„Schade um den Löwenzahn“, sagte Herr Gundolf, der in seinem Garten Unkraut jätete. „Schön für die Rose“, sagte ich.
(Hammel, Der Grashalm in der Wüste, S. 66)
„Schade um den Löwenzahn“, sagte Herr Gundolf, der in seinem Garten Unkraut jätete. „Schön für die Rose“, sagte ich.
(Hammel, Der Grashalm in der Wüste, S. 66)
Geschichten wirken immer Trance erzeugend. Wenn man überlegt, wie viele Eltern ihren Kindern abends am Bett noch eine Geschichte vorlesen, ist das nicht überraschend. Geschichten wirken Trance erzeugend – sie sind ja selbst ein Trancephänomen: Die nächtlichen Träume sind ja wiederum Geschichten. Und unsere Tagträume genauso. Geschichten erzeugen Trance: Erzähler und Zuhörer tauchen ab in eine andere Welt. Die gegenwärtige Welt verliert sich vor ihren Augen, eine innere Welt wird sichtbarer und hörbarer als die äußere. Raum und Zeit werden bedeutungslos. Was zählt, ist was erzählt wird.
Wer die Trance erzeugende Wirkung des Geschichtenerzählens noch vertiefen möchte, hat unter anderem folgende Möglichkeiten:
* Passen Sie Ihren Atemrhythmus an den des Hörers an
* Verändern Sie den Tonfall: Bedeutsam, einförmig, märchenonkelig…
* Reden Sie gleichsam ins Leere, gehen Sie selbst als erstes in Trance
* Beginnen Sie langsamer als normal, werden Sie noch langsamer
* Machen Sie viele Pausen
* Verwenden Sie viele Bindewörter: Und, während, weil, so dass, …
* Erzählen Sie Seltsames und Verwirrendes
* Gebrauchen Sie langsame, stockende, oder gar keine Bewegungen
* Reden Sie über Trance
* Stellen Sie viele rhetorische Fragen
* Reden Sie über die Kindheit, rufen Sie Erinnerungen wach
* Wiederholen Sie Satzteile, die etwas mit Trance zu tun haben.
Apropos etwas wiederholen, um in Trance zu fallen: Wie lautet die suggestive Kernthese dieses Artikels? Und wo sind Sie jetzt? Genau…
Mit dem heutigen Eintrag möchte ich eine Reihe von Beiträgen eröffnen, die auf nützliche Internetseiten im Bereich Hypnotherapie und systemische Beratung hinweisen. Die Reihe wird ungefähr wöchentlich fortgesetzt.
Zum Auftakt möchte ich auf eine Gruppe von Webseiten hinweisen, die vor allem hilfreich sind, weil sie – für Therapeuten wie Klienten kostenlos – Therapeutenlisten mit detaillierten Suchoptionen zur Verfügung stellen. Die Suchmöglichkeiten sind ausdifferenziert nach Therapierichtung, Land und Postleitzahl, akademischem Abschluss, Beruf und Geschlecht. Die Therapeutenlisten sind vorsortiert nach den Therapiearten:
* Psychotherapie im Allgemeinen
* Hypnotherapie
* Paartherapie
* Familientherapie
* Sexualtherapie
* Gestalttherapie
* Gesprächstherapie und demnächst
* Verhaltenstherapie.
In den Behandlerlisten stellen sich die Therapeutinnen und Therapeuten persönlich mit ihren jeweiligen Qualifikationen, Arbeitsschwerpunkten, Spezialitäten und Überzeugungen, sowie mit einem Foto vor. Die Anbieter erstellen, verändern und löschen ihr Profil selbständig mit sofortiger Wirksamkeit. Eine umständliche Registrierung entfällt für alle Beteiligten. Der Umstand, dass die kostenlos bereitgestellten Angaben vom Betreiber der Seite nicht kontrolliert werden, ist hierfür gut in Kauf zu nehmen. Schließlich können kommerzielle Seiten die Richtigkeit ihrer Informationen auch nicht garantieren.
Ein Diskussionsforum und informative Artikel sind auf der Seite im Ansatz vorhanden. Hier fehlt offenbar noch eine virtuelle Gemeinschaft, die die Seiten interaktiv mit Leben füllt. Wünschenswert wäre auch eine klarere Menüstruktur. Sehr positiv zu vermerken ist dagegen die große Sachlichkeit und Seriosität, mit der alle Inhalte präsentiert werden sowie die sympathisch unkommerzielle Ausrichtung der Seiten.
Die Netzwerkseiten sind eine Initiative des Düsseldorfer Paartherapeuten Dipl-Psych. Manfred Söder. Sie sind zu finden unter www.netzwerk-hypnotherapie.de bzw. sind auf direkten Link von dort aus zu erreichen.
Vor einigen Wochen hatte ich bei der Arbeit im Klinikum eine Begegnung, die mich beschäftigt.
