Die Sache mit dem Pendel

Animation hypno testVor Jahren hatte ich den Plan, mit einer Kollegin in Liechtenstein eine Ausbildung aufzubauen. Aus der Kooperation wurde nichts – die Ausbildung hat nie begonnen. Geblieben ist von den damaligen Plänen aber ein wunderschönes Souvenir. Ich hatte damals die Idee, ein animiertes Bild mit einem Pendel als Werbung zu erstellen Die Grafikerin Nanari Keller und ein in Programmierdingen begabter Student (damals noch Schüler) namens Sebastian Schwank haben dieses Bild für uns erstellt. „Funktioniert nicht? Lernen Sie’s richtig…“ lautete der Slogan. Wir waren überzeugt, es würde so nicht funktionieren. Beim Betrachten der unseres Werks fiel uns aber auf, dass der Spruch unter dem Bild gar nicht stimmt. Es funktioniert nämlich doch. Probiert’s einmal aus! Schaut drei Minuten auf das Pendel – und wenn ihr wollt, schreibt mir eure Erfahrung damit!

 

„Das Sofa des Glücks“ u.a.m. auf DVD

„Stimmt es, dass Sie es nicht mögen, gefilmt zu werden?“ fragte mich im vergangenen Jahr Gerd Müller, der Leiter des Münchner Familienkollegs. „Nein, da habe ich kein Problem damit. Wer sagt das denn?“ Offenbar gab es solche Gerüchte… „Dann haben Sie also nichts dagegen, wenn Auditorium Netzwerk Ihr Seminar filmt?“ „Ganz und gar nicht.“

Nach diesem aufklärenden Gespräch hat der Filmverlag dann eine wunderschöne 10-Stunden-Filmdokumentation des Seminars „Therapie zwischen den Zeilen“ gemacht, das ich im November 2013 in München gehalten habe. Das Seminar bietet einen guten Querschnitt durch meine wachhypnotische Arbeit, einmal quer durch das Programm: Therapeutisches Erzählen, Therapeutisches Modellieren (die Arbeit mit „leeren Stühlen“), Malen am Flipchart, Grüße ans Gehirn, psychoedukative Techniken und suggestives Arbeiten mit Stimme, Atem und Körpersprache von Klient und Therapeut. Es geht – wie im gleichnamigen Buch – um die Arbeit mit Implikationen und Mehrebenenkommunikation.

Nachdem der Film gedreht war und, soweit ich es beurteilen kann, wohl auch sehr gut ankam, haben wir in diesem Jahr zwei weitere, kürzere Filme miteinander gedreht: Den einen auf einem Workshop über hypnotherapeutische Interventionen mit Sterbenden in den letzten Stunden und Minuten des Lebens, und den anderen über „das Sofa des Glücks“, eine wache Paar-Hypnotherapie, die ich entwickelt habe und die faszinierende Möglichkeiten bietet, um auch in schwierigen bis dramatischen Fällen in kurzer Zeit zu einer besseren Paarbeziehung zu kommen.

Diese DVDs (sie sind natürlich auch als CDs erhältlich) möchte ich im Folgenden kurz vorstellen. Wer noch mehr zu den jeweiligen Seminaren erfahren möchte oder wer eine DVD kaufen möchte, der klicke bitte hier…

1. Das Sofa des Glücks – Therapeutisches Modellieren mit Paaren

Vortrag und Demonstration auf dem 9. Zukunftskongress am 1.-3. August 2014 in Abano Terme, Italien, Aufnahme von Auditorium Netzwerk, ca. 75 Min. auf 1 CD oder auf 1 DVD. DVD 14,00 Euro, CD 12 Euro zzgl. Versandkosten.

2. Breite deine Schwingen aus – Befreiendes für die Sehnsucht nach Leben im Sterben

Workshop im Rahmen der M.E.G.-Jahrestagung am 27.-30. März 2014 in Bad Kissingen, Aufnahme von Auditorium Netzwerk, ca. 160 Min. auf 3 CDs oder 1 DVD. CDs: 20,00 Euro, DVD: 22,00 Euro zzgl. Versandkosten.

