Piratenanästhesie

Ein paar Kinder aus der Familie und ein Nachbarsmädchen wollten gerne hypnotisiert werden. „Na gut“, habe ich gesagt, habe ist Leere geschaut und wie geistesabwesend angefangen, zu erzählen.

Stell dir nur vor: Du als Pirat! Mit einem Holzbein aus altem, hartem, festen Eichenholz und einer schwarzen Augenklappe – oder vielleicht doch lieber ohne Augenklappe? Wie dem auch sei! So ein Pirat hat viel zu tun auf einem großen, alten Schiff. Viel Arbeit an den Seilen und den Segeln, an den Masten, an der Ladung und mit all den Mitpiraten! Weiterlesen

Schuppen

Gestern bat mich jemand: „Hypnotisiere mich doch einmal gegen Schuppen.“ Nach einer kurzen Tranceinduktion erzählte ich ihm die folgende Geschichte:

Ich bin in einer afrikanischen Trommelgruppe. Der Leiter, ein Kongolese, übte mit uns ein Trommelstück ein, das am Ende immer leiser und leiser wird, bis die Musik schließlich ganz verstummt. Am Schluss lag seine Hand regungslos auf der Trommel. Ohne einen Laut hob er sie auf. Wir taten es ihm nach. Bei jedem von uns gab es ein deutlich hörbares Schmatzen vom Schweiß und Fett auf der Handfläche. Immer wieder probierten wir es, Weiterlesen

Sozialgeräusche

Diese Kollegin fragte also, „Gib mir mal eine Geschichte für Leute vom Werksdienst, die genervt sind von Besuchern, die sie beleidigen und beschimpfen, nur weil sie nicht in die gesperrten Bereiche gelassen werden.“ Ich war gerade im Schuhgeschäft, als sie anrief, und ich sagte: „Ich ruf dich gleich zurück…“ Als ich meine Schuhe gekauft hatte, erklärte die Kollegin: „Ich weiß schon, was ich ihnen sage. Ich erzähle ihnen ‚Was man hört‘ (Stefan Hammel, Der Grashalm in der Wüste, S. 29).“ Ich sagte: „Das ist gut. Ich schlage dir noch Folgendes vor. Erzähle den Leuten vom Werksdienst, dass es in der Natur ja vielfältige interessante Geräusche gibt, zum Beispiel das Schnauben von Wasserbüffeln an einem Flussufer, das Grunzen von Warzenschweinen, die an einem Gestrüpp reiben, Weiterlesen

Wie finde ich eine passende Geschichte? Teil I

Letzte Woche rief mich eine Kollegin an: “Ich bräuchte mal schnell eine Geschichte für Leute vom Werksschutz, die genervt sind von… Erzähl mir mal eine.â€? Um in Beratungssituationen jederzeit Geschichten abrufbar zu haben, ist es gut, eine Methodik des Geschichtenfindens zu haben. In einigen Seminaren vermittele ich, wie man Suggestivgeschichten nicht mehr zufällig, sondern zielstrebig findet. Ich möchte in der nächsten Zeit in ungefähr wöchentlicher Folge Hinweise geben, wie man systematisch Geschichten findet, die in die jeweilige Situation passen.

Einen Hinweis für die Nützlichkeit einer Geschichte liefert das Erleben einer Pointe. Fast alle Geschichten mit einer guten „Pointe“, wie auch einige pointelose Geschichten, können therapeutisch eingesetzt werden. Das Überraschungsmoment, das die Pointe ausmacht, Weiterlesen

Eine Armee für den Frieden!

Eine Armee für den Frieden!

Finden Sie auch, dass es zu viele unglückliche Menschen gibt in der Welt? Dann möchte ich Ihnen dazu gerne eine Geschichte erzählen.In London lebte im vorletzten Jahrhundert ein Mann, der hatte eine besondere Eigenschaft. Er konnte es nicht ertragen, Menschen im Elend zu sehen. Das wäre vielleicht nicht der Rede wert, denn das behaupten auch heute noch viele Menschen von sich. Aber dieser Mann hatte noch eine zweite Eigenschaft. Er hat alles getan, was er konnte, um das Elend der ärmsten Menschen zu lindern. Er hat zusammen mit seinen Freunden und späteren Mitkämpfern Hunderttausenden geholfen, ein menschenwürdiges Leben zu führen. Weiterlesen

Das rollende Klavier

Meine Schwester hat mir was erzählt. Über einen Mann, den sie kennt.

