{"id":533,"date":"2008-09-23T11:48:17","date_gmt":"2008-09-23T09:48:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/?p=533"},"modified":"2008-09-23T11:49:28","modified_gmt":"2008-09-23T09:49:28","slug":"annas-u-boot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/2008\/09\/23\/533\/","title":{"rendered":"Annas U-Boot"},"content":{"rendered":"<p>Hier eine Geschichte zu einem Kind namens Anna, das ich neulich kennenlernen durfte. Der Effekt des beschriebenen Vorgehens war durchschlagend, also, Mutter und Tochter waren mit dem Ergebnis der ersten Therapiestunde sehr gl&#252;cklich. Anna hat angefangen, Freundschaften zu kn&#252;pfen kann sich in der Schule besser konzentrieren und bekommt viel mehr von ihrer Umgebung mit.<\/p>\n<p>Anna tr&#228;umt. Sie geht in die vierte Klasse, und sie tr&#228;umt. Sie kommt nach Hause, und sie tr&#228;umt. Sie lebt in ihren Tr&#228;umen. Sie lebt so sehr darin, dass niemand so recht zu sagen wei&#223;: Ist sie begabt oder nicht, ist sie einf&#228;ltig oder subtil, sch&#252;chtern oder gehemmt, nur introvertiert oder psychisch gest&#246;rt. Anna scheint gl&#252;cklich in dieser Welt \u2013 oder ist sie nur dort, weil sie drau&#223;en sehr ungl&#252;cklich w&#228;re? Ist Anna krank, oder einfach nur ungew&#246;hnlich? Auf welche Schule soll sie gehen, und wie kann sie am besten gef&#246;rdert werden? Die fragenden Eltern kommen mit ihr zur Therapie.<br \/>\n\u201eDu lebst also in einem U-Boot\u201c, sage ich zu Anna. Fragend schaut sie mich an.<br \/>\n\u201eDu tauchst unter und lebst in einer bunten Welt von Fischen und Korallen, von lauter bunten Sachen, die die Leute da oben nicht kennen. Kann man das so sagen?\u201c \u201eJa\u201c, sagt Anna.<br \/>\n\u201eEs ist bestimmt sch&#246;n da unten. Du kannst in Ruhe den Meeresgrund erforschen, und kein Mensch kann dich dabei st&#246;ren.\u201c \u201eDas stimmt\u201c, sagt Anna.<br \/>\n\u201eDu kannst Tiefseeforscherin werden. Das sind Leute, die im Auftrag der Menschen da oben die Welt da unten erforschen. Sie finden alles heraus &#252;ber die Tiere und Pflanzen des Meeres.\u201c \u201eDas ist sch&#246;n\u201c, sagt Anna.<br \/>\n\u201eNat&#252;rlich haben alle U-Boote ein Periskop. Das ist ein Rohr mit einem Spiegel, so dass man von unten aus immer sehen kann, was oben passiert.\u201c \u201eUnd damit kann ich die anderen beobachten\u201c, sagt Anna.<br \/>\n\u201eGenau. Nat&#252;rlich willst du auch nicht unter Wasser mit anderen U-Booten oder Schiffen zusammensto&#223;en. Darum hast du ein Sonarsystem. Das sendet Schall aus, damit du wei&#223;t, wann du anderen zu nahe kommst, also, wann du anderen U-Booten und Schiffen ausweichen musst und wann du besser auftauchen solltest.\u201c \u201eMuss ich denn auftauchen?\u201c, fragt Anna.<br \/>\n\u201eNa ja, du kennst das ja: Wenn du mit anderen zusammenst&#246;&#223;t, ist das sehr unangenehm. Beide Schiffe k&#246;nnen Schaden leiden, auch wenn der Zusammenprall gar nicht beabsichtigt war. Besser ist es, wenn du einen Unfall vorhersehen kannst und rechtzeitig ausweichst oder erst einmal auftauchst. Um fr&#252;hzeitig zu reagieren, brauchst du auch ein Mikrofon, das die Signale der Schiffe aufnimmt. Und du brauchst ein Funksystem, um auch, wenn du untergetaucht bist, mit der Besatzung anderer U-Boote und Schiffe reden zu k&#246;nnen.