3. Therapie zwischen den Zeilen – Wie wir mit viel Spaß Implikationen nutzen, um mit dem Unbewussten zu sprechen

Seminar am Münchner FamilienKolleg am 22.-23. November 2013 in München. Aufnahme von Auditorium Netzwerk, ca. 624 Min. auf 4 DVDs, 57,00 Euro zzgl. Versandkosten.

Weitere Infos gibt es hier…

Ein Buch ist geboren!

Gestern – ich stand gerade sonnenblinzelnd vor der Tür – kam der Paketbote und brachte mir die ersten, druckfrischen Exemplare meines neuen Buches.

Es ist schön für mich, so ein Buch in den Händen zu halten. Ich blättere darin herum, lese ein bisschen – schon merkwürdig, wozu soll ich das lesen? Ich kenn’s ja schon. Lese trotzdem ein bisschen hier, ein bisschen da, bloß so zum Feiern, und freue mich. Denke mir: Das ist aber viel Text, frage mich für einen Augenblick, ob überhaupt irgendjemand all das lesen will und überlege: Wahrscheinlich fehlt es mir an Neutralität um das recht zu beurteilen. Gucke nach, welche letzten Korrekturen die Lektorin am Schluss noch untergebracht hat – am allerletzten halben Tag hatte ich sie noch mit Korrekturen überschüttet – finde noch ein paar Fehler, die ihr und mir entgangen sind und bin – zufrieden.

🙂

Stefan Hammel (2014): Therapie zwischen den Zeilen. Das ungesagt Gesagte in Psychotherapie, Beratung und Heilkunde, Stuttgart, Klett-Cotta

 

Wie geht’s?

Endlos lange erzählte die Nachbarin von sich und der Welt. Schließlich aber sagte sie: „Jetzt habe ich so viel von mir erzählt. Erzähl‘ doch mal was von dir! Wie geht’s denn deinem Sohn?“

Vielen Dank, liebe Birgit, für diese Geschichte…

Putins Tränen


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Worüber weint er? Als ich Putins Tränen gesehen habe, dachte ich an dieses Lied. Einige von euch erinnern sich noch daran, in welcher Situation dieses Lied gesungen wurde. 30 Jahre später.

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In Europe and America, there’s a growing feeling of hysteria
Conditioned to respond to all the threats
In the rhetorical speeches of the Soviets
Mr. Krushchev said we will bury you
I don’t subscribe to this point of view
It would be such an ignorant thing to do
If the Russians love their children too

How can I save my little boy from Oppenheimer’s deadly toy
There is no monopoly in common sense
On either side of the political fence
We share the same biology
Regardless of ideology
Believe me when I say to you
I hope the Russians love their children too

There is no historical precedent
To put the words in the mouth of the President
There’s no such thing as a winnable war
It’s a lie we don’t believe anymore
Mr. Reagan says we will protect you
I don’t subscribe to this point of view
Believe me when I say to you
I hope the Russians love their children too

We share the same biology
Regardless of ideology
What might save us, me, and you
Is if the Russians love their children too

Sting, „Russians“

Die Stunde der Not

In ihr Gesicht hatten sich tausend Falten gekerbt, die sich strahlenförmig um Mund und Augen zogen. Ihrer Körperfülle wegen bewegte sie sich langsam, das Gesicht von einer Seite zur andern verlagernd, wie ein schwankendes Schiff, das im Wellengang auf und ab wogt. Auch aufgestützt auf den Arm ihrer jungen Begleiterin kam sie nur langsam voran. Längst weit hinter den anderen Senioren der Ausflugsgruppe zurückgeblieben, tauchte sie hinein in alte Erinnerungen und begann zu erzählen:

