{"id":4655,"date":"2023-06-18T08:00:00","date_gmt":"2023-06-18T08:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/?p=4655"},"modified":"2023-01-12T10:31:18","modified_gmt":"2023-01-12T10:31:18","slug":"wenn-ich-eine-leiche-waere","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/2023\/06\/18\/4655\/","title":{"rendered":"Wenn ich eine Leiche w&#228;re\u2026"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/blood-pressure-g0bf1b5ecb_1920.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/blood-pressure-g0bf1b5ecb_1920-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4656\" srcset=\"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/blood-pressure-g0bf1b5ecb_1920-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/blood-pressure-g0bf1b5ecb_1920-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/blood-pressure-g0bf1b5ecb_1920-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/blood-pressure-g0bf1b5ecb_1920.jpg 1440w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><figcaption>Quelle: Pixabay (https:\/\/pixabay.com\/de\/photos\/blutdruck-hypertonie-ausr%c3%bcstung-1697286\/)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>\u201cDas wird jetzt mal f&#252;r ein paar Minuten unangenehm\u201d, sagt die medizintechnische Assistentin. Sie dr&#252;ckt auf einen Knopf. \u201cIch wei&#223; schon, was auf mich zukommt. Es wird grauenhaft\u201d, m&#246;chte ich antworten, sage aber nichts. Die Manschette, die den Tiefenvenendruck meines linken Beines messen soll, f&#252;llt sich mit Luft. Ein Bar, zwei Bar, drei Bar, ich wei&#223; nicht wieviel Druck sie aufs Bein geben. Es ist jedenfalls scheu&#223;lich.\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Gedanke schie&#223;t mir durch den Kopf: Wenn ich mich auf das konzentriere, was ich h&#246;re, statt auf das, was ich f&#252;hle, konzentriert mein Gehirn meine Aufmerksamkeit in einem anderen Zentrum. Wo das H&#246;ren im Vordergrund steht, kommt das F&#252;hlen in den Hintergrund. Ein bisschen so, als ob jemand aus dem Zimmer mit der Baustelle hin&#252;bergeht in ein anderes Zimmer, wo es leiser ist und weniger Staub in der Luft h&#228;ngt. K&#246;nnte das etwas helfen? Ich konzentriere mich auf die leisen Ger&#228;usche des Ventilators, der Heizung, auf Wortfetzen, die vom Flur her an mein Ohr dringen. Tats&#228;chlich, so ist es besser. Was kann ich noch h&#246;ren? Drau&#223;en f&#228;hrt ein Auto vorbei&#8230; Mein Atem wird ruhig, ich fange an, mich zu entspannen. Ich werde neugierig: Das ist schon recht gut&#8230; kann es noch besser werden?&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiterer Gedanke schie&#223;t mir durch den Kopf: Wenn ich eine Leiche w&#228;re, w&#252;rde mich die Manschette &#252;berhaupt nicht st&#246;ren. Also ist es nicht der Druck auf dem Bein, sondern die Reaktion des K&#246;rpers, die die Missempfindungen erzeugt. \u201cLieber K&#246;rper\u201d, sage ich in Gedanken. \u201cwir haben herausgefunden, dass nicht die Manschette, sondern deine Reaktion darauf, die Unannehmlichkeit erzeugt. Wenn du das erzeugen kannst, kannst du das bestimmt auch abstellen&#8230; bitte?\u201d Tats&#228;chlich, der K&#246;rper stellt die st&#246;renden Gef&#252;hle ab. \u201cDanke, lieber K&#246;rper! Du bist gro&#223;artig!\u201d, denke ich und l&#228;chle ihm zu.&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ein dritter Gedanke schie&#223;t mir durch den Kopf. \u201cLieber K&#246;rper, ich traue mich fast nicht, das zu sagen. Ich bin dir wirklich dankbar und m&#246;chte nicht reden wie das unzufriedene Eheweib in der Geschichte vom Fischer und seiner Frau. Aber, wenn es nicht zu verwegen ist, dass ich dich frage: Ich habe mich immer gefragt, ob man Schmerzen und Missempfindungen auch in Behagen transformieren kann. Lieber K&#246;rper, kannst du das? Und wenn ja, w&#252;rdest du das f&#252;r mich tun?\u201d&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wonne und Behagen breiten sich in meinem Bein aus. Ein bisschen Zeit bleibt mir noch, um tief ber&#252;hrt meinem K&#246;rper zu danken und das Wohlgef&#252;hl in meinem Bein zu genie&#223;en.&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Piepton signalisiert, dass die Messung zu Ende ist. Ein Zischen \u2013 der Druck wird aus der Manschette herausgelassen.&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201cSie haben\u2019s geschafft\u201d, sagt die Medizintechnische Assistentin. \u201cSchade, schon?\u201d m&#246;chte ich antworten, sage aber nichts. Wie sollte ich ihr erkl&#228;ren, was ich gerade erlebt habe?&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wenn das mit den Schmerzen des K&#246;rpers m&#246;glich ist \u2013 k&#246;nnte es f&#252;r die Schmerzen der Seele etwas &#196;hnliches geben?<\/em>\u202f\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Geschichte stammt von Stefan Hammel und ist in dem Buch <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/shop.stefanhammel.de\/startseite\/buecher-und-e-books\/\" target=\"_blank\">&#8222;<\/a><a href=\"https:\/\/shop.stefanhammel.de\/startseite\/neuheiten\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Wie das Nashorn Freiheit fand. 120 Geschichten zu Krise und Entwicklung<\/a>.\u201c zu finden. Die Geschichte geh&#246;rt zum Kapitel &#8220; I Der Einzelne: Bew&#228;ltigung individueller Krisen und Entwicklung der Pers&#246;nlichkeit\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201cDas wird jetzt mal f&#252;r ein paar Minuten unangenehm\u201d, sagt die medizintechnische Assistentin. Sie dr&#252;ckt auf einen Knopf. \u201cIch wei&#223; schon, was auf mich zukommt. Es wird grauenhaft\u201d, m&#246;chte ich antworten, sage aber nichts. 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