Heimaterde

Menschen, die migrationsbedingt unter Einsamkeit, Orientierungslosigkeit und Phasen von Depression leiden, lade ich ein, wenn möglich, bei einem Heimatbesuch eine Pflanze aus ihrer Umgebung (z.B. ihrem Garten) in die Umgebung ihres Elternhauses zu bringen und umgekehrt. Je nach Situation kann auch Erde aus der aktuellen Umgebung auf ein Grab in der Heimat gesetzt werden und Erde von dort hierhergebracht werden, um eine Verbindung zu schaffen. Ich ermutige sie, die Kultur der Heimat hier aktiv zu leben, indem sie Gerichte aus der alten Heimat kochen, ihren Kindern Lieder von dort singen und ihnen Geschichten aus jener früheren Welt erzählen.

„Das hier ist ein kleiner Weinbergpfirsichbaum aus meinem Garten. Den könnt ihr bei euch zuhause einpflanzen!“ sprach Onkel Jaques und überreichte uns ein sorgfältig verpacktes Bündel, aus dem ein kleiner Stamm mit Zweigen und langen grünen Blättern ragte. Gern nahmen wir das Bäumchen mit auf die Heimreise. Seine Früchte könnten später ein Gruß aus der fernen, früheren Heimat sein. „Am Wurzelballen ist noch reichlich Erde. Die lasst ihr bitte dran, wenn ihr ihn einpflanzt. Der Baum braucht seine Pilze und Bakterien, die Mikroorganismen, mit denen er groß geworden ist.“ Das wusste ich noch nicht: Ein bisschen Heimaterde hilft dem Baum für einen guten Start im neuen Terrain.

Diese Geschichte stammt von mir aus dem Buch, von meinen Kollegen und Kollegin Katharina Lamprecht, Adrian Hürzeler, Martin Niedermann und mir,:

Wie der Storch zuhause blieb. 120 Geschichten zu Heimat und Fremde.

Ernst Reinhardt 2026. 139 Seiten.
(978-3-497-03344-7) kartoniert
€ [D] 29,90 / € [A] 30,80
Gedrucktes Buch, ISBN 978-3-497-03344-7
Auch als E-book erhältlich.

Das Buch mit weiteren Geschichten und Erklärungen könnt ihr ab sofort direkt in meinem

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beziehen.

Liebe Grüße,

Stefan