Für mich haben Arbeit und Mühe früh angefangen. Kaum war ich sieben Jahre alt, starb mein Vater. Meine Mutter musste mit uns sechs Kindern in ihr Heimatdorf zurückkehren. Wie hätte sie uns ernähren sollen in der damaligen Zeit? Sie arbeitete bei den Bauern, doch für sieben hungrige Mäuler hat’s nicht gereicht. Wir Kinder mussten auf mehrere Familien verteilt werden. Bekommen hat uns, wer am wenigsten von der Gemeinde verlangte. Ich kam mit meinem sechsjährigen Brunder Kurt zu einer entfernten Verwandten. Wir mussten in Hof und Garten tüchtig mithelfen. An Spielen war nicht zu denken; Kaum ließ uns die Tante Zeit für die Schularbeiten. In unserem kleinen Dorf wurden alle acht Klassen in einem Raum unterrichtet. So war ich wenigstens morgens mit meinem Bruder zusammen, an dem ich sehr hing. Ein Musterknabe war er nicht, der Kurt. Oft hatte ich seinetwegen Händel mit den Kindern. Er brachte sich immer wieder in Schwierigkeiten und ich musste ihn vor den Größeren retten. Als ich neun war und er acht, plünderte er mit seinen Freunden einen Kirschbaum, der ein Stück außerhalb des Dorfes stand. Unglücklicherweise kam der Besitzer dazu. Natürlich rannten die Buben davon, doch erkannte der Bauer sie alle und meldete sie dem Lehrer, der die Bestrafung vorzunehmen hatte. Das war so üblich auf dem Dorf. Am nächsten Morgen ruft der Lehrer die Missetäter mit Namen auf. Einer nach dem anderen erhält eine tüchtige Tracht Prügel. Mein Bruder ist der letzte. Mit wachsender Sorge sehe ich, dass er gleich an die Reihe kommt. Was tun? Kann ich zulassen, dass mein Kurt vor aller Augen verprügelt wird? Nein, lieber will ich selbst verprügelt werden, als solche Schmach mitanzusehen. Aber wie den Lehrer von seinem Vorhaben abbringen? Schon liegt Kurt auf dem Knie des Lehrers, schon holt dieser aus zum ersten Schlag, als ich vorspringe. „Nicht!“, schreie ich, so laut ich kann, doch der Lehrer beachtet mich nicht. Der erste Hieb sitzt. Da beiße ich so fest ich kann in das herausgestreckte Hinterteil des Lehrers. Mit einem Fluch lässt er von meinem Bruder ab, dreht sich nach mir um und hebt wütend die Hand. Als er die Verzweiflung in meinen Augen sieht, lässt er sie sinken. Ich nehme all meinen Mut zusammen. „Bitte, Herr Lehrer, lassen Sie meinen Bruder“, bringe ich mühsam zusammen. „Sie dürfen den Buben nicht schlagen. Wir haben doch keinen Vater.“ Dann breche ich in Tränen aus. „Setzt euch beide“, sagt der Lehrer. Von dem Tag an hat er keinen von uns mehr angerührt. Noch lange riefen mir die Kinder „Arschbeißern“ nach, doch was hat’s mich gekümmert. Das Leben ging weiter. Die Sorgen haben nicht aufgehört. Vier Kinder hab ich großgezogen. Zwei Söhne sind im Krieg geblieben. Vor fünfzehn Jahren starb mein Mann. Jetzt bin ich 78, und es ist gut so. Um keinen Preis der Welt möchte ich von vorne beginnen.“

Die Geschichte verdanke ich meiner Tante Christine Schäfer aus Auenwald, die sie vor über 50 Jahren gehört und aufgeschrieben hat. Die berichteten Erlebnisse haben sich um 1888 abgespielt.

Therapie zwischen den Zeilen

Ich freue mich, das Erscheinen meines nächsten Buches ankündigen zu können!

Das Buch „Therapie zwischen den Zeilen“ befasst sich mit Mehrebenen-Kommunikation und der therapeutischen Arbeit mit Implikationen (also indirekten Botschaften in der verbalen Sprache und Körpersprache). Es geht also darum, wie wir unbewusst und mit dem Unbewussten kommunizieren, und wie wir eben diese Kommunikation für die Therapie nutzbar machen können. Anhand von Fallbeispielen wird die Wirkungsweise einer solchen Kommunikation erläutert und in Regeln gefasst.

Grundlage der Arbeit ist eine wache (hypnosystemische) Form der Hypnotherapie nach Milton Erickson. Alle Fallbeispiele und Erläuterungen sind so präsentiert, dass die daraus resultierenden Ergebnisse auch in jeder anderen Form von Therapie und Beratung einschließlich medizinischer Anwendungsfelder integriert werden können.

