{"id":2276,"date":"2012-12-31T10:49:35","date_gmt":"2012-12-31T10:49:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/?p=2276"},"modified":"2012-12-18T11:03:06","modified_gmt":"2012-12-18T11:03:06","slug":"wie-man-einen-acker-bestellt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/2012\/12\/31\/2276\/","title":{"rendered":"Wie man einen Acker bestellt"},"content":{"rendered":"<p>Einige Gedanken zum ausklingenden und zum neuen Jahr m&#246;chte ich gerne mit euch teilen&#8230;<\/p>\n<p>Das alte Jahr geht zu Ende. Ein neues Jahr liegt vor uns wie ein Acker. Ungepfl&#252;gt und unbestellt darauf wartet es darauf, beackert zu werden. Ich stelle mir vor, dass an uns liegt, die vor uns liegende Zeit zu bestellen wie ein Feld, so dass sie Fr&#252;chte tr&#228;gt \u2013 Fr&#252;chte des Erfolgs, des Gl&#252;cks, der Liebe, Fr&#252;chte eines gelingenden Lebens. Ich stelle mir vor, dass es unsere Aufgabe ist, die Scholle zu wenden, unsere Saat zu s&#228;en und die Ernte einzubringen. Es gibt verschiedene Stile, so einen Acker zu bestellen. Man kann ihn tief oder flach pfl&#252;gen, im Herbst, im Winter oder Fr&#252;hjahr, mit vielen oder wenigen Pflugscharen dr&#252;ber fahren oder ihn mit ganz anders geformten modernen Ger&#228;tschaften bearbeiten. Wer den Fortschritt ablehnt, muss einen Ochsen anschirren oder sich selber vorspannen, wobei entsprechend leichtes Ger&#228;t zu empfehlen w&#228;re. Man k&#246;nnte auch hingehen und sagen: Das letzte Jahr hat\u2019s mir den Raps und die Gerste verhagelt. Wer wei&#223;, ob sich die Arbeit lohnt? Vielleicht hagelt\u2019s wieder, oder es verregnet mir die Ernte. Ich pfl&#252;ge dies\u2019 Jahr mal nicht. Da hab ich weniger Arbeit. Ich s&#228;e die Frucht gleich in die Disteln und Dornen und was dann aufgeht, das ernte ich dann eben.<br \/>\nW&#252;rdet ihr das machen? Wahrscheinlich nicht! Wer w&#228;re denn so doof, ein Feld zu bestellen und es nicht zu pfl&#252;gen? Wer w&#252;rde denn die Saat auf Disteln und Quecken zu streuen? Obwohl \u2013 man wei&#223; ja nie. Denn viele Menschen nehmen das Unkraut des alten Jahres mit ins neue Jahr und s&#228;en Neues dar&#252;ber, ohne noch einmal dr&#252;ber zu pfl&#252;gen. Die Verletzungen vom letzten Jahr lassen sie keimen und wachsen und Fr&#252;chte tragen. Den Streit von fr&#252;her lassen sie schwelen, anstatt f&#252;r eine Kl&#228;rung zu k&#228;mpfen. Die Vers&#228;umnisse, die Fehler \u2013 die lassen sie auf sich beruhen. Auch dann, wenn ein mutiges Wort, eine freundliche Geste den Weg zur Heilung ebnen k&#246;nnte. Ein Wort der Entschuldigung&#8230; eine Nachfrage: &#8222;Ist zwischen uns alles gekl&#228;rt?&#8220;, oder eine Bitte: &#8222;H&#246;r mir bitte nochmal in Ruhe zu!&#8220; &#8230; eine Forderung: &#8222;Ich muss da mit dir dr&#252;ber reden!&#8220;, eine Ansage: &#8222;Ich will mich mit dir vers&#246;hnen, aber erst muss ich dir sagen, was mich ge&#228;rgert hat.&#8220; Wo so etwas ausbleibt, werden Beziehungen gef&#228;hrdet. Die Gr&#252;nde, zu schweigen sind klar und verst&#228;ndlich: Denn das Alte nochmal umzupfl&#252;gen ist harte Arbeit. Oft genug muss der Stolz &#252;berwunden werden und die Angst vor eigenen Verletzungen. Und es bleibt die Frage: Wie kann man wissen, ob die M&#252;he sich lohnt?<br \/>\nSo s&#228;en viele auf ungepfl&#252;gte &#196;cker, auf die Disteln des gestrigen Tages, auf die Dornen des vorigen Jahres. Darauf s&#228;en sie das Gute, was sie zu geben haben, ihre Bem&#252;hung um Gerechtigkeit und Liebe. Sie s&#228;en gute K&#246;rner auf eine verletzte Beziehung, in den Schmerz und die Kr&#228;nkung, ohne zuerst den Acker in Ordnung zu bringen. Sie verstehen nicht, warum die gute Saat keine Frucht bringt. Immerhin, sie fahren die Saat noch aus. Es gibt andere, die einen Acker, der sie entt&#228;uscht hat, nie mehr bestellen. Das Unkraut des Anschweigens wuchert dort haushoch. Je h&#246;her es wuchert, desto unwirtschaftlicher scheint es, darauf noch einmal zu s&#228;en. Mit einem Acker geht man kaum so um, miteinander verfahren viele so. Man l&#228;sst das alte Unkraut wuchern, so dass nichts Neues wachsen kann. Aber der Boden muss bestellt werden damit Beziehungen gedeihen. Kr&#228;nkungen m&#252;ssen zum Guten gewendet werden. Harte Positionen m&#252;ssen gelockert werden. Alles Schmollen bringt nichts. Den Trotz muss man selber umwenden, damit auf seiner R&#252;ckseite etwas Neues gedeihen kann. Es tut weh, denn noch einmal sp&#252;rt man die Verletzung. Nur: Das Schweigen muss gebrochen werden, sonst kann nichts Gutes wachsen. Wer Recht hat oder Unrecht &#8211; ist das die Frage? Recht haben ist belanglos im Verh&#228;ltnis zu dem Leid, was dieses Schweigen anrichtet. Was z&#228;hlt ist, was heilt. Also geht es doch darum, ob man sich in die Position des anderen hineinversetzt oder es wenigstens versucht, ins Gespr&#228;ch zu kommen und eine neue Sicht zu gewinnen. Diese Art von Arbeit ist hart, und der Ertrag ist so unsicher wie jede Ernte. Und trotzdem: Wer seine Liebe auf fruchtbaren Boden fallen lassen will, muss den harten Boden vergangener Entt&#228;uschungen neu umbrechen und dann von neuem seine Saat ausstreuen. Vor langer Zeit, vor zweieinhalbtausend Jahren, hatte ein Prophet namens Jeremia solche Gedanken. In seinen Worten hat er es so ausgedr&#252;ckt: \u201ePfl&#252;get ein Neues, und s&#228;et nicht unter die Dornen!\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einige Gedanken zum ausklingenden und zum neuen Jahr m&#246;chte ich gerne mit euch teilen&#8230; Das alte Jahr geht zu Ende. Ein neues Jahr liegt vor uns wie ein Acker. Ungepfl&#252;gt und unbestellt darauf wartet es darauf, beackert zu werden. 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