Die Langsamkeit der Grottenolme

Die Geschichte kann als Metapher eingesetzt werden, um zu verdeutlichen, dass ein seltsamer, “fremder” Lebensraum auch Schutz bedeuten und Chancen bieten kann und dass es unter bestimmten Umständen normal sein kann, wenn alles langsam vorangeht. Sie kann Menschen ermutigen, nachsichtig mit sich selbst und anderen zu sein und gleichzeitig auf ihr Potential für Anpassung und Entwicklung zu vertrauen.

Im kühlen Dunkel einer Höhle geht alles ein bisschen langsamer. Das heißt nicht, dass nichts geht. Es hat nur einen anderen Rhythmus. Die Grottenolme beispielsweise, die leben länger als jedes andere Amphib. 70 Jahre, hundert Jahre, ganz genau weiß das keiner. Geschlechtsreif werden sie erst mit etwa 16 Jahren, und auch dann vermehren sie sich, soweit man weiß, nur etwa einmal alle Dutzend Jahre. Die Grottenolme haben Zeit. Trotzdem gibt es sie, schon lange, Millionen Jahre. Grottenolme mögen eine beständige Umgebung: Die gleiche Temperatur, die gleiche Feuchtigkeit, die gleiche Dunkelheit, die gleichen Höhlengänge immerzu. Dennoch sind sie sehr anpassungsfähig – wenn man ihnen Zeit gibt.  Sie können lernen, am Licht zu leben und, wenn sie das Licht in jungen Jahren kennenlernen, auch ihre Augen nutzen, die sich in den dunklen Grotten normalerweise zurückbilden. Es gibt auch ein paar Grottenolme, die außerhalb von Höhlen leben. So können sie wandern und andere Höhlen erreichen, die ihnen ausgezeichneten Schutz vor allen möglichen Verfolgern bieten.

Diese Geschichte stammt von mir aus dem Buch, von meinen Kollegen und Kollegin Katharina Lamprecht, Adrian Hürzeler, Martin Niedermann und mir,:

Wie der Storch zuhause blieb. 120 Geschichten zu Heimat und Fremde.

Ernst Reinhardt 2026. 139 Seiten.
(978-3-497-03344-7) kartoniert
€ [D] 29,90 / € [A] 30,80
Gedrucktes Buch, ISBN 978-3-497-03344-7
Auch als E-book erhältlich.

Das Buch mit weiteren Geschichten und Erklärungen könnt ihr ab sofort direkt in meinem

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Liebe Grüße,

Stefan