Was ist ein Yes-Set?

Yes-Set ist eine Bezeichnung für eine suggestive Grundtechnik. Auf mehrere Konsensaussagen folgt eine deutende bzw. suggestive Aussage, die dann vom Zuhörer meist angenommen wird. Das heißt: Eine Reihe zunächst unbestreitbarer, dann zunehmend diskutierbarer (evtl. auch indiskutabler) Aussagen wird als Ganze angenommen, wenn der Zuhörer zunächst in eine Haltung von Zustimmung versetzt wird:

Das Wetter ist schön. Für morgen haben sie Gewitter angekündigt. Lass uns schwimmen gehen!

Natürlich gibt es auch ein No-Set:

„Jämmerlich schreit das Robbenbaby in der Kälte Labradors. Es hat Hunger, doch seine Mutter kommt nicht mehr. Sie wurde von skrupellosen Pelztierjägern erlegt. In Deutschland werden dieses Jahr wieder vermehrt Robbenpelze verkauft.“

Lesenswert: MiniMax-Interventionen

Bei keinem Reisebüro wird man einen Flug mit dem Zielflughafen „Nicht mehr dieses deprimierende Glasgow“ buchen können. Da muss man sich in der Regel etwas klarer und positiver äußern. Wenn Menschen von einem Psychotherapeuten nach ihren Therapiezielen gefragt werden…

So beginnt Manfred Prior seine Überlegungen zum Thema „Sondern…?“. In seinem Buch „MiniMax-Interventionen – 15 minimale Interventionen mit maximaler Wirkung“ demonstriert er, wie Berater mit scheinbar winzigen Verschiebungen der Aufmerksamkeit einem Gespräch eine völlig neue Wendung geben können. Das Buch zeigt tatsächlich, wie man mit geringem Aufwand viel erreicht – nicht nur für die Klienten, sondern auch für sich selbst, da es sich mit einer solchen Art, Gespräche zu führen – einmal gelernt – mit Sicherheit viel leichter berät.

Große Empfehlung!

Manfred Prior, MiniMax-Interventionen: 15 minimale Interventionen mit maximaler Wirkung.
Heidelberg (Carl-Auer-Systeme) 2004

Wie finde ich eine passende Geschichte? (VI)

Was macht eigentlich eine therapeutische Geschichte aus?

Die Kunst des beratenden Erzählens besteht nicht darin, Geschichten zu finden, die an sich schon „therapeutisch“ wären, sondern darin, durch eine Art metaphorisches Träumen zu schon vorhandenen Geschichten die passende Situation zu finden und zu schon vorhandenen Situationen die passende Geschichte – und die Geschichten gegebenenfalls noch der Situation anzupassen. Weiterlesen

Im Lande Begonien

Die Sache von gestern nochmal in eine Geschichte gefasst:

Als Reisender musste ich einmal das Land Begonien durchqueren. Sie haben dort einen wirklich seltsamen Brauch. Es gibt dort nämlich an den Straßen und Wegen des Landes keinerlei Hinweisschilder, die dir helfen könnten, von Dorf zu Dorf oder von einer Stadt zur nächsten zu finden. An jeder Straßenkreuzung aber stehen Blumen, die du fragen kannst, um von ihnen Auskunft zu erhalten. Nach der Art, wie sie dir Auskunft geben, unterscheidet man Weiser, Wegweiser und Hinweiser. Die Hinweiser sind besonders angenehm für all jene Reisenden, die nur einfach möglichst schnell und bequem zu ihrem Ziel kommen wollen. Sie sagen dir freundlich, wohin du gehen sollst. Die Wegweiser sind oft grob und ungehobelt in ihrer Sprache. Sie können sehr gehässig klingen. Nichtsdestoweniger können auch sie sehr nützlich sein. Sie sagen dir, wohin du keinesfalls gehen sollst, so du Unglück und Verderben von dir fernhalten willst. Die Weiser schließlich reden zu dir auf eine seltsame Weise. Sie sprechen in Rätseln. Sie beginnen, dir einen Weg zu weisen und fahren fort mit dem anderen. Sie erzählen dir vom Ziel, doch nicht, wie du dieses erreichst. Sie stellen dir Fragen anstatt dir zu antworten. Sie erzählen dir Dinge, deren Sinn du erst später verstehst. Manche Reisende halten das, was die Weiser sagen, für lauter unnützes Zeug. Doch einige finden erst durch die Weiser ihr Ziel. (Der Grashalm in der Wüste, 70)

Der Gebrauch von Metaphern

Wo passt welche Geschichte?

Wenn man Metapherngeschichten nach ihrer Wirkung in Kategorien einteilt, gibt es Ja-Geschichten, Nein-Geschichten und Öe?!-Geschichen. Ich glaube, das muss ich erklären.

1. Ist die Struktur der Metapher parallel zur Situation des Hörers verstehbar und führt zu einer unerwarteten Lösung, dann wird Weiterlesen

Lesenswert: Der Grashalm in der Wüste

Der letzte Buchtipp dieser Reihe. Ob das Buch lesenswert ist, das müssen eigentlich andere entscheiden. Mindestens bekomme ich viele positive Rückmeldungen und stelle fest, dass es sich gut verkauft. Ich kenne viele Leute, die die Geschichten aus dem Grashalm-Buch selbst weitererzählen, und ich vermute, dass sich manche Geschichten in der großen, weiten Welt schon bis zur Unkenntlichkeit gegenüber der Originalversion verändert haben.

