{"id":272,"date":"2007-08-18T12:40:53","date_gmt":"2007-08-18T10:40:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/2007\/08\/18\/272\/"},"modified":"2007-08-18T12:43:42","modified_gmt":"2007-08-18T10:43:42","slug":"geschichten-in-der-kindertherapie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/2007\/08\/18\/272\/","title":{"rendered":"Geschichten in der Kindertherapie"},"content":{"rendered":"<p>Gestern hat mich eine Kollegin in einem Forum mit Blick auf Geschichten in der Therapie mit Kindern gefragt: &#8222;Wie gehen Sie vor? Die Geschichten werden einfach erz&#228;hlt, resp. vorgelesen und nicht kommentiert?&#8220; Ich hab das mal so beantwortet:<\/p>\n<p>Wenn die Geschichte gut zur Situation passt, kann sie einfach unkommentiert erz&#228;hlt oder vorgelesen werden. Die Geschichte sollte analog zum Problem des Kindes strukturiert sein und metaphorisch oder beispielhaft eine erfolgreiche L&#246;sung (L&#246;sungsart, L&#246;sungsstruktur) anbieten. Die Analogie zum Problem und das bereits bestehende Beratungssetting (das Kind wei&#223;: wir sind hier zur Beratung wegen Problem XY) sorgen daf&#252;r, dass die Geschichte vom Unbewussten als L&#246;sung identifiziert wird. Darum ist kein Kommentar n&#246;tig, der Kontext ist der Kommentar.<\/p>\n<p><!--more-->Wer sich mit der Wirkung von Metaphern nicht so genau auskennt, sollte meiner Ansicht nach nur Geschichten mit guten L&#246;sungen verwenden. Katastrophengeschichten wie die aus dem Struwwelpeterbuch k&#246;nnen auch nach hinten losgehen.<\/p>\n<p>Normalerweise wird die vorgeschlagene L&#246;sung oder L&#246;sungsrichtung vom Kind anschlie&#223;end umgesetzt. Eine deutliche Ver&#228;nderung bis zur n&#228;chsten Therapiestunde ist die Regel. Verst&#228;rkt wird der Effekt, wenn mehrere Geschichten erz&#228;hlt werden, die in die selbe Richtung weisen.<\/p>\n<p>Eine L&#246;sung muss in der Geschichte nicht genau inhaltlich beschrieben werden. L&#246;sungen im weiteren Sinne sind auch Botschaften wie &#8222;Begib dich auf die Suche!&#8220; (Da machte sich der Pinguin auf die Reise, watschelte die ganze Nacht durch, bis er im Morgengrauen auf einem gro&#223;en Eisberg stand und von dort hinaussah auf das Meer und zwischen ihm und dem Meer eine go&#223;e Pinguinkolonie.) Um solche Geschichten zu erz&#228;hlen, muss man sich nur fragen: Wie s&#228;he es aus, wenn L&#246;wen, Pinguine oder Engel ein &#228;hnliches Problem h&#228;tten wie dieses Kind. Und wie s&#228;hen L&#246;sungen, die ich mir f&#252;r das Kind vorstellen kann, bei denen aus?<\/p>\n<p>Der klassische Aufbau einer Geschichte ist: Der Protagonist und sein Problem (Konflikt) &#8211; misslingende L&#246;sungen \/ verschlimmerung durch &#8222;mehr desselben&#8220; &#8211; ein &#228;u&#223;erer oder innerer Ratgeber tritt auf &#8211; die gute L&#246;sung bew&#228;hrt sich und wird gefeiert (vergleiche viele M&#228;rchen).<\/p>\n<p>Gut kann man diese Geschichten im Dialog mit Kindern gestalten: &#8222;Und was meinst du, wen der traurige Drache dann getroffen hat, der ihm mit einer guten Idee weitergeholfen hat?&#8220; Ein Kind, das gerade Seifenblasen blies, antwortete mir darauf: &#8222;Eine Seifenblase!&#8220; Ich habe geantwortet: &#8222;Genau, und was hat die Seifenblase f&#252;r eine gute Idee f&#252;r den Drachen gehabt?&#8220; Das Kind kann nun L&#246;sungsideen f&#252;r sein Problem &#228;u&#223;ern, ohne sich selbst vor den Erwachsenen zu kompromittieren. Hat das Kind keine Ideen, kann man selbst Vorschl&#228;ge machen: &#8222;Denkst du, die Seifenblase hat zu dem traurigen Drachen gesagt: &#8222;Wenn du andere Tiere um dich hast, und Feuer spuckst, das tut ihnen weh. Da verbrennen sie sich. Aber wenn du den anderen Tieren einfach nicht mehr weh tust, dann kommt irgendwann das erste Tier wieder; und wenn sie merken, dass ihr Freunde seid, dann kommt irgendwann das n&#228;chste&#8230;&#8220; Eine L&#246;sung ist ges&#228;t, also kann man zur n&#228;chsten &#252;bergehen: &#8222;&#8218;Und wei&#223;t du was&#8216;, sagte die Seifenblase, &#8218;dein Feuer kann den anderen Tieren ja auch helfen!&#8216; Was meinst du, welche Ideen die Seifenblase noch hatte, und wie der Drache von da an den anderen Kindern Gutes getan hat?&#8220; Sagt das Kind zum Beispiel &#8222;als Ofen f&#252;r den Winter&#8220;, w&#252;rde ich es loben und noch mehr erfragen. Sagt es &#8222;die Feinde verbrennen&#8220;, w&#252;rde ich antworten: &#8222;Wei&#223;t du was? Die wussten die inzwischen alle schon, dass er anderen weh tun kann. Aber das brauchte er jetzt nicht mehr. Der Drache hat bemerkt, dass er den anderen Tieren warm machen kann, und das war wunderbar &#8211; was meinst du, wer sich dar&#252;ber alles gefreut hat? &#8230; Und was meinst du, was der Drache und die Tiere von da an alles zusammen gemacht haben?&#8220;<br \/>\nGegen Ende w&#252;rde ich &#252;brigens nicht mehr vom &#8222;traurigen&#8220; Drachen reden, sondern zunehmend die Problembegriffe weglassen und durch Ressourcenbegriffe ersetzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern hat mich eine Kollegin in einem Forum mit Blick auf Geschichten in der Therapie mit Kindern gefragt: &#8222;Wie gehen Sie vor? 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