{"id":3958,"date":"2021-07-04T08:00:00","date_gmt":"2021-07-04T08:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/?p=3958"},"modified":"2023-03-16T11:48:33","modified_gmt":"2023-03-16T11:48:33","slug":"politische-loesung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/2021\/07\/04\/3958\/","title":{"rendered":"Politische L&#246;sung"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"601\" src=\"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/book-2929646_1920-1024x601.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3959\" srcset=\"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/book-2929646_1920-1024x601.jpg 1024w, https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/book-2929646_1920-300x176.jpg 300w, https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/book-2929646_1920-768x450.jpg 768w, https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/book-2929646_1920-1536x901.jpg 1536w, https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/book-2929646_1920-500x293.jpg 500w, https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/book-2929646_1920.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Quelle: Pixabay<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Eines Morgens sagte der alte Geschichtenerz&#228;hler zu seinem Sch&#252;ler: \u201eWie du geh&#246;rt hast, wird heute der K&#246;nig in unserer Stadt zu Gast sein. Ich habe einen Brief erhalten, dass er von meiner Kunst erfahren habe und nun auch selbst eine Probe derselben h&#246;ren will. Der K&#246;nig ist in gro&#223;er Sorge, denn der&nbsp; Herrscher eines Nachbarlandes fordert von ihm eine pers&#246;nliche Entschuldigung f&#252;r ein paar Grobheiten, die er in Wahrheit nie begangen hat. Unser K&#246;nig kann diese Entschuldigung nicht aussprechen, ohne sich vor unserem Volk und allen Nachbarv&#246;lkern zu entbl&#246;&#223;en. Wird er sich aber nicht entschuldigen, so droht jener andere Herrscher mit seiner starken Armee unser Land zu verheeren. Was soll unser K&#246;nig nun tun? Entschuldigt er sich, so verliert er den Respekt seines Volkes und seiner Nachbarv&#246;lker, ja wom&#246;glich den Respekt vor sich selbst. Entschuldigt er sich nicht, so nimmt dies der andere Herrscher zum Vorwand f&#252;r einen Krieg. Dann verliert unser K&#246;nig sein Land und vielleicht sein Leben, und unser Volk st&#252;rzt in ein tiefes Ungl&#252;ck.&nbsp; Ich soll mich nun gegen Mittag im Rathaus einfinden, um auch ihm eine Geschichte zu erz&#228;hlen, die ihm bei seiner Entscheidung hilfreich sein kann. Ich f&#252;hle mich heute schw&#228;cher als je zuvor und m&#246;chte, dass du mich dorthin begleitest.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Weg in die Stadt erschien dem Sch&#252;ler l&#228;nger als sonst. Oft mussten sie anhalten, damit sein Lehrer Kraft sch&#246;pfen konnte, doch schlie&#223;lich kamen sie an. Im Rathaus wurden sie zum K&#246;nig und den W&#252;rdentr&#228;gern der Stadt geleitet und mit ihnen an einen gro&#223;en Tisch gesetzt. Nachdem verschiedene hohe und wichtige Personen gesprochen hatten, wurde auch der Geschichtenerz&#228;hler um ein Wort gebeten. Er sagte:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs lebte in unserer Stadt ein bekannter Mann, der sollte einst vor vielen Menschen und gar vor dem K&#246;nig eine Rede halten. Nun sah er sich in der Runde um und fand dort eine solche &#220;bermacht an klugen und gelehrten Menschen, dass er sich gar nicht mehr klug zu sein d&#252;nkte und verga&#223;, wie er sich sonst selbst zu helfen wusste und sich am liebsten in den Erdboden verkrochen h&#228;tte. Doch das war nicht m&#246;glich. Was tat dieser Mann?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Mit diesen Worten verstummte der Alte. Verzweifelt fragend blickte er seinen Lehrling an und schwieg. Der junge Mann ergriff das Wort und sprach:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEr verfiel in Schweigen. Er lie&#223; seinen Sch&#252;ler f&#252;r sich reden. Der richtete dem K&#246;nig und jener &#220;bermacht an gelehrten Leuten alles aus, was sein Meister ihnen sagen w&#252;rde, h&#228;tte es ihm nur nicht die Stimme verschlagen. Der Sch&#252;ler sagte: \u201aMein Lehrer l&#228;sst euch um Entschuldigung bitten, dass er die Worte, die ihr zu h&#246;ren w&#252;nscht, nun leider nicht selbst an euch richten kann. Doch l&#228;sst er mich f&#252;r ihn sprechen. Es tut meinem Meister sehr leid.