{"id":2012,"date":"2012-02-28T13:00:23","date_gmt":"2012-02-28T13:00:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/?p=2012"},"modified":"2012-02-28T14:20:38","modified_gmt":"2012-02-28T14:20:38","slug":"buchtipp-lexikon-des-systemischen-arbeitens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/2012\/02\/28\/2012\/","title":{"rendered":"Buchtipp: Lexikon des systemischen Arbeitens"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Fr&#252;hjahr erscheint beim Carl-Auer-Systeme-Verlag das &#8222;Lexikon des systemischen Arbeitens&#8220;. Auf &#252;ber 500 Seiten nimmt dieses Grundlagenwerk die Grundbegriffe und das Selbstverst&#228;ndnis systemischer Beratungs- und Therapiearbeit einschlie&#223;lich hypno-systemischer Arbeitsformen unter die Lupe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die vollst&#228;ndigen biographischen Daten des Buches lauten:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a title=\"Zur Verlagsbeschreibung des &quot;Lexikon des systemischen Arbeitens&quot;\" href=\"http:\/\/www.carl-auer.de\/programm\/978-3-89670-827-4\" target=\"_blank\">Jan V. Wirth, H. Kleve (Hrsgg.): Lexikon des systemischen Arbeitens. Grundbegriffe der systemischen Praxis, Methodik und Theorie. Carl-Auer-Systeme, Heidelberg 2012<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe zwei Artikel zu dem Lexikon beigetragen, den Artikel &#8222;Metapher&#8220; und den Artikel &#8222;Utilisation&#8220;. Allen, die sich aus fachlichem und pers&#246;nlichem Interesse mit systemischer und hypnosystemischer Arbeit befassen, m&#246;chte ich gerne Appetit auf dieses Buch machen. Zu diesem Zweck m&#246;chte ich hier auszugsweise und leicht gek&#252;rzt den Artikel zum Begriff &#8222;Utilisation&#8220; wiedergeben. Was ist also Utilisation?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anders als das \u201eNutzen\u201c (lat. utor, engl. use im Unterschied zu utilize) einer Sache im &#252;blichen Sinne wird beim Utilisieren etwas augenscheinlich Nutzloses, Belangloses oder Sch&#228;dliches in einer Weise neu betrachtet, gestaltet oder gebraucht, dass ein vorher nicht vorhandener Nutzen f&#252;r den Klienten entsteht. Milton Erickson gebraucht den Begriff zun&#228;chst, um einen Grundsatz erfolgreicher Intervention bei der Arbeit mit Hypnose und in der Psychotherapie insgesamt zu beschreiben: \u201eDiese Methoden beruhen darauf, die eigenen Einstellungen, Empfindungen, Denk- und Verhaltensweisen der Versuchsperson zu nutzen; des weiteren wurden Aspekte der realen Situation &#8230; in verschiedenster Weise verwendet.\u201c Daraus ergibt sich: \u201eUtilisation ist die Haltung, jeder Eigenart des Klienten und seiner Lebenssituation mit Wertsch&#228;tzung zu begegnen und das jeweils Einzigartige daran f&#252;r die therapeutischen Ziele zu nutzen\u201c (<a title=\"Zum Handbuch der therapeutischen Utilisation\" href=\"http:\/\/www.klett-cotta.de\/buch\/Systemische_Therapie\/Handbuch_der_therapeutischen_Utilisation\/14065\">Hammel 2011, Handbuch der therapeutischen Utilisation<\/a>, S. 17).<br \/>\nDas Konzept der Utilisation beinhaltet, dass zentrale, markante, typische oder bisher wenig beachtete Elemente des Ausgangserlebens (h&#228;ufig Symptome, Problem- und Zielbeschreibungen im Klientensystem) vom Beratenden verbal oder nonverbal aufgegriffen und zu Ankn&#252;pfungspunkten f&#252;r den Aufbau eines Zielerlebens (etwa eines neuen Verhaltens) gemacht werden. Dahinter steht der Gedanke, dass auch ein als \u201eProblem\u201c beschriebenes Verhalten und Erleben von Pers&#246;nlichkeitsanteilen bzw. Tendenzen im System erzeugt wird, die \u201en&#252;tzliche\u201c (also f&#252;r den Klienten oder das Klientensystem wertvolle) Intentionen verfolgen, auch wenn das Ergebnis als belastend erlebt wird. \u201eParadoxerweise kann Akzeptanz als bezwingende Kraft f&#252;r die Ver&#228;nderung genutzt werden\u2026 Anstatt die Patienten einer Konfrontation auszusetzen, indem ihnen gesagt wird, dass sie fehlerhafte Aspekte ihrer selbst ver&#228;ndern m&#252;ssen, versucht man mehr und mehr zu evozieren, wer sie sind und was sie tun. Wenn man Patienten dazu einl&#228;dt, in &#220;bereinstimmung mit ihrer eigenen Konstitution zu handeln, \u2026 verringert sich nicht nur der Widerstand gegen die Therapie, sondern\u2026 der Ort der Ver&#228;nderung wird dorthin platziert, wo er hingeh&#246;rt, \u2026 in den Patienten.