Grunzen

Gestern war ich auf einer Hochzeit und habe dort alte Freunde wieder getroffen. „Unsere achtjährige Tochter Lisa hat einen Tic entwickelt“, sagten sie. „Sie macht immer so ein scheußliches Grunzen, vor allem beim Essen. Kann man da nicht etwas machen?“ „Lass uns mal überlegen“, sagte ich und wir besprachen miteinander verschiedene Ideen. Später auf dem Spielplatz zeigte ich Lisa, dass bei mir ein Grunzen entsteht, wenn ich mir auf die Nase drücke, und dass bei einem Druck auf die Nase ihrer Eltern ein anderes Grunzen zu hören ist. Ich drückte ihre Nase und lernte so ihr Grunzen kennen. Wir fanden heraus, dass man die Nase durch wiederholtes Drücken leer grunzen kann, so dass für eine Weile nichts mehr kommt. Vor dem Abendessen grunzten wir uns also erst einmal leer. Wir fanden auch heraus, dass sie, wenn sie sich selbst die Nase drückt, nur ganz leise grunzt. Dann legten wir fest, dass zu jedem Nasedrücken ein Grunzen gehört, und natürlich auch umgekehrt zu jedem Grunzen ein Nasedrücken. Wenn sie also grunzt, solle sie sich also anschließend gleich auf die Nase drücken, damit das Verhältnis zwischen Drücken und Grunzen wieder stimmt. Besser aber sei es, immer schon vorher zu merken, wenn ein Grunzen kommt und sich davor schon die Nase zu drücken, damit das Grunzen, wie es sich gehört, eine Folge des Drückens ist. Sie müsse also lernen, sich immer vorher schon auf die Nase zu drücken. Ich schärfte Lisa ein, dass das ganz wichtig sei. Wir hatten viel Spaß miteinander, aber ich glaube, sie wird nicht mehr viele Tage beim Essen grunzen.

Mottenphobie

Gestern war ich bei Freunden zu Besuch. „Unsere Tochter hat eine Mottenphobie“, erzählten sie mir. „Jedesmal, wenn sie eine Motte in der Wohnung sieht, bekommt sie einen Schreianfall, und es gibt ein Riesentheater. Kannst du nicht etwas dagegen tun?“ „Ich weiß nicht, ob ich das kann“, sagte ich zur Tochter, die bei uns saß und gerade ein Glas Kakao trank. „Aber wenn du das nächste Mal eine Motte siehst, denke bitte nicht an Kakao und denke auch nicht daran, nicht an Kakao zu denken und nicht daran, wie dieser Kakao jetzt schmeckt und nicht daran, welches Gefühl in der Seele zum Kakao gehört, denn solltest du doch an Kakao und an das Gefühl in der Seele denken, das du jetzt durch das Trinken von Kakao bekommst, dann könnte es sein, dass du aus Versehen, obwohl du das vielleicht gar nicht vorhast, bei Motten Kakaogefühle bekommst. Und was wirst du dann tun, wenn du bei Motten anstatt des früheren lästigen Gefühls immer einen Anflug eines Eindrucks haben solltest, als ob du Kakao schmeckst und riechst und als ob du die Gefühle bekommen könntest, die doch eigentlich zum Kakao passen. Ja, was machst du dann?“ „Ist mir egal.“ „Oh“, sagte ich, „dann pass bitte auf! Denn wenn es dir egal ist, ob du bei Motten immer Kakaogefühle bekommst, dann musst du aufpassen, dass dir dabei nicht die Motte selbst egal wird, denn es wäre doch schade, wenn dir die Motte so egal würde, wie es dir egal ist, dass du bei Motten vielleicht Kakaogefühle bekommst…“ Eine Viertelstunde später sah das Mädchen eine Motte, ging ruhig darauf zu, schaute sie konzentriert an, schlug sie tot und setzte sich gelassen wieder hin.

Bewusstes und Unbewusstes

Möchten Sie gerne wissen, wie sich das bewusste Denken vom Unbewussten unterscheidet?

Denken Sie eine Weile nach: Alle Rede-, Denk-, Erlebens- und Verhaltensweisen, die „typisch Mann“ sind, sind gleichzeitig „typisch bewusstes Denken und Handeln“. Alle, die „typisch Frau“ sind, sind gleichzeitig „typisch unbewusstes Denken und Handeln“.

Das heißt vermutlich, dass Männer das Bewusste im Durchschnitt mehr nutzen und Frauen das Unbewusste. Was besser ist, ist Ansichtssache. Die Gleichung funktioniert ziemlich präzise.

Die Welt, eine Eschertreppe

Wir sehen den Geist als neurologische Leistung, das heißt, als Ergebnis materieller Konstellationen: Geist ist dann das Produkt der Materie und ihrer Gesetze.

Wir sehen ebenso die Materie als geistige Interpretationsleistung, als Konstrukt unseres Geistes: Unser Körper, unser Gehirn und alle Dinge sind dann das Produkt des Wahrnehmens und Interpretierens.

Unsere Gedanken deuten die Gesetze der Natur, die unsere Gedanken hervorbringen, die die Gesetze deuten, die die Gedanken hervorbringen…

Unsere Wahrnehmung bemerkt unseren Körper, der unsere Wahrnehmung hervorbringt, die unseren Körper bemerkt, der unsere Wahrnehmung hervorbringt…

Die Welt, eine Eschertreppe…

Streiten und schlagen

Gestern hatte ich eine Familientherapie mit zwei Jungen (8 und 10), die sich seit Jahren viel streiten und schlagen, und mit ihren Eltern, die nicht mehr weiter wussten.

Ich habe die Jungen gefragt, warum sie hier sind, und sie haben herumgedruckst. Ich habe gefragt, ob sie nicht so gerne über Probleme reden, und dem haben sie zugestimmt. Dann habe ich gesagt: „Ich auch nicht. Mit mir wollen die Leute immer über Probleme reden, aber ich mag das gar nicht. Ich rede viel lieber über Lösungen und darüber, wie es ist, wenn alles gut ist, und wie man da hin kommt. Ich mache euch ein Angebot. Solange wir miteinander über diese Sachen reden können, reden wir nicht über Probleme. Erst wenn uns hier nichts mehr einfällt, reden wir über Probleme.“ Die Jungen waren einverstanden. Sie waren einfallsreich und kooperativ. Sie hatten gute Ideen, wie sie einander Gutes tun, sich versöhnen und gar nicht erst streiten können. Sie haben versprochen, alle Ideen auszuprobieren und alles, was sich bewährt, auszudehnen. Wir hatten ein gutes Gespräch.