{"id":2029,"date":"2012-03-12T11:13:56","date_gmt":"2012-03-12T11:13:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/?p=2029"},"modified":"2012-03-12T11:20:23","modified_gmt":"2012-03-12T11:20:23","slug":"wie-verwendet-man-metaphern-in-der-therapie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/2012\/03\/12\/2029\/","title":{"rendered":"Wie nutzt man Metaphern in der Therapie?"},"content":{"rendered":"<p>Gerade eben ist beim Carl-Auer-Verlag das &#8222;<a title=\"Zum &quot;Lexikon des systemischen Arbeitens&quot;\" href=\"http:\/\/www.carl-auer.de\/programm\/978-3-89670-827-4\" target=\"_blank\">Lexikon des Systemischen Arbeitens<\/a>&#8220; erschienen, von dem ich im Blog am 28. Februar erz&#228;hlt habe. Es ist sch&#246;n geworden; heute habe ich das erste Exemplar in den H&#228;nden gehalten. 141 Schlagworter sind auf 507 Seiten von &#252;ber 90 Autoren bearbeitet worden. Neben dem neulich zitierten Artikel &#252;ber &#8222;Utilisation&#8220; habe ich auch die Erkl&#228;rung des Begriffs &#8222;Metapher&#8220; beigetragen. Ich m&#246;chte hier &#8211; in gek&#252;rzter und vereinfachter Form etwas von dem Artikel wiedergeben. Vielleicht macht es dem einen oder anderen Appetit, sich das Buch anzuschauen oder auch anzuschaffen.<\/p>\n<p title=\"Zum Buch &quot;Der Grashalm in der W&#252;ste&quot;\">Das Wort &#8222;Metapher&#8220; stammt aus der antiken Rhetorik und bezeichnet den Gebrauch eines Begriffs\u00a0 f&#252;r einen Sachverhalt aus einem anderen als dem w&#246;rtlich damit benannten Kontext. Zwischen den Strukturen der angesprochenen Situation und des herangezogenen Begriffs eines anderen Erfahrungsbereichs wird eine Analogie hergestellt, ohne dass die &#252;bereinstimmenden Elemente genau benannt w&#252;rden.<br \/>\nIn der systemischen Beratung wird Metapher oft in einem weiteren Sinn gebraucht f&#252;r komplexe Sprachbilder wie Gleichnisse und Fabeln und f&#252;r ganze Begriffsfelder (\u201emetaphorische Konzepte\u201c). Die klassische Abgrenzung zwischen Metaphern und Begriffen wie \u201eSymbol\u201c,\u00a0 \u201eAllegorie\u201c, \u201eMetonymie\u201c und \u201eParabel\u201c wird hier vielfach aufgegeben. Der therapeutische Gebrauch von Metapher ist beeinflusst durch die Auseinandersetzung mit Paul Watzlawick, Milton Erickson (rezipiert v. a. in Hypnosystemik, Hypnotherapie und NLP), orientalisch-weisheitlicher Erz&#228;hlkunst und M&#228;rchen.<br \/>\nMethodisch ist zu unterscheiden zwischen der Nutzung von Metaphern, die die Klienten einbringen und der Entwicklung von Metaphern durch die Beratenden.<br \/>\nRessourcenorientierte Metaphern der Klienten k&#246;nnen durch systemische Fragen bearbeitet werden: \u201eWie weit ist denn Ihr \u201aLicht am Ende des Tunnels\u2018 noch entfernt? Wie n&#228;hern Sie sich ihm? Wann k&#246;nnten Sie dort sein?\u201c Problem-Metaphern (defizitorientierte Bilder) werden nach Regel-, Ausnahme- oder Trickfilmlogik zu L&#246;sungs-Metaphern (ressourcenorientierten Bildern) umgedeutet. Diese Umdeutung erfolgt auf der Bildebene, innerhalb der w&#246;rtlich genommenen Metapher. Nach Regellogik werden die fest vorauszusetzenden Ressourcen des vom Klienten angebotenen Bildes ausgelotet: \u201eSie sind \u201agefangen\u2018, sagen Sie. Was meinen Sie, wie lange m&#252;ssen Sie noch sitzen, bei guter F&#252;hrung? Was k&#246;nnte zu einem Freispruch oder einer Haftumwandlung f&#252;hren?\u201c Nach Ausnahmelogik werden innerhalb des Bildes n&#252;tzliche Sonderf&#228;lle gesucht: \u201eIn unserem Gef&#228;ngnis sind einmal zwei ausgebrochen, mit Loch in der Mauer und Bettlaken. Die hat man nie wieder gefunden.\u201c Nach Trickfilmlogik kann das Bild frei ver&#228;ndert werden: \u201eGenau genommen sind nicht Sie in einem Gef&#228;ngnis, sondern das Gef&#228;ngnis ist ein Film in Ihrem Kopf. Das hei&#223;t, Ihr innerer Regisseur kann den Film auch &#228;ndern. Woraus sind bisher die Mauern und woraus h&#228;tten Sie sie gerne? Wo m&#246;chten Sie die Schl&#252;ssel haben?\u201c Das ver&#228;nderte Bild schafft ein ver&#228;ndertes Erleben und Verhalten in der Situation, die die Metapher kommentiert. Die auf der Bildebene neu erm&#246;glichte Haltung gegen&#252;ber der erlebten Realit&#228;t wird durch zirkul&#228;res Fragen gefestigt: \u201eWenn Sie sich jetzt drau&#223;en vor der Haftanstalt sehen, welchen Unterschied macht das f&#252;r Ihr Erleben?