Doktor Dachs

Die folgende Geschichte kann man Kindern mit Spritzen- oder Behandlungsangst erzählen – oder Angst vor der Narkose – oder schüchternen Kindern, denen es schwer fällt, sich einem Therapeuten anzuvertrauen – oder Kindern, die Unruhe, Schmerz und Trauer spüren, wenn sie sich vom Bildschirm wegbewegen – oder Pflegekindern, die Scheu haben, ihren Pflegeeltern erzählen, was sie bei ihren leiblichen Eltern erlebt haben – vielleicht auch einigen Menschen, die schon erwachsen sind?
Der Fuchs hatte sich einen Stachel zugezogen. Tief steckte der in seiner Pfote, und wenn der Fuchs versuchte aufzutreten, dann tat das furchtbar weh. Schon bald lief der Fuchs nur noch auf drei Pfoten. Die vierte hielt er in der Luft, und tatsächlich tat sie so auch nur ganz wenig weh. Praktisch war das natürlich nicht, und Hasen konnte er so auch nicht jagen. Die anderen Tiere schüttelten den Kopf und sagten: „Geh zum Dachs, vielleicht kann der dir helfen.“ Der Dachs war so etwas wie der Arzt der anderen Tiere. Er wusste, was zu tun war, wenn eines krank war oder sich eine Verletzung zugezogen hatte. Der Dachs schaute sich die Pfote des Fuchses genau an und sagte: „Da ist ein Stachel drin. Es hilft nichts, der muss raus.“ Sobald aber der Dachs begann, an dem Stachel zu ziehen, zog der Fuchs die Pfote weg und schrie ganz fürchterlich, denn jetzt begann es erst richtig weh zu tun. „Du tust mir weh!“, sagte der Fuchs. „Ich muss daran ziehen tun, damit der Stachel rauskommt“, sagte der Dachs. „Das kann ganz kurz mal weh tun.“ Die beiden wurden sich nicht einig, und so humpelte der Fuchs noch einige Tage auf drei Beinen durch den Wald und wurde immer hungriger. „Hast du keine andere Idee, wie man das machen kann?“, fragte er den Dachs, als er ihn wiedersah. „Komm mit!“, sagte der, und gemeinsam gingen sie zum Fluss „Halte deine Pfote da hinein. Das Wasser ist so kalt, dass es deine Pfote betäubt. Der Fuchs streckte seine Pfote ins Wasser. „Uuh! Ist das kalt!“ Das war schon sehr unangenehm, aber der Dachs hatte Recht. Nach einer Weile konnte er seine Pfote fast nicht mehr spüren. „Was machst du eigentlich heute abend?“ fragte der Dachs. Der Fuchs überlegte. Währenddessen nahm der Dachs die Pfote, zog an dem Stachel, und: Draußen war er!

Der Tanz der Einhörner oder: Lalias Geschichte

Im Januar war ich sehr krank. Eine Woche lang hatte ich Fieber, bis über 40 ° Celsius. Tagelang lag ich im Bett, träumte seltsame Dinge, nahm mich selbst kaum mehr wahr und hatte kaum genug Kraft um aufzustehen. Aber irgendwann klang das Fieber ab, ich spürte wieder Leben in mir und war des Herumliegens überdrüssig. Es war kurz vor Mitternacht, ich hatte den halben Tag im Bett verbracht und ich wollte nicht wieder dahin. Immerhin, ich konnte mich schon wieder langeweilen. Zurückgekehrt ins Leben wollte ich ich irgendetwas Schönes oder Sinnvolles tun. So stellte ich meine Kamera auf und fing an zu erzählen…

Übrigens: Die Fassung der Geschichte von „Tanz der Einhörner“, wie Lalia sie euch hätte erzählen können, findet ihr im Buch „Loslassen und Leben“ oder hier im Blog. Die Geschichte vom Schneckenrennen, die Schlemihl nicht erzählt hat, ist hier aufgeschrieben. Die Geschichte von der kleinen Katze, die Minette Marie Antoinette Pomponette nicht erzählen wollte, findet ihr hier.

Festival des Therapeutischen Erzählens Flyer und Anmeldung

Hier nochmal einige weitere Hinweise zum 2. Internationalen Festival des Therapeutischen Erzählens am 5.-7.10.2018 in Otterberg bei Kaiserslautern… Insgesamt werden über 20 Referenten aus 9 Ländern und 3 Kontinenten dabei sein. Darunter sind einige sehr bekannte Referenten wie Ben Furman, Reinhold Bartl, Annalisa Neumeyer und Daniel Wilk, die mit Workshops und Vorträgen zu dem Ereignis beitragen. Wobei bekanntermaßen die etwas weniger bekannten Referenten oftmals genauso gute Arbeit machen wie die, die jeder kennt.

