Flechten

Ich verwende die Metapher als Anregung zum Nachdenken über die Bedeutung von Konzepten wie Heimat, Migration, kulturelle und ethnische Identität. Die Geschichte ist eine Einladung, zu würdigen, dass Menschen aus anderen Kulturkreisen oft gerade durch ihre andersartige Prägung Wertvolles zu unserer Gesellschaft beitragen und Neues erschaffen.

“Was ist das für grünes Zeug an den Bäumen?” fragt Mia ihren Vater.

“Das sind Flechten.”

“Ist das eine Pflanze?”

“Bei Flechten weiß man nicht so genau, ob es ein Lebewesen ist oder zwei. Eine Flechte besteht aus einer Alge und einem Pilz. Die Alge ist eine Pflanze, der Pilz ist keine. Die beiden sind so sehr eins geworden, dass man gar nicht mehr so richtig sagen kann, ob sie zwei Lebewesen sind oder eins.”

“Sind also die Flechten geflochten?”

“So könnte man das wohl sagen. Oder auch so: Wenn du mit deinem Farbkasten Gelb und Blau mischst, was passiert dann?”

“Dann bekomme ich Grün.”

“Ist das Grün Gelb oder Blau?”

“Keins von beidem.”

“Genau. Unter dem Mikroskop findet man blaue und gelbe Partikel.  Die Farbe ist grün – oder blau und gelb, je nachdem, wie man’s betrachtet. So ist das bei einer Flechte.”

„Ist das wie bei Sara? Ihr Vater ist aus Gambia, ihre Mutter kommt aus Flensburg. Ihre Haut ist wie… helle Milchschokolade.”

“Genau. Wenn man mit dem Mikroskop auf unsere Gene schaut, sind wir alle Schokolade, nur mit verschiedenem Kakaoanteil.”

Diese Geschichte stammt von mir aus dem Buch, von meinen Kollegen und Kollegin Katharina Lamprecht, Adrian Hürzeler, Martin Niedermann und mir,:

Wie der Storch zuhause blieb. 120 Geschichten zu Heimat und Fremde.

Ernst Reinhardt 2026. 139 Seiten.
(978-3-497-03344-7) kartoniert
€ [D] 29,90 / € [A] 30,80
Gedrucktes Buch, ISBN 978-3-497-03344-7
Auch als E-book erhältlich.

Das Buch mit weiteren Geschichten und Erklärungen könnt ihr ab sofort direkt in meinem

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beziehen.

Liebe Grüße,

Stefan