Das Buch erscheint am 23.9.2014 beim Klett-Cotta-Verlag, hat 317 Seiten und kostet 32,95 Euro. Der Verlag kündigt das Buch wie folgt an:

Das ungesagt Gesagte ist ein wichtiger Schlüssel zum Therapieerfolg.

Kommunikation auf mehreren Ebenen ist in Psychotherapie und Beratung eine hohe Kunst, die sehr gute therapeutische Erfolge verspricht. Das Buch fasst die Kernkonzepte in Regeln, die lehr- und lernbar sind; mit vielen Beispielen aus der Praxis.

Der Begründer der modernen Hypnosetherapie, Milton Erickson, wusste bereits, dass bei Klienten oft das besonders nachhaltig wirkt, was in der Kommunikation nur »mitschwingt«, aber nicht ausgesprochen wird. Viele seiner originellen Interventionen bauen darauf auf. Doch wie funktioniert »Therapie zwischen den Zeilen«? Wie geht Mehrebenen-Kommunikation in der Praxis? Das ebenso anschauliche wie detailreiche Buch von Stefan Hammel gibt darüber gründlich Auskunft. Zugleich vermittelt es die Kunst, die Dinge mitzuhören, die ein Klient sagt, ohne sie ausdrücklich zu formulieren – zum Beispiel durch Sprachbilder, Mehrdeutigkeiten oder mit seiner Körpersprache und vieles anderes. Diese Kompetenzen zu beherrschen kann aber auch ein Schlüssel zum Erfolg der Therapie sein.

Die genauen bibliographischen Angaben des Buches lauten:
Stefan Hammel (2014): Therapie zwischen den Zeilen. Das ungesagt Gesagte in Psychotherapie, Beratung und Heilkunde. Stuttgart, Klett-Cotta 2014

Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich viel Spaß!

