Das ausgewechselte Gedächtnis

Ein Freund erzählte mir neulich, er habe früher ein ausgezeichnetes Gedächtnis gehabt, jetzt aber sei sein Gedächtnis schlecht geworden. Beispielsweise habe er früher einmal ein Lied verfasst, das er gerne wieder einmal singen wolle, aber er habe den größten Teil des Liedes vergessen.

Ich laberte ihn mit einem Vortrag über sein Gedächtnis in Trance. Sinngemäß sagte ich zu ihm: „Wenn du früher einmal ein gutes Gedächtnis hattest, dann hast du es auch jetzt. Du hast nur gerade keinen Zugang dazu. Das liegt wahrscheinlich daran, dass du behauptest, kein gutes Gedächtnis zu haben, so dass du glaubst es sei so, so dass es auf einer oberflächlichen Ebene tatsächlich so ist. Wenn du dir stattdessen Geschichten darüber erzählst, wie gut dein Gedächtnis ist, wirst du innerhalb von Minuten bemerken können, dass dein Gedächtnis besser wird. Tatsächlich ist dein Gedächtnis immer gut, wenn es dir wichtig ist, dich zu erinnern. Wenn es scheinbar nicht gut ist, dann ist es dir nur gerade nicht wichtig, dich an etwas zu erinnern – oder es ist dir eine Zeitlang nicht wichtig gewesen, dich zu erinnern, und danach hast du deine Meinung darüber geändert, und es ist dir erst später wieder wichtig geworden. Du kannst das Gedächtnis für dieses Lied aber wiedergewinnen. Schreib einfach die Zeilen und Fragmente auf, die du noch weißt, in der Reihenfolge, die du am ehesten für richtig hältst. Dann beschäftigt sich dein Unbewusstes nur noch mit den Zeilen, die noch fehlen, und es hat seine Brückenpfeiler gebaut von den Zeilen, die du schon bewusst weißt zu denen, die du noch finden willst. Das ist wie ein Puzzle, das immer leichter zu lösen ist, je mehr Teile du schon gefünden und ineinandergefügt hast.

Der Freund sagte: Das probiere ich aus. Er suchte sich Stift und Papier und begann zu schreiben. Nach fünf Minuten nahm er seine Gitarre und sang das ganze Lied.

2 Gedanken zu „Das ausgewechselte Gedächtnis

  1. Super!
    Das muss ich auch mal ausprobieren, wenn ich den Eindruck habe mein „Siebgehirn“ hat zu viele „Löcher“ 😉

    Wenn ich es richtig beobachtet habe, kann man diese „Technik“ das Negative ins Positive umzuwandeln auf ziemlich viele wenn nicht sogar auf allen Bereichen anwenden ?!

    Gruß Judith

  2. … schönes Beispiel und Mut machend. Aber es geht auch umgekehrt – das „Vergessen“ absichtlich herbeiführen – dürfte aber schwieriger sein…

    Das Phänomen: Wenn alles kulminiert, der Stress vor einem (beruflichen) Termin überhand nimmt, der Schreibtisch von Notizzetteln überquillt – und plötzlich ist der Kopf komplett leer, darauf folgt meistens eine neue hilflose Panikattacke… Irgendwie geht der Termin rum, in der Regel sogar relativ problemlos, man kommt zurück, findet auf dem Schreibtisch die alten Merkzettel – und man weiß beim besten Willen nicht mehr, was man sich damals dabei gedacht hat – Man hat es vergessen , weil es im Endeffekt unwichtig war, es hatte keine Auswirkungen. Was beim Termin zählte, war geistige Wachheit, Aufmerksamkeit, Reaktionsvermögen.
    Irgendetwas vergessen? Fiel nicht auf, außer man selbst wusste es ja keiner.
    … Hoffentlich vergesse ich nicht, beim nächsten Mal rechtzeitig die Notizzettel beiseite zu schieben, und mein Gehirn im Vorfeld zu entmüllen 😉

    Doris

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