Die Geschichte „Morbus Feivel“, die ich neulich hier veröffentlicht habe, gibt es jetzt auch als Podcast zum Anhören. Moderiert hat den Beitrag Nana Sattler von Radio Korneuburg, die Sprecherin der Geschichte ist Ingrid Jenkner, Psychotherapeutin in Wien. Hier ist der Link zur Hörversion. Viel Spaß beim Anhören!
Die Umstellung ist Corona geschuldet, ich hoffe aber, dass sie neben ersichtlichen Nachteilen auch deutliche Vorteile für alle haben wird… Ab sofort finden die Kaiserslauterer hypnosystemischen Seminare als Online-Seminare per Zoom statt. Das März-Seminar wird gemischt („hybrid“) mit physisch anwesenden und digital zugeschalteten Teilnehmern stattfinden. Ab April werden die Seminare dann rein digital gestaltet. Meine Erfahrung ist, dass sich üblicherweise alle recht schnell an eine solche Art der Kommunikation, des Lehrens und voneinander Lernens gewöhnen.
Für die Teilnehmer wird es spätestens ab dem April-Seminar anschließend ein Video zum eigenen Gebrauch geben.
Wer interessiert ist, teilzunehmen, aber noch nicht weiß, ob ihm diese Art des Lernens liegt, kann nach vorheriger Absprache jeweils am Freitag für einige Stunden am Seminar teilnehmen und dann entscheiden, ob er für das weitere Wochenende dabei sein möchte.
Wer gerne dabei sein möchte oder ein generelles Interesse hat, schreibt mir bitte eine E-mail. Für Ärzte und Psychologen: Die Seminare sind mit 30 Punkten pro Wochenende zertifiziert – um ganz sicher zu sein, frage ich bei der Ärztekammer nach, ob angesichts der aktuell besonderen Situation Online-Seminare mit Blick auf die Punkte anerkannt werden. Sprecht mich bei Bedarf darauf an.
Zur Erinnerung schreibe ich euch hier noch einmal die nächsten Termine.
Therapeutisches Erzählen:
27.-29.3.2020: Verknüpfendes und entknüpfendes Erzählen 17.-19.4.2020: Innere Landschaften und Landkarten 15.-17.5.2020: Therapeutische Geschichten entwickeln
Therapeutisches Modellieren:
5.-7.6.2020: Subtraktion, Addition und Transformation von Lebensmöglichkeiten 3.-5.7.2020: Dramaturgie, Formung und Stabilisieren von Zielerleben. 21.-23.8.2020: Integration des Therapeutischen Erzählens, Arbeit mit Symbolfiguren. 18.-20.9.2020: Paar- und Familientherapie, Arbeit mit Teams und Gruppen.
Therapeutische Hypnose:
9.-11.10.2020: Trance, Rapport und Suggestion 20.-22.11.2020: Therapieaufbau und Anamnese 11.-13.10.2020: Utilisation 15.-17.1.2021: Implikationen, indirekte Kommunikation, Mehrebenenkommunikation
„Wenn das hier vorbei ist, ist nichts mehr, wie es war…“ Diesen Satz hört man öfter, aber im Fall der Corona-Krise scheint er zutreffender als in vielen früheren Fällen. Auch, weil es nicht so bald vorbei sein wird. Jedenfalls nicht mehr in diesem Jahr…
Viele Restaurants werden auf Dauer schließen, Bringdienste für Essen werden boomen. Der Online-Lebensmittelhandel wird sich trotz geöffneter Supermärkte rasant entwickeln, weil viele – allen voran Ältere und Kranke – sich nicht beim Einkauf anstecken möchten. Überhaupt der Online-Handel: Nachdem wir uns daran gewöhnt haben, fast alles per Knopfdruck zu kaufen, werden unsere Einkaufsgewohnheiten so verändert sein, dass viele Läden auch nicht wieder zu öffnen brauchen.
Beratung und Therapie sind prinzipiell weiter „in echt“ möglich. Daran werden vermutlich auch Ausgangsbeschränkungen und Einschränkungen der Versammlungsfreiheit nichts ändern. Trotzdem werden die Gespräche immer häufiger per Telefon und Bild-Telefon stattfinden – weil Klienten und Beratende sich vor einer Corona-Infektion schützen möchten. Ich selbst gehöre aufgrund von Vorerkrankungen offiziell zur sogenannten „Risikogruppe“. So halte ich jetzt alle Therapien, Supervisionen und Coachings per Telefon und Skype bzw. Zoom-Videokonferenz. Auch Paar- und Familientherapie finden in diesem Rahmen statt. Die Erfahrung zeigt, dass Menschen sich an diese neue Art der Kommunikation meistens innerhalb von Minuten gewöhnen.
