Eine Frage der Einstellung

Heute bekam ich eine E-Mail mit einer Geschichte, die die Technik oder Haltung des Reframing illustriert. Reframing ist eine Methode aus der Systemischen Beratung und Hypnotherapie. Etwas zu reframen bedeutet, einen neuen Blickwinkel einzunehmen, unter dem man Probleme probeweise – und vielleicht dann auf Dauer – als Lösungen betrachtet:

Es war einmal eine Frau, die wachte eines Morgens auf, schaute in den Spiegel und bemerkte, dass sie nur drei Haare auf dem Kopf hatte. „Na“, sagte sie, „ich glaube, ich flechte mir heute einen Zopf“. Das tat sie und hatte einen wunderschönen Tag.

Am nächsten Tag wachte sie auf, Weiterlesen

Heuschnupfen überwinden IV

Ein paar erklärende Sätze zur gestrigen Methode. 

Allergien sind somatische Phobien. Sie werden aufrechterhalten durch die Angst des Körpers vor einem an sich harmlosen Auslöser. Die Angst erzeugt Abwehrreaktionen, die Abwehrreaktionen erzeugen Stress, der Stress wird vom Körper als Beweis dafür betrachtet, dass der Auslöser wirklich schädlich sei, und so werden die Abwehrreaktionen in einem kreisförmigen Prozess immer weiter verstärkt. Tatsächlich werden Allergiesymptome oft durch Gedanken an die Allergie bzw. „Allergieauslöser“ erzeugt, durch Gespräche darüber, durch Bilder davon oder durch den Pollenflugbericht. Die zunächst psychische Angst vor den „Allergenen“ wird in einen körperlichen Befehl umgewandelt, eine große Zahl von Histaminen zu erzeugen und auszuschütten, um den vermeintlichen Angreifer abzuwehren.

Wer bei einem Menschen mit Heuschnupfen imaginativ die Methode der allmählichen Systematischen Desensibilisierung anwendet, wie sie von Verhaltenstherapeuten und (in ihrer imaginativen Form) von Hypnotherapeuten bei Phobien angewendet wird, kann damit Heuschnupfen auflösen. Das heißt, man macht einem Menschen aktuell bewusst, dass er schon beim Reden über den Heuschnupfen beginnt, sich zu kratzen, zu schniefen, zu husten und die Augen zu reiben. Dann führt man ihn mit einer Fantasiereise in einen Entspannungszustand und bittet ihn, sich in diesem angstfreien Zustand erst geringe, dann immer stärkere allergieauslösende Situationen vorzustellen – dabei aber absolut vorrangig darauf zu achten, dass er immer wunderbar entspannt und gelöst bleibt. Andernfalls soll er das Bild verlassen, in seinen gelösten Zustand zurückkehren und nur so viel „allergieauslösende“ Situation imaginieren, dass er angst- und symptomfrei bleibt. Am Ende wird eine Extremsituation tiefentspannt imaginiert. Der Gesprächspartner wird darauf aufmerksam gemacht, dass er vorher bei viel geringeren Anlässen mit Symptomen reagiert hat und sich nun bereits in einer solchen Situation wohl fühlen kann. Er erhält den Auftrag, im Alltag diese maximal entspannte Haltung anzuwenden, wenn er Pollen begegnet und darauf zu achten, wie die Reaktionen des Körpers dadurch geringer ausfallen. Dann soll er üben, auf immer größere Pollenmengen immer gelassener zu reagieren (In-Vivo-Desensibilisierung). Eine Hilfe kann es dabei sein, wenn er sich seinen alltag „irreal reframed“ (neu rahmt) und vorstellt, er sei im Skiurlaub bzw. am Meer (allergiefreie Zonen) und entspanne sich dort herrlich.

Und natürlich… für die Anwendung dieser Methoden wird keine Haftung übernommen… insbesondere gehört die Arbeit mit Allergien, die potentiell lebensbedrohlich werden könnten, nicht ins Selbstexperiment… bewusst habe ich von Heuschnupfen geschrieben.

Heuschnupfen überwinden III

Die Allergie ist eine Phobie des Körpers. Deswegen kann man sie systematisch desensibilisieren.

