{"id":802,"date":"2009-01-02T12:39:23","date_gmt":"2009-01-02T11:39:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/?p=802"},"modified":"2009-01-01T22:43:53","modified_gmt":"2009-01-01T21:43:53","slug":"das-lied-der-wueste","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/2009\/01\/02\/802\/","title":{"rendered":"Das Lied der W&#252;ste"},"content":{"rendered":"<p>Gestern schrieb mir eine Teilnehmerin der <a href=\"http:\/\/www.hsb-westpfalz.de\/seminare\/hypno\/in-otterberg-pfalz.html\" target=\"_blank\">Otterberger Hypnotherapie-Ausbildung <\/a>die folgende Geschichte, die sie f&#252;r einen (oder mehrere?) ihrer Patienten geschrieben hat:<\/p>\n<p>&#8222;Als ich die Beduinen auf\u00a0 ihrer Reise durch die W&#252;ste begleitete lagerten wir manchmal mitten in der W&#252;ste und manchmal in Oasen. Aber immer wurden an den Feuern alte Lieder gesungen und Geschichten erz&#228;hlt. Als ich einmal &#252;ber die Beschwernisse der W&#252;ste klagte, lachte unserer F&#252;hrer und erz&#228;hlte uns die alte Geschichte vom Lied der W&#252;ste\u2026<\/p>\n<p>W&#228;hrend eines Sandsturmes hatte sich ein Kamel in einer Oase losgerissen und war kopflos in die W&#252;ste gerannt. Als der Sturm sich gelegt hatte, merkte es, dass es sich verirrt hatte.<br \/>\nVon einer\u00a0 Oase oder Menschen war nichts mehr zu sehen. Die Hufspuren hatte der Wind verweht.<br \/>\nTapfer machte sich das Kamel auf, um an sicheren Platz zu kommen. So lief es Tag ein, Tag aus und ruhte in der Nacht.<br \/>\nDoch mit jedem Tag erschien es ihm, als ob die Sonne hei&#223;er vom Himmel brenne, die Hufe bei jedem Schritt tiefer in den Sand einsinken und die N&#228;chte immer k&#228;lter werden.<br \/>\nJeden Morgen dachte das Kamel, heute ist der Tag an dem ich meinen Platz finde, und jeden abend schloss das Kamel immer entt&#228;uschter die Augen.<br \/>\nUnd dann kam dieser eine Tag\u2026<\/p>\n<p>Das Kamel war nur noch wenig gelaufen, seine H&#246;cker hingen zu beiden Seiten leer und schlaff herab, und es war m&#252;de, so m&#252;de.<br \/>\nDaher legte es sich fr&#252;h nieder, schloss die Augen und dachte: Ach W&#252;ste,ich kann nicht mehr, ich gebe auf, Du hast gewonnen, Du bist st&#228;rker als ich, niemals werde ich dich &#252;berwinden.<\/p>\n<p>Vielleicht war das Kamel eingeschlafen und tr&#228;umte, vielleicht war es aber auch wach. Aber ihm war als ob es eine feine Melodie h&#246;ren w&#252;rde. Erstaunt &#246;ffnete es die Augen, sah sich um und sah zun&#228;chst nichts. Doch als es genauer hinsah traute es seinen Augen nicht:<br \/>\nZum ersten Mal nahm es die Sch&#246;nheit der W&#252;ste war, die unendliche Weite und Offenheit in wellenf&#246;rmigen D&#252;nen bis zum Horizont. Der noch warme Sand erschien ihm jetzt so weich und angenehm wie eine Decke. Der Wind strich sanft &#252;ber sein Fell und verhie&#223; Freiheit. Es blickte zum\u00a0 Himmel und sah ein sch&#252;tzendes Zelt aus dunklem Samt bestickt mit abertausenden von Diamanten. Und das Licht der Sterne und des Mondes tauchten die W&#252;ste in ein blau schimmerndes Licht.\u00a0<br \/>\nW&#228;hrend das Kamel immer mehr die Sch&#246;nheit der W&#252;ste wahrnahm und and&#228;chtig in den Anblick versank, h&#246;rte es immer deutlicher die Melodie, bis aus dieser ein Lied wurde und das Kamel die Worte verstand:<\/p>\n<blockquote><p>Schon ewig bin ich da und werde ewig sein. Ewig und ewig.<br \/>\nDoch bin ich dein Freund und nicht dein Feind.\u00a0Ewig und ewig<br \/>\nImmer schon half ich Reisenden auf ihrem Weg. Ewig und ewig<br \/>\nSie h&#246;rten mein Lied und fanden ihren Weg und ihre St&#228;rke. Ewig und ewig<br \/>\nDeine Vorfahren lehrte ich, was sie tun m&#252;ssen, um mit mir zu reisen. Sie gaben dieses Wissen weiter von Generation zu Generation. Ewig und ewig<\/p>\n<p>Auch Du hast all diese F&#228;higkeiten bekommen. Deine Hufe sind so ausgerichtet, dass du nicht im Sand einsinkst. Du kannst\u00a0 wochenlang ohne Nahrung und Wasser auskommen, und deine N&#252;stern vor dem hei&#223;en Wind verschlie&#223;en.<br \/>\nKraftvoll und stark bist Du ewig und ewig<\/p>\n<p>Komm und reise mit mir. Ewig und ewig<\/p><\/blockquote>\n<p>Am n&#228;chsten Morgen erwachte das Kamel und hatte immer noch das Lied im Herzen.<br \/>\nImmer noch war die W&#252;ste sch&#246;n, Da schritt es aus im Takt der Melodie und lies sich vertrauensvoll von dem Lied der W&#252;ste f&#252;hren.<br \/>\nDa wurde dem Kamel bewusst, dass es seinen Weg gefunden hat, der es\u00a0 zu seinem Platz f&#252;hrt.<\/p>\n<p>Der alte Beduine schaute mich an und l&#228;chelte: &#8222;Wenn Du das Lied der W&#252;ste h&#246;ren kannst, ist die Reise nicht mehr beschwerlich, sondern sie erf&#252;llt dich mit wundervollen Gaben. Reise mit der W&#252;ste.&#8220;<\/p>\n<p>(Alexandra Spitzbarth, &#196;rztin, W&#252;rzburg)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern schrieb mir eine Teilnehmerin der Otterberger Hypnotherapie-Ausbildung die folgende Geschichte, die sie f&#252;r einen (oder mehrere?) ihrer Patienten geschrieben hat: &#8222;Als ich die Beduinen auf\u00a0 ihrer Reise durch die W&#252;ste begleitete lagerten wir manchmal mitten in der W&#252;ste und &hellip; <a href=\"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/2009\/01\/02\/802\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-802","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/802","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=802"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/802\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":805,"href":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/802\/revisions\/805"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=802"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=802"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=802"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}