{"id":2307,"date":"2013-02-01T20:13:08","date_gmt":"2013-02-01T20:13:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/?p=2307"},"modified":"2013-02-01T20:14:26","modified_gmt":"2013-02-01T20:14:26","slug":"die-bucher-des-erzahlers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/2013\/02\/01\/2307\/","title":{"rendered":"Die B&#252;cher des Erz&#228;hlers"},"content":{"rendered":"<p>Diese Geschichte liebe ich sehr.<\/p>\n<p>Eigentlich hei&#223;t sie &#8222;Der Geschichtenerz&#228;hler&#8220;, nur gibt es unter diesem Namen im HYPS-Blog schon eine Geschichte. So habe ich mir mit einem anderen Titel beholfen und hoffe, es ist recht. Geschrieben hat sie meine Kollegin <a title=\"Zur Webseite von Katharina Lamprecht\" href=\"http:\/\/www.mentalpotential.de\/\" target=\"_blank\">Katharina Lamprecht<\/a>. Ich freue mich, dass ich sie mit euch teilen darf!<\/p>\n<p>Vor langer Zeit lebte im Oman einmal ein Gelehrter. Er besa&#223; viele hundert B&#252;cher, f&#252;r ihn waren sie wie seine Familie und er kannte jedes einzelne gut.<br \/>\nEines Tages geschah es, dass er verga&#223;, eine Kerze zu l&#246;schen und sein Heim ging in Flammen auf. Zum Gl&#252;ck konnte er sich rechtzeitig aus dem Haus retten und er nahm so viele B&#252;cher mit, wie er tragen konnte. Da er die dicken mit den vielen Seiten besonders liebte, ergriff er vorwiegend diese.<br \/>\nAm n&#228;chsten Morgen durchst&#246;berte er noch mal die Ruinen seines Hauses.\u00a0 Aber er fand nichts von Wert unter den\u00a0 verkohlten Brettern.\u00a0 Nichts au&#223;er einem kleinen B&#228;ndchen mit Geschichten. Seufzend steckte er es in seine Tasche und begann zu &#252;berlegen, wie es nun f&#252;r ihn weitergehen sollte. Er besa&#223; nun nichts mehr au&#223;er den Kleidern, die er am Leib trug,\u00a0 die paar Dinar, die er in seinen Taschen hatte und einer Handvoll B&#252;cher. Er beschloss, die Gelegenheit, so bitter sie auch f&#252;r ihn war, zu nutzen und bevor er zu alt w&#252;rde, einmal in die Welt hinaus zu ziehen. Um sich anzuschauen, wovon er immer nur gelesen hatte.\u00a0 Er bereitete sich so gut es ging auf seine Reise vor. Vor allem bedachte er, welche B&#252;cher er mitnehmen sollte. Denn ganz ohne ein Buch auf eine so lange Reise zu gehen, war f&#252;r ihn unvorstellbar.\u00a0 Da er nur einen kleinen Handkarren hatte,\u00a0 war es ihm nicht einmal m&#246;glich, alle geretteten B&#252;cher mit zu nehmen. Die Entscheidung fiel ihm nicht leicht,\u00a0 und er dachte lange dar&#252;ber nach, packte welche ein, dann wieder aus, nahm andere zur Hand, bis er sich schweren Herzens f&#252;r\u00a0 einige entschied.\u00a0 Besonders dicke, inhaltsreiche B&#252;cher hatte er eingepackt.\u00a0 Als er aufbrechen wollte sah er, dass im Karren noch ein schmaler Spalt leer geblieben war. \u201eIch kann noch ein kleines Buch hineinstecken\u201c, dachte er und griff sich das d&#252;nnste Buch, das er hatte. Es war das Buch mit den Geschichten.\u00a0 Dann zog er los.<br \/>\nNun musste er als erstes durch eine unwirtliche und gef&#228;hrliche Gegend ziehen. Nach einigen Tagen wurde er von R&#228;ubern &#252;berfallen, die ihm alles abnahmen was er besa&#223;. Ausgenommen seinen B&#252;cherkarren, den sie\u00a0 hohnlachend in einen Graben stie&#223;en.\u00a0 Noch &#228;rmer als zuvor zog der Mann weiter. Er sch&#228;tzte sich\u00a0 gl&#252;cklich, dass er seine geliebten B&#252;cher hatte retten k&#246;nnen. Am Abend fand er eine kleine Herberge und bat um ein Nachtlager. Da er kein Geld hatte, entschloss er sich schweren Herzens, eines seiner B&#252;cher als Bezahlung anzubieten. Der Gastwirt, der keine echte Verwendung f&#252;r ein Buch in seinem Gasthaus hatte, war ein gutm&#252;tiger Mann und so gew&#228;hrte er dem Gelehrten Unterkunft und nahm einfach das dickste Buch, das er finden konnte.