Stell dir vor, es ist ein Wintertag, und du befindest dich an einem kalten klaren Ort. Du atmest tief und ruhig, und du genießt diese gute Luft. Lass die Zeit fortschreiten, und lasse es Frühling werden, und nimm diesen guten Atem und diese angenehme Ruhe mit. Stell dir vor, du atmest tief und ruhig und genüsslich, denn du weißt, du bist sicher, und du bleibst es auch. Es tut gut, so entspannt und gelöst zu atmen. Stell dir vor, es ist Frühling, und du gehst mit dieser Ruhe und mit diesem guten Atem – und vielleicht wundert es dich sogar, dass das so gut geht – auf eine Wiese mit blühenden Birken. Du atmest tief und gut. Du bist frei von jeder Angst, und du genießt es. Stell dir vor, du gehst zu einer Birke, und du hast diesen wunderschönen Impuls: Du umarmst sie, und es ist gut.

Heuschnupfen überwinden I

Eine Kollegin, die ich sehr schätze, hat vor einigen Tagen eine eindrucksvolle Mail zum Thema „Heuschnupfen“ geschrieben. Ich möchte sie einmal zitieren und ihre Zeilen zum Anlass nehmen, in den nächsten Tagen einige Methoden zu schildern, die ich selbst verwende, um Heuschnupfen suggestiv aufzulösen.

„Ich quälte mich vor einigen Jahren mit einer heftigen Frühblüher-Allergie herum. Mein Weg hinaus: Noch vor Beginn der Blüte (Anfang Februar) nahm ich ein naturheilkundliches Präparat und gleichzeitig wiederholte ich mir ständig gebetsmühlenartig, wenn ich im Freien war, besonders wenn ich an blühenden Bäumen vorbeikam, folgenden Satz im Kopf: „Früher brauchte ich Heuschnupfen, jetzt ist das vorbei.“ Es wirkte tatsächlich und irgendwann brauchte ich auch das Präparat nicht mehr, sondern nur noch den Satz. In den Folgejahren habe ich keinerlei Beschwerden mehr gehabt, und wenn mir beim Anblick von blühenden Bäumen doch mal wieder ein Fetzen Angst aufsteigt, spreche ich mir in Gedanken wieder einige Male diesen Satz vor.“ (Maria Freund, Trebel)

Schluckauf auflösen

Gestern abend war ich bei Freunden zu Gast. Beim Verabschieden bekam die Gastgeberin einen starken Schluckauf. „Schau mir eine Minute in die Augen, und blinzle nicht“, bat ich sie. „Danke“, sagte ich nach der Minute. Der Schluckauf war weg.

Die Methode entspricht derjenigen, die ich am 27.11.07 in diesem Blog beschrieben habe.

Von Schmerzen und Läusen

Ich wartete im Sprechzimmer auf den Arzt. Ich überlegte, wie ich mich von dem bevorstehenden Eingriff ablenken und meine Aufmerksamkeit auf etwas anderes richten wollte. Der Arzt kam herein, begrüßte mich und begann seine Arbeit. „Tut’s weh?“, fragte er. Mir schien, eine ähnliche, nur angenehmere Wirkung hätte er erzielt, wenn er gesagt hätte: „Die Patientin vor Ihnen hatte Läuse. Ich hoffe, Sie juckt’s nicht irgendwo, oder?“

Die therapeutische Landkarte „Insel der Liebe“

Landkarte “Insel der Liebe��?

Immer wieder bestellen Paartherapeuten bei mir eine Landkarte der „Insel der Liebe“. Ich erkläre einmal, worum es sich dabei handelt…

Die Karte der „Insel der Liebe“ ist für paartherapeutische Gesprächen konzipiert. Mit Hilfe direkter oder zirkulärer Fragen („Was meinen Sie, wenn ich Ihren Partner fragen würde…, was würde er antworten?“) werden die Partner gebeten, sich selbst oder einander auf der Insel zu verorten, gemeinsame und getrennte Wege zu überlegen, Wohnorte und Zeltplätze auszuhandeln, etc. Es empfiehlt sich, dazu aus selbst haftenden Notizzetteln verschiedenfarbige Häuser, Zelte, Wohnwagen u. ä. anzufertigen. In gleicher Weise können auf dem kopierten Blatt die Korrekturen und Ergänzungen der Partner eingezeichnet werden. Natürlich können Klientinnen und Klienten auch angeregt werden, ihre eigene „Insel der Liebe“ zu zeichnen – einzeln, gemeinsam oder zuerst einzeln und dann gemeinsam.

