{"id":682,"date":"2008-12-06T11:57:26","date_gmt":"2008-12-06T10:57:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/?p=682"},"modified":"2008-12-05T23:02:19","modified_gmt":"2008-12-05T22:02:19","slug":"ein-maedchen-wie-robin-hood","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/2008\/12\/06\/682\/","title":{"rendered":"Ein M&#228;dchen wie Robin Hood"},"content":{"rendered":"<p>Hier eine Fallgeschichte aus meiner Praxis. Die Namen und ein paar andere Einzelheiten sind, wie &#252;blich, ge&#228;ndert. Mir hat die Arbeit sehr viel Spa&#223; gemacht&#8230;<\/p>\n<p>Whei-Ing war dreizehn. Ihre Mutter brachte sie in Therapie, weil sie wiederholt im Kaufhaus gestohlen hatte. Sie erz&#228;hlten mir, wie die Mutter ein chinesisches Restaurant f&#252;hrte, der Vater ein Gesch&#228;ft mit asiatischen Lebensmitteln betrieb und die Tochter der Mutter des &#214;fteren im Restaurant half. Ich fragte Whei-Ing nach ihrem Taschengeld. Sie fand, dass sie genug bek&#228;me, und ihre Mutter erkl&#228;rte, sie k&#246;nne mehr haben, wenn sie fragte, doch sie wolle nicht mehr. W&#228;hrend Whei-Ing das Wort \u201eGeld\u201c verwendete, klang ihre Stimme ein wenig br&#252;chig, so, als ob sie f&#252;r eine Sekunde heiser w&#228;re. \u201eWoran denkst du, wenn du das Wort \u201eGeld\u201c h&#246;rst?\u201c, unterbrach ich sie. \u201eNenne mir einige Begriffe\u201c. \u201eSie nannte ihre Assoziationen. Beim Wort \u201eTrauer\u201c, klang ihre Stimme wieder ein wenig br&#252;chig. \u201eWoran denkst du, wenn du Trauer h&#246;rst?\u201c \u201eAn Armut\u201c, antwortete sie, und wieder war ein ver&#228;nderter Schlag in ihrer Stimme. \u201eWoran denkst du bei Armut?\u201c \u201eMeine Mutter sagt immer, wir sind arm. Und mein Vater schickt alles Geld, was wir sparen oder ausgeben k&#246;nnten, zu seiner Mutter und den Geschwistern nach China.\u201c Und sie weinte.<br \/>\n\u201eDu hast den bestm&#246;glichen Grund, um zu stehlen\u201c, sagte ich zu Whei-Ing. \u201eDu stiehlst aus Liebe, um deine Mutter zu schonen. Trotzdem machst du deine Mutter versehentlich damit ungl&#252;cklich und schadest dir selbst. Du hast wundersch&#246;ne Gr&#252;nde, um zu stehlen, aber sie funktionieren nicht. Ich m&#246;chte, dass du aus Liebe zu deiner Mutter damit aufh&#246;rst.\u201c<br \/>\nZur Mutter sagte ich: \u201eSie k&#246;nnen stolz sein auf soviel Liebe und Zusammenhalt in der Familie. Reden Sie nicht mehr &#252;ber Armut, und geben Sie bis zum n&#228;chsten Treffen mit Ihrer Tochter Geld aus f&#252;r etwas Sch&#246;nes\u201c. Sie schien nicht zu verstehen, was ich von ihr wollte und fragte wiederholt nach. \u201eDas wird mir sehr schwer fallen\u201c, antwortete sie dann. Sie wand sich und kicherte. \u201eIch habe so etwas in meinem Leben noch nie gemacht.\u201c \u201eDas ist jetzt ihre Aufgabe.\u201c<br \/>\nIn den n&#228;chsten Wochen erfuhr ich, dass der Vater seiner Frau und Tochter einen Urlaub in Hongkong spendiert habe. \u201eVeranstalten Sie jede Woche ein Klein-Hongkong\u201c, verlangte ich. Bald erz&#228;hlten sie mir, dass sie gemeinsam einkaufen gingen, und ins Kino gegangen waren. Mehr der Form halber hatten sie den Vater gefragt, ob er mitk&#228;me. Er ging mit ihnen zusammen zum ersten Mal in ein Kino und kaufte der Familie zum ersten Mal Popcorn. \u201eIhr braucht jetzt nicht mehr zu kommen\u201c, erkl&#228;rte ich. Ich erhielt Urlaubspostkarten von Whei-Ing und ihrer Mutter aus Hongkong und Schanghai.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hier eine Fallgeschichte aus meiner Praxis. Die Namen und ein paar andere Einzelheiten sind, wie &#252;blich, ge&#228;ndert. 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