<br \/>\nSo zog der Alte mit seinem Handkarren immer weiter. Manchmal konnte er sich mit Hilfsdiensten ein paar Dinar verdienen und die Herberge bezahlen, aber oft fand er keine Arbeit. Er konnte ja auch im Grunde nichts, was unterwegs irgendwie n&#252;tzlich gewesen w&#228;re, denn er verstand nicht viel von handwerklicher Arbeit. So wurde sein Karren immer leerer und leerer, bis au&#223;er dem\u00a0 kleinsten Buch, dem mit den Geschichten, nichts mehr darin war. So steckte er es in seinen Mantel, verkaufte den Karren und ging weiter.<br \/>\nAls auch dieses Geld aufgebraucht war, musste er abends\u00a0 oft unter freiem Himmel schlafen, da es\u00a0 unter den Herbergsleuten nur wenige gab, die ihm ohne Bezahlung ein Dach &#252;ber dem Kopf gegeben h&#228;tten. Eines Abends traf er, auf der Suche nach einem geeigneten Rastplatz, ein paar Beduinen, die gerade in einer Senke ihr Lager aufschlugen. Er bat sie, sich zu ihnen legen zu d&#252;rfen. Sie hie&#223;en ihn willkommen und machten Platz an ihrem Feuer.\u00a0 Nachdem sie auch ihre wenige Wegzehrung mit ihm geteilt hatten, hob einer von ihnen an und erz&#228;hlte eine Geschichte.\u00a0 Bereits nach wenigen Worten war der alte Gelehrte ganz verzaubert von dieser Erz&#228;hlung und lauschte and&#228;chtig und mit Freude. In dieser Nacht erz&#228;hlten die Beduinen noch viele Geschichten und als der alte Mann am n&#228;chsten Morgen aufbrach, gingen sie ihm immer noch im Kopf herum.<br \/>\nAls er am Abend wieder an eine Herbergst&#252;r klopfte antwortete er\u00a0 auf die Frage, ob er denn Geld habe, ganz unwillk&#252;rlich: \u201eNein, aber ich k&#246;nnte deinen G&#228;sten heute Abend eine Geschichte erz&#228;hlen\u201c. Der Wirt war einverstanden und so kam es, dass der alte Gelehrte, der\u00a0 so viel wusste &#252;ber Geologie, Philosophie, Religionskunde, fremde L&#228;nder, die K&#252;nste der Mathematik, Physik und Literatur, dass er entdeckte, dass ein kurze Geschichte, ein M&#228;rchen, ihm bessere Dienste leistete, als all sein Fachwissen.\u00a0 Und pl&#246;tzlich fiel ihm das d&#252;nnste seiner B&#252;cher ein, das mit den vielen Geschichten, das er immer noch im Mantel trug. Er nahm es heraus und begann, jeden Abend\u00a0 in der Herberge daraus vorzulesen. Es kamen t&#228;glich mehr G&#228;ste ins Wirtshaus, um ihm zu zuh&#246;ren, so dass der Wirt ihm anbot, f&#252;r eine Weile bei ihm zu bleiben.<br \/>\nManchmal, wenn der Gelehrte am Abend seine Geschichte erz&#228;hlt hatte, wusste auch einer der G&#228;ste eine zu berichten und so lernte er immer mehr Geschichten kennen. Bald schon kamen die Leute und fragten, ob denn der Geschichtenerz&#228;hler heute\u00a0 wieder da sei und man lud ihn ein, in andere D&#246;rfer zu kommen, um die Bewohner\u00a0 mit seinen Worten in andere Welten zu f&#252;hren.<br \/>\n\u201eWarum nicht\u201c, dachte er bei sich, denn inzwischen kannte er schon beinahe so viele Geschichten, wie er B&#252;cher gehabt hatte. Manchmal erfand er sogar neue, sie kamen ihm einfach von ganz alleine in den Sinn. Es schien, als sprudele eine lebhafte Quelle in seinem Inneren,\u00a0 wenn er nur still genug lauschte.<br \/>\nEs vergingen viele Jahre, in denen der Gelehrte, der inzwischen ein\u00a0 Geschichtenerz&#228;hler war, durch das Land zog und seine M&#228;rchen erz&#228;hlte.\u00a0 Das kleine schmale Buch brauchte er schon lange nicht mehr, aber von all seinen B&#252;chern, war es ihm das Liebste geworden und er trug es stets bei sich. Es erinnerte ihn\u00a0 daran, dass ein Schatz an Wissen nicht einhergeht mit der Anzahl der\u00a0 B&#252;cher, die man gelesen hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Geschichte liebe ich sehr. Eigentlich hei&#223;t sie &#8222;Der Geschichtenerz&#228;hler&#8220;, nur gibt es unter diesem Namen im HYPS-Blog schon eine Geschichte. So habe ich mir mit einem anderen Titel beholfen und hoffe, es ist recht. 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