\u2019 Die Leute h&#246;rten den Sch&#252;ler f&#252;r seinen Meister reden. Keiner konnte sagen, ob dieser in Wahrheit die Worte wiedergab, die sein Meister an jene &#220;bermacht hatte richten wollen, doch keiner konnte es auch bestreiten, da jener Meister weder ein Zeichen der Zustimmung noch des Widerspruchs von sich gab.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Sch&#252;ler hatte seine Rede beendet. Die Menge der Leute blickte ihn und seinen Lehrer verwirrt an. Dann lachten einige, andere klatschten, und es herrschte eine merkw&#252;rdige Spannung im Raum. Der B&#252;rgermeister lie&#223; die n&#228;chsten Redner aufrufen. So verging der Tag mit weiteren Festlichkeiten, und schlie&#223;lich gingen alle auseinander. Der K&#246;nig aber lie&#223; noch an demselben Tag Eilboten in den Palast und in alle St&#228;dte des Landes schicken mit der Nachricht: \u201eMorgen Mittag um zw&#246;lf Uhr wird der K&#246;nig aus gesundheitlichen Gr&#252;nden abdanken und seinen Sohn als Nachfolger einsetzen. Die traditionelle Rede des K&#246;nigs zur &#220;bergabe von Zepter und Krone entf&#228;llt wegen seiner augenblicklichen Erkrankung. Sein Sohn wird f&#252;r ihn sprechen und wahrheitsgem&#228;&#223; alles ausrichten, was sein Vater ganz bestimmt sagen w&#252;rde, wenn er selbst im Stande w&#228;re,&nbsp; nun noch ein letztes Mal als K&#246;nig des Landes zu sprechen.\u201c Der K&#246;nig wusste wohl: Die Leute am Hof w&#252;rden sehr verwundert sein &#252;ber diese merkw&#252;rdige Botschaft. Doch auch der Herrscher seines Nachbarlandes w&#252;rde nicht wohl entscheiden k&#246;nnen, wer nun am Ende was gesagt, geschweige denn, gemeint h&#228;tte.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Heimweg wirkte der Meister m&#252;der als sonst. Er sagte zu seinem Sch&#252;ler: \u201eF&#252;r morgen erwarte ich vor meinem Haus sehr viele Leute, die gerne eine Geschichte von mir h&#246;ren m&#246;chten. Ich kann ihnen diese Geschichte jedoch unm&#246;glich erz&#228;hlen. Sprich du f&#252;r mich.\u201c Der Sch&#252;ler sagte es seinem Meister zu.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der Sch&#252;ler am anderen Morgen aufgestanden war und sich gewaschen und angezogen hatte, schaute er auch nach seinem Meister. Der lag in seinem Bett und war tot.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWas soll ich jetzt tun?\u201c fragte er sich entsetzt. Er schaute aus dem Fenster und wurde noch best&#252;rzter: Eine gewaltige Zahl von Menschen str&#246;mte auf das Haus zu, eine un&#252;bersehbare Menge. Er trat vor die T&#252;r und sprach die ersten an, die da kamen: \u201eWas wollt ihr hier?\u201c \u201eDein Meister hat unserem Land den Frieden gerettet \u2013 oder du und dein Meister. Wir m&#246;chten euch unseren Dank sagen. Auch m&#246;chten wir den Meister bitten, uns noch eine seiner Geschichten zu erz&#228;hlen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der junge Sch&#252;ler sch&#252;ttelte den Kopf. \u201eDer Meister ist tot. Er hat mich gestern noch gebeten, dass ich heute an seiner Stelle zu euch spreche.\u201c \u201eAber wei&#223;t du denn auch, was der Meister uns heute sagen wollte?\u201c fragten die Leute. Der Sch&#252;ler nickte. \u201eJedes einzelne Wort.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Geschichte aus S. Hammel: <a href=\"https:\/\/shop.stefanhammel.de\/startseite\/b%C3%BCcher-und-e-books\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Der Grashalm in der W&#252;ste<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eines Morgens sagte der alte Geschichtenerz&#228;hler zu seinem Sch&#252;ler: \u201eWie du geh&#246;rt hast, wird heute der K&#246;nig in unserer Stadt zu Gast sein. Ich habe einen Brief erhalten, dass er von meiner Kunst erfahren habe und nun auch selbst eine &hellip; <a href=\"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/2021\/07\/04\/3958\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-3958","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3958","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3958"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3958\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4854,"href":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3958\/revisions\/4854"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3958"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3958"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3958"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}