Film: Brückenphobietherapie…

Hier kommt der Brückenphobietherapie-Film… Euch allen viel Spaß beim Anschauen!


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Doktor Dachs

Die folgende Geschichte kann man Kindern mit Spritzen- oder Behandlungsangst erzählen – oder Angst vor der Narkose – oder schüchternen Kindern, denen es schwer fällt, sich einem Therapeuten anzuvertrauen – oder Kindern, die Unruhe, Schmerz und Trauer spüren, wenn sie sich vom Bildschirm wegbewegen – oder Pflegekindern, die Scheu haben, ihren Pflegeeltern erzählen, was sie bei ihren leiblichen Eltern erlebt haben – vielleicht auch einigen Menschen, die schon erwachsen sind?
Der Fuchs hatte sich einen Stachel zugezogen. Tief steckte der in seiner Pfote, und wenn der Fuchs versuchte aufzutreten, dann tat das furchtbar weh. Schon bald lief der Fuchs nur noch auf drei Pfoten. Die vierte hielt er in der Luft, und tatsächlich tat sie so auch nur ganz wenig weh. Praktisch war das natürlich nicht, und Hasen konnte er so auch nicht jagen. Die anderen Tiere schüttelten den Kopf und sagten: „Geh zum Dachs, vielleicht kann der dir helfen.“ Der Dachs war so etwas wie der Arzt der anderen Tiere. Er wusste, was zu tun war, wenn eines krank war oder sich eine Verletzung zugezogen hatte. Der Dachs schaute sich die Pfote des Fuchses genau an und sagte: „Da ist ein Stachel drin. Es hilft nichts, der muss raus.“ Sobald aber der Dachs begann, an dem Stachel zu ziehen, zog der Fuchs die Pfote weg und schrie ganz fürchterlich, denn jetzt begann es erst richtig weh zu tun. „Du tust mir weh!“, sagte der Fuchs. „Ich muss daran ziehen tun, damit der Stachel rauskommt“, sagte der Dachs. „Das kann ganz kurz mal weh tun.“ Die beiden wurden sich nicht einig, und so humpelte der Fuchs noch einige Tage auf drei Beinen durch den Wald und wurde immer hungriger. „Hast du keine andere Idee, wie man das machen kann?“, fragte er den Dachs, als er ihn wiedersah. „Komm mit!“, sagte der, und gemeinsam gingen sie zum Fluss „Halte deine Pfote da hinein. Das Wasser ist so kalt, dass es deine Pfote betäubt. Der Fuchs streckte seine Pfote ins Wasser. „Uuh! Ist das kalt!“ Das war schon sehr unangenehm, aber der Dachs hatte Recht. Nach einer Weile konnte er seine Pfote fast nicht mehr spüren. „Was machst du eigentlich heute abend?“ fragte der Dachs. Der Fuchs überlegte. Währenddessen nahm der Dachs die Pfote, zog an dem Stachel, und: Draußen war er!

Umgang mit Tieren & Menschen in Panik

Auch dieses Video ist bei einem der therapeutischen Ausbildungsseminare in Kaiserslautern entstanden. Es geht darum, wie wir mit Tieren und Menschen in exremen Angst- und Erregungszuständen umgehen können und was wir daraus für andere menschliche Situationen lernen können. Vielen Dank an Peter (Kamera), Jan (Musik), Manuela (Schnitt) und Marius (Vor- und Nachspann)! Und euch allen viel Spaß beim Zuschauen und Zuhören!


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Woher die Angst?

Wovor fürchten wir uns? Was macht uns Angst? Angst hat viel weniger mit unserer Zukunft als mit unserer Vergangenheit zu tun, und sie hat zuweilen eine Tendenz, zu erzeugen, was sie verhindern will… Dieses Video zeigt einen Ausschnitt aus einem Ausbildungsseminar, in dem ich mir Gedanken über die Ursprünge und Wirkungen von Angst mache… Vielen Dank an Peter, Marius, Jan und Manuela, die dieses Video gestaltet haben!


