Eine Frage an euch

Apothekenschrank

Wo wir gerade von Placebos sprechen. Stellt euch einmal vor, ihr betretet eine Apotheke. Aber das ist keine gewöhnliche Apotheke. Vielmehr hat der Apotheker dort in lebenslanger genauester Recherche eine weltweit einzigartige Sammlung von hochwirksamen Placebos für nahezu jede Indikation zusammengestellt. Und heute ist Aktionstag! Ihr dürft euch gratis eine Packung Placebos aussuchen zur Förderung einer geistigen, seelischen oder sozialen Fähigkeit!

Was für ein Präparat wählt ihr?

Um zu antworten, klickt ihr bitte die kleine Schaltfläche „Kommentare“ an, die sich unter diesem Beitrag befindet. Ich bin gespannt!

Placebo II

„Das Einstecken der Blutdrucktabletten hat mir bei meiner Präsentation sehr geholfen“, sagte der Mann, als wir uns wieder sahen. „Ich möchte Ihnen ein Geheimnis verraten“, habe ich geantwortet. „Immer, wenn Sie die Tabletten einstecken, weiß Ihr Körper, dass er den Blutdruck senkt. Er weiß, was er bei einer eingesteckten Tablette zu tun hat. Er weiß es so genau, dass er den Blutdruck auch dann senken wird, wenn Sie die Tabletten gar nicht bei sich haben, sondern auf jeder Seite Ihrer Präsentation nur irgendwo einen farbigen Punkt haben, der Sie an eine Blutdruck senkende Tablette erinnert.“

„Hat funktioniert“, berichtete der Mann beim nächsten Treffen.

 

Das Hörbuch: Der Grashalm in der Wüste

Das Hörbuch: Der Grashalm in der Wüste

Eigentlich wollten wir das Hörbuch vom „Grashalm in der Wüste“ ja schon im Dezember herausbringen. Aber erst kamen Krankheitszeiten, dann Produktionsschwierigkeiten und immer wieder Verzögerungen, weil die alltägliche Arbeit ja auch weiter laufen muss. Im vergangenen Monat war es dann doch soweit: Wir konnten beginnen, die besten „Taggeschichten“ aus dem Grashalm-Buch hörbar unters Volk zu bringen. Wir, das sind zum einen der Gitarrist Jan Masuhr aus Seligenstadt, der die Musik komponiert, eingespielt und abgemischt hat, zum anderen der Sprechkünstler Oscar Mürell, der die Rahmengeschichte vorträgt und schließlich ich als Textschreiber und Leser der vielen Einzelgeschichten, von denen einige ja auch in diesem Blog zu finden sind.

„Für ein Debüt ziemlich gut“, meinte unser Verleger Andreas Schmid, als er das Werk zum ersten Mal hörte. In gewisser Weise geht es uns ähnlich: Bei allem Stolz bleibt der Ehrgeiz, uns für die nächste CD im kommenden Jahr noch zu steigern.

Die CD hat eine Spielzeit von 77 Minuten, kostet 12,00 € und ist auf dem kürzesten Weg beim Autor erhältlich.

Lesenswert: Die Lehrgeschichten von Milton H. Erickson

Mit dem heutigen Beitrag möchte ich eine Reihe von Buchtipps beginnen. Fortsetzung folgt!

Als erstes möchte ich ein Buch vorstellen, das sehr unterhaltsam in die Arbeit von Dr. Milton H. Erickson einführt: Die Lehrgeschcihten von Milton H. Erickson, herausgegeben von Sidney Rosen. Milton Erickson gilt als der Begründer der modernen Hypnotherapie. Viele Interventionen aus der Familientherapie, aus dem NLP und anderen Verfahren gehen auf ihn zurück.