9783608891539

Brückenphobie

Ein etwa 35-jähriger Klient kam zu mir wegen einer generalisierten Angststörung, wegen einer Brücken- und Flugphobie und der Angst, in fremder Umgebung allein unterwegs zu sein. Wir trafen uns innerhalb einer Woche gleich dreimal für eine Stunde, da er in der folgenden Woche eine weite Autofahrt mit vielen Brücken und im Folgemonat eine Flugreise vor sich hatte. Ich bat den Mann, sich zu entspannen, während ich ihm einen Vortrag zu seinem Thema halten wolle. Dann äußerte ich die folgenden Gedanken:
„Stellen Sie sich vor, Sie fahren auf eine hohe Brücke zu, und stellen Sie sich vor, wie die Angst in Ihnen aufsteigt und immer stärker wird. Malen Sie sich das so intensiv aus, wie Sie möchten, um zu bemerken, wie real dieses unangenehme Erleben für Sie sein kann, selbst wenn die Situation gar nicht real da ist, sondern Sie sie sich nur einfach ganz intensiv vorstellen. Beachten Sie, wie sich bereits Ihre Körperhaltung, Ihre Muskulatur, Ihr Atem und andere Aspekte Ihres Körpererlebens verändert haben, und wie sich Ihre Emotionalität schon verändert hat. Merken Sie sich, wie leicht das geht und gehen Sie jetzt aus dieser vorgestellten Situation heraus.
Stellen Sie sich nun eine Art inneren Trickfilm vor, bei dem Sie genau wissen: Sie sind der Regisseur und können alles genau so gestalten, wie Sie möchten. Stellen Sie sich vor, Sie fahren eine breite Straße entlang, die Ihnen gut gefällt, und Sie fahren da auf die Art, die Ihnen persönlich am angenehmsten ist.
Und während Sie fahren, bemerken Sie zunächst gar nicht, dass ab und zu unter der Straße, quer zur Fahrbahn, Wasserrohre und andere Röhren verlaufen. Sie können diese Röhren aber auch beachten, und während Sie weiterhin die schöne Fahrt genießen, können Sie sich ein Vergnügen daraus machen, die breite Straße auf einem Damm verlaufen zu lassen und diese Rohre unter der Fahrbahn größer zu machen und immer größer. Und weil Sie wissen, es ist ein innerer Film, und Sie sind der Regisseur, können Sie sich einen Spaß daraus machen, die Rohre so groß wie Torbogen zu machen, und können mit demselben Vergnügen den Damm immer steiler machen, bis seine Wände senkrecht sind. Und Sie können mit Faszination und Interesse die Straße immer schmaler machen und können sich daran freuen, sie immer höher und höher zu machen, denn Sie wissen ja, Sie sind der Regisseur Ihres inneren Films.
Und darum können Sie sich diese Straße mit Genuss jetzt auch wie eine sehr hohe Brücke vorstellen und können, wenn Sie möchten, sogar einmal anhalten und mit Freude und Faszination hinunterschauen.
Wenn Sie sich dieses schöne Gefühl vergegenwärtigen – vielleicht sind Sie angenehm überrascht, wenn Sie diesen Zustand vergleichen mit dem Zustand, den Sie zu Beginn unseres Gesprächs hatten, als Sie sich eine Brücke vorstellten und vorhin noch große Angst vor dem Überqueren empfunden haben. Es hat sich etwas verändert.
Wo wir von inneren Filmen sprechen, ist zu beachten, dass nicht nur diese Vorstellung, sondern all unser Wahrnehmen und Erleben einem inneren Film gleicht, den wir, ob wir es schon wissen oder es gerade erst herausfinden, als Regisseur unseres Lebens selbst gestalten. All unser Erleben wird vom Gehirn geformt, und wir sind der Regisseur. Darum gibt es auch keinen Unterschied zwischen dem Erleben, das wir imaginativ simulieren und dadurch erlernen und dem Erleben, das wir als real bezeichnen und das ebenso eine Konstruktion unseres Gehirns ist. Jede Angst und jedes Wohlbefinden ist formbar.
Und wie Sie da genussvoll mit Ihrem Auto auf der Brücke stehen, können Sie sich auch entscheiden weiterzufahren: Sie können Ihrem Auto Flügel wachsen lassen, Sie können immer schneller fahren und schließlich abheben und können dieses Erleben mehr noch als alles Bisherige genießen. Schauen Sie sich die Landschaft von oben an, wie da unten die Brücke und alles Übrige immer kleiner wird. Erfreuen Sie sich an alledem in dem Wissen: Mein Gehirn lernt jetzt, wie es alles loslässt, was es braucht, um es dann in der sogenannten Realität genauso zu machen.“
Dies war die grundlegende Intervention der Therapie, die mit verschiedenen Variationen desselben Verfahrens drei Stunden innerhalb von fünf Tagen umfasste. Zwei Wochen später schrieb der Klient die folgende Nachricht:

Hallo Herr Hammel,
wie besprochen möchte ich Ihnen gerne ein Feedback geben, was meine Ängste betrifft. Es war auf jeden Fall wichtig, dass wir uns am Samstag vor Pfingsten nochmal getroffen haben. Zumindest kann ich berichten, dass meine Motorradfahrt nach Koblenz inclusive Autobahn (etwa 60 Kilometer, eine halbe Stunde) eigentlich sehr positiv verlaufen ist. Ich hatte nur ein bis zwei kurze Momente der Angst, aber weniger panische Angst, sondern eher ein kürzeres, weniger starkes Angstgefühl beim Überfahren einer relativ langen Brücke. Nach etwa 20 Minuten nur Autobahn und nur geradeaus fahren überkam mich ein beklemmendes Gefühl. Ich hatte „es“ aber jederzeit im Griff und konnte den restlichen Tag genießen. Insgesamt geht es mir seit den Therapiestunden sehr viel besser, ich habe kaum noch Angst (70 – 80 % weniger als zuvor) und kann mein Leben viel leichter und besser leben.
Meine Phantasie kann ich nun auch endlich besser „steuern“. Nicht sie bestimmt meinen „Film”, sondern ich. Vor meinem bevorstehenden Flug habe ich kaum Angst, aber ich würde lügen, wenn ich sagte, dass ich mich mich bedingungslos darauf freuen würde. Zumindest hat die Nachricht über das Flugzeug der Air France, das bei Brasilien abgestürzt ist, kaum weitere Angst geschürt. Ich möchte Ihnen von ganzem Herzen danken für Ihre Hilfe, für Ihre Denkanstöße, für eine außergewöhnliche Art der Therapie, die ich jedem bedenkenlos weiterempfehlen werde und freue mich über eine Antwort.
Viele Grüße, K. M.

