{"id":4339,"date":"2023-01-15T08:00:00","date_gmt":"2023-01-15T08:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/?p=4339"},"modified":"2021-12-02T11:05:12","modified_gmt":"2021-12-02T11:05:12","slug":"wie-der-tiger-lieben-lernte-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/2023\/01\/15\/4339\/","title":{"rendered":"Wie der Tiger lieben lernte"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/tiger-lieben-lernte.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"633\" src=\"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/tiger-lieben-lernte-1024x633.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4340\" srcset=\"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/tiger-lieben-lernte-1024x633.jpg 1024w, https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/tiger-lieben-lernte-300x185.jpg 300w, https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/tiger-lieben-lernte-768x475.jpg 768w, https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/tiger-lieben-lernte-1536x950.jpg 1536w, https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/tiger-lieben-lernte-485x300.jpg 485w, https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/tiger-lieben-lernte.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption>Quelle:Pixabay<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>\u201eIch bin das gef&#228;hrlichste Tier &#252;berhaupt! Alle haben Angst vor mir\u201c, sagte der Tiger. Wenn er fauchte, zitterten die Tiere ringsumher. Sie f&#252;rchteten ihn, und sie bewunderten ihn. Doch wenn er nachts in seinem Gehege lag und keinen Schlaf fand, dachte er: \u201eIch bin das einsamste Tier &#252;berhaupt\u201d. Dann schweiften seine Gedanken weit in die Vergangenheit und in die Ferne. In einer mondhellen Nacht waren M&#228;nner aus dem Dorf gekommen. Sie hatten seinen Vater und seine Mutter erschossen und ihre toten K&#246;rper auf einem Lastwagen weggefahren. Am anderen Tag kamen zwei Wildh&#252;ter, untersuchten die Spuren des Lastwagens und die Stelle, wo die toten K&#246;rper gelegen hatten. Sie redeten aufgebracht, und schlie&#223;lich fanden sie in einem Geb&#252;sch \u2013 ihn. Klein, wie er war, packten sie ihn, schoben ihn auf die Ladefl&#228;che des Wagens, schlossen die Heckklappe und fuhren davon.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Quietschen der Gehege T&#252;r lie&#223; den Tiger aus seinem Traum erwachen. Endlich Essen? Tats&#228;chlich, durch die ge&#246;ffnete T&#252;r stolperte ein gro&#223;er Gei&#223;bock in sein Gehege. \u201eDu solltest dich f&#252;rchten\u201c, sagte der Tiger. \u201eIch bin das gef&#228;hrlichste Tier &#252;berhaupt.\u201c Der Gei&#223;bock aber senkte stumm seine H&#246;rner und spannte seine Muskeln, als wollte er den Tiger aufspie&#223;en, wenn er n&#228;herkam. \u201eSehr dramatisch. Ich bin beeindruckt\u201c, grinste der Tiger. Er schwieg eine Weile, bis er bemerkte, dass er tats&#228;chlich beeindruckt war, nicht von der Gef&#228;hrlichkeit des Gei&#223;bocks, aber von seinem Willen, auch in der aussichtslosesten Lage alles zu tun, was er konnte, um sein Leben zu verteidigen. \u201eDu bist mutig. Respekt\u201c, murmelte der Tiger, und dieses Mal meinte er, was er sagte. Er legte sich auf den Boden und betrachteten den Gei&#223;bock, der immer noch in Angriffsstellung vor ihm stand. Irgendwann war der Tiger eingeschlafen. Als er wieder erwachte, sah er, dass der Gei&#223;bock inzwischen ebenfalls dalag und schlief. \u201eDu bist sehr unvorsichtig\u201c, sagte der Tiger. \u201eDer Tiger ist das gef&#228;hrlichste Tier &#252;berhaupt.\u201c \u201eDer Tiger ist das einsamste Tier &#252;berhaupt\u201c antwortete der Gei&#223;bock, die Augen nur einen spaltweit ge&#246;ffnet. \u201eWas hast du da gesagt?\u201c \u201eDu bist das ungl&#252;cklichste, einsamste Tier, das ich mir vorstellen kann.\u201c \u201eDas sagst du nicht noch einmal!\u201c \u201eDie anderen haben Angst vor dir, aber ich erkenne dich. Du bist so allein. Ich bin ein Stern in deiner Nacht, und wenn du mich gefressen hast, ist es wieder dunkel\u201c Dem Tiger war nun vollends der Appetit vergangen. Er schaute auf den Boden, wo sich unter seinen Augen kleine Pf&#252;tzen bildeten.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Geschichte nimmt Bezug auf eine Freundschaft, die ein Tiger und ein Gei&#223;bock in einem Zoo in Sibirien schlossen (www.tierwelt.ch\/news\/zoo\/tiger-und-geissbock-schliessen-freundschaft).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Diese Geschichte stammt von Stefan Hammel und ist in dem Buch <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/shop.stefanhammel.de\/startseite\/buecher-und-e-books\/\" target=\"_blank\"><strong>&#8222;Wie der Tiger lieben lernte. 120 Geschichten bei psychischem Trauma&#8220;<\/strong> <\/a>zu finden. Die Geschichte geh&#246;rt zum Kapitel &#8222;<strong><strong><strong>Auss&#246;hnung, G&#252;te, Selbstvers&#246;hnung<\/strong><\/strong><\/strong>&#8222;.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eIch bin das gef&#228;hrlichste Tier &#252;berhaupt! Alle haben Angst vor mir\u201c, sagte der Tiger. Wenn er fauchte, zitterten die Tiere ringsumher. 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