In diesem Buch sind Kurzgeschichten aufgeschrieben, die er seinen Studenten und Kollegen erzählte, um sie anzuleiten, bisherige Denk- und Verhaltensmöglichkeiten auszuweiten. Überwiegend sind es Anekdoten, die Erickson irgendwann in seinem Leben erlebt, beobachtet oder inszeniert hat und die er später verwendet hat, um Möglichkeiten des Denkens, Lernens und neuen Verhaltens zu illustrieren. Viele dieser Geschichten sind äußerst originell und witzig. Manche sind rätselhaft, wie so viele Therapiemethoden, die der legendäre Arzt aus Arizona entwickelt hat. Erklärt wird nicht viel in dem kleinen Werk. Es gibt wenige Antworten und wirft viele Fragen auf. Wenn man es als Lehrbuch betrachten möchte, dann ist es eines exklusiv fürs Unbewusste. Vor allem aber ist das Buch kurzweilig und regt das eigene Denken und Suchen nach neuen Möglichkeiten an. Es ist ein Fenster in die Welt des unbewussten Lernens.

Die Lehrgeschichten von Milton H. Erickson
Herausgegeben und Kommentiert von Sidney Rosen
Salzhausen (iskopress) 2000

Kartoniert, 319 Seiten
ISBN 3-89403-424-6

Trance erzeugen mit Geschichten

Geschichten wirken immer Trance erzeugend. Wenn man überlegt, wie viele Eltern ihren Kindern abends am Bett noch eine Geschichte vorlesen, ist das nicht überraschend. Geschichten wirken Trance erzeugend – sie sind ja selbst ein Trancephänomen: Die nächtlichen Träume sind ja wiederum Geschichten. Und unsere Tagträume genauso. Geschichten erzeugen Trance: Erzähler und Zuhörer tauchen ab in eine andere Welt. Die gegenwärtige Welt verliert sich vor ihren Augen, eine innere Welt wird sichtbarer und hörbarer als die äußere. Raum und Zeit werden bedeutungslos. Was zählt, ist was erzählt wird.

Wer die Trance erzeugende Wirkung des Geschichtenerzählens noch vertiefen möchte, hat unter anderem folgende Möglichkeiten:

* Passen Sie Ihren Atemrhythmus an den des Hörers an
* Verändern Sie den Tonfall: Bedeutsam, einförmig, märchenonkelig…
* Reden Sie gleichsam ins Leere, gehen Sie selbst als erstes in Trance
* Beginnen Sie langsamer als normal, werden Sie noch langsamer
* Machen Sie viele Pausen
* Verwenden Sie viele Bindewörter: Und, während, weil, so dass, …
* Erzählen Sie Seltsames und Verwirrendes
* Gebrauchen Sie langsame, stockende, oder gar keine Bewegungen
* Reden Sie über Trance
* Stellen Sie viele rhetorische Fragen
* Reden Sie über die Kindheit, rufen Sie Erinnerungen wach
* Wiederholen Sie Satzteile, die etwas mit Trance zu tun haben.

Apropos etwas wiederholen, um in Trance zu fallen: Wie lautet die suggestive Kernthese dieses Artikels? Und wo sind Sie jetzt? Genau…

Webtipps I: Netzwerk Hypnotherapie

Webtipps I: Netzwerk Hypnotherapie

Mit dem heutigen Eintrag möchte ich eine Reihe von Beiträgen eröffnen, die auf nützliche Internetseiten im Bereich Hypnotherapie und systemische Beratung hinweisen. Die Reihe wird ungefähr wöchentlich fortgesetzt.

Zum Auftakt möchte ich auf eine Gruppe von Webseiten hinweisen, die vor allem hilfreich sind, weil sie – für Therapeuten wie Klienten kostenlos – Therapeutenlisten mit detaillierten Suchoptionen zur Verfügung stellen. Die Suchmöglichkeiten sind ausdifferenziert nach Therapierichtung, Land und Postleitzahl, akademischem Abschluss, Beruf und Geschlecht. Die Therapeutenlisten sind vorsortiert nach den Therapiearten:

* Psychotherapie im Allgemeinen
* Hypnotherapie
* Paartherapie
* Familientherapie
* Sexualtherapie
* Gestalttherapie
* Gesprächstherapie und demnächst
* Verhaltenstherapie.