Der früheste Frühbuchertermin endet am 31. März. Bis dahin könnt ihr das Festival des Therapeutischen Erzählens für 240 statt 360 Euro bekommen. Hier ist schonmal eine Kopie des Ankündigungsflyers mit allen Referenten, die schon feststehen, mit einem Anmeldeformular und anderen hilfreichen Informationen. (Eine Korrektur: Charlotte Wirl hat inzwischen abgesagt.) Wenn ihr euch anmelden möchtet oder weitere Fragen hat, schickt eine E-mail an ifte(at)hsb-westpfalz.de.

2. Festival des Therapeutischen Erzählens in Otterberg (Pfalz) – Video

Am 5.-7. Oktober 2018 findet das 2. Festival des Therapeutischen Erzählens statt. Das ist noch eine Weile hin. Wer gerne den allergünstigsten Frühbuchertarif Mitnehmen will, sollte sich spätestens bis zum 31. März anmelden und die Teilnehmergebühr anschließend innerhalb von einer Woche überweisen. Ihr zahlt dann nur 240 statt 360 Euro! Der Vorteil für uns liegt in einer größeren Planungssicherheit, der Vorteil für euch in der Ersparnis von 1/3 der Kosten! Bis 3 Wochen vor dem Festival gibt es im Rücktrittsfall das Geld außer einer Bearbeitungsgebühr von 25 Euro zurück.

Die Teilnehmer des ersten Festivals waren sich einig, dass der Tagungsort eine ausgezeichnete Wahl war, und so findet das 2. Festival wieder in der Waldorfschule in Otterberg in der Pfalz statt, wenige Kilometer von Kaiserslautern entfernt.

Viele bewährte Referenten sind wieder dabei, so beispielsweise Daniel Wilk, aber auch eine Anzahl neue, wie Ben Furman, Reinhold Bartl und Annalisa Neumeyer.

Anmelden könnt ihr euch über das Formular auf dem Flyer (im nächsten Blogbeitrag) oder durch eine E-mail an ifte @ hsb-westpfalz.de

Hier gibt es schonmal ein Video zur Einstimmung aufs Festival! Und nicht vergessen: Bis 31. März gibt es das Festival für sagenhafte 240 Euro!

Wir freuen uns auf euch!

Stefan Hammel & Marie-Jeanne Bremer

Karpaltunnelsyndrom

Meine Frau fragte einen Arzt, warum sie ihre Finger manchmal nicht so gut bewegen kann. „Das ist ein Karpaltunnelsyndrom. Das ist in deinem Alter normal. Die Sehnen haben eine Hülle, in der sie sich bewegen, wie der Fahrradbremszug in seinem Schlauch“, erklärte er ihr. Am nächsten Morgen sah ich, wie sie sich bemühte, ihre Finger wieder in Gang zu bekommen. „Du erinnerst dich an das, was der Arzt gesagt hat mit dem Bremszug. Sag den Fingern bitte einen schönen Gruß, dass er den Zug dünner macht und den Schlauch weiter und dass er einen kleinen Tropfen Öl auf den Bremszug gibt. Danke – jetzt bewege bitte dine Finger!“ Sie konnte sie sofort bewegen. Soweit ich weiß, gibt sie ab und zu noch ein bisschen Öl auf die Finger, aber im Wesentlichen ist das Problem verschwunden.

Die Garderobe (Filmausschnitt)

Dieser Film, den mein sehr geschätzer Kollege Peter Stimpfle auf einer Tagung 2013 erstellt hat, war für einige Zeit nicht mehr im Netz zu sehen. Jetzt ist er wieder öffentlich zugänglich. In dem Vortragsausschnitt veranschauliche ich, wie man die Metapher von „Gottes Garderobe“ in der Begegnung mit Sterbenden einsetzen kann. Man kann die Intervention abgewandelt auch gut bei Depression, Burnout, Schlafstörungen oder akuter Traumatisierung verwenden. Viel Spaß beim Ansehen!

Mit Dampfmaschinen gegen Ohrenschmerzen

Meine geschätzte Kollegin Katharina Lamprecht hat mir neulich folgende Geschichte erzählt, die sie mit ihrer Tochter erlebt hat… ich bat sie, mir die Geschichte einmal aufzuschreiben, und sie hat mir den Gefallen getan. Eine Version mit einigen zusätzlichen Details findet sich übrigens in ihrem Blog Zeilenglück