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Behandlung von Traumata

Am 14.-16. Oktober 2016 findet in Otterberg bei Kaiserslautern das Festival des Therapeutischen Erzählens statt*. Bei dieser Tagung werden 22 Referentinnen und Referenten aus 7 Ländern zeigen, wie Geschichten, Metaphern und erzählende Elemente in der Therapie und Therapie-verwandten Situationen eingesetzt werden können. Ich selbst werde beim Festival etwas zu Geschichten in der Therapie von Depression und Trauma sagen und eine Demonsation zum Therapeutischen Modellieren („Stühlespiel“) machen. Dazu passt ein Filmausschnitt vom vergangenen Januar, wo ich die Entstehung und Wirkung von Traumatisierungen erläutere und die Therapie von Traumata mit Methoden des Therapeutischen Erzählens und des Therapeutischen Modellierens skizziere. Viel Spaß und gute Impulse beim Anschauen!


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* Bis zum 3.9. gilt noch die letzte, verlängerte Frühbucherfrist mit einer Ermäßigung von 15 Euro gegenüber dem Endpreis von 360 Euro.

Die Garderobe (Filmausschnitt)

Dieser Film, den mein sehr geschätzer Kollege Peter Stimpfle auf einer Tagung 2013 erstellt hat, war für einige Zeit nicht mehr im Netz zu sehen. Jetzt ist er wieder öffentlich zugänglich. In dem Vortragsausschnitt veranschauliche ich, wie man die Metapher von „Gottes Garderobe“ in der Begegnung mit Sterbenden einsetzen kann. Man kann die Intervention abgewandelt auch gut bei Depression, Burnout, Schlafstörungen oder akuter Traumatisierung verwenden. Viel Spaß beim Ansehen!


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Das Bergdorf

Es ist schon eine Tradition – mit meinen Autorenkollegen Martin Niedermann, Katharina Lamprecht und Adrian Hürzeler treffe ich mich an Ostern auf einer Hütte im Berner Oberland. Wir erzählen uns Geschichten, besprechen unsere Projekte miteinander und schmieden Pläne miteinander, die dann oft tatsächlich wirklichkeit werden – so wie das Buch vom fliegenden Krokodil im vergangenen Jahr oder wie das Therapeutischen Kartenset, das im Herbst erscheint (ebenfalls beim Reinhardt-Verlag unter dem Titel „Wie das Krokodil das Fliegen lernte). Die in vielen Stunden von Martin Niedermann und seinen Helfern wiederaufgebaute Hütte des Gleiswächters – von der vorher nur eine Ruine erhalten geblieben war – bot uns Unterkunft und mir Anlass, die Geschichte vom Bergdorf zu erzählen…


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Venedig

Auch diese therapeutische Geschichte habe ich von Bettina Betz, danke ganz herzlich und freue mich, dass ich sie mit euch teilen darf!

Venedig ist eine untergehende Stadt, sagt man. Sie ist nicht nah am Wasser sondern im Wasser gebaut. Seit sie existiert glaubt man vorhersagen zu können, wann sie dem Meer zum Opfer fallen wird.

Ich habe gelesen, dass die Gefahr, abzubrennen für Venedig noch größer sei. Die Stadt ist sehr dicht bebaut. Wenn es brennt, ist die Feuerwehr auf die Kanäle angewiesen. Von Zeit zu Zeit werden diese jedoch zu Reinigungszwecken leergepumpt. Wenn das Feuer also an der „falschen Stelle“ ausbricht und der nächstgelegene Kanal gerade trocken liegt, hat die Feuerwehr weder einen direkten Zugang zum brennenden Gebäude noch einen schnellen Zugriff auf Löschwasser.
Wenn man sagt, man liebt Venedig, dann hört man oft: „Ja, das Morbide hat eine starke Anziehungskraft.“ Die Stadt scheint ein Symbol für die Sehnsucht nach dem Tod zu sein. Viele Geschichten und Filme, die den Tod thematisieren, spielen dort. Die Fassaden der Palazzi bröckeln, das Meerwasser schwappt jährlich meterhoch über den Markusplatz, Touristenströme überschwemmen die ganze Stadt, ihre Füße scheinen sie in den Meeresboden stampfen zu wollen.

Für mich ist Venedig ein Symbol der Lebenskunst. Dabei denke ich nicht an seine große Vergangenheit, sondern sehe es, wie es heute ist: In den maroden Fassaden sitzen blankgeputzte Fenster, hinter den Vorhängen blinken Kronleuchter. Die unscheinbaren Häuser um den kleinen zentralen Platz des Ghettos verbergen nach wie vor fünf Synagogen mit prächtiger Ausstattung. Viele Gebäude werden restauriert und gepflegt und zeigen sich in voller Schönheit. Die verschlungenen engen Gassen sind voller Überraschungen. In den Restaurants wird nach allen Regeln der Kunst gekocht. Die „aqua alta“ geht jedes Mal wieder zurück.