\u201c<br \/>\nIm Vergleich zu Beispielgeschichten (wie Berichten von L&#246;sungen anderer Klienten) erfordern metaphorische Sprachbilder beim Klienten eine gr&#246;&#223;ere Transferleistung, da ein komplexes Geflecht sinnbildlich dargestellter Problem- und L&#246;sungsaspekte mit den Gegebenheiten des real erlebten \u201eProblems\u201c und seiner unentdeckten L&#246;sungspotentiale abzugleichen ist. Das hei&#223;t, \u201edie Beziehung zwischen Utilisation und Metapher [ist] grundlegend: Eine wirksame therapeutische Metapher muss aus der Vielfalt an Informationen und Verhaltensweisen herausgearbeitet werden, die [der Klient] bewusst und unbewusst anbietet\u201c (<a title=\"Zum Buch &quot;Therapeutische Metaphern&quot;\" href=\"http:\/\/www.carl-auer.de\/programm\/978-3-89670-804-5\" target=\"_blank\">Mills, Crowley 1998, Therapeutische Metaphern<\/a>, S. 66, vgl. <a title=\"Zum &quot;Handbuch der therapeutischen Utilisation&quot;\" href=\"http:\/\/www.klett-cotta.de\/buch\/Systemische_Therapie\/Handbuch_der_therapeutischen_Utilisation\/14065\" target=\"_blank\">Hammel 2011, Handbuch der therapeutischen Utilisation<\/a>, S. 259f.).\u00a0 Metaphorische Geschichten k&#246;nnen als inszenierte Tr&#228;ume verstanden werden, in denen Ressourcen versinnbildlicht entdeckt und entwickelt werden. Der Transfer in die Lebenswelt des Klienten erfolgt gro&#223;enteils unbewusst. Umgangen werden Unterbrechungen des kreativen Suchprozesses durch Restriktionen im bewussten Denken (Skepsis, gedankliche Tabus, \u201eJa-aber\u201c-Haltung). Die L&#246;sungsfindung findet \u201eeinen Schritt versetzt\u201c vom Problem statt (<a title=\"Zum Buch &quot;Die Weisheit des Unbewussten&quot;\" href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Weisheit-Unbewu%C3%9Ften-Hypnotherapeutische-Lektionen-Erickson\/dp\/3927809438\" target=\"_blank\">Zeig, 1995, Die Weisheit des Unbewussten<\/a>, S. 89, vgl. <a title=\"Zum &quot;Handbook of Hyponotic Suggestions and Metaphors&quot;\" href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Handbook-Hypnotic-Suggestions-Metaphors-Corydon\/dp\/039370095X\" target=\"_blank\">Hammond 1990, Handbook<\/a>, S. 36ff., ), in einem stressfrei erlebten Bereich, der als Modell des vom Klienten geschilderten Problems fungiert.<br \/>\nZu unterscheiden sind metaphorische Sprachbilder mit Handlung (Geschichten, Parabeln) und ohne Handlung (Beschreibungen, Aufz&#228;hlungen). Bei ersteren sind drei Grundformen zu unterscheiden:\u00a0 Positiv-, Negativ- und Suchmodelle. Positivmodelle sind Geschichten mit einem guten Ausgang, die den Weg vom Problem zur L&#246;sung versinnbildlichen. Zu beachten ist, dass dem Klienten gen&#252;gend Raum f&#252;r den Transfer bleibt, so dass die Geschichte nicht belehrend wirkt. Negativmodelle sind Modelle mit katastrophalem Ausgang. Zu vermeiden ist, dass die implizierte Warnung Abwehrstrategien des Klienten verst&#228;rkt und so das Ausgangsproblem verschlimmert. Suchmodelle sind vom Moment des R&#228;tselhaften dominiert. Sie erzeugen im besonderen Ma&#223; eine Fragehaltung, so dass der Klient sich vermehrt der Suche nach wirksamen L&#246;sungsans&#228;tzen widmet (<a title=\"Zum Buch &quot;Der Grashalm in der W&#252;ste&quot;\" href=\"http:\/\/www.stefanhammel.de\/das-halmbuch.html\" target=\"_blank\">Hammel 2006, Der Grashalm in der W&#252;ste<\/a>, <a title=\"Zum &quot;Handbuch des therapeutischen Erz&#228;hlens&quot;\" href=\"http:\/\/www.klett-cotta.de\/buch\/Kinder-_und_Jugendliche\/Handbuch_des_therapeutischen_Erzaehlens\/5767\" target=\"_blank\">Hammel 2009, Handbuch des therapeutischen Erz&#228;hlens<\/a>).<\/p>\n<p title=\"Zum Buch &quot;Der Grashalm in der W&#252;ste&quot;\">So viel zum Artikel &#8222;Metapher&#8220;! Ich habe mit viel Spa&#223; begonnen, im neu erschienenen Lexikon zu st&#246;bern und kann das Buch mit gutem Gewissen allen systemisch interessierten Lesern empfehlen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gerade eben ist beim Carl-Auer-Verlag das &#8222;Lexikon des Systemischen Arbeitens&#8220; erschienen, von dem ich im Blog am 28. Februar erz&#228;hlt habe. 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