Gips waren überall zu sehen. Vieles was einst schön war, wirkte jetzt heruntergekommen und verbraucht. „Welche Arbeiten haben die Restaurateure auszuführen?“, fragte ich sie. Sie nannte mir verschiedene Tätigkeiten und wir überlegten, in welcher Reihenfolge diese ausgeführt werden sollten.

In den kommenden Gesprächen fragte ich jedesmal nach den Fortschritten in den Renovierungsarbeiten, und immer waren die Handwerker vorangekommen. Wie hätte es auch anders sein können: Renovierungen gehen vorwärts, nicht rückwärts. Die Metapher schließt Rückschritte aus. Nach Annahme des Bildes schließt das Gehirn jedes Körperverhalten aus, das mit der Metapher nicht in Einklang zu bringen ist. Einmal sagte die Frau: „In diesem Zimmer ist zu viel von der Originalsubstanz verlorengegangen, so dass die Handwerker keine originalgetreue Restauration mehr vornehmen können. Sie ergänzen das Fehlende sinngemäß, so, wie es einmal gewesen sein könnte.“ Nach einigen Wochen teilte sie mit, dass die Restaurateure ihre Arbeit beendet hätten. Die Villa sei vollständig renoviert.

Das ist etwa vier Jahre her. Ihr Zustand hat sich erheblich verbessert.

Die Reise des Adlers

Die folgende Geschichte habe ich neulich im Rahmen einer Hypnosesitzung bei einem Mann zur Senkung und Stabilisierung des Blutdrucks verwendet. Wichtig ist mir, die Suggestion zu geben: Lassen Sie Ihren Körper in letzter Instanz entscheiden, was gut für ihn ist, und den Hinweis zu geben: Alle medizinischen Fragen klären Sie bitte vorher und begleitend mit Ihrem Arzt ab.

Stell dir vor, du bist ein Adler, und du fliegst über die Alpen. Du fliegst in Richtung Mittag, dorthin wo fern hinter gewaltigen Bergketten das Land liegt, dass die Menschen Italien nennen. Wo du jetzt bist, sind die Gipfel hoch, und die Täler tief. Die Luft ist stürmisch, es gibt ein Gewitter, du kannst Blitze sehen, und heftige Böen zwingen dich, mit den Flügeln heftig zu schlagen. Hier hilft kein Segeln, du musst deine Flügel gebrauchen, und du gebrauchst sie, um über die Höhe des Berninapasses zu fliegen. Dahinter werden die Berge allmählich flacher, und auch das Wetter ist hier ruhiger und freundlicher. Indem du weiterfliegst, wird die Landschaft immer mehr zu einem Hügelland. Sie wird lieblich und am Ende beinahe flach. Du erreichst das Meer. Seine Wellen sind ruhig und glatt, wie ein großer Spiegel liegt es vor dir. Du fliegst aufs offene Meer. Eine lange Zeit fliegst du nach Sonnenaufgang, dann wieder nach Mittag, bis du wieder Land erreichst. Die Gegend der Sinaihalbinsel ist wüst. Du fliegst weiter in Richtung Aufgang, und siehst schließlich zu deiner linken eine weite glatte Fläche, ruhig und völlig ohne Wellen. Das ist das Tote Meer. Du fliegst dorthin, denn dahinter siehst du eine Oase. Der Jordan ist ein kleiner Fluss, umrahmt von grünen Bäumen und Büschen. Du lässt dich an seinem Ufer nieder und kostest von seinem Wasser. Wenn du möchtest, setzt du dich auf einen schattigen Ast. Schau dich nur um. Du befindest dich am niedrigsten Ort der Welt. Der ruhige, glatte Spiegel dieses Sees liegt Meter unter dem Meeresspiegel. Genieße die Ruhe auf deinem Ast, und wenn du heimwärts fliegst, nimm mit, was dir an diesem Ort von Nutzen ist.