Die „Insel der Liebe“ ist geeignet, um aus Konfliktgesprächen mit Paaren das Erbitterte und die Härte herauszunehmen und auf einer anderen Ebene ins Gespräch zu kommen.

Man fragt die beiden Partner jeweils nach Zielen und Wünschen in ihrer Partnerschaft bzw. einer bestimmten Situation und lässt sie ein Hauptziel mittels Post-it-Streifen oder Spielfigur auf der Karte verorten. (Zusätzlich kann man auch die momentane reale Verortung markieren.) Man spricht darüber als den Ort, wo die Partner stehen. Dann schaut man, wie nah oder weit die Ziele auseinander liegen, diskutiert darüber, ob beide Ziele wertvoll und berechtigt sind (natürlich sind sie es) und überlegt, wie beide Ziele bzw. Wünsche erreicht werden können: Einzeln, gemeinsam? Abwechselnd? Welches wann, welches zuerst, welches dafür öfter oder länger (oder sicherer)?

Man kann nach Felsbrocken fragen, die weggeräumt werden müssen, nach sumpfigen Stellen, nach notwendigen Straßenbauprojekten oder Telefonleitungen.

Man kann zirkulär fragen, also den Mann z.B. betreffend einer Streitsituation fragen, wo („wenn ich Ihre Frau fragen würde…“) seine Frau sich verorten würde, und dasselbe auch umgekehrt, und dann auflösen lassen, was die Partner wirklich dazu denken. Weiterlesen

Faktum

Sie war außer sich vor Wut: „Kannst du dich nicht mal ein bisschen bewegen? Mal ein paar Gewohnheiten verändern? Warum machst du das denn immer wieder?“ „Ich bin halt so“, antwortete er.

„Ich bin halt so“ ist ein Argument, das sparsam eingesetzt werden sollte. Wer störende Kleinigkeiten herzhaft verändert, kann oft Großes erreichen. Gesten des liebevollen Umgangs neu zu entdecken, kann viel bedeuten. Aber die Mühsal, die eigene Persönlichkeit ändern zu wollen, um dem Partner zu gefallen, lohnt sich oft nicht.  Hat der eine Partner große Anstrengungen zu leisten, um kleine Schritte zu gehen, erscheint dem anderen seine Leistung auf dem Weg der Veränderung noch eher dürftig. Zorn, Verzagtheit, Groll und Härte halten Einzug in den Alltag mancher Paare, von denen einer „sich ändert“, um den anderen zu behalten. Besser ist es oft, mit dem Vorfindlichen auf neue Arten umgehen zu lernen, ohne es im Kern zu verändern. Besser ist es, dem störenden Verhalten einen neuen Kontext, neue Deutungen und neue Reaktionen zu schenken. Und gelten zu lassen:

„Ich bin halt so.“

Lass dich nicht verikeren…

Es gibt Berufe, die werden zu einem Teil der Persönlichkeit. Angenommen, jemand ist mit Hingabe Lehrer oder Pfarrer, KFZ-Mechanikerin oder Krankenschwester, dann verschmilzt die berufliche Identität mit der bis vorher innegehabten Identität zu etwas neuem. Auch die Herkunft eines Menschen beschreibt etwas davon, wer er ist. Wir Menschen sind Spanier oder Pfälzer, Kaiserslauterer, Siegerländer, Afrikaner oder Mexikaner. Es gibt auch Überzeugungen und Lebensstile, die eine solche Wirkung haben. Jemand ist vielleicht aus Überzeugung Vegetarier, Bahnfahrer, Puritaner oder Wehrdienstverweigerer.

