{"id":370,"date":"2007-12-09T12:45:33","date_gmt":"2007-12-09T11:45:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/2007\/12\/09\/370\/"},"modified":"2007-12-10T11:03:25","modified_gmt":"2007-12-10T10:03:25","slug":"erickson-geschichten-xi-tinnitus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/2007\/12\/09\/370\/","title":{"rendered":"Erickson-Geschichten XI (Tinnitus und Stille)"},"content":{"rendered":"<p>Erickson erz&#228;hlt: Ich gebe dir eine Geschichte, damit du es besser verstehst&#8230; wir lernen n&#228;mlich Dinge auf eine sehr ungew&#246;hnliche Art, auf eine Art, von der wir nichts wissen. In meinem ersten Collegejahr kam ich an einer Kesselfabrik vorbei. Die Arbeiter waren an zw&#246;lf Kesseln gleichzeitig besch&#228;ftigt, und sie waren in drei Schichten eingeteilt. Und diese pneumatischen H&#228;mmer schlugen unabl&#228;ssig auf das Metall und trieben Nieten in die Kessel. Ich h&#246;rte den L&#228;rm und wollte herausfinden, was es war. Nachdem ich erfuhr, dass es eine Kesselfabrik war, ging ich hinein und konnte darin niemanden reden h&#246;ren. Ich konnte sehen, wie die verschiedenen Angestellten Gespr&#228;che f&#252;hrten. Ich konnte sehen, wie sich die Lippen des Vorarbeiters bewegten, aber ich konnte nicht h&#246;ren, was er zu mir sagte. Er h&#246;rte, was ich sagte. Ich bat ihn nach drau&#223;en, damit ich mit ihm reden k&#246;nnte. Und ich bat ihn um Erlaubnis, meine Decke mitzubringen und dort f&#252;r eine Nacht auf dem Boden zu schlafen. Er dachte, mit mir stimmt etwas nicht. Ich erkl&#228;rte, <!--more-->dass ich ein angehender Medizinstudent sei und dass ich an Lernprozessen insteressiert sei. Und er erlaubte mir, dass ich meine Decke mitbringen und auf dem Boden  schlafen d&#252;rfte. Er erkl&#228;rte es allen Arbeitern und lie&#223; einen Zettel f&#252;r die n&#228;chste Schicht da. Am n&#228;chsten Morgen wachte ich auf. Ich konnte h&#246;ren, wie die Arbeiter &#252;ber diesen bescheuerten Jungen redeten. Warum zum Teufel schlief er hier auf dem Boden? Was wollte er denn dabei lernen? Im Schlaf w&#228;hrend der Nacht blendete ich all diesen schrecklichen L&#228;rm von zw&#246;lf oder mehr pneumatischen H&#228;mmern aus und ich konnte menschliche Stimmen h&#246;ren.<\/p>\n<p>Ich wusste, es ist m&#246;glich, zu lernen, nur bestimmte Ger&#228;usche zu h&#246;ren, wenn du deine Ohren richtig einstellst. Du hast ein Piepen in den Ohren, aber du hast noch nicht daran gedacht, die Ohren so einzustellen, dass du das Piepen nicht mehr h&#246;rst. Und wenn du zur&#252;ckblickst, dann sind da eine Vielzahl von  Zeiten, an denen du heute aufgeh&#246;rt hast, das Piepen zu h&#246;ren. Es ist schwierig, sich an Dinge zu erinnern, die nicht auftreten. Aber das Piepen hat aufgeh&#246;rt. Aber weil nichts da war, erinnerst du dich nicht mehr daran&#8230; Nun ist das Wichtige, die Sache mit dem Piepen zu vergessen und sich an die Zeiten zu erinnern, als kein Piepen da war. Und das ist ein Lernprozess. Ich habe in einer Nacht gelernt, nicht mehr die pneumatischen H&#228;mmer in der Kesselfabrik zu h&#246;ren &#8211; und ein Gespr&#228;ch zu h&#246;ren, das ich am vorigen Tag nicht h&#246;ren konnte&#8230; ich wusste, was der K&#246;rper automatisch tun kann&#8230; Nun verlasse dich auf deinen K&#246;rper. Vertraue ihm. Glaube an ihn. Und wisse, dass dir das ausgezeichnet helfen wird.<\/p>\n<p>(M.H.Erickson, in: <a href=\"http:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/buchtipp-uberleben\">D.C.Hammond, Handbook of Hypnotic Suggestions and Metaphors<\/a>, London, New York 1990, S.266)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erickson erz&#228;hlt: Ich gebe dir eine Geschichte, damit du es besser verstehst&#8230; wir lernen n&#228;mlich Dinge auf eine sehr ungew&#246;hnliche Art, auf eine Art, von der wir nichts wissen. In meinem ersten Collegejahr kam ich an einer Kesselfabrik vorbei. 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