Neu erschienen: The Blade of Grass in the Desert

Am Freitag habe ich es das erste Mal in den Händen gehalten: Das Buch „Der Grashalm in der Wüste“ ist jetzt auch in englischer Sprache zu lesen. An der Übersetzung haben eine Engländerin und ein Engländer, eine gebürtige Amerikanerin und eine Deutsche, die viele Jahre in den USA gelebt hat und mit einem Amerikaner verheiratet ist, mit mir zusammengearbeitet. Die Arbeit war schwieriger als erwartet, weil immer wieder Sprichwörter und kulturelle Eigenarten eine Rolle spielen, die im angelsächsischen Raum unbekannt sind. So mussten wir Dialektausdrücke, Sitten und Gebräuche, Sprichwörter und metaphorische Ausdrücke in eine andere Kultur übertragen. Ich bin stolz und glücklich über das Ergebnis, von dem ich finde, es kann sich sehen bzw. lesen lassen.

Die morgen beginnende Konferenz der International Society of Hypnosis (ISH) in Bremen, wo Erickson’sche Hypnotherapeuten aus aller Welt zusammen kommen, wird sozusagen der Ort für die Premiere der englischen Fassung Buches, und ich bin sehr gespannt, wie es dort aufgenommen wird.

Die bibliographischen Daten des Buches lauten:

Stefan Hammel: The Blade of Grass in the Desert. Storytelling: Forgotten Medicine for Healing the Soul. A Story of 100 Stories for Psychotherapy and Counseling. impress (Nierstein) 2012.

Das Buch ist jetzt schon hier erhältlich, ab nächster Woche bei amazon zu beziehen und voraussichtlich ab Dezember über www.stefanhammel.de auch als ebook verfügbar.

Wie nutzt man Metaphern in der Therapie?

Gerade eben ist beim Carl-Auer-Verlag das „Lexikon des Systemischen Arbeitens“ erschienen, von dem ich im Blog am 28. Februar erzählt habe. Es ist schön geworden; heute habe ich das erste Exemplar in den Händen gehalten. 141 Schlagworter sind auf 507 Seiten von über 90 Autoren bearbeitet worden. Neben dem neulich zitierten Artikel über „Utilisation“ habe ich auch die Erklärung des Begriffs „Metapher“ beigetragen. Ich möchte hier – in gekürzter und vereinfachter Form etwas von dem Artikel wiedergeben. Vielleicht macht es dem einen oder anderen Appetit, sich das Buch anzuschauen oder auch anzuschaffen.