Und schließlich beschreiben Menschen ihre Krankheiten und Probleme in dieser Weise. Es wird behauptet, ein Mensch sei Diabetiker, Allergiker, Alkoholiker, Epileptiker, Rheumatiker, Psychotiker und so weiter. Das Problem ist: Wenn die Krankheiten in dieser Weise als Teil der Identität beschrieben wird, ist es schwieriger, sich wieder von ihr zu lösen. Denn wer trennt sich schon leicht von etwas, was zu seiner Person gehört; wer glaubt auch nur, dass er es kann?

Sicherer ist es, zu sagen: Ich habe Diabetes, habe ein Alkoholproblem – und noch sicherer, zu sagen: Ich habe in der Vergangenheit, bisher, bis kürzlich dies und das gehabt. Oder: Ich habe zur Zeit oder noch dieses Problem. Und noch besser: Mein Blutzuckerspiegel ist noch nicht auf dem richtigen Wert stabilisiert, meine Arzt hat Rheuma diagnostiziert, ich habe mich mehrmals psychotisch verhalten, und so weiter.

Wer Krankheiten in Handlungen und Erlebnisse übersetzt, hat weitaus bessere Chancen, sie zu überwinden, als der, der sie in Persönlichkeitseigenschaften übersetzt.

Lass dich nicht verbaren…

„Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt“, sagte der Philosoph Ludwig Wittgenstein. Sprache schafft Wirklichkeit, und eine begrenzende Sprache schafft Grenzen für die Wirklichkeit. Sprachgrenzen schaffen Grenzen der Möglichkeiten.

Ein Beispiel ist die Nachsilbe -bar, wie sie in Worten wie „haltbar“, „genießbar“, „versteuerbar“ vorkommt. Die Silbe wird auch gerne auf Menschen angewendet: „Unbelehrbar“, „unheilbar“, nicht therapierbar“, „manipulierbar“, „korrumpierbar“, „nicht beschulbar“, „schwer erziehbar“, „untragbar“, „schwer vermittelbar“.

Das Eigenartige an der Silbe -bar ist, dass sie uns irrtümlich den Eindruck vermittelt, sie sage etwas aus über die Person, von der die Rede ist, also: Wer unbelehrbar sei, lasse sich nicht belehren, wer manipulierbar sei, lasse sich manipulieren, wer schwer erziehbar sei, lasse sich schwer erziehen – es scheint geradezu so, als ob die bar-Worte Eigenschaften der Menschen bezeichneten, von denen sie reden. Dabei bezeichnen sie die Fähigkeiten dessen, der da redet und die Möglichkeiten des Kontextes, in dem er arbeitet.

Wenn ich also sage: „Er ist unbelehrbar“, sage ich in Wirklichkeit nur: „Ich konnte ihn nicht belehren“, und allenfalls: „in diesem Kontext lernt er meiner Ansicht nach nichts“. Sage ich: „Er ist nicht therapierbar“, heißt das: „ich kann ihn nicht therapieren“. Sage ich, jemand sei untragbar, erkläre ich, dass ich oder mein Arbeitskontext ihn nicht mehr ertragen mag. Sage ich, jemand sei schwer vermittelbar, spreche ich wieder nicht über seine, sondern über meine Möglichkeiten. Und sage ich, jemand sei unheilbar krank, so sage ich nur, dass ich oder seine Umgebung den Menschen nicht heilen kann. Ob ein anderer Mensch oder die Heilkunst einer anderen Kultur etwas für denjenigen tun kann, darüber steht mir kein Urteil zu.

Wenn allerdings jemand mir Glauben schenkt, er sei -bar oder nicht -bar, obwohl das bar-sein in Wirklichkeit nicht seine, sondern meine Möglichkeiten beschreibt, dann werden durch seinen Glauben meine Möglichkeiten leicht zu seinen. Das heißt auch, meine Unmöglichkeiten werden zu seinen, und meine Grenzen werden zu den seinen.

Wenn dir also jemand sagen will, du seiest -bar, dann kannst du ihn reden lassen, nur glauben brauchst du ihm nicht. Du weißt, er redet über sich und seine Grenzen, und das sind Angelegenheiten, die gehen dich nichts an.