{"id":4297,"date":"2022-08-28T08:00:00","date_gmt":"2022-08-28T08:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/?p=4297"},"modified":"2021-11-30T12:57:36","modified_gmt":"2021-11-30T12:57:36","slug":"die-unsichtbare-seidenstrasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/2022\/08\/28\/4297\/","title":{"rendered":"Die unsichtbare Seidenstra&#223;e"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/unsichtbare-seidenstrasse.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"682\" src=\"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/unsichtbare-seidenstrasse-1024x682.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4298\" srcset=\"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/unsichtbare-seidenstrasse-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/unsichtbare-seidenstrasse-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/unsichtbare-seidenstrasse-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/unsichtbare-seidenstrasse-1536x1023.jpg 1536w, https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/unsichtbare-seidenstrasse-450x300.jpg 450w, https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/unsichtbare-seidenstrasse.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption>Quelle: pixabay<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Vor langer Zeit, im Reich der alten Chinesen, gab es einen ber&#252;hmten Handelsweg f&#252;r Seide, der war viele tausend Kilometer lang. Man nannte ihn die Seidenstra&#223;e. Da zogen Pferdekarawanen von China &#252;be Indien bis nach Europa, um mit kostbarer Seide und Porzellan zu handeln. Sp&#228;ter entwickelten sich andere Handelswege; man transportierte die G&#252;ter mit Schiffen, Flugzeugen und Eisenbahnen. Viele wissen nicht mehr, wo diese Stra&#223;e einst verlief und was sie den Menschen damals bedeutete. Die aber, die da wohnen, wo die Stra&#223;e entlanglief und \u2013 wenn auch von vielen vergessen \u2013 heute noch dort verl&#228;uft, die wissen genau, was es mit dieser Route auf sich hat. Sie sind stolz darauf, an der Seidenstra&#223;e zu wohnen, auch, wenn es andere Menschen gibt, die noch nicht einmal wissen, was die Seidenstra&#223;e ist, ja, die vielleicht noch nie davon geh&#246;rt haben m&#246;gen. Und manchmal erz&#228;hlen sie davon, dass man in stillen N&#228;chten noch das Klappern der Fuhrwerke und das Wiehern von Pferden h&#246;ren kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich stelle mir vor, wie so eine Stra&#223;e aussehen w&#252;rde zwischen deiner alten Heimat und dem Ort, wo du jetzt wohnst, vielleicht entlang der Strecke, auf der du hergekommen bist oder auf einer ganz anderen Route. Ich stelle mir vor, dass darauf unsichtbare Leute wandern, vielleicht Feen, Elfen, Zwerge, oder Boten, die du zu deinen Verwandten dort schickst, und sie schicken sie zur&#252;ck zu dir.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn du dir vorstellst, der Ahmad (Name des Klienten), der Sehnsucht hat, k&#246;nnte in der Nacht als Traumbild von sich selbst auf dieser Stra&#223;e reisen, ganz langsam zu Fu&#223; oder mit Lichtgeschwindigkeit oder so etwas dazwischen: Auf dem Weg w&#252;rden ihm die anderen begegnen, die unsichtbaren Leute, die Traumbilder von seinen Br&#252;dern, Schwestern, Eltern, Gro&#223;eltern, die diese ihm entgegengeschickt haben, um ihn zu empfangen und ihn nach Hause zu geleiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuhause angekommen: Wenn du dir vorstellst, wie sie feiern, wie die Musik erklingt, wie sie tanzen&#8230; Wenn die Tr&#228;umenden sich treffen, ist es, wie im Himmel: Zeit spielt keine Rolle, und eine Stunde kann so viel bedeuten wie eine Ewigkeit. Dann, bei der ersten Morgenr&#246;te ist es Zeit zur&#252;ckzukehren. \u201eIch will nicht weggehen. Kann ich nicht bleiben?\u201c fragst du. Die anderen wiegen den Kopf. \u201eMorgen treffen wir uns wieder.\u201c Sie geleiten dich zur&#252;ck \u2013 den Ahmad, der du bist, wenn du tr&#228;umst \u2013 auf dem Weg der unsichtbaren Seidenstra&#223;e. Du kommst zur&#252;ck, doch all das bringst du mit: Den Gesang, den Klang der Instrumente, die sch&#246;nen Gew&#228;nder, das k&#246;stliche Essen, die Bewegungen der T&#228;nzerinnen und T&#228;nzer, geleiten dich in den Tag. Es ist wie im Ramadan: Wenn die Sonne hei&#223; brennt, musst du tapfer sein. Sind ihre Strahlen verglommen, dann ist die Zeit, wo man i&#223;t und trinkt. Morgen, im Schlaf, wird wieder getanzt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die \u201cunsichtbare Seidenstra&#223;e\u201d kann dazu beitragen, Menschen, die von ihren Angeh&#246;rigen getrennt leben m&#252;ssen, eine erf&#252;llte innere Verbundenheit erleben zu lassen. Es ist die Regel, dass wichtige Angeh&#246;rige die meiste Zeit nicht physisch bei uns sind, sondern als anwesend imaginiert werden. Nicht die Trennung als solche, sondern die von Menschen oder dem Schicksal auferlegte, unfreiwillige Trennung wird als Belastung erlebt, insbesondere, wenn wir sie als Trennung auf unbestimmte Zeit oder \u201cf&#252;r immer\u201d ansehen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Diese Geschichte stammt von Stefan Hammel und ist in dem Buch <a href=\"https:\/\/shop.stefanhammel.de\/startseite\/buecher-und-e-books\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">&#8222;Wie der Tiger lieben lernte. 120 Geschichten bei psychischem Trauma&#8220;<\/a> zu finden. Die Geschichte geh&#246;rt zum Kapitel &#8222;<strong>Zugeh&#246;rigkeit erleben lassen<\/strong>&#8222;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor langer Zeit, im Reich der alten Chinesen, gab es einen ber&#252;hmten Handelsweg f&#252;r Seide, der war viele tausend Kilometer lang. 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