Das Wort „Metapher“ stammt aus der antiken Rhetorik und bezeichnet den Gebrauch eines Begriffs  für einen Sachverhalt aus einem anderen als dem wörtlich damit benannten Kontext. Zwischen den Strukturen der angesprochenen Situation und des herangezogenen Begriffs eines anderen Erfahrungsbereichs wird eine Analogie hergestellt, ohne dass die übereinstimmenden Elemente genau benannt würden.
In der systemischen Beratung wird Metapher oft in einem weiteren Sinn gebraucht für komplexe Sprachbilder wie Gleichnisse und Fabeln und für ganze Begriffsfelder („metaphorische Konzepte“). Die klassische Abgrenzung zwischen Metaphern und Begriffen wie „Symbol“,  „Allegorie“, „Metonymie“ und „Parabel“ wird hier vielfach aufgegeben. Der therapeutische Gebrauch von Metapher ist beeinflusst durch die Auseinandersetzung mit Paul Watzlawick, Milton Erickson (rezipiert v. a. in Hypnosystemik, Hypnotherapie und NLP), orientalisch-weisheitlicher Erzählkunst und Märchen.
Methodisch ist zu unterscheiden zwischen der Nutzung von Metaphern, die die Klienten einbringen und der Entwicklung von Metaphern durch die Beratenden.
Ressourcenorientierte Metaphern der Klienten können durch systemische Fragen bearbeitet werden: „Wie weit ist denn Ihr ‚Licht am Ende des Tunnels‘ noch entfernt? Wie nähern Sie sich ihm? Wann könnten Sie dort sein?“ Problem-Metaphern (defizitorientierte Bilder) werden nach Regel-, Ausnahme- oder Trickfilmlogik zu Lösungs-Metaphern (ressourcenorientierten Bildern) umgedeutet. Diese Umdeutung erfolgt auf der Bildebene, innerhalb der wörtlich genommenen Metapher. Nach Regellogik werden die fest vorauszusetzenden Ressourcen des vom Klienten angebotenen Bildes ausgelotet: „Sie sind ‚gefangen‘, sagen Sie. Was meinen Sie, wie lange müssen Sie noch sitzen, bei guter Führung? Was könnte zu einem Freispruch oder einer Haftumwandlung führen?“ Nach Ausnahmelogik werden innerhalb des Bildes nützliche Sonderfälle gesucht: „In unserem Gefängnis sind einmal zwei ausgebrochen, mit Loch in der Mauer und Bettlaken. Die hat man nie wieder gefunden.“ Nach Trickfilmlogik kann das Bild frei verändert werden: „Genau genommen sind nicht Sie in einem Gefängnis, sondern das Gefängnis ist ein Film in Ihrem Kopf. Das heißt, Ihr innerer Regisseur kann den Film auch ändern. Woraus sind bisher die Mauern und woraus hätten Sie sie gerne? Wo möchten Sie die Schlüssel haben?“ Das veränderte Bild schafft ein verändertes Erleben und Verhalten in der Situation, die die Metapher kommentiert. Die auf der Bildebene neu ermöglichte Haltung gegenüber der erlebten Realität wird durch zirkuläres Fragen gefestigt: „Wenn Sie sich jetzt draußen vor der Haftanstalt sehen, welchen Unterschied macht das für Ihr Erleben?“
Im Vergleich zu Beispielgeschichten (wie Berichten von Lösungen anderer Klienten) erfordern metaphorische Sprachbilder beim Klienten eine größere Transferleistung, da ein komplexes Geflecht sinnbildlich dargestellter Problem- und Lösungsaspekte mit den Gegebenheiten des real erlebten „Problems“ und seiner unentdeckten Lösungspotentiale abzugleichen ist. Das heißt, „die Beziehung zwischen Utilisation und Metapher [ist] grundlegend: Eine wirksame therapeutische Metapher muss aus der Vielfalt an Informationen und Verhaltensweisen herausgearbeitet werden, die [der Klient] bewusst und unbewusst anbietet“ (Mills, Crowley 1998, Therapeutische Metaphern, S. 66, vgl. Hammel 2011, Handbuch der therapeutischen Utilisation, S. 259f.).  Metaphorische Geschichten können als inszenierte Träume verstanden werden, in denen Ressourcen versinnbildlicht entdeckt und entwickelt werden. Der Transfer in die Lebenswelt des Klienten erfolgt großenteils unbewusst. Umgangen werden Unterbrechungen des kreativen Suchprozesses durch Restriktionen im bewussten Denken (Skepsis, gedankliche Tabus, „Ja-aber“-Haltung). Die Lösungsfindung findet „einen Schritt versetzt“ vom Problem statt (Zeig, 1995, Die Weisheit des Unbewussten, S. 89, vgl. Hammond 1990, Handbook, S. 36ff., ), in einem stressfrei erlebten Bereich, der als Modell des vom Klienten geschilderten Problems fungiert.
Zu unterscheiden sind metaphorische Sprachbilder mit Handlung (Geschichten, Parabeln) und ohne Handlung (Beschreibungen, Aufzählungen). Bei ersteren sind drei Grundformen zu unterscheiden:  Positiv-, Negativ- und Suchmodelle. Positivmodelle sind Geschichten mit einem guten Ausgang, die den Weg vom Problem zur Lösung versinnbildlichen. Zu beachten ist, dass dem Klienten genügend Raum für den Transfer bleibt, so dass die Geschichte nicht belehrend wirkt. Negativmodelle sind Modelle mit katastrophalem Ausgang. Zu vermeiden ist, dass die implizierte Warnung Abwehrstrategien des Klienten verstärkt und so das Ausgangsproblem verschlimmert. Suchmodelle sind vom Moment des Rätselhaften dominiert. Sie erzeugen im besonderen Maß eine Fragehaltung, so dass der Klient sich vermehrt der Suche nach wirksamen Lösungsansätzen widmet (Hammel 2006, Der Grashalm in der Wüste, Hammel 2009, Handbuch des therapeutischen Erzählens).