Mit ganzem Titel heißt es ja: „Der Grashalm in der Wüste 100 Geschichten aus Beratung, Therapie und Seelsorge“ – und stammt von, na, mir halt. Das Buch präsentiert Methoden zur Schaffung neuer Sichtweisen in erzählender Form. Also, es erzählt eine Geschichte aus Geschichten über Geschichten. Es illustriert nebenbei, wie man hypnotisch wirksame Geschichten findet und erfindet, wie man sie erzählt, und wem man sie wann erzählt. Man kann es lesen wie einen Roman (ich glaube, „Sofies Welt“ ist so verfasst), wie die Märchen aus 1001 Nacht oder als „Fachbuch durch die Hintertür“. Über die Kommentare und Register im Anhang kann man nämlich systematisch nach Geschichten zu bestimmten Themen suchen. Die meisten Käufer sind Berater und Therapeuten, aber auch einige Normalos und Jugendliche lieben das Buch.

Freunde haben mich ermahnt, die Überschneidungen zwischen Buch und Blog nicht zu groß werden zu lassen, damit nicht das eine das andere ersetzt. Das tue ich auch, mit momentan rund 10 % gemeinsamem Material.

Weitere Informationen zu dem Buch gibt es hier, und einen Teil der Geschichten gibt es, wie bekannt, auch als Hörbuch.

Stefan Hammel, Der Grashalm in der Wüste: 100 Geschichten aus Beratung, Therapie und Seelsorge.
Nierstein (impress) 2006.

Hypnose: Sicherheit vor Übergriffen

Mancher möchte sich auf die Erfahrung „Hypnose“ einlassen – und sich gleichzeitig vor unerwünschten Suggestionen schützen, die in die Trancearbeit eingestreut sein können – oft unabsichtlich, seltener beabsichtigt.

Das Problem besteht weniger bei einem Mentaltrainer oder Hypnotherapeuten, den man kennt und zu dem man Vertrauen hat. Es besteht aber ganz konkret, wenn man sich auf jemanden Unbekanntes einlassen möchte, und wenn man sich Hypno-CDs kauft oder Trancen auf Tonträgern im Internet anhört. Wie erreiche ich also die größtmögliche Absicherung gegen Suggestionen, die mir nicht entsprechen? Hier einige meiner Methoden. Weiterlesen

Lesenswert: Handbook of Hypnotic Suggestions

Das hier ist der drittletzte Beitrag meiner Reihe zu Geschichten- sammlungen für Berater…

Corydon Hammond’s „Handbook of Hypnotic Suggestions and Metaphors“ ist die beste und umfangreichste Sammlung hypnotischer Verfahren auf dem Markt. Da gibt es für mich keine Diskussion. Da müsste mir jemand erstmal etwas Besseres nennen. Das ist eine Enzyklopädie mit Hypnose-Skripten zu gesundheitlichen, psychologischen, sozialen und beruflichen Zielsetzungen. Ein phantastisches Nachschlagewerk: Ob Daumenlutschen oder Nagelbeißen, tropfende oder trockene Nase, Haarereißen, Tourette-Syndrom, Tinnitus, Heuschnupfen oder Asthma, es steht was drin. Ob es um mathematische Referate geht, um sportliches Mentaltraining oder um künstlerische Verfeinerung – da steht’s geschrieben. Ob Sexualstörungen oder Deprogrammierung gehirngewaschener Sektenaussteiger, das Buch liefert Ideen. Auch zu suggestiven Grundmethoden, unabhängig von allen spezifischen Fragen, ist ein großer Abschnitt vorhanden.

Der einzige Haken ist, dass das Buch auf Englisch geschrieben und nicht in deutscher Übersetzung erhältlich ist. Ob’s aber ein Nachteil ist? Bis ich nämlich ein Hypnoseskript schriftlich übersetzt habe, habe ich es auch schon verinnerlicht und viele Ideen zu seiner individuellen Umsetzung gewonnen.

Nochmal: Für Hypnotherapeuten, die auf lange Zeit hin ihre Fähigkeiten erweitern möchten, ist dieses Buch das beste, was es gibt. Und wahrscheinlich auch für manche, die sich privat für Hypnose interessieren, äußerst spannend zum Stöbern!

D. Corydon Hammond (ed.), Handbook of Hypnotic Suggestions and Metaphors.
New York, London (Norton) 1990

Wie finde ich eine passende Geschichte? Teil V

Sind Sie in Ihrem Leben durch Erfahrungen klüger geworden? Wann beispielsweise?

Jedes Erlebnis, das Sie persönlich weiter gebracht hat, ist vermutlich auch für andere ein wertvolles Beispiel und eine Metapher für analog strukturierte Folgerungen in anderen Lebensbereichen. Hilfreich ist das meiste, was die möglichen Weiterlesen

Placebo VII

„Was trägst du denn auf der Stirn?“ „Aspirintabletten.“ „Und das funktioniert? „Na ja. Man muss den Streifen anfeuchten, dass er hält.“

Also, natürlich funktioniert das. Die Aufmerksamkeit wird auf das Aspirin fokussiert. Im Gehirn werden die Zentren aktiviert, die „Aspirin“ kennen und etwas darüber wissen. Das Wasser auf dem Streifen kühlt die Stirn und schafft dadurch eine erste leichte Anästhesie, die als verstärkende Suggestion für „mehr desselben“ wirkt. Durch das Anbringen des Aspirin an der schmerzenden Stelle wird ein Anker geschaffen: Es ist nicht möglich, an diese Körperstelle zu denken, ohne an Aspirin und die begonnene Anästhesie zu denken.

Und immer dran denken: Schmerzen sind Signale. Manchmal ist es besser, zum Arzt zu gehen…