Ich möchte gern einige Gedanken zu der beschriebenen Situation anfügen:

Ein Modell des Problems ist, dass der Klient Angst hat, in bestimmten Situationen, die er nur unter großen Opfern vermeiden kann, die Kontrolle über sein Leben zu verlieren.

Daher wird die Situation in einer Weise imaginiert, so dass zunächst deutlich wird, dass die Angst auch schon bei der bloßen Vorstellung der Brücke auftritt. Danach wird die Situation nochmals imaginiert in einer Weise, die absolute Kontrolle über die Szene ermöglicht, so dass die sonst übliche Angst nicht mehr nötig ist. Gleichzeitig werden angenehme Gefühle mit dem Erleben verbunden.

Utilisiert wird bei dieser Form der systematischen Desensibilisierung der Umstand, dass die Übergänge zwischen angstfreien und angstbehafteten Situationen völlig fließend sind. Ebenso fließend sind die Übergänge zwischen Imagination und Realität, insbesondere im Bereich des psychischen Erlebens. Geschaffen wird eine Situation, in der unentscheidbar ist, wann der phobisch assoziierte Bereich zu beginnen hätte. Zudem geben beruhigende Suggestionen und die betonte Gewissheit, dass es sich lediglich um ein mentales Experiment handle, Anlass dazu, keine Angst zu erleben – während im Nachhinein darauf hingewiesen wird, dass der Klient bei solchen Simulationen sehr wohl sonst Angst erleben könnte. Der Übergang zwischen angstfreien und bisher angstbehafteten Situationen wird also durchgeführt unter der glaubhaft vermittelten Prämisse, es handle sich um eine Imagination, die angenehm sein werde. Der Hinweis darauf, dass auch die Imagination, wie vorher experimentell gezeigt, äußerst unangenehm sein kann, sowie darauf, dass zwischen Imagination und als real betrachtetem Erleben kein wesentlicher Unterschied besteht, erfolgt erst, nachdem die vorher phobischen Reize bereits sicher und nachhaltig positiv assoziiert sind. Dadurch wird plausibel gemacht, dass auch das „reale“ Erleben zukünftig angenehm sein werde.

Seminare mit Stefan Hammel 2014

Im Jahr 2014 plane ich die folgenden Seminare und Veranstaltungen:

2.1.2014: Kaiserslautern – Fernstudiengang „Systemische Beratung“ der Universität Kaiserslautern, Vortrag: „Was ist systemische Beratung? Und was eher nicht?“

14.-16.2.2014: Kaiserslautern – Hypnosystemische Ausbildung „Therapeutisches Erzählen“, Seminar 1: Grundtechniken des therapeutischen Erzählens (Schwerpunkte: Metaphern, spontane Geschichten, bewährte Erzählmuster)

27.2.2014: Luxemburg – Tagung „Journee Nationale de Prévention de Suicide“, Workshop: „Lösungsgeschichten und Metaphern bei Trauma und Suizidalität“

14.-16.3.2014: Kaiserslautern – Hypnosystemische Ausbildung „Therapeutisches Erzählen“, Seminar 2: „Therapeutisches Erzählen in der Kinder- und Jugendlichentherapie“ (Schwerpunkte: Anknüpfung therapeutischer Geschichten, Angst, Aggression, ADHS)

22.3.2014: Mannheim – Telefonseelsorge, Seminar: „Heilende Metaphern in der Telefonseelsorge“

28.3.2014: Bad Kissingen – MEG-Jahrestagung, Workshop: „Breite deine Schwingen aus – Befreiendes für die Sehnsucht nach Leben im Sterben“