So viel zum Artikel „Metapher“! Ich habe mit viel Spaß begonnen, im neu erschienenen Lexikon zu stöbern und kann das Buch mit gutem Gewissen allen systemisch interessierten Lesern empfehlen!

Buchtipp: Lexikon des systemischen Arbeitens

In diesem Frühjahr erscheint beim Carl-Auer-Systeme-Verlag das „Lexikon des systemischen Arbeitens“. Auf über 500 Seiten nimmt dieses Grundlagenwerk die Grundbegriffe und das Selbstverständnis systemischer Beratungs- und Therapiearbeit einschließlich hypno-systemischer Arbeitsformen unter die Lupe.

Die vollständigen biographischen Daten des Buches lauten:

Jan V. Wirth, H. Kleve (Hrsgg.): Lexikon des systemischen Arbeitens. Grundbegriffe der systemischen Praxis, Methodik und Theorie. Carl-Auer-Systeme, Heidelberg 2012

Ich habe zwei Artikel zu dem Lexikon beigetragen, den Artikel „Metapher“ und den Artikel „Utilisation“. Allen, die sich aus fachlichem und persönlichem Interesse mit systemischer und hypnosystemischer Arbeit befassen, möchte ich gerne Appetit auf dieses Buch machen. Zu diesem Zweck möchte ich hier auszugsweise und leicht gekürzt den Artikel zum Begriff „Utilisation“ wiedergeben. Was ist also Utilisation?

Anders als das „Nutzen“ (lat. utor, engl. use im Unterschied zu utilize) einer Sache im üblichen Sinne wird beim Utilisieren etwas augenscheinlich Nutzloses, Belangloses oder Schädliches in einer Weise neu betrachtet, gestaltet oder gebraucht, dass ein vorher nicht vorhandener Nutzen für den Klienten entsteht. Milton Erickson gebraucht den Begriff zunächst, um einen Grundsatz erfolgreicher Intervention bei der Arbeit mit Hypnose und in der Psychotherapie insgesamt zu beschreiben: „Diese Methoden beruhen darauf, die eigenen Einstellungen, Empfindungen, Denk- und Verhaltensweisen der Versuchsperson zu nutzen; des weiteren wurden Aspekte der realen Situation … in verschiedenster Weise verwendet.“ Daraus ergibt sich: „Utilisation ist die Haltung, jeder Eigenart des Klienten und seiner Lebenssituation mit Wertschätzung zu begegnen und das jeweils Einzigartige daran für die therapeutischen Ziele zu nutzen“ (Hammel 2011, Handbuch der therapeutischen Utilisation, S. 17).
Das Konzept der Utilisation beinhaltet, dass zentrale, markante, typische oder bisher wenig beachtete Elemente des Ausgangserlebens (häufig Symptome, Problem- und Zielbeschreibungen im Klientensystem) vom Beratenden verbal oder nonverbal aufgegriffen und zu Anknüpfungspunkten für den Aufbau eines Zielerlebens (etwa eines neuen Verhaltens) gemacht werden. Dahinter steht der Gedanke, dass auch ein als „Problem“ beschriebenes Verhalten und Erleben von Persönlichkeitsanteilen bzw. Tendenzen im System erzeugt wird, die „nützliche“ (also für den Klienten oder das Klientensystem wertvolle) Intentionen verfolgen, auch wenn das Ergebnis als belastend erlebt wird. „Paradoxerweise kann Akzeptanz als bezwingende Kraft für die Veränderung genutzt werden… Anstatt die Patienten einer Konfrontation auszusetzen, indem ihnen gesagt wird, dass sie fehlerhafte Aspekte ihrer selbst verändern müssen, versucht man mehr und mehr zu evozieren, wer sie sind und was sie tun. Wenn man Patienten dazu einlädt, in Übereinstimmung mit ihrer eigenen Konstitution zu handeln, … verringert sich nicht nur der Widerstand gegen die Therapie, sondern… der Ort der Veränderung wird dorthin platziert, wo er hingehört, … in den Patienten.“ (Short, Weinspach, Hoffnung und Resilienz, S. 242f.).
Viele klassische systemische Techniken sind Utilisationstechniken. Grundformen der Utilisation sind:

–    Einfache Bindung und Doppelbindung (Einfache und Doppelte Kopplung), also das Verknüpfen von einem bzw. mehreren Elementen der Ausgangssituation (oder der Ziele des Klienten) mit positiven oder negativen Werten des Klienten, um eine Suche nach Neubewertungen seiner Denk- und Handlungsoptionen zu initiieren und innerhalb seines Wertesystems neue Lösungen attraktiv zu machen
–    Realistische oder irreale (also absurde oder trickfilmartig visualisierte) Umdeutung (Reframing), etwa das Aufgreifen und Wörtlich-nehmen von Metaphern des Klienten für sein Problem und das Entdecken der darin implizierten Ressourcen für die reale Situation
–    Paradoxe Intervention, etwa in Form von Unterstützung für das Beibehalten des Symptoms, für Symptomverstärkung, zeitliche, räumliche oder kontextuelle Symptomverschiebung, Ritualisierung, Rhythmisierung oder Ablaufs-Umkehrung von Symptomen oder Wetten gegen den Verlust von Symptomen
–    auf dem Gemeinschaftserleben (Rapport) von Therapeut und Klient basierende Methoden wie Spiegeltechniken, das Mitvollziehen und Verändern (Pacing und Leading) von Elementen des Ausgangserlebens sowie Strategien der Delegation, also etwa das Besetzen der Rolle des Symptomträgers durch den Therapeuten,
–    Externalisierung, Visualisierung und bildhafte Umgestaltung von Problemaspekten und Ressourcen
–    Gebrauch von Landschaftselementen, Gegenständen und zufälligen Ereignissen zur Zeit der Beratung. Diese dienen als metaphorische Angebote zur Deutung der Ausgangs- oder Zielsituation des Klienten (als Symbol, Omen oder Beispiel für Lösungsmöglichkeiten), als Musterunterbrechung (zur Defokussierung vom Problemverhalten und zum Erzeugen einer Suchhaltung) oder als Anker (vereinbarter Auslöser zur Reaktualisierung eines Zielerlebens im Kontext des „Problems“).

Utilisation bedeutet vor allem, positive und negative Werte des Klienten für dessen Ziele zu nutzen: „Finde heraus, wo der Patient über Ressourcen verfügt. Erkenne, was er mag und was er überhaupt nicht schätzt. Entfalte die Ressource, indem du die Werte des Patienten nutzt. Verbinde die entfaltete Ressource mit dem Problem. [Das geschieht…] entweder direkt oder indirekt, in kleinen Schritten, und zwar, indem man Vertrauen schafft, eine Beziehung herstellt, Motivation aufbaut und die Reaktionsbereitschaft steuert. [… Lass den] Patienten etwas tun. Therapeutische Handlungen müssen für den Patienten und dessen Werte von Bedeutung sein. Jedes Verhalten, selbst Widerstand, kann akzeptiert und therapeutisch genutzt werden. Und jeder Aspekt des Kontextes kann akzeptiert und therapeutisch nutzbar gemacht werden. Dramatische Inszenierungen können helfen, die Reaktionsbereitschaft auf Anweisungen zu steigern. Wenn man Ideen sät, bevor man sie direkt präsentiert, werden sie eher akzeptiert und umgesetzt. Das Timing ist von zentraler Wichtigkeit. Zum Therapieprozeß gehören Pacing, Musterunterbrechung und das Aufbauen von Mustern. Widerstand entsteht oft dann, wenn man auf diese Prozesse nicht genügend Sorgfalt verwendet. Der Therapeut (und der Patient) muss eine Erwartungshaltung haben. Führe die Intervention konsequent durch und kontrolliere den Erfolg“ (Zeig 1995, Die Weisheit des Unbewussten, S. 62, gekürzt).

Handbuch der therapeutischen Utilisation

Vor knapp einem Jahr ist das „Handbuch der therapeutischen Utilisation“ erschienen. In diesem Jahr habe ich sehr viel positive Resonanz erfahren. Heute hat mir ein Kollege geschrieben: „Da ich in letzter Zeit immer mehr Patienten mit psychosomatischen Leiden bekomme (oder vielleicht fällt es mir nur mehr auf), merke ich dass ich ihnen etwas zur Therapie anbieten möchte. Schon die Lektüre des Utilisationshandbuch war damals ein Geschenk für mich, weil es mir diese Welt eröffnet hat!“

Für mich heißt Utilisation: Die Symptome und ihr Kontext werden in der Therapie nicht bekämpft, sondern für die Therapieziele nutzbar gemacht. Ähnliches gilt für den Beruf, die Hobbies, die Werthaltungen und Lebenserfahrungen, sogar für die Architekutr des Therapieraums, das Wetter oder Störungen während der Beratung. Wofür kann es gebraucht werden – und was alles aus dem Leben des Klieenten und dem Kontext der Beratung kann gebraucht werden, um die Ziele des Klienten zu erreichen?