\u201c (Short, Weinspach, Hoffnung und Resilienz, S. 242f.).<br \/>\nViele klassische systemische Techniken sind Utilisationstechniken. Grundformen der Utilisation sind:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211;\u00a0\u00a0 \u00a0Einfache Bindung und Doppelbindung (Einfache und Doppelte Kopplung), also das Verkn&#252;pfen von einem bzw. mehreren Elementen der Ausgangssituation (oder der Ziele des Klienten) mit positiven oder negativen Werten des Klienten, um eine Suche nach Neubewertungen seiner Denk- und Handlungsoptionen zu initiieren und innerhalb seines Wertesystems neue L&#246;sungen attraktiv zu machen<br \/>\n&#8211;\u00a0\u00a0 \u00a0Realistische oder irreale (also absurde oder trickfilmartig visualisierte) Umdeutung (Reframing), etwa das Aufgreifen und W&#246;rtlich-nehmen von Metaphern des Klienten f&#252;r sein Problem und das Entdecken der darin implizierten Ressourcen f&#252;r die reale Situation<br \/>\n&#8211;\u00a0\u00a0 \u00a0Paradoxe Intervention, etwa in Form von Unterst&#252;tzung f&#252;r das Beibehalten des Symptoms, f&#252;r Symptomverst&#228;rkung, zeitliche, r&#228;umliche oder kontextuelle Symptomverschiebung, Ritualisierung, Rhythmisierung oder Ablaufs-Umkehrung von Symptomen oder Wetten gegen den Verlust von Symptomen<br \/>\n&#8211;\u00a0\u00a0 \u00a0auf dem Gemeinschaftserleben (Rapport) von Therapeut und Klient basierende Methoden wie Spiegeltechniken, das Mitvollziehen und Ver&#228;ndern (Pacing und Leading) von Elementen des Ausgangserlebens sowie Strategien der Delegation, also etwa das Besetzen der Rolle des Symptomtr&#228;gers durch den Therapeuten,<br \/>\n&#8211;\u00a0\u00a0 \u00a0Externalisierung, Visualisierung und bildhafte Umgestaltung von Problemaspekten und Ressourcen<br \/>\n&#8211;\u00a0\u00a0 \u00a0Gebrauch von Landschaftselementen, Gegenst&#228;nden und zuf&#228;lligen Ereignissen zur Zeit der Beratung. Diese dienen als metaphorische Angebote zur Deutung der Ausgangs- oder Zielsituation des Klienten (als Symbol, Omen oder Beispiel f&#252;r L&#246;sungsm&#246;glichkeiten), als Musterunterbrechung (zur Defokussierung vom Problemverhalten und zum Erzeugen einer Suchhaltung) oder als Anker (vereinbarter Ausl&#246;ser zur Reaktualisierung eines Zielerlebens im Kontext des \u201eProblems\u201c).<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Utilisation bedeutet vor allem, positive und negative Werte des Klienten f&#252;r dessen Ziele zu nutzen: \u201eFinde heraus, wo der Patient &#252;ber Ressourcen verf&#252;gt. Erkenne, was er mag und was er &#252;berhaupt nicht sch&#228;tzt. Entfalte die Ressource, indem du die Werte des Patienten nutzt. Verbinde die entfaltete Ressource mit dem Problem. [Das geschieht\u2026] entweder direkt oder indirekt, in kleinen Schritten, und zwar, indem man Vertrauen schafft, eine Beziehung herstellt, Motivation aufbaut und die Reaktionsbereitschaft steuert. [\u2026 Lass den] Patienten etwas tun. Therapeutische Handlungen m&#252;ssen f&#252;r den Patienten und dessen Werte von Bedeutung sein. Jedes Verhalten, selbst Widerstand, kann akzeptiert und therapeutisch genutzt werden. Und jeder Aspekt des Kontextes kann akzeptiert und therapeutisch nutzbar gemacht werden. Dramatische Inszenierungen k&#246;nnen helfen, die Reaktionsbereitschaft auf Anweisungen zu steigern. Wenn man Ideen s&#228;t, bevor man sie direkt pr&#228;sentiert, werden sie eher akzeptiert und umgesetzt. Das Timing ist von zentraler Wichtigkeit. Zum Therapieproze&#223; geh&#246;ren Pacing, Musterunterbrechung und das Aufbauen von Mustern. Widerstand entsteht oft dann, wenn man auf diese Prozesse nicht gen&#252;gend Sorgfalt verwendet. Der Therapeut (und der Patient) muss eine Erwartungshaltung haben. F&#252;hre die Intervention konsequent durch und kontrolliere den Erfolg\u201c (Zeig 1995, Die Weisheit des Unbewussten, S. 62, gek&#252;rzt).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesem Fr&#252;hjahr erscheint beim Carl-Auer-Systeme-Verlag das &#8222;Lexikon des systemischen Arbeitens&#8220;. Auf &#252;ber 500 Seiten nimmt dieses Grundlagenwerk die Grundbegriffe und das Selbstverst&#228;ndnis systemischer Beratungs- und Therapiearbeit einschlie&#223;lich hypno-systemischer Arbeitsformen unter die Lupe. 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