Beim letzten Brand des berühmten Theaters „La Fenice“ (es gab unzählige in der Geschichte Venedigs) stand der Wind günstig und Nachbarn riefen rechtzeitig die Feuerwehr. So hatte sie genügend Zeit, zwar nicht das Theater, aber die Stadt vor dem Feuertod zu retten. Der angrenzende Kanal war in dieser Nacht gerade leer.
Vom Himmel her betrachtet sieht die Stadt Venedig aus wie ein Fisch.
Vielleicht ist sie ein Delfin. Wie sonst könnte sie es so lange über Wasser aushalten?

Die Depression austreiben.

Gestern hatte ich einen NATO-Soldaten in Therapie, der bei Kämpfen in Afghanistan traumatisiert wurde. Ich merkte, dass er kaum über das reden konnte, was er erlebt hatte. Sein Denken erstarrte jedesmal, wenn er versuchte, davon zu sprechen. Also fragte ihn  nicht, was ihm passiert war. Ich zeigte ihm verschiedene Stühle und gab jedem Stuhl eine unterschiedliche Bedeutung. Ich setzte alle belasteten und traumatisierten Lebenserfahrungen als Personen aus ihm heraus, auf unterschiedliche Sitzplätze. Ich ließ ihn herausfinden, wie es sich anfühlt, wenn sie draußen sitzen, anstatt in ihm zu sein. Dann bat ich gute Lebensmöglichkeiten, auf anderen Stühlen Platz zu nehmen. Ich ließ ihn ausprobieren, auf welchem Stuhl er sich am wohlsten fühlte und bat sein Unbewusstes, diesen Zustand mit nach Hause zu nehmen. Am Ende der Therapie sagte er: „Endlich jemand, der für mich da ist. Die anderen Therapeuten wollen jedesmal zuerst, dass ich alles erzähle, was mir passiert ist…“

„Therapeutisches Modellieren“ nenne ich das. Es erinnert mich an eine Geschichte, die ich von meiner Schwester Birgit erfahren habe. Ein Ruander sprach mit einem westlichen Autor, Andrew Solomon, über seine Erfahrung mit westlicher Psycholotherapie und Depression. Er sagte:

„Wir hatten viele Probleme mit westlichen Psychotherapeuten, die gleich nach dem Genozid zu uns kamen. Wir mussten einige von ihnen bitten, zu gehen. Sie kamen her, und es gehörte nicht zu ihrer Therapie, draußen in der Sonne zu sein, wo man anfängt, sich besser zu fühlen. Sie hatten keine Musik und keine Trommeln, um dein Blut wieder in Bewegung zu bringen.Sie hatten kein Verständnis dafür, dass alle sich einen Tag frei genommen hatten, damit die ganze Gemeinschaft zusammenkommt, um dich aufzurichten und einandedich zur Freude zurückzubringen. Sie haben zur Kenntnis genommen, dass die Depression etwas ist, was von außen eindringt, was darum auch wieder ausgetrieben werden kann.

Stattdessen holten sie die Leute einzeln in diese schäbigen kleinen Zimmer, ließen sie für eine Stunde dort herumsitzen und redeten mit ihnen über schlimme Dinge, die ihnen passiert waren. Wir mussten einige von ihnen bitten, zu gehen.

(Aus: „The Moth“, Podcast: Notes on an Excorcism“) Den Originaltext auf Englisch findet ihr in meinem englischsprachigen Blog. Zum Verhältnis von Therapeutischem Modellieren und Exorzismus merkt Jean-Otto Domanski an:

„In einem hypnotherapeutischen Deutungsrahmen kann man Besessenheit als das Vorherrschen von leidvollen, unwillkürlichen Prozessen verstehen, und es ergeben sich frappierende Parallelen zwischen den Exorzismen Jesu und der Arbeit mit ungeliebten Seinsweisen von Stefan Hammel im therapeutischen Modellieren… Der Hauptunterschied… besteht neben dem Weltbild in der Form der Kommunikation: Jesus befiehlt autoritativ mit göttlicher Vollmacht, während im therapeutischen Modellieren eingeladen wird, die ungeliebten Seinsweisen auf einen anderen Stuhl zu setzen. Stefan Hammel tut dies jedoch so…, [dass die Klienten] sich dem kaum entziehen können. Insofern könnte man bei Hammel von einer milden Form des Exorzismus sprechen. Zugleich erscheinen die Exorzismen Jesu … als eine Form von autoritativer Hypnose…“

(Domanski, J.-O.: Worte, die wirken. Theorie und Praxis der Hypnotherapie nach Milton H. Erickson mit Blick auf Heilungsgeschichten und Gleichnisse des Neuen Testaments und die kirchliche Praxis. Studienarbeit, Berlin, Ev. Kirchengemeinde Tegel-Süd, 2014)

Grüßen Sie Ihr Traum-Ich!

