Mit einer Kollegin habe ich mich gerade über einen Arzt unterhalten, den wir beide kennen. Die Kollegin sagte: „Immer wieder, wenn ich ihn treffe, stellt er mir die selbe Frage: ‚Warst du heute schon besonders?‘ Er hat mich das schon so oft gefragt: ‚Warst du heute schon besonders?‘ Und wenn ich ihn inzwischen treffe, dann denke ich schon ganz von selbst, bevor er mich noch fragt: ‚Warst du heute schon besonders?'“
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Haushaltsgegenstände erziehen
Heute hatte ich eine Frau in Therapie, die sagte, sie bekomme so leicht Zornausbrüche, sie sei für ihre Familie praktisch unberechenbar. Sie ist Erzieherin, und ich weiß, dass Sie ihren eigenen Sohn recht anspruchsvoll und konsequent erzieht. Ich bat sie um Beispiele für ihr Problem. „Es kommt vor“, sagte sie, „wenn ich den Mülleimerdeckel nicht beim ersten Mal auf den Eimer bekomme, dann schleudere ich ihn vor Wut in die Ecke. Oder ich stelle einen Besen an die Wand, und er fällt um. Das macht mich wütend. Oder wenn mit dem Staubsauger irgendetwas ist, dann raste ich aus.“ „Warum macht denn der Mülleimer das mit Ihnen, dass er Sie den Deckel nicht draufbekommen lässt?“, fragte ich. „Will der, dass Sie dumm aussehen?“ „Ja, unfähig und zu blöde, um einen Deckel auf den Mülleimer zu bekommen.“ „Dann erreicht er ja bei Ihnen genau sein Ziel, wenn Sie den Deckel in die Ecke schleudern. Da kann sich der Mülleimer ja freuen, dann hat er’s wirklich hingekriegt, Sie unfähig aussehen zu lassen. Es gab mal einen Perserkönig, der ließ das Meer auspeitschen, nachdem er ein paar Schiffe in einem Sturm verloren hatte. Er hat das Meer gezüchtigt, damit es so etwas nicht wieder tut. Das finde ich vernünftig. Nicht wegen dem Meer, sondern weil der König damit aus seiner Hilflosigkeit in eine handelnde Haltung zurückgefunden hat. Ich denke, es wird Zeit, dass Sie Ihren Mülleimer erziehen. Sie können ihm den Deckel zum Beispiel ganz langsam und genüsslich aufsetzen, so dass er sich lange mit seiner eigenen Wehrlosigkeit beschäftigen kann, und merkt, dass er es nicht hinkriegt, Sie am Deckel-draufsetzen zu hindern. Sie können ihn aber auch zur Strafe einmal eine Stunde ganz ohne Deckel sein lassen, bis es ihm peinlich wird, dass er riecht und er Sie regelrecht um den Deckel bittet. Genauso maßregeln Sie den Staubsauger. Es geht nicht an, dass er über Sie bestimmt. Lassen Sie ihn merken, dass es sich für ihn nicht lohnt, Sie von der Arbeit abzuhalten. Sie haben das Sagen. Den Besen können Sie in eine Ecke stellen, damit er sich besinnt, was er getan hat. Wenn Sie meinen, dass er sich genug Gedanken gemacht hat und sich wahrscheinlich besser verhalten wird, dann können Sie ihn in den Arm nehmen und sich mit ihm aussöhnen und ihm sagen, dass Sie es jetzt nochmal miteinander probieren…“
Seminar „Metaphern & Geschichten“ in Mannheim
In Mannheim halte ich am 14.3.09 und 15.3.09 beim Institute for Clinical Hypnotherapy and Psychotherapy (ICHP Deutschland) zweimal ein eintägiges Seminar: „Metaphern und Geschichten in der Hypnotherapie – Wie man individuell passende Geschichten findet und erfindet und wie man sie therapeutisch wirksam erzählt“. Das Seminar ist Teil eines zweitägigen Seminars, bei dem drei Spezialisten in Themen aus dem Bereich der Hypnotherapie und Systemtherapie einführen. Als weitere Referentin hält Ilse Jaki-Bay ein Seminar über „Zirkuläre Fragen – die etwas andere Art, Lösungen und Trancen herbeizuführen“ und Sven Frank gibt eine „Praktische Fallsupervision für Therapeuten und Berater“. Die Veranstaltung ist überwiegend für Mitglieder der ICHP gedacht, jedoch auch offen für Besucher aus anderen Umfeldern. Für externe Teilnehmer kostet die Teilnahme an beiden Tagen 80 Euro – also entschieden ein Schnäppchen…
Die Abstracts zum Seminar, nähere Infos und eine Anmeldemöglichkeit findet ihr unter dem obigen Link.
