{"id":1675,"date":"2011-03-10T14:56:34","date_gmt":"2011-03-10T14:56:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/?p=1675"},"modified":"2011-10-19T12:23:47","modified_gmt":"2011-10-19T12:23:47","slug":"das-leben-entschlammen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/2011\/03\/10\/1675\/","title":{"rendered":"Das Leben entschlammen"},"content":{"rendered":"<p>Letzte Woche hatte ich eine Frau in Therapie, mit der ich im letzten Jahr an der Aufl&#246;sung ihrer Depressionen gearbeitet hatte. Die letzen Monate war es ihr ausgezeichnet gegangen. Jetzt hatten famili&#228;re und berufliche Belastungen dazu gef&#252;hrt, dass sie wieder ganz im Sumpf des Ungl&#252;cklichseins steckte. Sie sa&#223; vor mir als ein H&#228;ufchen Elend, bewegte sich kaum und sprach ganz leise. Ihr Partner, der sie hergebracht hatte, sa&#223; ratlos neben ihr. &#8222;Wie kam denn das?&#8220; fragte ich. Sie erz&#228;hlte von ihrer Mutter, die nicht mehr mit ihr sprechen wollte, von Schwierigkeiten mit ihrer Tochter und davon, dass zuletzt der Hinweis eines Kunden, dass ihr Angebot &#8222;nicht das Richtige&#8220; f&#252;r ihn sei, gen&#252;gt habe, um sie ganz zusammenbrechen zu lassen. Die Kritik, die sie darin empfunden habe, erinnere sie an die Art, wie ihr Vater sie fr&#252;her kritisiert habe&#8230; Ich fragte die Frau, was ich f&#252;r Sie tun k&#246;nne, und sie antwortete, sie wisse es nicht. Was ihr Ziel sei? Das wisse sie auch nicht. Ob sie m&#246;chte, dass ich tue, was ich f&#252;r sie f&#252;r richtig halte? Ja, das sei gut, antwortete die Frau.<\/p>\n<p>So sagte ich zu ihr: <!--more-->&#8222;Mir scheint, da ist etwas aus Ihrer Kindheit in Ihre aktuelle Zeit hereingeschwappt. Als erstes machen wir mal einen Korken auf das Loch, wo dieser Schlamm herausgeschwappt ist. Wissen Sie, in der Schweiz gibt es manchmal solche Erdrutsche, oft am Ende des Winters, wenn der Schnee schmilzt und alles ganz matschig ist. Manchmal gibt es auch hochwasser, und die Fl&#252;sse tragen den Schlamm durch ein ganzes Tal. Wenn dann der Erdrutsch oder die Schlammflut zu Ende ist, machen sich die Schweizer an die Arbeit. Die sind f&#252;r sowas ausgef&#252;stet, die haben Ger&#228;tschaften und Aufr&#228;umtrupps, um ihr Land wieder in Ordnung zu bringen. Stellen Sie sich einmal vor, wie das aussieht, wenn Ihr Aufr&#228;umtrupp den ganzen Schlamm, der da in Ihren Alltag geschwappt ist, beseitigt. Wie machen die das? Haben die Wasserschl&#228;uche oder leiten die einen Bach um?&#8220; &#8222;Ja, die haben Schl&#228;uche. Damit machen die das sauber.&#8220; &#8222;Gucken Sie mal, wie sorgf&#228;ltig und akkurat die arbeiten. Wo sp&#252;len die denn den ganzen Schlamm hin?&#8220; &#8222;Da hinten ist ein Loch, wie so eine H&#246;hle, da sp&#252;len die das rein.&#8220; &#8222;Ja, und da flie&#223;t das auch alles ab, und ist weg, oder?&#8220;`&#8220;Ja.