Kann man per Telefon oder mp3 hypnotisieren?

Man kann. Ich habe zwei mal ausprobiert, jemanden aus einer Beinahe-Hyperventilation zu einer normalen Atmung und so aus einer Panik zur Ruhe zu bringen. Das geht gut. (Atempacing und -leading: Man übernimmt den Atemrhythmus des anderen, verändert ihn bei sich und der andere geht mit.) Und viele Kollegen verwenden die eine oder andere Technik auch am Telefon.

Eine Demo-Hypnose per mp3 gibt es auf meiner Website ja schon länger. Gezeigt werden da Trancephänomene wie Zeitverzerrung, Veränderung der Atmung und der Bewegungsabläufe, Ausblenden der Außenreize, außerdem Tranceinduktionen: Verwirrungsinduktion, Induktion durch Mehrdeutigkeit, Vorstellen von Trancesituationen, Ratifikation der Hypnose, etc.

Inzwischen sind auf der Seite Kurzhypnosen zu Gesundheitsthemen mit aufgenommen, und alle paar Tage kommen neue dazu. Den Anfang machen Trancen zur Stärkung des Immunsystems, zur An- und Auflösung von Ohrgeräuschen, was ganz Kurzes für Schnarcher und Schnarchhörer und einige andere. Wahrscheinlich reicht’s, um einen Eindruck zu vermitteln!

Die Schmerzverkäuferin

Vorhin habe ich auf dem Flur der Röntgenstation eine ältere Frau getroffen. Sie hat in ihrem Bett gelegen, zwischen anderen Patienten, umhereilenden Krankenschwestern, Betten schiebenden Transport- dienstmitarbeitern und anderem Personal. Wir hatten Zeit. Unser Gespräch verlief etwa so.

„Ich habe mir die Hüfte gebrochen. Ich habe solche Schmerzen. Die kann ich keinem verkaufen!“ „Wem würden Sie sie denn gern verkaufen?“ „Ihnen nicht. Sie sind ein Guter.“ „Wem möchten Sie sie denn sonst vielleicht verkaufen?“ „Keinem Guten. Höchstens einem bösen Hund. Aber der Weiterlesen

Kann man Hühner hypnotisieren?

Das geht. Mein Vater hat als Kind von einem Nachbarn eine sehr effektive Methode gelernt. Er hat eines der Nachbarshühner gefangen, hat es so lange kreisförmig am Hals gestreichelt, bis es eine Katalepsie (Körperstarre) entwickelt hat, und hat es dann seitlich überstehend auf den Rand des Hackklotzes gelegt. Dort blieb es fast-herunterfallend liegen, bis die Nachbarin das tot erscheinende Tier unter Schreckensgeschrei Weiterlesen

Kann man andere wider Willen hypnotisieren?

Man kann. In der Therapie ist es ein Verstoß gegen elementare ethische Grundsätze. In der Showhypnose ist es weit verbreitet. Im privaten Kontext habe ich es wenige Male ausprobiert. Es geht problemlos. Man riskiert nur, sich dabei unbeliebt zu machen. Mit Recht ja eigentlich.

Ein Kurzvideo zu Hypnose wider Willen findet sich bei der englischen „Academy of Hypnotic Arts“ (das erste Video auf der Seite).

Der Geschichtenerklärer

Ein Märchen! Die Augen der Kinder leuchteten. Der Geschichtenerklärer begann: „Es war einmal eine Geißenmutter, die hatte sieben junge Geißlein. Wie diese prototypische Einleitung zeigt, handelt es sich offensichtlich um ein Märchen. Die Zahl sieben ist in dieser Art Literatur die Zahl des Vollständigen. Später wird es wichtig werden, dass die jungen Geißen nicht alle gefressen, daher aber alle gerettet werden. Warum der Geißenvater nicht genannt wird, erfahren wir nicht. Manches spricht dafür, dass er im Wolf versinnbildlicht ist. Das spätere Fressen der Geißenjungen kann als gewalttätiger oder sexueller Akt verstanden werden. Wenn ihr nachher die Geschichte in fünf Hauptabschnitte untergliedert, werdet ihr feststellen, dass das Märchen einem gestuften Schema folgt…“ Und das Leuchten in den Kinderaugen erlosch.

