Webtipp: Mediamill

Ich habe mir Websites von Therapeuten und Ärzten angeschaut und fand die meisten Seiten nicht sehr ansprechend. Vielleicht liegt es an meiner Wahrnehmung – ich glaube aber eher, es liegt an der Scheu vieler Helfer, sich selbst positiv darzustellen. Wissenschaftlich nüchtern und uneigennützig zu sein gilt unter den Heilkundigen als positiver Zug. Im Vergleich zu den Seiten anderer Branchen wirken die Websites der Heiler und Helfer aber nun emotionslos und freudlos. Gleichzeitig sind sie überladen mit Details, die uneinheitlich und unübersichtlich präsentiert werden. Durcheinander gewürfelt und unharmonisch stehen allerlei Informationen nebeneinander – vielleicht das Spiegelbild eines hektischen Alltags. Lustlos und lieblos wirken viele Seiten, als fehlte ihnen die Liebe zu sich selbst, vielleicht auch die Liebe zu der Öffentlichkeit, die sie lesen soll. Wirklich gut fand ich ich nur private Kurkliniken, und einige Seiten im Ausland.

Eine Seite für Print- und Webdesign, mit Schwerpunkt im Bereich Beratung und Therapie, ist die von Mediamill. Diese Designer machen auch Seiten für Künstler und Fotografen und ihre Arbeiten sind meiner Ansicht nach wirklich ansprechend. Ich arbeite mit den Leuten gerne zusammen und finde ihre Seiten einen ästhetischen Genuss. Schön anzuschauen! Finanzierbar sind sie auch. Falls jemand von den Kolleginnen und Kollegen eine neue, schöne Website will – ich mache gern ein bisschen Werbung: www.mediamill.de.

Ziele

Ziele bestehen darin, dass wir darum kämpfen, etwas zu erreichen. Wir mögen aber den Kampf oft nicht; wir mögen den Sieg. So möchten wir siegen, ohne zu kämpfen. Wir mögen aber im Rückblick auch nicht einen Sieg, ohne gekämpft zu haben; ein solcher Sieg gilt uns nichts. Manchmal wollen wir für ein Ziel wenig leisten, doch viel geleistet haben.

Ohne Ziele kann kein Mensch leben. Wer kein Ziel hat, verfällt.

Gedanken über Angst X

Verändere den Film! Nicht du bist im Kerker der Angst, sondern der Kerker der Angst ist in dir. Es ist dein Film, du hast ihn gedreht. Du bist der Regisseur jedes deiner Filme. Du kannst jeden Kerker, von dem du in dir dachtest, du seiest in ihm, neu erfinden.

Woraus bestehen die Mauern? Woraus sollen sie zukünftig sein?

Wie dick sind die Gitterstäbe? Wie dick sollen sie von nun an sein?

Wer hat die Schlüssel? Wer soll sie ab jetzt haben?

Die Bilder, die du dir von deiner Welt machst, sind deine Bilder. Male deine Bilder neu, und du veränderst deine Welt!

Gnädig

Wir unterhielten uns über Musik. „Das Ohr ist gnädig“, sagte sie. „Es hört das, was gemeint ist und nicht das, was tatsächlich gespielt wird.“ Die Dame, die das sagte, war Klavierlehrerin. Seit Jahrzehnten unterrichtete sie Schüler und hatte sich ihre Gedanken gemacht, wie Ohr und Gehirn die Musik verarbeiten. „Das Ohr ist gnädig“, wiederholte ich.  „Wie meinen Sie das?“ Sie sagte: „Wenn wir als Publikum Musik hören, blenden wir meistens die Fehler aus. Wir hören, was gemeint ist. Was im Bewusstsein ankommt, ist dann die vollkommene Melodie. Die Künstler und die Lehrer achten auf die Fehler, aber das Publikum hört die Musik.“

Ich erzähle diese Geschichte Menschen, die sich selbst oder anderen nicht leicht verzeihen, Perfektionisten der Ästhetik, des Wissens, des Erfolgs und der Moral wie überhaupt Menschen, die auf das Fehlende leichter als auf das Erreichte schauen.

Der Karteischrank

Ich hatte früher in meinem Büro einen Karteischrank mit vielen Schubladen. Als ich meinen Karteischrank kennenlernte, dachte ich zuerst, etwas an ihm sei kaputt: Es war nicht möglich, zwei seiner Schubladen gleichzeitig zu öffnen. War eine Lade herausgezogen, so waren alle anderen verschlossen. Sie ließen sich rütteln, aber öffnen ließen sie sich nicht. So lange, bis die Schublade zurückgeschoben hatte; dann konnte ich eine andere Lade herausziehen.

Wenn ich Menschen begegne, die sich mit vielen Problemen gleichzeitig beschäftigen, mit so vielen Problemen, dass sie sich davon überfordert fühlen, dann bitte ich sie manchmal, sich einen Karteischrank vorzustellen. Ich bitte sie, die oberste Schublade zu öffnen, das erste Problem hineinzulegen, sich den Inhalt noch einmal anzuschauen, die Lade mit einem Etikett zu versehen und sie wieder zu verschließen. Ebenso bitte ich sie mit den weiteren Problemen und den übrigen Schubladen umzugehen. Ich sage ihnen: „Sie können den Schrank nun geschlossen halten und werden ihre Probleme, wenn sie sie geordnet angehen wollen darin wiederfinden. Sie werden aber nicht alle Schubladen gleichzeitig öffnen können, sondern nur eine auf einmal. Sollten Sie mehrere Probleme gleichzeitig behandeln wollen, müssen Sie den Inhalt einer Schublade für eine kurze Zeit herausnehmen und ihn später wieder hineinlegen. In den meisten Fällen bewährt es sich aber, die Dinge in den Schubladen zu lassen, in die sie hineingehören. So haben Sie Ordnung und können sich auch den Dingen zuwenden, die Ihnen mehr Spaß machen und Ihnen Kraft geben.“