„Guten Tag. Mein Name ist…“, so wollte ich mich einer Patientin vorstellen. „Sie ist aphasisch, sie kann nicht sprechen“, erklärte mir die Krankenschwester. „Schlaganfall…“ Die junge Frau wirkte mutlos und depressiv. Ihre ratlosen Gesten ließen mich wissen, dass sie meine Worte nicht verstand, bis auf wenige, die ihr ein Nicken oder Kopfschütteln entlockten. Wie kann man mit einem solchen Menschen kommunizieren? Ihr Sprachzentrum war getroffen. Die Sprache war zerstört – was ist aber mit Bildern? Kann sie die noch verstehen? Weiterlesen
„Immer, wenn ich einen Vortrag halte“, hat neulich ein Mann zu mir gesagt, „habe ich solches Lampenfieber. Mein Blutdruck geht in die Höhe, ich bekomme Herzklopfen und atme gepresst und schnell. Meine Frau hat mir dieses Blutdruck senkende Mittel gegeben. Seitdem ist es besser geworden.“ „Ich möchte Ihnen ein Geheimnis verraten“, habe ich geantwortet. „Immer, wenn Sie das Mittel einnehmen, weiß Ihr Körper schon, dass er den Blutdruck senken wird. Er weiß genau, was er auf die Tablette hin zu tun hat. Er weiß es so genau, dass er den Blutdruck auch senken wird, wenn Sie die Tablette einfach nur einstecken.“
„Hat funktioniert“, berichtete der Mann beim nächsten Treffen.
Eine Freundin von mir ist – unbemerkt von der Öffentlichkeit – zur Erfinderin einer Schnarchtherapie geworden. Es begann mit dem folgenden Gespräch:
„Ich schnarche nicht“, sagte ihr Mann. „Ich werde dir beweisen, dass du schnarchst“, sagte sie. „Ich nehme heute Nacht deine Hand, und immer, wenn du schnarchst, dann drücke ich sie so lang, bis du damit aufgehört hast.“ Mehrere Male drückte sie in jener Nacht die Hand ihres Mannes. In der nächsten Nacht drückte sie seltener und kürzer, als in der vorigen. In der dritten Nacht hatte das Schnarchen aufgehört, doch hielt sie weiter seine Hand, aus Liebe.
Leider habe ich keine Schnarcherin neben mir. Wer so freundlich ist, und die Methode einmal testet, möge mir die Ergebnisse als Kommentar posten…
Die Geschichte gibt es auch als Audiodatei zum Download.
Ein paar Kinder aus der Familie und ein Nachbarsmädchen wollten gerne hypnotisiert werden. „Na gut“, habe ich gesagt, habe ist Leere geschaut und wie geistesabwesend angefangen, zu erzählen.
Stell dir nur vor: Du als Pirat! Mit einem Holzbein aus altem, hartem, festen Eichenholz und einer schwarzen Augenklappe – oder vielleicht doch lieber ohne Augenklappe? Wie dem auch sei! So ein Pirat hat viel zu tun auf einem großen, alten Schiff. Viel Arbeit an den Seilen und den Segeln, an den Masten, an der Ladung und mit all den Mitpiraten! Weiterlesen
Gestern bat mich jemand: „Hypnotisiere mich doch einmal gegen Schuppen.“ Nach einer kurzen Tranceinduktion erzählte ich ihm die folgende Geschichte:
Ich bin in einer afrikanischen Trommelgruppe. Der Leiter, ein Kongolese, übte mit uns ein Trommelstück ein, das am Ende immer leiser und leiser wird, bis die Musik schließlich ganz verstummt. Am Schluss lag seine Hand regungslos auf der Trommel. Ohne einen Laut hob er sie auf. Wir taten es ihm nach. Bei jedem von uns gab es ein deutlich hörbares Schmatzen vom Schweiß und Fett auf der Handfläche. Immer wieder probierten wir es, Weiterlesen
Diese Kollegin fragte also, „Gib mir mal eine Geschichte für Leute vom Werksdienst, die genervt sind von Besuchern, die sie beleidigen und beschimpfen, nur weil sie nicht in die gesperrten Bereiche gelassen werden.“ Ich war gerade im Schuhgeschäft, als sie anrief, und ich sagte: „Ich ruf dich gleich zurück…“ Als ich meine Schuhe gekauft hatte, erklärte die Kollegin: „Ich weiß schon, was ich ihnen sage. Ich erzähle ihnen ‚Was man hört‘ (Stefan Hammel, Der Grashalm in der Wüste, S. 29).“ Ich sagte: „Das ist gut. Ich schlage dir noch Folgendes vor. Erzähle den Leuten vom Werksdienst, dass es in der Natur ja vielfältige interessante Geräusche gibt, zum Beispiel das Schnauben von Wasserbüffeln an einem Flussufer, das Grunzen von Warzenschweinen, die an einem Gestrüpp reiben, Weiterlesen
Letzte Woche rief mich eine Kollegin an: “Ich bräuchte mal schnell eine Geschichte für Leute vom Werksschutz, die genervt sind von… Erzähl mir mal eine.â€? Um in Beratungssituationen jederzeit Geschichten abrufbar zu haben, ist es gut, eine Methodik des Geschichtenfindens zu haben. In einigen Seminaren vermittele ich, wie man Suggestivgeschichten nicht mehr zufällig, sondern zielstrebig findet. Ich möchte in der nächsten Zeit in ungefähr wöchentlicher Folge Hinweise geben, wie man systematisch Geschichten findet, die in die jeweilige Situation passen.
Einen Hinweis für die Nützlichkeit einer Geschichte liefert das Erleben einer Pointe. Fast alle Geschichten mit einer guten „Pointe“, wie auch einige pointelose Geschichten, können therapeutisch eingesetzt werden. Das Überraschungsmoment, das die Pointe ausmacht, Weiterlesen