Seit vielen Jahren arbeitete er als Pianist. Unzählige Auftritte hatte er erlebt. Und meine Schwester hat ihn gefragt, was denn das unangenehmste Erlebnis auf seinen Konzertreisen gewesen sei? „Einmal“, so erzählte er, „habe ich während eines Konzertes bemerkt, dass das Klavier, auf dem ich spielte, nicht richtig befestigt war. Vielleicht war auch der Boden des Konzertsaals nicht eben. Während ich spielte, begann nun das Instrument, allmählich von mir fortzurollen. Ich rutschte mit meinem Klavierstuhl hinterher, doch es rollte weiter. Ich rutschte, es rollte. Und so ging es immer weiter, während des ganzen Stücks. – Die meisten Instrumente haben eine Bremse, und die muss festgestellt werden. Wenn nicht, dann gnade dir Gott.“

(Hammel, Der Grashalm in der Wüste, S. 65)

Ansteckend

Vor einiger Zeit habe ich einen alten Freund getroffen. „Vorsicht, ich bin krank!“, hat er von Ferne schon gerufen. „Dann nimm dich gut vor mir in Acht“, sagte ich. „Ich habe eine ansteckende Gesundheit!“

Am Anfang habe ich das getan, um mich vor der suggerierten Ansteckung zu schützen. Weil das offenbar geholfen hat, habe ich öfter so geantwortet. Inzwischen habe ich den deutlichen Eindruck, dass oft auch die Zuhörer – obwohl sie dem Satz meist keine ernsthafte Bedeutung beimessen – danach schneller gesund werden. Inzwischen gibt es Leute, die mich daraufhin ansprechen: „Gib mir mal was von deiner ansteckenden Gesundheit.“ Und einige haben mich gefragt: „Wirkt die auch per Telefon?“ „Jaaa….“, sage ich dann und grinse.

(Nach Hammel, Der Grashalm in der Wüste, S. 55)

Was ist Hypnotherapie?

„Das ist aber nicht mit Hypnose, oder so?“, hat mich neulich wieder jemand gefragt, nachdem ich sagte: „Ich bin Hypnotherapeut.“ „Ja, so richtig mit Hypnose?“, fragen andere. Wieder andere fragen: „Machst du auch Rückführungen?“, und meinen, dass ich jemanden in ein früheres Leben zurückführen könnte. „Nein, das mache ich nicht“, sage ich, und ich beginne, zu erklären:

Mit Hypnotherapie werden Therapieformen zusammengefasst, die das vorhandene Wissen über die Wirkung von Trance und Suggestionen therapeutisch nutzen. Man will Heilungs-, Such- und Lernprozesse fördern. Dazu wird entweder Hypnose im mehr formalen Sinn praktiziert Weiterlesen

Margarete und Lucia (Die zwei Eidechsen)

Margarete und Lucia (Die zwei Eidechsen)

Letztes Wochenende habe ich auf der Burg Fürsteneck in Hessen ein Seminar über systemische Beratung gehalten. Da ging es um systemische Grundhaltungen und Grundmethoden. Zum Beispiel: Was ist Perspektivwechsel, und was ist ein Reframing? Ich habe ihnen dazu als Beispiel die folgende Geschichte erzählt.

In einer Mauerritze lebten zwei Eidechsen, Margarete und Lucia. Lucia lag den Tag über auf der Mauer und badete in der Sonne. Margarete verbrachte die meiste Zeit damit, Insekten zu suchen für sich und ihre Kinder. Wenn sie Lucia auf der Mauer liegen sah, ärgerte sie sich. „Wie du die Zeit vertust. Wenn du eine anständige Eidechse wärest, würdest du dich mal um das Wohl deiner Kinder kümmern. Was machst du denn den ganzen Tag da oben?“ Weiterlesen

Haltbarkeitsdatum überschritten

Ich kann mich von überschüssigen Nahrungsmitteln nicht trennen. „Essen wirft man nicht weg!“, habe ich gelernt. Zumindest nicht, solange es noch essbar aussieht. Die Lebensmittel, die mich nicht reizen, bewahre ich also, damit sie lange halten, im Kühlschrank auf. Eine, zwei, drei Wochen, einen Monat lang. Wenn sie dann die ersten Schimmelflecken zeigen, werfe ich sie mit beinahe gutem Gewissen weg. Sie sind ja nun nicht mehr genießbar. „Warum wirfst du diese Sachen nicht gleich in den Abfall?“, fragte mich neulich ein Freund. „Wenn du sie am Anfang nicht essen magst, werden sie dir später sicher auch nicht besser schmecken.“ „Wer weiß?“, fragte ich.