Webtipp: Das Reich der Möglichkeiten
Ich könnte mir vorstellen, dass diejenigen, die den Film „Validation“ gemocht haben, auch das Video vom „Reich der Möglichkeiten“ schätzen werden. Das ist nun ein ganz anderer Film. Es handelt sich um eine Demonstration des Bostoner Philharmonie-Dirigenten und Cellisten Benjamin Zander, der seine lebensfreundliche Weltanschauung erklärt und sie demonstriert, indem er einen jungen Cellisten unterrichtet. Eine Hommage nicht nur an die Musik, sondern an das Leben und an die Liebe zu den Menschen und zu sich selbst…
Zu finden ist das Video im Blog des systemagazin, das mein geschätzter systemischer Kollege Tom Levold herausgibt.
Ich wünsche euch viel Spaß beim Anschauen!
Patchwork

Der Lüstling
Vor einiger Zeit war ich bei einer Kollegin zu Besuch. „Ich hab jetzt eine Therapiestunde mit so einem komischen Typen“, sagte sie. „Ich weiß gar nicht, was sein Auftrag an mich ist. Er hat kein richtiges Anliegen und redet immer nur von Frauen. Bleib doch einfach mal bei der Therapiestunde dabei.“ Sie stellte mich dem Mann als einen interessierten Kollegen vor und erbat seine Erlaubnis, dass ich bei der Therapie dabei sein dürfe. Ich saß etwas abseits zwischen den beiden und hörte zu. Der Mann setzte sich seiner Therapeutin gegenüber. Er sah sie sich an, öffnete die Beine betont breit und legte die Hände auf seine Oberschenkel. Die Geste wirkte auf mich machistisch, herablassend und vulgär.
Nach einer Weile des Zuschauens wandte ich mich dem Mann zu, öffnete meine Beine ebenso breit mit Zielrichtung auf ihn, legte meine Hände auf die Oberschenkel, blickte zwischen seine Beine und stellte mir vor, wie wohl jemand schaut, der ein Begehren für diesen Mann entwickelt.
Nach kurzer Zeit verschränkte der Mann seine Beine, und dabei blieb es für den Rest der Stunde. Wenn die Therapeutin den Effekt in kommenden Stunden wiederholen wollte, bräuchte sie nur auf die Stelle zu deuten, wo ich gesessen hatte und sagen: „Herr Hammel würde Ihnen da jetzt voll und ganz zustimmen. Herr Hammel schätzt Menschen wie Sie und ist der Meinung…“
Katzenhaarallergie
Gerade hat mir einer der Teilnehmer der Otterberger Ausbildung für Hypnotherapie in einer E-mail folgende Zeilen geschrieben. Seine Worte drücken für mich viel darüber aus, wie faszinierend die Therapie mit Geschichten wie auch die Arbeit mit Hypnose ist. Er schreibt:
Meine Freundin, die Anne, litt seit ich sie kenne, unter einer Katzenhaar-Allergie. Das machte die Aufenthalte bei Katzenbesitzern immer zur Qual, und ungünstigerweise ist die Freundin meines Vaters eine solche Katzenbesitzerin. Nachdem Anne nun schon am 2. Tag die Medikamente ausgingen, hab ich beschlossen, sie zu hypnotisieren. Ich hab ihr eine Geschichte erzählt, die zusammengebaut war aus „Einsatz„, „Die Quelle des Verstehens“ und „Der Weg zur Wiese“ aus deinem Handbuch. Seither ist sie symptomfrei!!!
Wow, ist das ein Gefühl. Für mich fühlt sich das ähnlich an wie der erste Gleitschirmflug nach ein paar Stunden am Übungshang. Irgendwie weiß man, dass man mit dem Ding fliegen kann, aber wenn man plötzlich 10, 20, 100, 200, 700 Meter Luft unter sich hat und merkt „Das Ding trägt“, das ist ein fantastisches Gefühl! (Johannes Conzelmann, Kommunikationspsychologe und Krankenpfleger, Görlitz)
Herzlichen Glückwunsch, liebe Anne (und natürlich lieber Johannes)!
