{"id":426,"date":"2008-02-18T18:57:46","date_gmt":"2008-02-18T17:57:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/2008\/02\/18\/426\/"},"modified":"2008-02-18T20:21:06","modified_gmt":"2008-02-18T19:21:06","slug":"lass-dich-nicht-verbaren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/2008\/02\/18\/426\/","title":{"rendered":"Lass dich nicht verbaren&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt&#8220;, sagte der Philosoph Ludwig Wittgenstein. Sprache schafft Wirklichkeit, und eine begrenzende Sprache schafft Grenzen f&#252;r die Wirklichkeit. Sprachgrenzen schaffen Grenzen der M&#246;glichkeiten.<\/p>\n<p>Ein Beispiel ist die Nachsilbe -bar, wie sie in Worten wie &#8222;haltbar&#8220;, &#8222;genie&#223;bar&#8220;, &#8222;versteuerbar&#8220; vorkommt. Die Silbe wird auch gerne auf Menschen angewendet: &#8222;Unbelehrbar&#8220;, &#8222;unheilbar&#8220;, nicht therapierbar&#8220;, &#8222;manipulierbar&#8220;, &#8222;korrumpierbar&#8220;,\u00a0&#8222;nicht beschulbar&#8220;, &#8222;schwer erziehbar&#8220;, &#8222;untragbar&#8220;, &#8222;schwer vermittelbar&#8220;.<\/p>\n<p>Das Eigenartige an der Silbe -bar ist, dass sie uns irrt&#252;mlich den Eindruck vermittelt, sie sage etwas aus &#252;ber die Person, von der die Rede ist, also:\u00a0Wer unbelehrbar sei, lasse sich nicht belehren, wer manipulierbar sei, lasse sich manipulieren, wer schwer erziehbar sei, lasse sich\u00a0schwer erziehen &#8211; es scheint geradezu so, als ob die bar-Worte Eigenschaften der Menschen bezeichneten, von denen sie reden. Dabei bezeichnen sie die F&#228;higkeiten dessen, der da redet und die M&#246;glichkeiten des Kontextes, in dem er arbeitet.<\/p>\n<p>Wenn ich also sage: &#8222;Er ist unbelehrbar&#8220;, sage ich in Wirklichkeit nur: &#8222;Ich konnte ihn nicht belehren&#8220;, und allenfalls: &#8222;in diesem Kontext lernt er meiner Ansicht nach nichts&#8220;. Sage ich: &#8222;Er ist nicht therapierbar&#8220;, hei&#223;t das: &#8222;ich kann ihn nicht therapieren&#8220;. Sage ich, jemand sei untragbar, erkl&#228;re ich, dass ich oder mein Arbeitskontext ihn nicht mehr ertragen mag. Sage ich, jemand sei schwer vermittelbar, spreche ich wieder nicht &#252;ber seine, sondern &#252;ber meine M&#246;glichkeiten. Und sage ich, jemand sei unheilbar krank, so sage ich nur, dass ich oder seine Umgebung\u00a0den Menschen nicht heilen kann. Ob ein anderer Mensch oder die Heilkunst einer anderen Kultur etwas f&#252;r denjenigen tun kann, dar&#252;ber steht mir kein Urteil zu.<\/p>\n<p>Wenn allerdings jemand mir Glauben schenkt, er sei -bar oder nicht -bar, obwohl das bar-sein in Wirklichkeit nicht seine, sondern meine M&#246;glichkeiten beschreibt, dann werden durch seinen Glauben meine M&#246;glichkeiten leicht zu seinen. Das hei&#223;t auch, meine Unm&#246;glichkeiten werden zu seinen, und meine Grenzen werden zu den seinen.<\/p>\n<p>Wenn\u00a0dir also jemand sagen will, du seiest -bar, dann kannst du ihn reden lassen, nur glauben brauchst du ihm nicht. Du wei&#223;t, er redet &#252;ber sich und seine Grenzen, und das sind Angelegenheiten, die gehen dich nichts an.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt&#8220;, sagte der Philosoph Ludwig Wittgenstein. 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