Vielleicht hat es ja auch Vorteile so… wir entdecken, dass Therapie und Beratung über hunderte und tausende von Kilometern, über Ländergrenzen und Ozeane hinweg stattfinden und gut tun kann. Ich lade euch ein, genau das mit mir auszuprobieren!
Die Stadt Chelm wurde zur Brutstätte einer seltsamen Epidemie. Und das kam so. Angesichts der vielen und vielfältigen Erkrankungen in seiner Stadt bedachte Feivel der Arzt einmal, wie viel schneller und leichter es in Anbetracht der wenigen wirklich gesunden Bürger sein dürfte, anstatt zu untersuchen, welcher der Bürger an welcher Krankheit litte, umgekehrt festzustellen, wer von einer Gesundheit befallen sei und, damit die Arbeit nicht unangemessen einfach würde, mit welcher Art seine Gesundheit sei.
Bei einem Patienten, der keinen Beinbruch hatte, stellte er eine Knochengesundheit fest, bei einem weiteren eine Herzgesundheit, bei einem dritten eine schwere Hautgesundheit, und so fort. Bei Schlemihl stellte er eine unentzündliche Gesundheit des Zahnfleisches fest. Auf Schlemihls Nachfrage, was das sei, murmelte der Arzt, der sich bereits seinem nächsten Patienten zugewandt hatte: „Morbus Feivel, Krankheitszerfall im fortgeschrittenen Stadium.“
Schlemihl verstand nicht genau die Bedeutung dieser Worte. Er wollte jedoch seine Unwissenheit nicht durch Nachfragen offenbaren, und so ließ er die Diagnose auf sich beruhen.
Als seine Frau ihn zuhause fragte, was der Arzt bei ihm festgestellt hätte, antwortete er knapp: „Ansteckende Gesundheit“.
Schlemihls Frau wunderte sich, wie es möglich sei, dass sie und die Kinder, obwohl sie doch auf engstem Raum mit Schlemihl zusammen lebten, noch erkältet seien. Als sie Feivel fragte, klärte er sie auf: „Das liegt an der Inkubationszeit. Diese Art der Infektion bricht erst einige Tage nach ihrer Übertragung voll aus.“
Tatsächlich begannen Schlemihls Frau und Kinder am folgenden Tag in raschen Schritten zu gesunden. „Wir haben eine ansteckende Gesundheit“, erklärten sie ihren Nachbarn. „Wir haben uns bei Schlemihl angesteckt.“
In den nächsten Tagen wurden auch die Nachbarn von der Gesundheit ergriffen. Von da aus breitete sich der Morbus Feivel in Windeseile in der ganzen Stadt aus. Bald kamen Bürger aus dem Umland, um sich mit Schlemihls Seuche zu anzustecken.
Am Ende war das ganze Land von ihr infiziert. So jedenfalls erzählt es Schlemihl.
(Stefan Hammel, Handbuch des therapeutischen Erzählens, 54)
Diese Geschichte hat meine geschätzte Kollegin Bettina Betz geschrieben. Gerne möchte ich sie (mit ihrer Erlaubnis) mit euch teilen…. Gruß Stefan Hammel
Emil stand im Flur und hielt einen Brief in der einen Hand. Mit der anderen fasste er sich an den Kopf.
„Neiiin!“, schrie er. „Ich hab’s versäumt, und jetzt ist es zu spät!“
Seine Frau kam dazu.
Sie wusste nicht, worum es ging.
Sie fragte auch nicht.
Stattdessen bückte sie sich und biss herzhaft in sein Hinterteil.
„Das war eine Dienstleistung“, erklärte sie ihm. „Ich hatte gerade den Eindruck, du würdest dich am liebsten in den Hintern beißen. Das kannst du schließlich nicht selbst.“
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Mein Kollege Frieder Ittner hat mich letzte Woche in Heidelberg zur Methode des therapeutischen Modellierens interviewt und die Methode gleich selbst ausprobiert . Ich finde, das Interview – oder sollte ich sagen, die Sitzung? – ist sehr anschaulich und lebendig geworden!
„Lebensmöglichkeiten entdecken“ – Veränderungen durch Therapeutisches Modellieren
Klett-Cotta (Reihe Leben Lernen). 270 Seiten, August 2019 Preis 32,00 €.
