Leere Wohnung

Stell dir vor, du hast ein Haus gekauft und möchtest es beziehen. Eigentlich dachtest du, dass der Vorbesitzer dir das Haus leer übergeben würde. Aber er hat einige Sachen darin stehen lassen. Wenn dir etwas davon gefällt, kannst du es übernehmen. Was dir davon aber nicht zusagt, das solltest du nicht übernehmen, nur weil es in deinem Haus herumsteht. Entweder du verkaufst es oder du verschenkst es oder du lässt einen großen Container kommen, um all diese Sachen, die du nicht brauchen kannst, zu entsorgen. Vielleicht auch alles drei, eine gemischte Strategie. Aber du behältst nichts, was nicht zu dir passt, denn du willst das Haus ja selbst einrichten. Es ist dein Haus. Sag deinem inneren, dass es dieses Haus so gestaltet, wie es für dich richtig ist. 

Die Metapher kann überall dort eingesetzt werden, wo Menschen Traditionen und Überzeugungen aus ihrer Familie übernommen haben, die ihnen nicht guttun. Dazu gehören auch Erinnerungen an die Traumata früherer Familiengenerationen, die dazu beitragen können, dass ein Mensch sich so verhält, als sei er selbst traumatisiert worden. 

Diese Geschichte stammt von Stefan Hammel

Der versetzte Baum

Ein Gärtner fand bei der Arbeit in seinem Garten inmitten eines schattigen Gebüschs einen kleinen Baum. ‚Nanu!’ rief er aus. ‚Eine Felsenbirne!

Wie die wohl hierher kommt?’ Einen solch schönen und wertvollen Baum hätte er nie an diesem dunklen Ort vermutet! Vielleicht hatte ja der Wind oder ein Vogel den Samen für den Baum dahin getragen. Der Gärtner überlegte, was er nun tun würde. Er wusste, dass es manchmal schwierig ist, eine Pflanze an einen anderen Ort zu verpflanzen. Er wusste aber auch, dass seine Felsenbirne an diesem schattigen Platz niemals zu einem starken, schönen, großen Baum gedeihen konnte.  So entschloss er sich, den Baum an einen anderen Ort umzupflanzen, wo er genügend Sonne und Wasser bekäme, um kraftvoll und schön zu wachsen. Er nahm seinen Spaten und stach die Erde in einem weiten Kreis um den Stamm des Baumes aus. An einem anderen Ort hob er ein Loch aus der Erde aus und stellte den Felsenbirnbaum mit seinem Wurzelballen dort hinein. Dann gab er noch etwas Erde und genau die richtige Menge Felsenbirnbaum-Dünger dazu und goss die Pflanze gründlich. Als er am nächsten Tag nach seinem Baum schaute, war er traurig: Der Baum ließ alle Blätter hängen! Wahrscheinlich – so dachte der Gärtner – hatte er seine Wurzeln schon so weit ausgestreckt gehabt, und dann beim Ausgraben aus der Erde ein paar von seinen kleinen Haarwurzeln verloren. Das ist eine Verletzung für den Baum, die kostet Kraft. Aber die Wurzeln eines Baumes wachsen nach.

Der Gärtner beschloss, gut für seinen Baum sorgen und einfach eine Weile zu warten. Er gab dem Baum seine Zeit und wartete, und tatsächlich – bald hatten die Blätter ihre frühere Kraft wieder gefunden. Nach wenigen Monaten war der Baum kräftig gewachsen und nach einigen Jahren war er zu einem großen, starken Baum geworden

Aus: S.Hammel, Handbuch des Therapeutischen Erzählens

Stille Nacht

So still war die Stille Nacht noch nie,

die Fußgängerzone, die Shopping Mall,

kein Lachen, kein Rufen,

so still diese Stille

hinter Masken,

so leer und so weit

ist diese Nacht, diese Stille,

das Weltall möchte uns beneiden,

so still ist es,

in der Christmette,

bei abgeschalteter Belüftung,

nicht einmal ein Weihnachtsgesang,

und wenn da noch ein Engel wäre,

wenn er käme,

ganz unangemeldet,

er müsste draußen bleiben.

So still war die Nacht noch nie

nur das Piepsen der Geräte auf 13/5,

Sauerstoff ist okay,

der Blutdruck ist etwas niedrig,

selbst beim Gedanken an Silvester,

so still,

dass ich denke,

vielleicht können wir in einer so stillen Nacht

den Atem hören

des Kinds in der Krippe.