Der Floh im Ohr
Eine Frau kam zu mir wegen Migräne, die sie seit fünfzehn Jahren plagte und die in den letzten Jahren häufiger geworden war. Die Schmerzen träten etwa zweimal monatlich auf für drei bis fünf Tage auf und stünden in einer zeitlichen Relation zu ihrer Periode. In dieser Zeit müsse sie sich etwa 30mal am Tag übergeben und sei ans Bett gebunden. Sie müsse sich von der Arbeit abmelden und brauche Ruhe von der Familie. Die Frau machte mir den Eindruck eines Menschen, der viel von sich abverlangt, sehr streng mit sich selbst ist und ein hohes Bedürfnis nach Kontrolle hat.
Aus einem Apothekenschaufenster hatte ich einen riesigen Plastik-Menschenfloh, der an einer Spiralfeder befestigt war und so zum Hüpfen gebracht werden konnte. Ich ließ diesen Floh vor der Frau als eine Art Hypnotiseurspendel auf- und abschwingen und hielt ihr einen Vortrag über Flöhe, Läuse und Parasiten. Nach und nach entwickelte sie eine schöne Trance. Es ergab sich der folgende Dialog.
„Ich nehme nicht an, dass es Sie irgendwo juckt, oder?“ fragte ich. „Am Ohr“, sagte die Frau. „Sie können sich, wenn Sie möchten, eine lindernde Salbe vorstellen, die Ihnen das Jucken nimmt und Wohlbefinden verbreitet.“ „Das möchte ich aber gar nicht.“ „Möchten Sie lieber dieses Jucken an Stelle der Migräne?“ „Ich möchte gar keine Migräne.“ „Das möchte ich aber nicht. Ich möchte, dass Sie ein minimales Signal behalten, das Sie daran erinnert, wann es Zeit ist, aufzuhören, zu arbeiten. Also: Möchten Sie lieber dieses Jucken anstelle der Migräne oder lieber eine Migräne mit der Intensität dieses Juckens?“ „Das wäre schön.“ „So etwas in dieser Intensität ist also schön. Es ist aber wichtig, dass Sie das dann auch als eine vollwertige Migräne behandeln. Sie müssen sich krank melden und ins Bett legen.“ „Wenn ich aber doch gar nicht krank bin?“ „Dann tun Sie eben so als ob. Besser so tun als ob, als eine Migräne der bisherigen Art.“ „Ist das denn erlaubt?“ „Es ist besser, als wenn Sie dafür richtig krank sein müssen. Und mir ist es wichtig, dass Sie dieses Jucken oder den Schmerz in der Intensität dieses Juckens dann auch wahrnehmen und darauf reagieren. Wenn Sie nicht darauf reagieren, muss Ihr Körper Ihnen wieder einen stärkeren Schmerz und womöglich eine Migräne wie vorher zumuten.“ „Oh, sagen Sie das nicht!“ „Sie können ja flexibel darauf reagieren, und ihr Unbewusstes kann Ihnen flexibel so viel oder wenig Schmerz geben, wie Sie brauchen, um auf das Signal zu reagieren. Es kann den Schmerz für Sie stufenlos einstellen. Wenn Sie nur wenig brauchen – umso besser für Sie.“
Die Frau rief mich neulich, einen Monat nach dem Gespräch, an und teilte mir mit, ihr gehe es wesentlich besser. Die Migräne sei ganz weg, sie habe nur noch Kopfschmerzen. Sie habe keine Übelkeit mehr und brauche nicht mehr im Bett zu liegen. Die Kopfschmerzen könne sie ertragen, sie lenke sich davon mit Haushaltsarbeiten ab.
Der Platz neben dir
Diese Woche habe ich eine neue Therapiemethode ausgedacht, die außerordentlich gut funktioniert hat. Nacheinander habe ich sie bei drei Klienten mit jeweils unterschiedlichen Problemen ausprobiert. Es war jedesmal erstaunlich….