4.-6.4.2014: Kaiserslautern – Hypnosystemische Ausbildung „Therapeutisches Erzählen“, Seminar 3: Therapeutisches Erzählen mit Externalisierungstechniken (Schwerpunkt: somatische Anliegen, innere Landschaften und Landkarten, Therapie mit „leeren Stühlen“)

28.4.-29.4.2014: München, istob, Seminar: „Utilistion – Wie spanne ich das Symptom vor den Karren der Lösung?“

9.5.-11.5.2014: Kaiserslautern – Hypnosystemische Ausbildung „Therapeutisches Erzählen“, Seminar 4: Geschichten selbst entwickeln und schreiben

17.5.2014: Kaiserslautern – Telefonseelsorge, Workshop: „Vom ungesagt Gesagten in der Beratung – Wahrnehmen und Nutzen von Implikationen in der Telefonseelsorge“

20.-22.6.2014: Kaiserslautern – Hypnosystemische Ausbildung „Therapeutisches Modellieren“ („leere Stühle“), Seminar 1: Kurzzeittherapie bei Trauma (PTBS)

4.-6.7.2014: Kaiserslautern – Hypnosystemische Ausbildung „Therapeutisches Modellieren“ („leere Stühle“), Seminar 2: Kurzzeittherapie bei Schmerzen

11.-12.7.2014: Heidelberg, Milton-Erickson-Institut (meihei) – Seminar: „Therapie zwischen den Zeilen – Vom ungesagt Gesagten in der Beratung“

17.7.-18.7.2014: Hannover, NIS – Seminar: „Von Grashalmen und Oasen – Therapeutisches Erzählen in der systemischen Beratung“

29.8.-31.8.2014 Kaiserslautern – Hypnosystemische Ausbildung „Therapeutisches Modellieren“ („leere Stühle“), Seminar 3: Kurzzeittherapie bei Ängsten (z.B. Phobien)

19.9.-21.9.2014 Kaiserslautern – Hypnosystemische Ausbildung „Therapeutisches Modellieren“ („leere Stühle“), Seminar 4: Kurzzeittherapie bei Depression

25.-27.9.2014 Bochum, ida – Seminar: „Systemische Beratung in Geschichten und Metaphern – Externalisierung von Problemerleben und Ressourcen“

3.10.2014 Wien, VPA (Paartagung) – Workshop „Das Sofa des Glücks – Therapeutisches Modellieren mit Paaren“

17.-19.10.2014: Kaiserslautern, Ausbildung: „Hypnotherapie nach den Verfahren von Milton Erickson“, Seminar 1: Grundlagen, verbale Tranceinduktionen, Ethik und Methodik, Suggestive Verfahren, Wahrnehmung und Nutzung von Rapport

7.-8.11.2014: Heidelberg, IGST, Seminar: „Wie sag ich’s meinem Kinde? – Therapeutisches Erzählen mit Kindern und Jugendlichen“

14.11.-16.11.2014: Kaiserslautern, Ausbildung: „Hypnotherapie nach den Verfahren von Milton Erickson“, Seminar 2: Anamnese, Therapieaufbau, Utilisation

12.-14.12.2014: Kaiserslautern, Ausbildung: „Hypnotherapie nach den Verfahren von Milton Erickson“, Seminar 3: Implikationen, indirekte Kommunikation, Mehrebenenkommunikation

Ausblick 2015:

16.-18.1.2015: Kaiserslautern, Ausbildung: „Hypnotherapie nach den Verfahren von Milton Erickson“, Seminar 4: Nonverbale Induktionstechniken, therapeutische Arbeit mit Trancephänomenen (Zeitverzerrung, Katalepsie, Amnesie, Anästhesie, etc.)

8.5.-9.5.2015 München, mfk, Seminar: „Therapeutisches Erzählen“

Februar – Mai: Kaiserslautern, Ausbildung „Therapeutisches Erzählen“

Juni – September: Kaiserslautern, Ausbildung „Therapeutisches Modellieren“

Oktober – Januar: Kaiserslautern, Ausbildung „Hypnotherapie nach den Verfahren von Milton Erickson“

Für 2015 ins Auge gefasst sind weiterhin Seminare in Heidelberg, Chemnitz und Österreich.