{"id":66,"date":"2007-09-05T12:13:50","date_gmt":"2007-09-05T10:13:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/2007\/09\/05\/66\/"},"modified":"2007-09-11T18:05:53","modified_gmt":"2007-09-11T16:05:53","slug":"die-fursorglichen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/2007\/09\/05\/66\/","title":{"rendered":"Die F&#252;rsorglichen"},"content":{"rendered":"<p>Herr und Frau Laplace kommen seit mehreren Sitzungen in die Paarberatung. Frau Laplace ist trockene Alkoholikerin. Anlass f&#252;r die Beratung sind \u201eR&#252;ckf&#228;lle\u201c in der letzten Zeit sowie eheliche Konflikte. Sie berichten, Frau Laplace habe einen schweren grippalen Infekt bekommen. Ihr Mann habe sie gedr&#228;ngt, ein Krankenhaus zu besuchen und sich Medikamente verschreiben zu lassen. Dies lehnte sie wie alle anderen Hilfsangebote ab und zeigte sich &#252;ber das Bem&#252;hen ihres Mannes ver&#228;rgert. Dieser f&#252;hlte sich abgewiesen und war gekr&#228;nkt.<\/p>\n<p>Meine Frage, ob sie hinter dem Verhalten ihres Mannes eine positive Absicht sehe, bejaht die Frau. Sie habe aber diese Hilfe nicht gebrauchen k&#246;nnen. Sie stimmt zu, dass sie nicht seine Zuwendung als solche, sondern nur die konkret angebotene Hilfe habe ablehnen wollen. Ich &#228;u&#223;ere die Vermutung, <!--more-->wenn sie alle konkreten Angebote ihres Mannes ablehne, k&#246;nne er dies nicht von einer Ablehnung seiner Zuwendung, d. h. seiner Person unterscheiden. Herr Laplace best&#228;tigt dies. Ich erkl&#228;re, einerseits habe er das Recht, seine Liebe in irgendeiner Form auszudr&#252;cken, andererseits habe sie einen Anspruch darauf, Hilfe, die sie nicht wolle, abzulehnen. Ich schlage vor, dass sie in diesem Fall deutlich ausdr&#252;ckt: \u201eDeine F&#252;rsorge sch&#228;tze ich, nur das inhaltlich Angebotene lehne ich ab.\u201c Daneben solle sie ihm andere M&#246;glichkeiten er&#246;ffnen, sein F&#252;rsorgebed&#252;rfnis auszudr&#252;cken \u2013 auf eine f&#252;r sie stimmige Art. Ich erz&#228;hle die Geschichte \u201eDie F&#252;rsorglichen\u201c und verweise darauf, dass das Streben, einen Menschen zu beschenken, oft erst zur Ruhe komme, wenn ihm von Seiten des Umsorgten nachgegeben werde \u2013 doch k&#246;nnen statt des Angebotenen durchaus auch andere Gaben angenommen werden.<\/p>\n<p>&#196;hnliches gelte, wenn ihr jemand Alkohol aufdr&#228;nge. Wenn sie ihr \u201eNein\u201c mit der Bitte um etwas anderes verkn&#252;pfe, k&#246;nne sie sich oft weitere Diskussionen ersparen, da sie das Angebot ihrer Gastgeber damit bereits erkennbar wertsch&#228;tze.<\/p>\n<p>Hier ist die Geschichte von den F&#252;rsorglichen:<\/p>\n<p>\u201eIch bin satt\u201c, sagte ich. \u201eAber ein St&#252;ck Kuchen geht immer noch\u201c, antworteten sie. \u201eIch m&#246;chte keinen\u201c, sagte ich. \u201eAber er schmeckt gut\u201c, erkl&#228;rten sie. \u201eIch muss abnehmen\u201c, sagte ich. \u201eAber du hast das doch nicht n&#246;tig\u201c, fanden sie. \u201eMein Arzt hat gesagt, ich habe eine Fettleber\u201c sagte ich. \u201eWir kennen einen, der ist &#252;ber 90 geworden mit einer Fettleber\u201c, erwiderten sie. \u201eNein danke, aber k&#246;nnte ich noch eine Tasse Kaffee haben?\u201c, bat ich. \u201eMit Milch bitte.\u201c Da gaben sie mir Kaffee mit Milch und lie&#223;en mich in Ruhe. Seitdem sage ich nur noch diesen einen Satz.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herr und Frau Laplace kommen seit mehreren Sitzungen in die Paarberatung. Frau Laplace ist trockene Alkoholikerin. Anlass f&#252;r die Beratung sind \u201eR&#252;ckf&#228;lle\u201c in der letzten Zeit sowie eheliche Konflikte. Sie berichten, Frau Laplace habe einen schweren grippalen Infekt bekommen. 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