{"id":441,"date":"2008-03-30T12:14:59","date_gmt":"2008-03-30T11:14:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/2008\/03\/30\/441\/"},"modified":"2008-04-13T18:58:13","modified_gmt":"2008-04-13T16:58:13","slug":"der-himmel-auf-erden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/2008\/03\/30\/441\/","title":{"rendered":"Der Himmel auf Erden"},"content":{"rendered":"<p>Ein\u00a0 M&#228;rchen f&#252;r Perfektionisten, und f&#252;r Menschen auf der Suche nach Freiheit, Gerechtigkeit, G&#252;te, Wahrhaftigkeit&#8230;<\/p>\n<p>Ein Mann und eine Frau sa&#223;en am Fr&#252;hst&#252;ckstisch. \u201eLiebe Frau\u201c, sagte der Mann, \u201eich muss dir etwas Wichtiges sagen. Heute werde ich mich auf eine Reise begeben. Ich gehe den Himmel auf Erden suchen.\u201c Die Frau verschluckte sich an ihrem Kaffee. \u201eDas ist nicht dein Ernst. Das meinst du gar nicht so. Ja, bist du denn von Sinnen?\u201c<br \/>\n\u201eIch hatte heute einen Traum, sagte der Mann. <!--more-->Ich war in\u00a0 einem Ort, da sah es aus, wie in unserem Ort \u2013 aber es war doch alles ganz anders.\u201c \u201eWie war es denn?\u201c, fragte die Frau. \u201eEs war wunderbar. Ich kam auf einer Wanderung dorthin. Als ich auf den Ort zuging, ist mir aufgefallen, dass da gar kein Ortsschild war. Aber da, am ersten Haus, stand ein Engel, strahlend und sch&#246;n. Den fragte ich: \u201aWie hei&#223;t dieser Ort?\u2019 Er sagte: \u201aWenn du m&#246;chtest, zeige ich ihn dir. Das ist der Himmel auf Erden.\u2019 Ich war &#252;berrascht. Ich h&#228;tte mir den Himmel auf Erden gr&#246;&#223;er vorgestellt. Und ganz anders. Einen Palast auf Wolken. Eine Stadt mit T&#252;rmen und goldenen Kuppeln. Aber so&#8230; Das hier sah fast aus wie unser Dorf, fast ganz genauso. Beinah war ich ein bisschen entt&#228;uscht von dem Himmel. Der Engel schaute mich an, als ob er noch auf eine Antwort wartete. Er war mir doch ein bisschen unheimlich. \u201aEine F&#252;hrung?\u2019 fragte ich. \u201aIch glaube, ich finde mich hier schon zurecht.\u2019 \u201aIch glaube es ist besser, wenn ich dich f&#252;hre.\u2019 sagte der Engel verschmitzt. So zogen wir los. Wir trafen Leute, die miteinander erz&#228;hlten und lachten.\u00a0 \u201aWie bei uns zuhause\u2019 dachte ich, und doch f&#252;hlte ich, dass hier etwas anders war. Und w&#228;hrend wir durch den Ort gingen, war mir, als ob meine Seele sich f&#252;llte mit Zutrauen zu dem Engel und zu den Leuten, die hier wohnten. \u201aSag mir, Engel, was hat dieser Himmel auf Erden, was mein Ort nicht hat?\u2019 Der Engel antwortete: &#8218;Nicht wo du hinschaust, kann der Himmel auf Erden sein, sondern wo du herschaust. Wusstest du das nicht?\u2019. Ich schwieg. Einen Moment lang war mir, als h&#228;tte ich ein L&#228;cheln auf seinem Gesicht gesehen. \u201aDann geh und suche den Himmel auf Erden\u2019, sagte der Engel. Einen Augenblick war er noch da, dann verschwanden der Engel, die Leute, der Ort. Ich war wach und lag in meinem Bett.\u201c<br \/>\nDer Mann hatte seinen Traum zu Ende erz&#228;hlt. Die Frau nippte am Kaffee und schwieg. \u201eLiebe Frau\u201c, sagte der Mann wiederum, \u201eich habe einen Auftrag von einem Engel. Ich muss losziehen und den Himmel auf Erden suchen\u201c. Alles Bem&#252;hen der Frau half nichts. Noch am selben Tag sagte er seiner Frau, seiner Familie, seinen Nachbarn Lebewohl. Dann zog er los, den Himmel zu suchen, den er im Traum gesehen hatte.<br \/>\nEr zog durch viele L&#228;nder. Er kam nach Afrika. Aber der Himmel sah nicht aus wie Afrika. Er kam nach Sibirien. Aber der Himmel sah nicht aus wie Sibirien. Er kam nach China. Aber der Himmel sah nicht aus wie China. Und er kam nach Amerika. Aber der Himmel sah auch nicht aus wie Amerika. Den Himmel auf Erden fand er nicht. Oft wurde er herzlich aufgenommen. Manche baten ihn zu bleiben. Und dann war ihm manchmal, als w&#228;re ihm der Engel noch einmal ganz nah. Aber nirgends war es so wie im Traum. Nirgends fand er den Himmel, den er suchte. So kehrte er nach langer Zeit wieder nach Hause zur&#252;ck. \u201eVerzeih mir, dass ich so lange weg geblieben bin\u201c, bat er seine Frau. \u201eDen Himmel auf Erden habe ich nicht gefunden. Aber ich habe dich so vermisst.\u201c Sie nahm ihn in den Arm. \u201eUnd euch habe ich auch vermisst!\u201c, rief er der Familie und den Nachbarn zu, die inzwischen von allen Seiten herbeistr&#246;mten. \u201eIch habe gelernt, wie sehr ihr mir fehlen k&#246;nnt.\u201c \u201eDu hast den Himmel auf Erden also nirgends gefunden.\u201c wiederholte die Frau. \u201eWie sah er denn aus in deinem Traum, dieser Himmel? Wie welcher Ort?\u201c \u201eO Gott\u201c, sagte der Mann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein\u00a0 M&#228;rchen f&#252;r Perfektionisten, und f&#252;r Menschen auf der Suche nach Freiheit, Gerechtigkeit, G&#252;te, Wahrhaftigkeit&#8230; Ein Mann und eine Frau sa&#223;en am Fr&#252;hst&#252;ckstisch. \u201eLiebe Frau\u201c, sagte der Mann, \u201eich muss dir etwas Wichtiges sagen. 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