– Ein kreativer, lehr- und lernbarer Ansatz – Geeignet für Einzel-, Paar- und Familientherapie
Das „Modellieren von Lebensmöglichkeiten“ bietet die Chance, mit noch nie aktualisierten oder neu kombinierten Identitäten der eigenen Person Erfahrungen zu sammeln. Der Ansatz hat sich bei einer großen Anzahl an Störungen bewährt, da unwillkommene Symptome so „verabschiedet“ werden, dass sie nicht durch die Hintertür wieder hereinkommen müssen.
Psychische und psychosomatische Belastungen entstehen nie zufällig. Im hypno-systemischen Arbeitskontext – und weit darüber hinaus- sind Störungen suboptimale Versuche von Problemlösungen. Doch wie gelingt es dann, unerwünschte Symptome wieder zum Verschwinden zu bringen?
So wurde mein Buch von Kollegen beschrieben: „Stefan Hammel entfaltet mit dem „Therapeutischen Modellieren“ hier seinen ideen- und variantenreichen Ansatz, der sich in der Praxis bereits bewährt hat. Dies geschieht in Form einer Arbeit mit Stühlen, die jeweils Repräsentanzen der Lebensmöglichkeiten darstellen. Belastendes oder Symptome werden herausgesetzt, Ressourcen und Befreiendes wird hereingeholt und durch hypnotherapeutische Interventionen verstärkt. Dieses kreative Vorgehen ist bei einer großen Bandbreite an Störungen und besonders auch bei chronifizierten, schwer durchschaubaren inneren Konflikten geeignet, gute Lösungen herbeizuführen.“
Dieser Beitrag hat mich berührt. Er stammt von meiner geschätzten Kollegin Angelika Berning aus Hannover. Ich habe sie gefragt, ob ich ihn veröffentlichen darf und bin dankbar, dass sie „Ja“ gesagt hat…
Vor einiger Zeit habe ich einen Ort
aufgesucht, der mich sehr beeindruckt hat. Was ich an diesem Ort erlebt habe
möchte ich im Folgenden gerne teilen.
Nehmen Sie sich einige Minuten Zeit dieses Bild anzuschauen, bevor Sie den nachfolgenden Text lesen.
Unvorstellbar
Äußerlich bin ich ganz ruhig, aber tief in mir spüre ich Anspannung, als ich
an diesem grauen Herbsttag den kleinen Kellerraum betrete. Schon lange hatte
ich vorgehabt hierher zu kommen und registriere nun, dass ich mir den Raum viel
größer vorgestellt hatte. Er misst etwa drei Schritte von Wand zu Wand und
sechs vom Fenster bis zu der Stelle, wo nach späterer Rekonstruktion die
vordere Wand gewesen sein muss; vielleicht sind es 18 qm. Eine weiße Kerze
steht auf einer Art rostigem Eisenbalken, der als Kerzenständer dient. Ein
kleines Holzkreuz liegt auf der Kerze. Auf dem Boden direkt daneben steht ein
erloschenes, rotes Grablicht und eine wie achtlos daneben hingeworfene
Plastikrose.
Ansonsten ist der Raum leer. Gar nichts Besonderes hier: unspektakulär,
schlicht, karg und einfach, wie viele Kellerräume in irgendwelchen Häusern.
Steine, Mörtel, Wände, die Decke nicht sehr hoch, ein vergittertes Fenster mit
Milchglasscheiben, die Tageslicht hereinlassen. Ohne Wissen könnte man von
diesem Raum in seiner ausstrahlenden Harmlosigkeit keinerlei Rückschlüsse auf
das ziehen, was hier früher einmal stattgefunden hat. Und doch war er eine Zeit
lang eine Stätte unvorstellbaren Grauens. Sobald man ihn damals betreten hatte,
musste buchstäblich die Hölle begonnen haben.
Genau an diesem Ort auf Schloss Sonnenstein in Pirna/Sachsen sind von 1940
bis 1941 fast 14.000 Menschen vergast worden. Dabei war die Heilanstalt
Sonnenstein in den ersten einhundert Jahren ihres Bestehens eine im In- und
Ausland hoch angesehene, psychiatrische Anstalt gewesen, wo beachtliche
Heilerfolge erzielt worden waren. Bis dahin hatte in diesen Kliniken die
Verwahrung der Patienten an erster Stelle gestanden. Nun wollte man mit einem
neuen Konzept angemessene und vor allem humane Behandlungsmöglichkeiten zum Wohle
der Patienten anwenden. Man ermöglichte ihnen Beschäftigung, eine offene
Fürsorge und verzichtete auf einschränkende Maßnahmen im Sinne von Zwang,
Isolierung und Bestrafung.
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