&#8220; &#8222;Ich glaube, da gibt es zwei Trupps: Einen f&#252;r das Entschlammen und den anderen f&#252;r die Feinheiten. Damit das wieder richtig gl&#228;nzt. Gucken Sie mal, wie der zweite Trupp arbeitet, der da hinterherkommt. Wie der die Farben wieder rausbringt.&#8220; &#8222;Das ist sch&#246;n.&#8220; &#8222;Das wird wieder richtig bunt hier. Die machen das gut!&#8220; &#8222;Wie weit ist denn der erste Trupp mit seiner Arbeit?&#8220; &#8222;Na, die haben schon noch was zu tun. Die haben jetzt vielleicht drei Viertel entschlammt.&#8220; &#8222;Ja, die arbeiten jetzt weiter, w&#228;hrend wir uns etwas anderem zuwenden, und nachher gucken wir wieder, wie weit die inzwischen sind.&#8220;<\/p>\n<p>Ich machte einige andere &#220;bungen mit ihr. Zum Beispiel lie&#223; ich sie sich vorstellen, dass sie alles, was sie belastete, in einem Korb sammelte. &#8222;Wie voll ist der jetzt?&#8220; &#8222;Der quillt &#252;ber. Das passt gar nicht alles rein.&#8220; &#8222;Machen Sie den Korb so gro&#223;, bis es reinpasst. Das hier ist Kopfkino. Was machen wir jetzt damit? Bringen wir es zum Wertstoffhof oder in die Vergangenheit, aus der es stammt?&#8220; &#8222;Nein.&#8220; &#8222;Wo m&#246;chten Sie es denn gerne hintun?&#8220; &#8222;In das Loch.&#8220; &#8222;Ah, Sie meinen, wo der Schlamm reingesp&#252;lt wird?&#8220; &#8222;Ja, dahin.&#8220; &#8222;Das ist eine gute Idee. Da passt das ja ausgezeichnet hin. Schauen Sie mal, wie die Einsatzkr&#228;fte das wegsp&#252;len.&#8220;<\/p>\n<p>Ich spielte dann noch <a title=\"Zu &quot;Der Platz neben dir&quot;\" href=\"http:\/\/www.stefanhammel.de\/blog\/2008\/12\/18\/778\/\" target=\"_blank\">&#8222;Der Platz neben dir&#8220;<\/a> mit ihr, nur dass ich als Zweit-Pers&#246;nlichkeit von ihr die Frau auf den Platz neben sie setzte, die sie sein wird, wenn sie in einiger Zeit gl&#252;cklicher sein wird, als sie es jetzt noch f&#252;r m&#246;glich h&#228;lt. Ich bat sie, mir die Frau, die sie dann ist, genau zu beschreiben, ihren Atem, ihre Muskelspannung,\u00a0 ihre K&#246;rperhaltung, ihre Stimme und ihre Emotionen zu beschreiben. Danach setzte ich sie auf den Platz, wo die von ihr beschriebene Zweit-Pers&#246;nlichkeit von sich gesessen hatte und lie&#223; sie nochmals beschreiben, wie es ist, auf deren Platz zu sitzen. Alles Positive verst&#228;rkte ich, alles eher Schw&#228;chende erkl&#228;rte ich als Einwurf von der Frau, als die sie eben noch auf einem anderen Platz gesessen hatte.<\/p>\n<p>&#8222;Wie weit sind denn jetzt die Einsatzkr&#228;fte?&#8220;, fragte ich. &#8222;Ziemlich weit. Die machen jetzt den Rest noch sauber.&#8220; &#8222;Dann kann ich Sie ja jetzt gehen lassen, oder?&#8220; &#8222;Ja, das k&#246;nnen sie.&#8220; Fr&#246;hlich lachend verlie&#223; sie mit ihrem Partner die Praxis.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letzte Woche hatte ich eine Frau in Therapie, mit der ich im letzten Jahr an der Aufl&#246;sung ihrer Depressionen gearbeitet hatte. Die letzen Monate war es ihr ausgezeichnet gegangen. 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