In der Psychiatrie erzählte eine Frau von ihrem Kummer, dass sie aufgrund eines richterlichen Beschlusses nun bis zu sechs Wochen hinter den Türen der Psychiatrie verbringen müsse. Sie teilte mit, sie habe gegen das Urteil Einspruch erhoben. „Ich habe dem Arzt gesagt: ‚Ich will meine Träume behalten. Ich lebe seit zwanzig Jahren damit und bin immer zurechtgekommen.‘ Jetzt wollen die mich hier einsperren. Sagen Sie: Ist das gerecht?“ Wir sprachen eine Weile miteinander. Es stellte sich heraus, dass sie mit intensiven und anhaltenden Halluzinationen lebte, die sie von der Realität anderer Menschen nicht unterscheiden konnte – oder vielleicht auch nicht wollte. Meistens liebte sie dieses Leben in Träumen, manchmal allerdings wurde daraus auch eine schier unentrinnbare Alptraumwelt. „Vor zwanzig Jahren… wie alt waren Sie damals?“ „Achtunddreißig.“ „Was war denn in dieser Zeit?“ „Mein Mann hatte sich von mir getrennt. Es war so furchtbar. Es war die Hölle.“
„Und dann haben Sie diese Träume gefunden als eine Welt, in der es Ihnen besser geht. Kann das sein?“ „Ja, in meiner Welt ist es schöner. Aber deswegen bin ich doch nicht verrückt…?“ „Die Ärzte sehen das offenbar anders als sie. Die haben eben ihre Welt, und in ihrer Welt nennen sie das eine Psychose. Darf ich Ihnen erklären, wie ich das sehe?“ „Ja, gerne.“
„Ich denke, Sie haben eine besondere Begabung entwickelt. Sie haben die Begabung entwickelt, die Wirklichkeit, wenn sie zu schlimm ist, um sie auszuhalten, mit Träumen zu überdecken, die schön sind, und das so intensiv, dass Sie die schlimme Wirklichkeit gar nicht mehr zu bemerken brauchen. Man kann sagen, Sie haben gelernt, Nachtträume am Tag zu haben und sie auf Dauer zu stellen. Und wie man bei Nachtträumen gar nicht bemerkt, dass sie nicht die Tagwirklichkeit ist, weil sie so wirklich wirken, genauso ist es auch bei Ihren auf Dauer und Tagbetrieb gestellten Nachtträumen. Ab und zu allerdings schwappt etwas Schlimmes aus der wirklichen Welt in Ihre Traumwelt hinein, und dann wird daraus Ihre Alptraumwelt. Die gute Absicht Ihrer Träume ist also, die unangenehmen Seiten der Wirklichkeit von Ihnen fernzuhalten. Nur ab und zu verselbständigt sich die Traumwelt, und wie bei nächtlichen Alpträumen merken Sie das erst hinterher, dass es ein Traum war.“
„Diesmal bin ich freiwillig in die Psychiatrie gegangen und weiß auch, wie ich hier her gekommen bin. Das letzte Mal hat mich die Polizei gebracht, aber daran habe ich überhaupt keine Erinnerung.“ „Wie das bei Träumen so ist, nicht wahr… man erinnert sich oft nicht daran, was war, während man geschlafen hat.“ „Das stimmt.“
„Ich möchte, dass Sie Ihre schöne Welt behalten können und Ihnen helfen, dass Sie hier rauskommen und nicht wieder hereinkommen. Darf ich Ihnen dazu etwas sagen?“ „Gerne.“ „Sagen Sie bitte Ihrem Traum-Ich einen schönen Gruß: Es darf gerne weiter gut für Sie sorgen. Wir wollen seine Arbeit nur so optimieren, dass Sie hier möglichst bald herauskommen und nicht wieder hereinkommen. Das ist Ihrem Traum-Ich doch sicher recht, oder?“ „Natürlich.“