Das Buch ist so konzipiert, dass es anhand vieler Fallbeispiele die Haltung und die Techniken der therapeutischen Utilisation veranschaulicht. Es regt zum Experimentieren, zum genauen Wahrnehmen und zum kreativen Entwickeln neuer Lösungsansätze in der Therapie an. Die Verlagsbeschreibung findet sich hier, das Amazonangebot ist hier zu erreichen.

Zum Thema Utilisation halte ich dieses Jahr ein Seminar beim Münchner Familienkolleg am 6.7.-7.7.2012: Es heißt: „Utilisation. Wie spanne ich das Problem vor die Karre der Lösung? Vom Nutzen des Nutzlosen in der Systemischen Therapie„. Aber auch beim Seminar „Therapeutisches Erzählen für Kinder und Jugendliche“ in Kaiserslautern am 2.3.-4.3.2012 spielt dieses Thema eine zentrale Rolle. Wenn wir das, was für die Kinder vertraut und wichtig ist, in den Mittelpunkt der Therapie rücken und das, was sie gern tun und gut können, unterstützen, läuft die Therapie meist sehr viel besser, als wenn wir ihnen „helfen“, ihre Probleme zu bekämpfen.

Infos zum Kaiserslauterer Seminar: 3 Tage 300 Euro. Anmeldung hier oder telefonisch beim Institut für Hypno-Systemische Beratung, 0631-3702o93.

Bibliographische Daten: Stefan Hammel, Handbuch der therapeutischen Utilisation. Vom Nutzen des Unnützen in Psychotherapie, Kinder- und Familientherapie, Heilkunde und Beratung. Klett-Cotta, Stuttgart 2011

Von den Sternen lernen

Letzte Woche habe ich das Manuskript zum „Handbuch der therapeutischen Utilisation“ bei der Lektorin zur Korrektur abgegeben, das Anfang April kommenden Jahres bei Klett-Cotta erscheint. Trotzdem die Abgabe mich jetzt ein bisschen erleichtert, sind noch viele Feinarbeiten nötig. Der Kern des Buches besteht aus über 60 kurzen Fallgeschichten aus der Beratungs- und Therapiearbeit, die auf die Fragen hin untersucht werden: Was aus dem Leben der Klienten und was von ihren Problemen oder Symptomen (oder auch was von der aktuellen Beratungssituation) wird in der Therapie jeweils genutzt, um zu Lösungen zu kommen. Und wie geht das? Wass wirkt befreiend an der Therapie? Und wie kann die Therapie so individualisiert werden, damit die Beratung so individuell wird wie die Klienten und ihre Geschichten es sind?

Einige Geschichten, die ich in dem Buch betrachte, handeln von Klienten mit Tinnitus. Davon möchte ich hier eine herausgreifen. Das war in diesem Frühjahr… Weiterlesen

Recycling III, oder: Das zweite Handbuch

Meine Freundin sagt, in meinem nächsten Buch geht es um Recycling. Ich sagte zu ihr: „Da merkt man, dass du Umweltingenieurin bist“. Aber sie besteht darauf und sagt: „Da steht doch auf dem Titel: ‚Vom Nutzen des Unnützen‘ – genau das ist Recycling!“ Nach ein bisschen Nachdenken habe ich ihr zugestimmt: „Ja, wir recyceln Leben. Probleme, Symptome, Erinnerungen, Werte, Worte.“

Also, jetzt wird recycled. Nach dem „Grashalm in der Wüste“ und dem „Handbuch des therapeutischen Erzählens“ erscheint jetzt im nächsten April von mir ein Buch zu therapeutischer Utilisation, also dazu, wie man scheinbar Nutzloses, Belangloses oder Schädliches für die Therapie nutzbar macht und insbesondere die Probleme zur Lösung der Probleme nutzt.