Placebo III

„Ich habe oft so kalte Füße“, sagte der Mann, als er wiederkam. „Darum bin ich so oft erkältet. Früher habe ich einmal Kneipp-Anwendungen gemacht. Das hat geholfen. Aber ich kann ja nicht überall Kneipp-Anwendungen machen.“ „Ich möchte Ihnen ein Geheimnis verraten“, erwiderte ich. „Wenn Sie sich die Kneipp-Anwendungen intensiv vorstellen, wirken sie auch.“

Lesenswert: Therapie in Trance

Die NLP-Begründer Richard Bandler und John Grinder präsentieren mit dem Buch „Therapie in Trance“ eine ausgezeichnete Sammlung von praktischen Anleitungen zur Induktion von Hypnose für Anfänger und Fortgeschrittene. Sie geben grundlegende Hinweise, wie man in hypnotischer und selbsthypnotischer Trance Sichtweisen und Verhalten verändern kann und welche Risiken man dabei beachten sollte. Sie tragen damit zur Entmythologisierung und Erlernbarkeit von Hypnose bei. Das Buch gibt eine Gebrauchsanweisung. Es macht zugleich deutlich, dass Hypnose Respekt verdient wie ein Medikament, das sachkundig gebraucht werden muss, wenn es helfen und nicht schaden soll.

Über das Neuro-Linguistische Programmieren (NLP) ist viel diskutiert worden. Grinder und Bandler entwickelten die Methodik vor allem, indem sie die Vorgehensweisen des Hypnotherapie-Entwicklers Milton Erickson analysierten. Erickson hat sich kritisch über ihr Ergebnis geäußert: „Sie wollten mich in eine Nussschale packen. Jetzt haben sie die Schale.“ Spätere Kritiker haben betont, Weiterlesen

Ein heiliger Vertrag

Noch eine Geschichte zu Prüfungsdingen…

In der Vorbereitung auf sein Examen sagte ein junger Mann immer wieder zu sich Dinge wie diese: „Wenn du bis heute Abend um 18.00 Uhr diese hundert Seiten durchgearbeitet hast, dann darfst du dir den Abend frei nehmen.“ Wenn er dann schon um 17.00 Uhr sein Pensum geschafft hatte, dann arbeitete er noch eine Stunde weiter und schaffte in dieser Zeit hundertzwanzig Seiten. Und weil es an jenem Tag so ungewöhnlich gut voranging, arbeitete er nochmals eine Stunde bis um 19.00 Uhr und hatte am Ende einhundertdreißig Seiten bearbeitet. Einige Wochen später bemerkte er, Weiterlesen

Prüfungsvorbereitung

Hier ist eine Geschichte für Leute, die eine Prüfung vor sich haben.

Um sich auf eine wichtige Examensprüfung vorzubereiten, hatte ein Mensch fünf Monate Zeit. Er wusste, dass die meisten anderen Studenten sich für die selbe Arbeit ein bis anderthalb Jahre vorbereiteten. Ein großer Teil der Studenten fiel dennoch immer wieder durch und musste die Prüfung wiederholen. Wie sollte er diese Arbeit in so kurzer Zeit bewältigen? Weiterlesen

Wie finde ich eine passende Geschichte II

Noch eine E-mail, die mich beschäftigt hat. Letzte Woche hat mir eine Kollegin geschrieben:

Könnten Sie mir vielleicht mit einer Geschichte persönlich auf die Sprünge helfen, meine Scheu zu überwinden, Geschichten in die Therapie mit einzubauen? Als meine Tochter klein war, hat sie mir drei Dinge genannt, aus denen ich dann ad hoc (im Erzählen) Geschichten erfand: langweilige, interessante, lustige, traurige… Als Therapeutin habe ich da irgendwie eine Blockade.

Woran hängt’s? Ich glaube ja, wir erzählen den ganzen Tag Geschichten, langweilige, interessante, lustige, traurige, und wir merken es gar nicht. Weiterlesen