Stefan Hammel

Das wirklich gute Weihnachtsfest

Seit ein paar Jahren wohnten sie zusammen. Sie verstanden sich wirklich gut. Nur jedes Jahr an Weihnachten verstanden sie sich wirklich schlecht. Sie kam aus einer wirklich guten Hamburger Familie und er aus einer wirklich guten Heidelberger Familie. Sie hatte mit ihren Eltern bis dahin jedes Jahr ein wirklich, wirklich gutes Hamburger Weihnachtsfest verbracht. Er hatte bis dahin mit seiner Familie ein wirklich, wirklich gutes Heidelberger Weihnachtsfest gefeiert. Nun wohnten sie in Darmstadt. Im ersten Jahr feierten sie dort ein wirklich, wirklich schlechtes Heidelberger Weihnachtsfest. Im zweiten Jahr feierten sie dort ein Hamburger Weihnachtsfest. Das war auch wirklich, wirklich schlecht. Im dritten Jahr versuchten sie ein Heidelberger Hamburger Weihnachtsfest. Das war das wirklich, wirklich schlechteste Weihnachten von allen. Nun saßen sie da und überlegten, was sie dieses Jahr wohl feiern könnten. Sie entschieden sich für ein Darmstädter Weihnachtsfest. Es wurde ein wirklich, wirklich gutes Fest.[1]

„Das wirklich gute Weihnachtsfest“ kann etwa erzählt werden, wenn im Raum steht, dass ein Paar möglicherweise glücklicher wäre, wenn sie, anstatt ihren jeweiligen Familientraditionen und hergebrachten Überzeugungen zu folgen, etwas Neues entwickelten.


Aus: S. Hammel, Handbuch des Therapeutischen Erzählens

[1]       Für die Geschichte danke ich Sabine Müller-Löw aus Mainz. Sie beruht auf der Erzählung einer Kollegin.

Neues Video-on-demand verfügbar: „Utilisation – Wie spanne ich das Problem vor die Karre der Lösung?“

Ich freue mich euch auf ein weiteres Video von mir in der Rubrik Video-on-Demand aufmerksam zu machen!

Im Online-Shop steht ab sofort das Video des Einzelseminares zum Thema „Utilisation – Wie spanne ich das Problem vor die Karre der Lösung?“ als Video-on-Demand- Version zur Verfügung!

Utilisation ist die Kunst, ein Symptom, ein Körper- oder Charaktermerkmal des Klienten oder ein anderes markantes Element der Problem- und Beratungssituation zu nutzen, um unwillkürlich und unwiderstehlich eine Lösung herbeizuführen.

Seminarschwerpunkte:

     – Psychische und physische Symptome für Lösungen nutzen

     – Werte, Vorlieben, Symptome, Sprache von Klienten nutzen

     – Aspekte der Persönlichkeit und des Sozialsystems integrieren

     – Die Körpersprache des Klienten für die Therapie nutzen

     – Aspekte der Beratungssituation für eine Lösung nutzen

     – Handlungen und Objekte als Lösungskatalysatoren einsetzen

Anbei seht ihr den aktuellen Trailer/ Auschnitte aus dem Video – die Vollversion des Videos ist in meinem Online-Shop erhältlich.


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Utilisation – Wie spanne ich das Problem vor die Karre der Lösung – Ausschnitte

Daneben besteht natürlich auch weiterhin die Möglichkeit die Videos als DVD zu erwerben.

Viel Spaß mit dem neuen Video, es grüßt euch,

Stefan Hammel

Neues Video-on-demand verfügbar: „Live-Therapie Therapeutisches Modellieren“

Passend für euch für das 3. Adventswochenende ist ein weiteres Angebot von mir in der Rubrik Video-on-Demand nun online erhältlich!

Im Online-Shop steht ab sofort das Video „Live-Therapie Therapeutisches Modellieren – Praktische Demonstration und Diskussion der Methodik des Stühlespiels“ für euch als Video-on-Demand- Version zur Verfügung!

Ihr könnt euch Videos ausleihen und diese über das Internet auf zahlreiche Endgeräte wie Fernseher, PC, Laptop, Tablet oder Smartphone streamen.

Die gut einstündige Live-Therapie wurde beim 1. Internationalen Festival des Therapeutischen Erzählens in Kaiserslautern im Oktober 2016 mit einer Tagungsteilnehmerin durchgeführt. Zuvor wird eine kurze Einführung in die Methodik des Therapeutischen Modellierens („Stühlespiels“) gegeben. Unmittelbar im Anschluss an die Therapie wird das Vorgehen anhand des aktuellen Anliegens erläutert und auf Fragen der Workshopteilnehmer an die Klientin und an Stefan Hammel eingegangen.