Webtipp: Neuer Blog, neue Downloads

Vor ein paar Tagen fand ich in meinem Mailfach folgenden Hinweis eines mir bekannten systemischen (und etwas hypnotischen) Institutes. Eine nützliche und anregende Website! Gerne gebe ich den Hinweis an euch weiter…

„Kennen Sie schon die ‚Schatzkiste‘ des ISB-Wiesloch? Das Institut für systemische Beratung in Wiesloch stellt sich mit einer völlig neu gestalteten Webseite vor! Sie können zahlreiche Schriften, Audiodokumente und didaktische Schaubilder kostenlos downloaden, sich über unsere Qualifizierungen und Projekte informieren oder einfach gut schlafen.

Gut schlafen? Ja, auch beim Einschlafen kann das ISB helfen. Was in der Gruppe funktioniert, kann auch im Bett funktionieren, wenn jemand in erholsamen Schlaf finden möchte. Geleitete Phantasien gehören zu unserem didaktischen Repertoire. Sie bestehen aus einer ‚Einschlaf‘-Anleitung, den Lernimpulsen im Thementeil und einer ‚Aufwach‘-Anleitung, damit es danach in der Gruppen weitergehen kann. Wir haben von einigen dieser geleiteten Phantasien die ‚Aufwach‘-Anleitung“ weggeschnitten, damit Sie einfach weiterschlafen (und am Morgen hoffentlich erquickt aufwachen). Vielleicht wirkt der Lernimpuls im Traum oder auch danach hintergründig, so dass hier noch zusätzlich ein überraschender Gewinn zu verzeichnen sein könnte. Aber gut. Einschlafen ist ja auch schon was. Oder? Bitte probieren Sie es aus und geben Sie uns Rückmeldung. Wenn die Resonanz gut ist, stellen wir weitere Audios als Einschlafversion zur Verfügung. Sie finden diese Einschlaf-Geschichten auf der persönlichen Seite von Bernd Schmid mit Veröffentlichungen, Literarischem, Privatem und vielem mehr. Klicken Sie einfach hier.

Ebenfalls neu: der Blog von Bernd Schmid – aktuell zum Thema ‚Event und Programm‚.

Die Adresse der ISB-Webseite bleibt wie gehabt www.isb-w.de (www.systemische-professionalitaet.de).

Und mehr möchten wir nun gar nicht verraten… Viel Spaß beim Stöbern. Ihr Feedback ist uns willkommen!“

Blockade

Das hier fällt mir gerade ein, weil jemand fragte, was man bei einer Sprechhemmung tun könne. Ich glaube, da ist es wichtig, zu gucken, worauf sich die Blockade genau bezieht.

Eine Studentin sagte zu mir: „Ich muss eine Griechischprüfung absolvieren, bei der ich einen Text mündlich vorlesen und übersetzen muss. Ich kann alles übersetzen, aber ich habe eine absolute Blockade, irgendetwas Griechisches vorzulesen.“ Ich sagte: „Aber ich habe dich griechische Vokabeln fließend aussprechen hören“. Sie antwortete: „Aussprechen geht.“ Ich fragte: „Du kannst dir einen griechischen Satz, den du gelesen hast, doch merken?“ Sie bejahte das. So sagte ich: „Wenn die Prüfung kommt, schau dir einen Satz an, schließe die Augen, trage ihn auswendig vor, schau dir den nächsten an, schließe die Augen und trage den vor…“ Die Studentin hat das getan und die Prüfung mit Eins bestanden.

Natürlich kann man Blockaden auch auflösen, aber wenn es schnell gehen soll und wenn es sich um seltene Situationen handelt, ist das Umgehen der Blockade manchmal der einfachere Weg. Viel Erfolg also beim Blockaden-Umgehen und einen schönen Gruß an die Studentin!

Bergwanderung

Eine Kollegin hat mir vor ein paar Tagen die folgende Geschichte gemailt.

