{"id":790,"date":"2008-12-29T10:09:17","date_gmt":"2008-12-29T09:09:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/?p=790"},"modified":"2008-12-30T09:26:37","modified_gmt":"2008-12-30T08:26:37","slug":"der-floh-im-ohr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/2008\/12\/29\/790\/","title":{"rendered":"Der Floh im Ohr"},"content":{"rendered":"<p>Eine Frau kam zu mir wegen Migr&#228;ne, die sie seit f&#252;nfzehn Jahren plagte und die\u00a0in den letzten Jahren h&#228;ufiger geworden war. Die Schmerzen tr&#228;ten etwa zweimal monatlich auf f&#252;r drei bis f&#252;nf Tage auf und st&#252;nden in einer zeitlichen Relation zu ihrer Periode. In dieser Zeit m&#252;sse sie sich etwa 30mal am Tag &#252;bergeben und sei ans Bett gebunden. Sie m&#252;sse sich von der Arbeit abmelden und brauche Ruhe von der Familie. Die Frau machte mir den Eindruck eines Menschen, der viel von sich abverlangt, sehr streng mit sich selbst ist und ein hohes Bed&#252;rfnis nach Kontrolle hat.<\/p>\n<p>Aus\u00a0einem Apothekenschaufenster hatte ich einen riesigen Plastik-Menschenfloh, der an einer Spiralfeder befestigt war und so zum H&#252;pfen gebracht werden konnte. Ich lie&#223; diesen Floh vor der Frau als eine Art Hypnotiseurspendel auf- und abschwingen und hielt ihr einen Vortrag &#252;ber Fl&#246;he, L&#228;use und Parasiten. Nach und nach entwickelte sie eine sch&#246;ne Trance. Es ergab sich der folgende Dialog.<\/p>\n<p>&#8222;Ich nehme nicht an, dass es Sie irgendwo juckt, oder?&#8220; fragte ich. &#8222;Am Ohr&#8220;, sagte die Frau. &#8222;Sie k&#246;nnen sich, wenn Sie m&#246;chten, eine lindernde Salbe vorstellen, die Ihnen das Jucken nimmt und Wohlbefinden verbreitet.&#8220; &#8222;Das m&#246;chte ich aber gar nicht.&#8220; &#8222;M&#246;chten Sie lieber dieses Jucken an Stelle der Migr&#228;ne?&#8220; &#8222;Ich m&#246;chte gar keine Migr&#228;ne.&#8220; &#8222;Das m&#246;chte ich aber nicht. Ich m&#246;chte, dass Sie ein minimales Signal behalten, das Sie daran erinnert, wann es Zeit ist, aufzuh&#246;ren, zu arbeiten. Also: M&#246;chten Sie lieber dieses Jucken anstelle der Migr&#228;ne oder lieber eine Migr&#228;ne mit der Intensit&#228;t dieses Juckens?&#8220; &#8222;Das w&#228;re sch&#246;n.&#8220; &#8222;So etwas in dieser Intensit&#228;t ist also sch&#246;n. Es ist aber wichtig, dass Sie das dann auch als eine vollwertige Migr&#228;ne behandeln. Sie m&#252;ssen sich krank melden und ins Bett legen.&#8220; &#8222;Wenn ich aber doch gar nicht krank bin?&#8220; &#8222;Dann tun Sie eben so als ob. Besser so tun als ob, als eine Migr&#228;ne der bisherigen Art.&#8220; &#8222;Ist das denn erlaubt?&#8220; &#8222;Es ist besser, als wenn Sie daf&#252;r richtig krank sein m&#252;ssen. Und mir ist es wichtig, dass Sie dieses Jucken oder den Schmerz in der Intensit&#228;t dieses Juckens dann auch wahrnehmen und darauf reagieren. Wenn Sie nicht darauf reagieren, muss Ihr K&#246;rper Ihnen wieder einen st&#228;rkeren Schmerz und wom&#246;glich eine Migr&#228;ne wie vorher zumuten.&#8220; &#8222;Oh, sagen Sie das nicht!&#8220; &#8222;Sie k&#246;nnen ja flexibel darauf reagieren, und ihr Unbewusstes kann Ihnen flexibel so viel oder wenig Schmerz geben, wie Sie brauchen, um auf das Signal\u00a0zu reagieren. Es kann den Schmerz f&#252;r Sie stufenlos einstellen. Wenn Sie nur wenig brauchen &#8211; umso besser f&#252;r Sie.&#8220;<\/p>\n<p>Die Frau rief mich neulich, einen Monat nach dem Gespr&#228;ch, an und teilte mir mit, ihr gehe es wesentlich besser. Die Migr&#228;ne sei ganz weg, sie habe nur noch Kopfschmerzen. Sie habe keine &#220;belkeit mehr und brauche nicht mehr im Bett zu liegen. Die Kopfschmerzen k&#246;nne sie ertragen, sie lenke sich davon mit Haushaltsarbeiten ab.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Frau kam zu mir wegen Migr&#228;ne, die sie seit f&#252;nfzehn Jahren plagte und die\u00a0in den letzten Jahren h&#228;ufiger geworden war. 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