„Als meine Tochter sich mit 17 Jahren die Mandeln entfernen lassen musste, haben uns im Vorfeld alle gewarnt: Schmerzhaft, Gefahr von Nachblutungen, harte Zeiten kämen auf sie zu und die Schmerzmittel würden nur bedingt helfen. Am eifrigsten waren die behandelnden Ärzte, die ihr sogar voraussagten, an den Tagen 5 und 9 nach der Operation bekäme sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit heftige Ohrenschmerzen. Feste Nahrung könne sie frühestens nach 10 Tagen wieder zu sich nehmen.
Ich habe mit ihr vor und direkt nach der Operation, sowie an den darauffolgenden Tagen verschiedene Trancen gemacht, das Ohrenschmerzthema haben wir auf ihren Wunsch hin mit einer, der Feuerzangenbowle entlehnten, „Wat is eine Dampfmaschin, da stelle mer uns mal janz domm“ – Dampfmaschinengeschichte bearbeitet. Am Ende hatte sie keine Ohrenschmerzen, konnte die Schmerzmittel bereits am dritten Tag absetzen und noch im Krankenhaus einen Hamburger essen. Ob das nun alles mit meinen therapeutischen Künsten und ihrem ausgezeichneten Vorstellungsvermögen zusammenhängt, mag dahin gestellt sein. Die Ärzte hat es in jedem Fall überrascht und meine Tochter und mich hat es gefreut.“

Hier der Teil der Trance, der sich auf die Dampfmaschine bezieht:

Und ich möchte dir auch gern von einer Dampfmaschine erzählen.. eine Dampfmaschine, wo der Dampf zirkuliert, durch Röhren und Kanäle… durch Rohre… kleinen und große Tunnel… eustachsche und andere Röhren… Röhren, die Verbindungen haben, von der Ohrenseite zur Nasenseite…. von der Nasenseite zur Rachenseite… von der Ohrenseite zur Rachenseite und egal welche Seiten, überall gibt es Verbindungen und Abzweigungen und alle diese Röhrchen und Tunnel und Leitungen werden gut durchlüftet und durchflutet… genau richtig durchlüftet… die haben genau die richtige Weite… eine gute richtige Weite, damit die Luft gut zirkulieren kann.. wie in einer Dampfmaschine, wo der Dampf zirkuliert… und was ist Dampf schon anderes als Luft, nicht wahr… die Luft zirkuliert und hinein und hinausströmen kann, ganz leicht und ohne Hindernisse… einfach so… ganz leicht… der Weg ist frei, ganz frei.. wir machen den Weg frei… der Weg ist frei wie wenn ein Wind durch unseren Garten weht und die Blätter hinwegpustet, bläst…

Therapeutische Geschichten in vielen Sprachen

Neulich fragte ein Therapeutenkollege nach Geschichten für traumatisierte und durch die Migrationssituation belastete Flüchtlinge. Tatsächlich habe ich eine Anzahl Geschichten, die mir von Freunden und Kollegen übersetzt wurden.

Schon seit längerer Zeit habe ich Geschichten in meinem englischen HYPS-Blog ins Netz gestellt. Nachdem der englische Blog zuletzt ein halbes Jahr pausiert hat, weil ich mit dem Veröffentlichen nicht hinterherkam, habe ich nun dort die Arbeit wieder aufgenommen – mit verändertem Konzept.

Jetzt gibt es dort neben englischen Geschichten und Interventionen auch französische und spanische – und gerne übernehme ich auch weitere Sprachen ins Programm. Natürlich funktioniert ein mehrsprachiger Blog nicht ganz so spontan wie einer in der eigenen Muttersprache. Ich habe vereinzelt Leute, die Geschichten übersetzen oder fehlerhaft übersetzte Geschichten korrigieren. Für die englische Sprache haben mir Anne-Claire Holland-Jakobi, Ilka Parent, Paul Bickerdike und meine Mutter Annetta Hammel ungeheuer geholfen. Fürs Französische hat mich die Berliner Anästhesie-Ärztin Caroline Schwenke unterstützt und fürs Spanische die Kollegin namens Bettina Betz, die auch Geschichten schreibt.

Das klingt nach viel Unterstützung und ist es auch – allerdings dürfte mirbei drei Geschichten pro Monat der Vorrat gegen Ende März ausgehen. Gibt es noch jemand, der therapeutische Geschichten aus diesem Blog oder von sich selbst (Copyright!) in andere Sprachen übersetzen könnte, so dass wir sie der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen können? Ins Englische, Französische, Spanische, oder auch auf Polnisch, Türkisch, Arabisch, Chinesisch, Baskisch, Kisuahili oder Sanskrit? Meldet euch – ich  freue mich, wen ich eine bunte Vielfalt an Geschichten in vielen Sprachen veröffentlichen kann!

Einstweilen – guckt doch mal, was ihr auf dem Englisch-internationaler Blog HYPS schon findet!

Geschichten-Postkarten – Neue Motive

Aktuell erscheinen die Geschichten-Postkarten in neuem Gewand. Zunächst einige schon bekannte Geschichten mit neuen Motiven, im Frühjahr kommen dann fünf neue Geschichten. Die Postkarten sind erhältlich für 1,00 Euro plus Porto bei mir oder beim Geschichten-Netzwerk. Los geht es mit diesen Motiven… 🙂

Postkarte Grashalm

Postkarte Eidechse