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Live-Therapie Therapeutisches Modellieren – Ausschnitte

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Viel Spaß mit dem neuen Video, es grüßt euch,

Stefan Hammel

Ich komme später nach

Eine Frau sagte mir: „Ich habe Brustkrebs. In zwei Wochen wird meine Brust amputiert. Gibt es etwas, was ich tun kann, um mich auf die Operation vorzubereiten?“ Ich erwiderte: „Sie können mit Ihrer Brust reden und ihr sagen: „Ich habe dich lieb und möchte dich gerne behalten. Eines Tages werden wir sterben. Wenn ich den Tumor wachsen lasse, sind wir beide bald drüben. Wenn ich die Amputation erlaube, darf wenigstens ich noch für eine ganze Weile hierbleiben. Ich umarme dich, liebe Brust, und muss doch für eine Weile Abschied nehmen. Ich muss dich auf dem Weg in den Himmel vorausschicken. Warte du dort auf mich. Ich komme später nach, und dann gehen wir gemeinsam weiter. Was sagt Ihre Brust dazu?“ „Sie will, dass es mir gut geht. Sie umarmt mich auch und sagt, sie ist einverstanden.“ 
 
Die Geschichte lässt sich, situativ angepasst, bei Amputationen und anderen medizinischen Eingriffen verwenden, die mit dem Verlust von Körperfunktionen verbunden sind. Sie kann auch eingesetzt werden, wo Menschen, um sich selbst zu retten, Abschied von anderen, von der Heimat oder von finanzieller Sicherheit nehmen müssen. 

Diese Geschichte stammt von Stefan Hammel und ist in dem Buch „Wie der Tiger lieben lernte. 120 Geschichten bei psychischem Trauma“ zu finden. Die Geschichte gehört zum Kapitel „Traumaprävention„.

Neues Video-on-demand verfügbar: Die Lähmung lösen, den Schmerz mindern, die Resilienz stärken

Ein weiteres Angebot in der Rubrik Video-on-Demand ist nun online erhältlich!

Im Online-Shop steht ab sofort das Video „Die Lähmung lösen, den Schmerz mindern, die Resilienz stärken“ für euch als Video-on-Demand- Version zur Verfügung!

Ihr könnt euch Videos ausleihen und diese über das Internet auf zahlreiche Endgeräte wie Fernseher, PC, Laptop, Tablet oder Smartphone streamen.

In dem Video werden drei therapeutische Sitzungen im Themenspektrum von Trauer, Depression, Burnout, Gewalterfahrung, Einsamkeit und getrennte Familie vorgestellt.

Anbei seht ihr den aktuellen Trailer/ Auschnitte aus dem Video – die Vollversion des Videos ist in meinem Online-Shop erhältlich.


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Die Lähmung lösen, den Schmerz mindern, die Resilienz stärken – Ausschnitte

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Viel Spaß mit dem neuen Video, es grüßt euch,

Stefan Hammel

Ulrike Strubel: „Runter von der Machtwippe!“

Hier ist ein Buch, das meine Kollegin Ulrike Strubel gerade herausgebracht hat. Wir haben uns in der Entstehungsphase öfter darüber ausgetauscht, und ich war gespannt, was es werden wird.

Ich finde es – ganz aufrichtig! – supergut strukturiert und immer wieder
erhellend. Immer wieder: „Ah, jetzt verstehe ich, warum ich mich so verhalte!“ „Ah jetzt wird mir klar, wo das her kommt!“ Viele Aha-Effekte.

Klett-Cotta, 1. Aufl. 2020, 168 Seiten, broschiert
ISBN: 978-3-608-86130-3
17,00 EUR (D), 17,50 EUR (A)
broschiert (Alternative: E-Book)

Das Buch thematisiert berufliche, partnerschaftliche und private Aspekte der „Macht-Wippe“, die Entstehung von Autoritätskonflikten in der Herkunftsfamilie und die Weiterentwicklung der daraus resultierenden Muster in einer gegründeten Partnerschaft oder Familie.

Das Buch ist angenehm verständlich geschrieben; Meiner Meinung nach ist es deshalb gleichermaßen für Berater bzw. Therapeuten und Selbstanwender geeignet.

Viel Spaß beim Lesen, liebe Grüße euer

Stefan Hammel

Ankündigung der Tagung: „Begegnungen auf Augenhöhe“ 2022

Gerne möchte ich euch über die

Hypnosystemische Tagung „Begegungen auf Augenhöhe“ 2022

vom Milton Erickson Institut für Hypnosystemische Kompetenzerweiterung Innsbruck informieren, die unter dem Titel

„Ver-rückte Wahrheiten“

stattfindet. Der Titel scheint uns aktueller denn je!

Notiert euch das Datum – SAVE THE DATE:

8. – 10. Juli 2022

Außerdem gibt es noch Last-Minute Plätze für zwei Veranstaltungen vom Milton Erickson Institut für Hypnosystemische Kompetenzerweiterung Innsbruck.

Curricula Hypnosystemische Konzepte 2021 & Curriculum für Klinische Hypnose 2021

Weitere Infos findet ihr für alle Veranstaltungen unter: www.mei-innsbruck.at

Es grüßt euch,

Stefan Hammel