Die Geschichte kann eingesetzt werden, um Konflikte über Orte, in denen man sich beheimatet oder zuständig fühlt, mit etwas verfremdetem Blick zu betrachten ihnen so die Schärfe zu nehmen und ein Gespräch über die Bedürfnisse beider bzw. Aller Seiten zu ermöglichen.
In der Schule haben wir gelernt, dass Tiere ihr Territorium markieren. Hunde pissen an Laternenpfähle und bellen am Grundstückszaun, Katzen kratzen an Bäumen und reiben sich an Beinen, um ihre Menschen mit ihrem Geruch zu markieren, und Vögel singen oder schimpfen von Bäumen und Dächern herab. Akustisch, optisch und geruchlich, das sind die wichtigsten Formen der Reviermarkierung.
Neulich habe ich gelernt, dass auch Menschen ihre Territorien markieren. Manche markieren den Duschabfluss mit ihren Haaren, andere den öffentlichen Raum mit Kaugummis. Die Wohnung des neuen Partners kann mit einem Lippenstift auf der Badezimmerkonsole oder mit einer Kondompackung in der Nachttischschublade markiert werden, und in einer längerfristigen Partnerschaft markiert meist der eine sein Revier, indem er Kleidungsstücke und diverse Gegenstände herumliegen lässt und der andere durch Wegräumen. Weil es unpraktisch ist, wenn jeder die Markierungen des anderen auslöscht, kommt es schon auch mal zu Revierkämpfen (Samy Molcho, Körpersprache, 189ff.). Das ist normal.
Diese Geschichte stammt von mir aus dem Buch, von meinen Kollegen und Kollegin Katharina Lamprecht, Adrian Hürzeler, Martin Niedermann und mir,:
Wie der Storch zuhause blieb. 120 Geschichten zu Heimat und Fremde.
Ernst Reinhardt 2026. 139 Seiten.
(978-3-497-03344-7) kartoniert
€ [D] 29,90 / € [A] 30,80
Gedrucktes Buch, ISBN 978-3-497-03344-7
Auch als E-book erhältlich.
Das Buch mit weiteren Geschichten und Erklärungen könnt ihr direkt in meinem
beziehen.
Liebe Grüße,
Stefan