„Sehen Sie, wenn Ihr Traum-Ich so ausschließlich da ist, dass scheinbar nur Ihre Träume da sind, kann es sein, dass Sie Dinge sagen, die die Pfleger und Ärzte, den Richter oder auch andere Leute beunruhigen, weil das nicht zu deren Wirklichkeit gehört und die sich Sorgen um sie machen. Dann wollen sie Sie zur Sicherheit noch eine Weile dabehalten. Damit Sie das Personal und den Richter nicht beunruhigen, ist es wichtig, dass Sie einerseits Ihr Traum-Ich in der Weise behalten, die Sie brauchen, damit es Ihnen gut geht, andererseits immer genügend von der Wirklichkeit, die für alle gilt, mitbekommen, so dass Sie diesen Leuten nicht mit Ihrem Traum-Ich, sondern mit der Wirklichkeit antworten, mit der die etwas anfangen können. Verstehen Sie das?“ „Ja, natürlich.“
„Sagen Sie doch dem Teil Ihrer Seele, der weiß, was für alle wirklich ist, einen schönen Gruß, dass er immer genügend von der ‚Wirklichkeit-für-alle‘ zur Verfügung stellt, damit Sie den anderen in deren Wirklichkeit antworten können, damit die beruhigt sind und Sie hier nicht einsperren. Ihr Traum-Ich kann gerne parallel die Träume weiterproduzieren, die Sie haben möchten, um glücklich zu sein, nur eben auf eine Art, damit immer genügend Wirklichkeit für den Umgang mit den anderen Leuten zur Verfügung steht. Ist das in Ordnung?“ „Ja, das ist in Ordnung.“
„Es könnte zum Beispiel so sein, dass der Teil von Ihnen, der gut weiß, was für alle wirklich ist, Ihnen die Traumwelt bei Bedarf herunterdimmt und mehr Wirklichkeit einblendet, wie mit einem Schiebeschalter, so, wie es gerade gebraucht wird, oder dass Sie auf eine andere gute, sichere Art beides gleichzeitig haben können.“
„Dann kann der Teil, der für die Wirklichkeit zuständig ist, auch beobachten, wann aus Ihrer Traumwelt eine Alptraumwelt wird, die sich gar nicht lohnt und Ihnen immer bei den Vorzeichen einer solchen Alptraumwelt stattdessen die Wirklichkeit einblenden. Können Sie derjenigen, die in Ihnen gut über die Wirklichkeit aller Leute Bescheid weiß, einen schönen Gruß ausrichten, dass sie das für Sie macht?“ „Das mache ich!“
Acht Tage später begegnete ich der Frau wieder. „Darf ich Ihnen einmal etwas erzählen? Das ist ganz seltsam“, sagte sie. „So etwas ist mir in meinem ganzen Leben noch nie passiert. Ich schaue dort hinüber, und dort steht ein schöner Blumenstrauß, und während ich ihn anschaue, verschwindet er und ist einfach weg.“
„Das ist schön“, sagte ich. „Das heißt ja, dass Ihr Traumerleben und diejenige in Ihnen, die weiß, was für alle wirklich ist, gut zugehört haben und dass sie das, was wir besprochen haben, für Sie so umsetzen. Sagen Sie denen einen Gruß, dass sie das, was sie schon so gut machen, immer besser machen, so dass Sie außer der Traumwelt immer genügend Wirklichkeitswelt zur Verfügung haben für das, was Sie brauchen und für die Menschen, denen Sie begegnen.“
Nochmals vier Tage später sah ich die Frau wieder. Sie berichtete, der Arzt habe ihr heute gesagt, sie könne, wenn sie wolle, die Klinik verlassen, und das werde sie jetzt tun. Ich traf den Arzt, der für ihre Beurteilung zuständig war und fragte ihn nach ihr. Er sagte, sie habe sich in den letzten Tagen so positiv entwickelt, dass er zwar befürworte, dass sie sicherheitshalber noch für eine kurze Zeit bleibe, aber die Voraussetzungen für eine Zwangsbehandlung nicht mehr gegeben wären. Er habe die für den Nachmittag angesetzte richterliche Anhörung nach Rücksprache mit ihr abgesagt und ihr den Verbleib in der Klinik freigestellt. Die Frau verließ die Klinik am selben Tag.