{"id":876,"date":"2009-01-26T09:42:58","date_gmt":"2009-01-26T08:42:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/?p=876"},"modified":"2009-01-25T23:26:50","modified_gmt":"2009-01-25T22:26:50","slug":"die-fremde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/2009\/01\/26\/876\/","title":{"rendered":"Die Fremde"},"content":{"rendered":"<p>Die Geschichte vom &#8222;Antidepressivum&#8220;, die ich\u00a0am Wochenende erz&#228;hlt habe, hat eine Vorgeschichte, die ich euch nicht vorenthalten m&#246;chte. Ich denke nicht, dass ich mit der Frau aus dem Tessin, mit Gott oder\u00a0dem Schicksal schon quitt w&#228;re. Ich schulde der Menschheit noch einen Gefallen. Aber ich habe versucht, einen Anfang zu machen&#8230;<\/p>\n<p>Im vergangenen Sommer machte ich eine Reise rheinaufw&#228;rts durch die Schweiz. Ich war allein und war noch nie in der Gegend gewesen. Ich kannte hier keinen Menschen. An\u00a0einem sp&#228;ten Abend &#8211; es war dunkel, regnerisch und sehr neblig &#8211; da fuhr ich, vom Norden her kommend, &#252;ber den Berninapass. Ich hatte Hunger und hoffte, das Gasthaus auf der Passh&#246;he w&#252;rde ge&#246;ffnet sein. Doch dem war nicht so. Nun fuhr ich in unz&#228;hligen Kehrwenden\u00a0auf der anderen Seite die Passstra&#223;e hinunter auf der Suche nach einem gastlichen Pl&#228;tzchen. Tats&#228;chlich fand ich, noch vor der ersten Ortschaft,\u00a0ein Gasthaus am Stra&#223;enrand. Ich trat ein. Das Personal sprach nur italienisch und wir hatten M&#252;he, uns zu verst&#228;ndigen. Eine Frau um die\u00a0F&#252;nfzig bot sich als &#220;bersetzerin an. Sie fragte mich, wer ich sei und woher ich komme, und was mich bei Nacht und Nebel hierher f&#252;hrte. &#8222;Sie m&#252;ssen mit mir einen Sekt trinken&#8230; Sie m&#252;ssen diesen Wein hier probieren&#8230; die Rechnung bezahle ich&#8230;&#8220; Ich verwies auf den Nebel und die ungesicherte Stra&#223;e. &#8222;Sie sind &#252;ber den Pass gekommen? Das ist zu gef&#228;hrlich. Es gibt doch einen Tunnel. Ich erkl&#228;re Ihnen, wie Sie fahren. Und jetzt trinken Sie mit mir.&#8220; Nach einer Weile des Gespr&#228;chs fragte sie: &#8222;M&#246;chten Sie nicht etwas essen?&#8220; Und sie bestellte mir ein dreig&#228;ngiges Men&#252;. &#8222;M&#246;chten Sie noch einen Wein dazu?&#8220; &#8222;Vielleicht lieber ein Wasser.&#8220; &#8222;Un aqua, per favore.&#8220; Die Wirtsleute diskutierten mit ihr, sie schienen sich in irgendeiner Sache uneinig zu sein. Die Frau bestand darauf, auch das Essen und das Wasser f&#252;r mich zu bezahlen, und zwar noch, bevor es serviert wurde.<\/p>\n<p>&#8222;Sehen Sie&#8220;, sagte sie dann zu mir. &#8222;Ich will nichts von Ihnen.\u00a0Sie sind ein sympatischer Mensch. Ich mag Sie. Sie kennen meinen Namen nicht und wissen nicht, wo ich wohne. Ich habe Ihnen keine Karte von mir gegeben. Sie wissen nicht, wer ich bin. Ich werde jetzt gehen. Alles was ich von Ihnen m&#246;chte, ist, dass Sie im n&#228;chsten Jahr\u00a0einem Menschen das tun, was ich jetzt getan habe.&#8220; Mit diesen Worten verabschiedete sie sich und verlie&#223; das Lokal. &#8222;Ist Architektin vom Meraner See, sehr reich&#8220;, sagten die Wirtsleute mit absch&#228;tziger Miene. &#8222;Ihr irrt euch&#8220;, dachte ich bei mir. &#8222;Das Geld ist euer Thema und nicht ihres. Diese Frau hat andere Gr&#252;nde.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Geschichte vom &#8222;Antidepressivum&#8220;, die ich\u00a0am Wochenende erz&#228;hlt habe, hat eine Vorgeschichte, die ich euch nicht vorenthalten m&#246;chte. Ich denke nicht, dass ich mit der Frau aus dem Tessin, mit Gott oder\u00a0dem Schicksal schon quitt w&#228;re. 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