{"id":5819,"date":"2026-07-31T08:00:00","date_gmt":"2026-07-31T08:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/?p=5819"},"modified":"2026-03-12T17:02:48","modified_gmt":"2026-03-12T17:02:48","slug":"die-ueberfahrt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/2026\/07\/31\/5819\/","title":{"rendered":"Die &#220;berfahrt"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Eine von Millionen deutschen Fluchtgeschichten des 20. Jahrhunderts. Das war nach dem ersten Weltkrieg; mein Gro&#223;vater hat mir die Geschichte erz&#228;hlt. Vor dem zweiten Weltkrieg sind dann Juden und andere Verfolgte aus Deutschland geflohen, nach dem Weltkrieg dann Naziverbrecher. Im Krieg waren es deutsche Soldaten, die vor den Alliierten geflohen sind oder als Deserteure vor der eigenen Armee. Zivilisten sind vor der n&#228;her r&#252;ckenden Front und vor den Fliegerbomben geflohen und nach dem Krieg zu Hunderttausenden vor der russischen Vertreibung. Sp&#228;ter sind Menschen aus Ostdeutschland nach Westdeutschland geflohen. Die eigene Geschichte wird meist vergessen, wenn hoch emotionalisiert oder ganz emotionslos &#252;ber Migration gesprochen wird. Ich erz&#228;hle diese Geschichte, um Menschen anzuregen, die Fluchtgeschichten ihrer eigenen Familie zu erz&#228;hlen und so eine neue Perspektive auf Flucht und Migration zu gewinnen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1923. Die linksrheinischen Gebiete Deutschlands waren franz&#246;sisch besetzt. Im Rahmen der Reparationsleistungen wurden gewaltige Mengen an Industrieg&#252;tern, Kohle und anderen Bodensch&#228;tzen mit G&#252;terz&#252;gen aus Deutschland nach Frankreich gebracht. Erich studierte in T&#252;bingen, rechts des Rheines. In den Semesterferien besuchte er seine Eltern in der pf&#228;lzischen Heimat auf der linken Rheinseite. Als er zur&#252;ckfahren wollte, stellte er fest, dass alle Br&#252;cken und F&#228;hren von franz&#246;sischen Soldaten kontrolliert wurden. Jemand hatte Bahngleise gesprengt, um gegen die Besatzung zu protestieren. Sie suchten nach Verd&#228;chtigen. Wie lange die Ma&#223;nahme andauern solle? Bis der Schuldige gefunden sei, lautete die Antwort.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit hatte Erich nicht gerechnet. Den Pass hatte er in T&#252;bingen gelassen. Am Montag begann das neue Semester. Wie sollte er nun weiter studieren?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es war eine dunkle, mondlose Nacht. Zwei M&#228;nner sa&#223;en im Boot. Die Gesichter und H&#228;nde schwarz eingef&#228;rbt. Sie mussten vorsichtig sein, um beim Rudern kein Ger&#228;usch zu hinterlassen. Es herrschte Kriegsrecht. H&#228;tten die Franzosen sie bemerkt, sie w&#228;ren gewiss erschossen worden. Zudem stellte sich heraus, dass ein Leck im Boot war. W&#228;hrend also der andere ruderte, sch&#246;pfte Erich unabl&#228;ssig Wasser, um das Boot vor dem Sinken zu bewahren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf der anderen Seite angekommen, schlichen sie sich in ein Haus. Ein Hund bellte und biss Erich ins Hosenbein. Nichts Schlimmeres, zum Gl&#252;ck. \u201cDrau&#223;en ist ein Brunnen. Da kannst du dich waschen!\u201d Sie gaben Erich hei&#223;en Tee und neue Kleidung. Er bedankte sich herzlich und bezahlte das \u201cF&#228;hrgeld\u201d. Noch vor dem Morgengrauen machte er sich auf den Weg. Auf nach T&#252;bingen!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Geschichte stammt von mir aus dem Buch, von meinen Kollegen und Kollegin Katharina Lamprecht, Adrian H&#252;rzeler, Martin Niedermann und mir,:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><strong>Wie der Storch zuhause blieb. 120 Geschichten zu Heimat und Fremde.<\/strong><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Storch1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"380\" height=\"604\" src=\"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Storch1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-5803\" style=\"width:230px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Storch1.png 380w, https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Storch1-189x300.png 189w\" sizes=\"auto, (max-width: 380px) 100vw, 380px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ernst Reinhardt 2026. 139 Seiten.<br>(978-3-497-03344-7) kartoniert<br>\u20ac [D] 29,90 \/ \u20ac [A] 30,80<br>Gedrucktes Buch, ISBN 978-3-497-03344-7<br>Auch als E-book erh&#228;ltlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Buch mit weiteren Geschichten und Erkl&#228;rungen k&#246;nnt ihr ab sofort direkt in meinem<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\">&#x1f517;&nbsp;<strong><a href=\"https:\/\/shop.stefanhammel.de\/startseite\/b%C3%BCcher-und-e-books\/#cc-m-product-20096596025\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Onlineshop<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">beziehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Liebe Gr&#252;&#223;e,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Stefan<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine von Millionen deutschen Fluchtgeschichten des 20. Jahrhunderts. Das war nach dem ersten Weltkrieg; mein Gro&#223;vater hat mir die Geschichte erz&#228;hlt. Vor dem zweiten Weltkrieg sind dann Juden und andere Verfolgte aus Deutschland geflohen, nach dem Weltkrieg dann Naziverbrecher. 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