Der falsche Adressat

Ein Freund musste mich neulich mit Blick auf einen Termin versetzen und entschuldigte sich vielmals dafür. Es sei in Ordnung, versicherte ich mehrfach, aber das überzeugte ihn nicht. So sagte ich: „Du sprichst mehr mit deinem schlechten Gewissen, als mit mir.“ „Der Satz ist gut“, antwortete er. „Den werde ich mir merken.“ Und das Entschuldigen hatte ein Ende.

Webtipp: hypnosystemische akademie bodam

Es gibt neue Seminare: Ab September 2008 bieten wir hypno-therapeutische Ausbildungen u. a. in Bern an. Die Ausbildungen sind ein Kooperationsprojekt zwischen dem Institut für hypno-systemische Beratung Westpfalz, der akademie für hypnosystemische Beratung bodam in Liechtenstein und der Mental-Akademie Living Sense in Bern und Bürglen. Ab Januar 2009 ist dann der Beginn einer hypnotherapeutischen Ausbildung in Liechtenstein und in Bürglen (TG) in der Schweiz geplant, ebenso als Ergebnis einer Kooperation mit bodam und (für Bürglen) der Mentalakademie.

Die  bodam-akademie bietet zusätzlich eine systemische Coaching-Intensivausbildung für Führungskräfte an. Die Internetseite von bodam ist noch im Aufbau, so dass noch einige Details fehlen, aber sie ist schon anschaulich und in vieler Hinsicht informativ! Sobald es Neues dazu gibt, werde ich mich wieder melden.

Das verlorene Gesicht

In Japan lebte einmal ein Mann, dem ist das tatsächlich passiert: Er wachte eines Morgens auf und hatte wirklich und wahrhaftig sein Gesicht verloren! Die Sache war ihm äußerst peinlich. So wie er war, konnte er sich ja unmöglich einem anderen Menschen zeigen. Zuallererst machte er sich also ganz alleine auf die Suche. Er tastete sein Bett ab und den Boden unter dem Bett und schließlich auch den ganzen Raum, in dem er sich befand. Lange versuchte er sich so zu helfen, bis er begriff: Wer sein Gesicht verloren hat, wird es allein kaum wieder finden. Er sieht und hört ja nichts! Wie konnte dieser Mann nun Rettung finden? Es gelang ihm nur mit Hilfe seiner Freunde. Sie suchten für ihn alle Plätze ab und fanden es am Ende tatsächlich. Es war im Bad in seinem Spiegel, wo er es bei einem nächtlichen Gang verloren hatte. Wohl dem, der solche Freunde hat! (S. Hammel, Der Grashalm in der Wüste, S. 95.)

Anstelle eines verlorenen Gesichts erzähle ich dieselbe Geschichte auch mit einem verlorenen Kopf für Leute, die sich fragen: „Wo habe ich den heute meinen Kopf“, für Leute, die etwas „den Kopf gekostet“ hat (vielleicht in Wahrheit aber nur die Arbeitsstelle), die „kopflos“ sind, die vor Liebe oder Schrecken „den Kopf verloren“ haben.

Im Lande Begonien

Als Reisender musste ich einmal das Land Begonien durchqueren.  Sie haben dort einen wirklich seltsamen Brauch. Es gibt dort nämlich an den Straßen und Wegen des Landes keinerlei Hinweisschilder,  die dir helfen könnten, von Dorf zu Dorf oder von einer Stadt zur nächsten zu finden. An jeder Straßenkreuzung aber stehen Blumen, die du fragen kannst, um von ihnen Auskunft zu erhalten.  Nach der Art, wie sie dir Auskunft geben, unterscheidet man Weiser, Wegweiser und Hinweiser.  Die Hinweiser sind besonders angenehm für all jene Reisenden, die nur einfach möglichst schnell und bequem zu ihrem Ziel kommen wollen. Sie sagen dir freundlich, wohin du gehen sollst.  Die Wegweiser sind oft grob und ungehobelt in ihrer Sprache.  Sie können sehr gehässig klingen. Nichtsdestoweniger können auch sie sehr nützlich sein. Sie sagen dir, wohin du keinesfalls gehen sollst, so du Unglück und Verderben von dir fernhalten willst.  Die Weiser schließlich reden zu dir auf seltsame Art.  Sie sprechen in Rätseln.  Sie beginnen, dir einen Weg zu weisen und fahren fort mit dem anderen.  Sie erzählen dir vom Ziel, doch  nicht, wie du dieses erreichst. Sie stellen dir Fragen anstatt dir zu antworten.  Sie erzählen dir Dinge, deren Sinn du erst später verstehst. Manche Reisende halten das, was die Weiser sagen, für lauter unnützes Zeug.  Doch einige finden erst durch die Weiser ihr Ziel.

Drei Arten von Geschichten gibt es, die therapeutisch wirken: Die einen geben dir ein Vorbild, wie du handeln sollst, die zweiten geben dir ein Zerrbild, wie du keineswegs handeln sollst, die dritten geben dir ein Rätselbild, das dich auf die Suche nach dem richtigen Weg sendet. Es können Beispielgeschichten oder Metaphern sein, mit denen Menschen einander leiten, aber immer wieder nehmen sie diese drei Formen an. Wir träumen auch so in der Nacht: Wir träumen in Lösungsträumen, Alpträumen und Rätselträumen.