\u201c \u201eJa, das ist gut. Dann sto&#223;e ich nicht mehr mit ihnen zusammen.\u201c<br \/>\n\u201eGenau. Nat&#252;rlich muss jedes U-Boot auch ab und zu auftauchen.\u201c \u201eWarum denn?\u201c \u201eNa, du brauchst doch Sauerstoff, und Essen und Trinken. Du musst ab und zu auftauchen, um das mit an Bord zu nehmen.\u201c \u201eJa, das stimmt.\u201c<br \/>\n\u201eBei Forschungsreisen ist es auch so, dass das U-Boot regelm&#228;&#223;ig auftaucht, um mit den Menschen oben zu besprechen, was es unten erforschen soll.\u201c \u201eAch so?\u201c<br \/>\n\u201eNat&#252;rlich. Das U-Boot hat den Auftrag, herauszufinden, was dort unten passiert, und um den Menschen &#252;ber der Wasseroberfl&#228;che davon zu erz&#228;hlen.\u201c \u201eKann das U-Boot auch auf andere schie&#223;en?\u201c<br \/>\n\u201eKlar hast du Torpedos, aber die setzt man ja nur gegen feindliche Schiffe ein, und nur, wenn es unbedingt sein muss. Besser ist, man spricht miteinander &#252;ber Funk, oder man taucht auf und benutzt das Megaphon: \u201aHallo, ich habe eure Signale geh&#246;rt und bin aufgetaucht. Was gibt es Wichtiges bei euch?\u2019 Richtig gute U-Boot-Kapit&#228;ne sind oft unter Wasser und oft &#252;ber Wasser. Sie kennen die Signale der anderen Schiffe so gut, dass sie immer wissen, wann es besser ist, aufzutauchen und wann es besser ist, unterzutauchen, und wann es gut ist, so halb &#252;ber dem Wasser und halb unter dem Wasser zu sein. Etwa so wie ein Krokodil, das nur die Augen, die Ohren und die Nasenl&#246;cher &#252;ber dem Wasser hat. So ist es gut getarnt und kann schnell untertauchen, wenn es m&#246;chte, und doch bekommt es alles mit, was &#252;ber dem Wasser passiert. Auch U-Boote schwimmen manchmal ganz knapp unter der Oberfl&#228;che, so dass nur der Kommandoturm herausschaut. Auf diese Art bekommen sie alles mit von dem Leben &#252;ber dem Wasser. Sie h&#246;ren alle Signale, die f&#252;r sie wichtig sind und sehen alles, was f&#252;r sie n&#252;tzlich ist. Wenn sie aber untertauchen wollen, dann sind sie ganz schnell drunten.\u201c \u201eCool\u201c, sagt Anna. \u201eDas gef&#228;llt mir.\u201c<br \/>\nNat&#252;rlich hat die Kapit&#228;nin eines solchen U-Boots manchmal Urlaub. Wenn U-Boot-Kapit&#228;ne Urlaub haben, dann sind sie an Land. Sie treffen sich mit ihren Freundinnen und Freunden, erz&#228;hlen ihnen von ihren Reisen und h&#246;ren zu, was die anderen erlebt haben. Ich kannte einen Kapit&#228;n, der flog in seiner freien Zeit mit einem kleinen Wasserflugzeug herum. Er schaute sich von oben an, was er ansonsten oft von unten her gesehen hatte: Das Land und das Wasser, die Schiffe, die U-Boote und all die anderen Dinge. Und wenn er alles gesehen hat, dann landete er wieder, oder wasserte, wie das die Wasserflieger nennen. Er kannte die Welt von allen Seiten, und er war ein sehr gl&#252;cklicher Mensch.\u201c \u201eCool\u201c, sagt Anna. \u201eDas m&#246;chte ich gerne machen\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hier eine Geschichte zu einem Kind namens Anna, das ich neulich kennenlernen durfte. Der Effekt des beschriebenen Vorgehens war durchschlagend, also, Mutter und Tochter waren mit dem Ergebnis der ersten Therapiestunde sehr gl&#252;cklich. 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