Die bibliographischen Angaben des Buches lauten:

Stefan Hammel (2011): Handbuch der therapeutischen Utilisation. Vom Nutzen des Unnützen in Psychotherapie, Kinder- und Familientherapie, Heilkunde und Beratung. Klett-Cotta, Stuttgart.

Das Buch hat etwa 280 Seiten und dürfte Anfang April auf den Markt kommen. Vorbestellungen sind schon jetzt im Buchhandel möglich.

Handbuch des therapeutischen Erzählens

Gestern habe ich das erste Exemplar in der Hand gehabt: Das „Handbuch des therapeutischen Erzählens“, in dem auch viele der Geschichten aus diesem Blog enthalten sind, ist frisch erschienen. Mit fast 370 Seiten ist es umfangreicher geworden, als ursprünglich geplant. Wie die Lektorin nach getaner Arbeit zu mir sagte: „Der Titel beschreibt das Konzept genau; es ist wirklich ein ‚Handbuch‘.“ Das heißt, es fasst als Grundlagen- und Nachschlagewerk gleichzeitig umfassend und kompakt möglichst alles Wesentliche zum Thema zusammen. Die bibliographischen Angaben des Buches lauten:

Stefan Hammel: Handbuch des therapeutischen Erzählens. Geschichten und Metaphern in Psychotherapie, Kinder- und Familientherapie, Heilkunde, Coaching und Supervision. Klett-Cotta, Stuttgart 2009 (Reihe Leben Lernen).

Stefan Hammel: Handbuch des therapeutischen Erzählens

Das Handbuch enthält:

  • Über 230 kommentierte Geschichten
  • Psychotherapie, Kinder- & Familientherapie, Heilkunde, Coaching
  • Detaillierte Erklärung der Methodik des therapeutischen Erzählens
  • Register zu Symptomen, Problemen, therapeutischen Methoden
  • 367 Seiten

Es kostet in Deutschland 34,90 € (Schweiz 59,00 SFr), und hat die ISBN 978-3-608-89081-5.

Der Verlag selbst beschreibt das Buch so: Weiterlesen

Die HYPS-Geschichten als Buch

Einige der HYPS-Geschichten sind ja bereits in dem Buch „Der Grashalm in der Wüste“ von 2006 veröffentlicht. Die meisten dagegen gibt es nur hier. Das soll sich ändern!

Viele der in Papierform unveröffentlichten Blog-Geschichten und weitere, die noch nirgends zu lesen sind, erscheinen im März 2009 in der Reihe „Leben lernen“ des Verlags Pfeiffer bei Klett-Cotta. Veröffentlicht werden sie zusammen mit einer Methodenlehre des therapeutischen Geschichtengebrauchs als „Handbuch des therapeutischen Erzählens“ auf ca. 350 Seiten.

Die Geschichten sind geordnet nach den Symptomen und Themen, bei denen sie jeweils schwerpunktmäßig eingesetzt werden können. Sie sind kurz kommentiert und mit Fußnoten versehen. Sie sind eingeordnet in Abschnitte über Gesundheit, psychologische und psychiatrische Problemen, über die Regulierung von Paar- und Familienbeziehungen, über die Verbesserung von Arbeitssituationen und von Arbeitsleistungen, usw.

Der Methodenteil beschreibt, wie man Geschichten auffindet, erfindet, aufbaut und erzählt. Er beschreibt, welche therapeutischen Interventionen in Geschichten integriert werden können und wie sie „funktionieren“. Schließlich gibt es ausführliche Register zu den therapeutischen Themen, zu den Interventionen (sozusagen den Therapeutentricks) und zu den Gattungen der Geschichten.

Wegen der anstehenden Neuauflage des Buchs „Der Grashalm in der Wüste“ bin ich auch mit zwei Fachverlagen in Verhandlung. Die erste Auflage ist bis auf 70 Exemplare abverkauft, so dass die zweite möglichst bald erfolgen soll.

Und das Handbuch betreffend freue mich natürlich sehr über die Zusage des Verlags und auf die Veröffentlichung!

Die therapeutische Landkarte „Insel der Liebe“

Landkarte “Insel der Liebe��?

