Grunzen

Gestern war ich auf einer Hochzeit und habe dort alte Freunde wieder getroffen. „Unsere achtjährige Tochter Lisa hat einen Tic entwickelt“, sagten sie. „Sie macht immer so ein scheußliches Grunzen, vor allem beim Essen. Kann man da nicht etwas machen?“ „Lass uns mal überlegen“, sagte ich und wir besprachen miteinander verschiedene Ideen. Später auf dem Spielplatz zeigte ich Lisa, dass bei mir ein Grunzen entsteht, wenn ich mir auf die Nase drücke, und dass bei einem Druck auf die Nase ihrer Eltern ein anderes Grunzen zu hören ist. Ich drückte ihre Nase und lernte so ihr Grunzen kennen. Wir fanden heraus, dass man die Nase durch wiederholtes Drücken leer grunzen kann, so dass für eine Weile nichts mehr kommt. Vor dem Abendessen grunzten wir uns also erst einmal leer. Wir fanden auch heraus, dass sie, wenn sie sich selbst die Nase drückt, nur ganz leise grunzt. Dann legten wir fest, dass zu jedem Nasedrücken ein Grunzen gehört, und natürlich auch umgekehrt zu jedem Grunzen ein Nasedrücken. Wenn sie also grunzt, solle sie sich also anschließend gleich auf die Nase drücken, damit das Verhältnis zwischen Drücken und Grunzen wieder stimmt. Besser aber sei es, immer schon vorher zu merken, wenn ein Grunzen kommt und sich davor schon die Nase zu drücken, damit das Grunzen, wie es sich gehört, eine Folge des Drückens ist. Sie müsse also lernen, sich immer vorher schon auf die Nase zu drücken. Ich schärfte Lisa ein, dass das ganz wichtig sei. Wir hatten viel Spaß miteinander, aber ich glaube, sie wird nicht mehr viele Tage beim Essen grunzen.

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