Eine Frau um die 60, nicht mehr ganz gesund und mobil, nimmt an einer Bergwanderung teil. Dabei sind auch Einheimische. Die „Fremden“ stürmen nun schnellen Schrittes dem Gipfel entgegen. Sie haben es eilig. Die Frau kommt nicht mehr mit. Es ist zu anstrengend für sie. Sie kann ja auch nicht mehr so gut laufen. Aber die Gruppe drängt vorwärts, niemand nimmt Rücksicht auf sie. Traurig fällt sie immer mehr zurück. Da wird sie von einer Einheimischen angesprochen: „Lassen Sie die nur rennen. Die kriegen ja gar nichts mit. Kommen Sie, ich zeige Ihnen alles.“ Während die Frau nun langsam und in Ihrem Tempo weitergeht, bekommt sie die Schönheiten der Landschaft gezeigt, wird ihr vieles erklärt und erzählt. Und sie erholt sich. Auch sie kommt am Gipfel an. Sicher später, allerdings um vieles reicher.

Wahre Geschichte.

Die kleine Katze

Auf einem hohen Baum saß die kleine Katze ganz allein. Die Bäckerin kam vorbei und sah das Tier: „Ja, du armes kleines Kätzchen! Bist ganz hinauf geklettert und traust dich nicht mehr herunter!“ Der Pfarrer kam, und die Bäckerin sagte: „Herr Pfarrer! Wir müssen dem armen kleinen Kätzchen helfen!“ Der Bürgermeister kam. „Herr Bürgermeister“, sagten die Bäckerin und der Pfarrer. „Helfen Sie uns, dem armen kleinen Kätzchen zu helfen!“ „Gut“, sagte der Bürgermeister. „Wir werden dem armen kleinen Kätzchen helfen. Ich rufe die Feuerwehr!“ Die Feuerwehr kam Weiterlesen

Gedachte Präparate

„Manchmal kommt es vor“, erzählte ein Arzt, „dass ich einem Patienten ein Medikament, das er braucht, nicht geben kann, weil es zu teuer ist oder zu schwer zu beschaffen.  Wie, bitte, kommt man an ein homöopathisches Präparat aus Löwenmilch? In solchen Fällen lasse ich manchmal den Patienten den Namen des Mittels auf einen Zettel schreiben und verschreibe ihm, den Zettel einmal gründlich zu betrachten.  Natürlich kann ich einen solchen Vorschlag nur Patienten machen, die für etwas so „Verrücktes“ aufgeschlossen sind. Das Seltsame ist: Bei denen, die den Rat befolgen, bewirkt oft der Zettel dasselbe wie das Medikament.“

Eine Krankenschwester, die den Arzt reden hörte, lachte darüber. Sie hatte jahrelang auf einer Intensivstation gearbeitet und manchem Patienten in einer kritischen Situation durch die schnelle Gabe eines Medikamentes das Leben gerettet.  Wie wäre es wohl gewesen, ihnen einen Zettel auszuhändigen mit dem Namen ihrer Medizin?

Es geschah einige Tage nach diesem Gespräch: Am Morgen erwachte sie mit Kopfschmerzen. Sie wusste, es war nichts Ernsthaftes, nur dieser längst vertraute Schmerz, der nichts als sich selbst bedeutete. Sie wusste auch, sie hatte keine Kopfschmerztabletten im Haus. Nun stellte sie in Gedanken ein Glas Wasser neben das Bett. Sie malte sich aus, wie sie die Tablette hineinwarf und diese sich sprudelnd auflöste.  Sie stellte sich vor, wie sie das Glas in langsamen Schlücken leerte, wie das Wasser von ihrem Körper aufgenommen würde und wie das Medikament begann, seine Wirkung zu entfalten. Für ein paar Minuten schlief sie ein, dann erwachte sie wieder, stand auf und fuhr zur Arbeit. Alles verlief wie gewohnt. Als sie spät abends auf ihren Tag zurückschaute, fiel ihr auf, dass diese Schmerzen in den Minuten nach der gedachten Einnahme des Medikaments verschwunden waren und sie sie vollständig vergessen hatte.

Diese Begebenheiten haben sich in meinem Freundeskreis abgespielt. Es sei jedem überlassen, sich seinen eigenen Reim darauf zu machen.