Also, da war eine Klientin, nennen wir sie Frau Goldschmitt, die erzählte mir, wie schlecht und unfähig sie sich fühle und dass sie kein Selbstbewusstsein habe, und dass sie sich selbst dafür noch Vorwürfe mache. „Ich habe Sie aber auch anders kennen gelernt“, sagte ich zu ihr. „Ich habe den Eindruck, Sie haben einen faszinierenden Beruf erlernt und Sie füllen ihr kompetent aus. Sie haben eine Tochter, die Sie offenbar gut erzogen haben und die sehr liebevoll ist, und Sie scheinen Freunde zu haben, die viel von Ihnen halten. Da scheint es zwei Frau Goldschmitts zu geben: Eine die hier sitzt und nicht viel von sich hält, und die sich selber schlecht macht, und eine andere, die stelle ich mir neben Ihnen auf dem Sofa vor: Diese Frau Goldschmitt hat viel erreicht und wird sehr geschätzt, und sie weiß das auch.“ Und wir sprachen eine Weile über die eine und über die andere Frau Goldschmitt. Ich fragte, welche Körperhaltung die andere Frau Goldschmitt wohl habe, was ihr wichtig sei, und wie sie mit sich und mit anderen umgehe. Wir verglichen ihr Erleben und Verhalten mit dem der unsicheren Frau Goldschmitt, die da vor mir saß. Als sie mir genügend über beide erzählt hatte, sagte ich: „Dürfte ich Sie bitten, sich auf den Platz neben Ihnen zu setzen, auf den Platz der anderen Frau Goldschmitt?“ Meine Gesprächspartnerin war etwas verdutzt, aber sie tat es.
„Auf diesem Platz sind Sie ja die Frau Goldschmitt, die ihren Erfolg, ihre Freunde und den Wert ihres Lebens kennt“, fuhr ich fort. „Erzählen Sie mir noch etwas über Sie und die andere Frau Goldschmitt auf dem Platz neben Ihnen, die so unsicher ist.“ Es war verblüffend. Es schien, als ob ich mit einem anderen Menschen spräche. Vor mir saß eine starke Frau. „Bemerken Sie, wie sich Ihre Körperhaltung jetzt unterscheidet von derjenigen der unsicheren Frau Goldschmitt?“, fragte ich sie. „Merken Sie, dass Ihre Stimme ganz anders klingt? Haben Sie schon bemerkt, dass Sie jetzt ganz andere Worte gebrauchen?“ Und ich beendete die Stunde mit der starken Frau Goldschmitt.
„Wann immer Sie in Ihrem Alltag der unsicheren Frau Goldschmitt begegnen, schlage ich Ihnen vor, Plätze zu tauschen“, sagte ich zu ihr. „Sie machen das, indem Sie sich die Starke einen Schritt neben sich vorstellen, einen Schritt zur Seite treten und die Unsichere an dem vorherigen Platz lassen.“
HYPS-Seminare 2009
Das Seminarprogramm für 2009 steht jetzt fest. Ich möchte hier schon mal einige Hinweise geben. Genauere Informationen gibt es auf der Seite des Instituts für Hypno-Systemische Beratung.
Wie bisher halte ich auf Burg Fürsteneck bei Fulda zwei Hypno-Systemische Seminare, die Teil der dortigen Ausbildungsreihe für Systemisches Coaching sind. Die Seminare heißen „Von Grashalmen und Oasen – Systemisches Mentalcoaching“ und „Wenn die Bilder laufen lernen – Systemische Metaphernarbeit“.
Ermutigt durch die sehr positive Resonanz biete ich ab September wieder die 25tägige Grundausbildung „Hypnotherapie nach Milton Erickson“ an. Die Ausbildung ist offen für Ärzte, Psychologen, Heilpraktiker und Angehörige angrenzender Berufe.
Neu hinzu kommt im Jahr 2009 die Ausbildung „Therapeutisches Geschichtenerzählen“. Die Ausbildung ist hypnosystemisch fundiert und wendet sich an Teilnehmer aus allen therapeutischen Schulen und Ausrichtungen. Die Ausbildung kann separat gebucht werden oder als Aufbaukurs zur obengenannten Hypnotherapie-Grundausbildung belegt werden. Auch diese Ausbildung dauert 25 Tage im Verlauf eines Jahres.
Für 2010 ist dann ein weiteres Kursjahr (Meisterkurs) in Planung, mit Schwerpunktthemen wie: Hypnotherapie bei Angststörungen, bei Schmerzen, bei Schlafstörungen, etc. Das Gesamtangebot umfasst dann 75 Tage Ausbildung in 3 Jahren.
Das Ärzte-Seminar „Privatpraxis gründen“ bieten wir im kommenden Jahr erstmals auch für eine größere Personengruppe an, die einem ärztlichen Verband angehören. Das bisherige Konzept sieht ein 1:1-Coaching mit 3 Trainern (Arzt + Steuerberater / Betriebswirt + Personal Coach) und 3 Coachees vor.
Seminare über therapeutisches Geschichtenerzählen beim Milton-Erickson-Institut Heidelberg und beim Institute for for Clinical Hypnotherapy and Psychotherapy in Mannheim runden das Programm ab.