In den Behandlerlisten stellen sich die Therapeutinnen und Therapeuten persönlich mit ihren jeweiligen Qualifikationen, Arbeitsschwerpunkten, Spezialitäten und Überzeugungen, sowie mit einem Foto vor. Die Anbieter erstellen, verändern und löschen ihr Profil selbständig mit sofortiger Wirksamkeit. Eine umständliche Registrierung entfällt für alle Beteiligten. Der Umstand, dass die kostenlos bereitgestellten Angaben vom Betreiber der Seite nicht kontrolliert werden, ist hierfür gut in Kauf zu nehmen. Schließlich können kommerzielle Seiten die Richtigkeit ihrer Informationen auch nicht garantieren.

Ein Diskussionsforum und informative Artikel sind auf der Seite im Ansatz vorhanden. Hier fehlt offenbar noch eine virtuelle Gemeinschaft, die die Seiten interaktiv mit Leben füllt. Wünschenswert wäre auch eine klarere Menüstruktur. Sehr positiv zu vermerken ist dagegen die große Sachlichkeit und Seriosität, mit der alle Inhalte präsentiert werden sowie die sympathisch unkommerzielle Ausrichtung der Seiten.

Die Netzwerkseiten sind eine Initiative des Düsseldorfer Paartherapeuten Dipl-Psych. Manfred Söder. Sie sind zu finden unter www.netzwerk-hypnotherapie.de bzw. sind auf direkten Link von dort aus zu erreichen.

Pantomime

Vor einigen Wochen hatte ich bei der Arbeit im Klinikum eine Begegnung, die mich beschäftigt.

„Guten Tag. Mein Name ist…“, so wollte ich mich einer Patientin vorstellen. „Sie ist aphasisch, sie kann nicht sprechen“, erklärte mir die Krankenschwester. „Schlaganfall…“ Die junge Frau wirkte mutlos und depressiv. Ihre ratlosen Gesten ließen mich wissen, dass sie meine Worte nicht verstand, bis auf wenige, die ihr ein Nicken oder Kopfschütteln entlockten. Wie kann man mit einem solchen Menschen kommunizieren? Ihr Sprachzentrum war getroffen. Die Sprache war zerstört – was ist aber mit Bildern? Kann sie die noch verstehen? Weiterlesen

Placebo I

Placebo

„Immer, wenn ich einen Vortrag halte“, hat neulich ein Mann zu mir gesagt, „habe ich solches Lampenfieber. Mein Blutdruck geht in die Höhe, ich bekomme Herzklopfen und atme gepresst und schnell. Meine Frau hat mir dieses Blutdruck senkende Mittel gegeben. Seitdem ist es besser geworden.“ „Ich möchte Ihnen ein Geheimnis verraten“, habe ich geantwortet. „Immer, wenn Sie das Mittel einnehmen, weiß Ihr Körper schon, dass er den Blutdruck senken wird. Er weiß genau, was er auf die Tablette hin zu tun hat. Er weiß es so genau, dass er den Blutdruck auch senken wird, wenn Sie die Tablette einfach nur einstecken.“

„Hat funktioniert“, berichtete der Mann beim nächsten Treffen.

Halt

Eine Freundin von mir ist – unbemerkt von der Öffentlichkeit – zur Erfinderin einer Schnarchtherapie geworden. Es begann mit dem folgenden Gespräch:

„Ich schnarche nicht“, sagte ihr Mann. „Ich werde dir beweisen, dass du schnarchst“, sagte sie. „Ich nehme heute Nacht deine Hand, und immer, wenn du schnarchst, dann drücke ich sie so lang, bis du damit aufgehört hast.“ Mehrere Male drückte sie in jener Nacht die Hand ihres Mannes. In der nächsten Nacht drückte sie seltener und kürzer, als in der vorigen. In der dritten Nacht hatte das Schnarchen aufgehört, doch hielt sie weiter seine Hand, aus Liebe.

Leider habe ich keine Schnarcherin neben mir. Wer so freundlich ist, und die Methode einmal testet, möge mir die Ergebnisse als Kommentar posten…

Die Geschichte gibt es auch als Audiodatei zum Download.