Immer wieder bestellen Paartherapeuten bei mir eine Landkarte der „Insel der Liebe“. Ich erkläre einmal, worum es sich dabei handelt…

Die Karte der „Insel der Liebe“ ist für paartherapeutische Gesprächen konzipiert. Mit Hilfe direkter oder zirkulärer Fragen („Was meinen Sie, wenn ich Ihren Partner fragen würde…, was würde er antworten?“) werden die Partner gebeten, sich selbst oder einander auf der Insel zu verorten, gemeinsame und getrennte Wege zu überlegen, Wohnorte und Zeltplätze auszuhandeln, etc. Es empfiehlt sich, dazu aus selbst haftenden Notizzetteln verschiedenfarbige Häuser, Zelte, Wohnwagen u. ä. anzufertigen. In gleicher Weise können auf dem kopierten Blatt die Korrekturen und Ergänzungen der Partner eingezeichnet werden. Natürlich können Klientinnen und Klienten auch angeregt werden, ihre eigene „Insel der Liebe“ zu zeichnen – einzeln, gemeinsam oder zuerst einzeln und dann gemeinsam.

Die „Insel der Liebe“ ist geeignet, um aus Konfliktgesprächen mit Paaren das Erbitterte und die Härte herauszunehmen und auf einer anderen Ebene ins Gespräch zu kommen.

Man fragt die beiden Partner jeweils nach Zielen und Wünschen in ihrer Partnerschaft bzw. einer bestimmten Situation und lässt sie ein Hauptziel mittels Post-it-Streifen oder Spielfigur auf der Karte verorten. (Zusätzlich kann man auch die momentane reale Verortung markieren.) Man spricht darüber als den Ort, wo die Partner stehen. Dann schaut man, wie nah oder weit die Ziele auseinander liegen, diskutiert darüber, ob beide Ziele wertvoll und berechtigt sind (natürlich sind sie es) und überlegt, wie beide Ziele bzw. Wünsche erreicht werden können: Einzeln, gemeinsam? Abwechselnd? Welches wann, welches zuerst, welches dafür öfter oder länger (oder sicherer)?

Man kann nach Felsbrocken fragen, die weggeräumt werden müssen, nach sumpfigen Stellen, nach notwendigen Straßenbauprojekten oder Telefonleitungen.

Man kann zirkulär fragen, also den Mann z.B. betreffend einer Streitsituation fragen, wo („wenn ich Ihre Frau fragen würde…“) seine Frau sich verorten würde, und dasselbe auch umgekehrt, und dann auflösen lassen, was die Partner wirklich dazu denken. Weiterlesen

Lesenswert: Gesundheit für Körper und Seele

Louise L. Hay ist eine Meisterin der Hypnotherapie und des Mentaltrainings. Im Bereich der Denk- und Lebensgewohnheiten und der körperlichen Gesundheit hat sie eine psychosomatisch orientierte Therapie begründet. Dazu gehört für sie eine Annäherung, vielleicht auch Verschmelzung, von therapeutischen, wissenschaftlichen und religiösen Ansätzen in der Therapie. Ihr Ansatz ist revolutionär – man muss aber wohl berücksichtigen, dass Äußerungen revolutionärer Art plakativ, parteiisch und leidenschaftlich zu sein pflegen. 24 Jahre nach der ersten Veröffentlichung ihres Buches „Gesundheit für Körper und Seele“ hat dieses nichts von seiner Kraft eingebüßt – nur wir selbst mögen differenzierter geworden sein, indem wir das Psychosomatische wichtiger nehmen als früher, zugleich aber auch die Grenzen des psychosomatischen Denkens deutlicher im Blick haben.

Die wissenschaftlich orientierte Hypnotherapie ist in den letzten Jahren mit den Geistheilern und Schamanen anderer Kulturen in Dialog getreten, um das Gemeinsame der beiden Ansätze zu finden, um voneinander zu lernen und Respekt für einander zu entwickeln. So gewinnt auch das spirituell orientierte Hypnotherapiekonzept von Louise L. Hay an Relevanz für eben diesen Dialog. Daneben enthält das Buch viele therapeutische Techniken, die in anderen Schulen nicht bekannt sind und damit eine wertvolle Ergänzung für das eigene Programm darstellen.

Louise L. Hay, Gesundheit für Körper und Seele, Berlin (Ullstein) 2004